• Weihnachtskatze und andere Gesellen

    3 januari 2025, Island ⋅ ☁️ 1 °C

    Diesen Artikel habe ich ganz einfach mal gemopst.

    Weihnachten: eine Zeit der Lichter, der warmen Feuer, der Geschenke, der Familie, des leckeren Essens und... des Schreckens? In den meisten Teilen der Welt vielleicht nicht, aber in Island schon! Denn hier gibt es – anders als in den meisten anderen Ländern dieser Erde – Gryla und die Weihnachtsgesellen (Yule Lads), die manchmal auch als Weihnachtstrolle bezeichnet werden.

    Vielleicht ist „Schrecken“ eine leichte Übertreibung, aber das Konzept des Weihnachtsmanns in Island unterscheidet sich in der isländischen Folklore sehr von dem, das wir in den meisten westlichen Kulturen kennen und lieben. Anstatt sich einen fröhlichen bärtigen Mann in Rot und Weiß vorzustellen, handelt es sich bei den Weihnachtsmännern in Island um 13 dreckige Trolle, die von ihrer Mutter, einer kinderfressenden Riesin namens Gryla, angeführt werden.

    Viele glauben, dass sich diese skurrilen Versionen des Weihnachtsmanns die meiste Zeit des Jahres in der furchterregenden Lavafestung Dimmuborgir in der Region Myvatn im Norden Islands verstecken. Andere vermuten, dass sie einfach in einer unbekannten Bergregion leben. Vom 11. bis zum 24. Dezember brechen sie jedoch einer nach dem anderen auf, um 13 Tage lang ihr Unwesen zu treiben. Jeder von ihnen hat verschiedene Streiche auf Lager, die von schelmisch bis schrecklich reichen und die sie bis zum Ende der Weihnachtszeit im ganzen Land spielen.

    Die Weihnachtsgesellen mögen im Laufe der Jahre freundlicher geworden sein, aber ihre Mutter Gryla ist immer noch ein furchterregender Troll und gehört zu den ältesten Weihnachtstraditionen in Island.

    Die Riesin ist eine der bösartigsten Figuren der isländischen Folklore und noch immer werden den Kindern in der Weihnachtszeit Gruselgeschichten über sie erzählt. Es heißt, sie sammle das ganze Jahr über Gerüchte über Kinder auf der Insel, die sich schlecht benehmen, und wenn der Winter einbricht, macht sie sich auf den Weg, um sie einzufangen.

    Ihr Appetit auf das Fleisch unartiger Jugendlicher ist unersättlich, und jedes Jahr findet sie reichlich von ihrer Lieblingsernte. Sie sammelt sie in einem Sack und kocht sie in einem Topf zu einem riesigen Eintopf, der sie bis zum nächsten Winter versorgt.

    Die Traditionen um Gryla sagen viel über die isländische Folklore aus. Die Tatsache, dass sie eine Kinderfresserin war, die in der Weihnachtszeit Kinder aufsuchte, sendet eine ähnliche Botschaft aus wie der Weihnachtsmann, der Kohle bringt – nur mit etwas weniger Finesse. Die Botschaft an die Kinder ist laut und deutlich: Zeigt euch an Weihnachten von eurer besten Seite!

    Dass diese Botschaft so brutal überbracht wird, liegt vielleicht daran, dass die Winter in Island unglaublich gefährlich waren und viele ungehorsame Kinder, die in der Dunkelheit und im Schnee hinausgingen, nie wieder nach Hause kamen. Außerdem gab es eine Menge Arbeit, die vor Einbruch der Dunkelheit erledigt werden musste, was von allen Familienmitgliedern zusätzlichen Fleiß und Anstrengung erforderte.

    Jólakötturinn, auch Jólaköttur, oder ins Deutsche übertragen einfach „Weihnachtskatze“, hat so viel mit einem Schmusetier gemeinsam wie eine Zuckerstange mit einem Marterpfahl. Die Weihnachtskatze ist ein garstiges Biest, größer als eine normale Katze, und mit Appetit auf Menschenfleisch. Der Legende nach taucht sie zu Weihnachten auf und verspeist faule Menschen, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig zum Fest ihre Schafe zu scheren und die Wolle zu neuer Kleidung zu verarbeiten. Sicher vor der Weihnachtskatze sind daher nur Kinder und Erwachsene, die zu Weihnachten neue Kleidung tragen.

    Der Mythos der Jólakötturinn lässt sich daher als eine Aufforderung zum Fleiß verstehen und geht auf den überlebensnotwendigen Arbeitseifer in der rauen Natur Islands zurück. Als Mahnung an die Kinder, brav zu sein und sich an Weihnachten schick anzuziehen, taugt das unheimliche Miezekätzchen ebenfalls. Manche weihnachtsgestresste Eltern sollen der Jólakötturinn dafür sogar schon dankbar gewesen sein.

    Die ältesten schriftlichen Überlieferungen über die Weihnachtskatze stammen aus dem 19. Jahrhundert. Ob diese Schauergestalt schon davor in Island bekannt war, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Alle Zeugen wurden gefressen. Die Jólakötturinn gilt gemeinhin als das Haustier der Hexe Gryla, deren 13 Söhne, die Jólasveinar, zwischen Dezember und Januar ebenfalls ihr Unwesen treiben. Allerdings sind diese frechen Zwerge im Vergleich zu ihrem Haustier recht harmlos. Sie sind für Schabernack wie das Ausschlecken von Pfannen, das Klauen von Würstchen und das Knallen mit Türen bekannt. Auch über die Weihnachtskatze heißt es, dass sie manchmal „nur“ das Weihnachtsessen derer verschlingt, die keine neue Kleidung tragen. Auf diese Gnade verlassen sollten sich Isländer, weder die kleinen noch die großen, allerdings nicht. Die Weihnachtskatze ist ein echtes Biest – und Hunger hat sie immer.

    Hier mehr Info,wer sich gruseln möchte.

    Kurzer Film über die 13 Yulelads
    https://www.youtube.com/watch?v=OHwQv5hLfs8

    https://guidetoiceland.is/de/geschichte-und-kul…
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