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  • Day3

    Wir testen unsere Kinderkraxe

    June 16, 2019 in Italy ⋅ ⛅ 18 °C

    Guten Morgen tierische Almbewohner. Meine Freude über die Rindviecher hielt sich in Grenzen, denn die Herde hielt sich in dieser Nacht direkt vor dem Hotel auf und das Glockenläuten begleitete meine Schlaflosigkeit.

    Aber hey. Gute Laune, denn heute war Wandertag. Es war kein Lächeln, das ich dem Gesichtsausdruck meiner Frau entnahm. Und das obwohl wir Minuten zuvor für sie telefonisch noch einen Platz für einen Tagesausritt durch die Berge in der nächsten Woche reservieren konnten. Um sie überhaupt zum wandern zu bringen, erzählte ich ihr beim Frühstück, dass wir bepackt mit Kinderwagen, Kinderkraxe, Verpflegungsrucksack und natürlich aus Rücksicht und Liebe, die Gondel aufs Plateau nehmen werden und uns damit den Aufstieg ersparen.

    Denn dort oben könne man fast eben die Hütten für eine Einkehr erreichen. Aber nur fast. Der Notlüge am ersten und zum Glück einzigen heftigeren Anstieg nach Ankunft an der Bergstation überführt, drohte meine Frau mir nicht mit dem mildesten Mittel aller ehelichen Gemeinheiten, der Scheidung, sondern mit allerhand fieser Attacken unserer hoffentlich bis zum Scheidungstod endenden Ehe. Sie hasste wandern. Und überhaupt, „was findet man so toll daran einen Weg hoch und dann wieder runter zu gehen“. Josefine hörte die Flüche ihrer Mutter glücklicherweise nicht, da sie in der Kraxe auf meinem Rücken eingeschlafen war.

    Übrigens, für Berg- und Talfahrt zahlten wir dank Ermäßigung der Gästekarte nur 31 Euro, statt 34 Euro Normalpreis für zwei Erwachsene. Für Kleinkind und Kinderwagen wurde nichts berechnet, Ja, man kann den Weg natürlich auch von Beginn rauflaufen, aber nicht wir. Begründung s. Satz 6 ff. dieses Tagesberichts.

    Auf dem Weg zur Waidmannalm betteten wir das Kind dann in den Kinderwagen um, da uns ihre Schlafposition in der Kraxe zu unbequem aussah. Aber an Weiterschlafen war nicht zu denken. Viel zu spannend waren die vorbeiziehenden Wandererinnen und Wanderer, nicht selten als Pärchen getarnt mit identischen Jack Wolfskin Outfit. Außerdem bot die Waidmannalm noch eine Schaukel und eine Slackline an. Ersteres musste mit Mama natürlich ausgiebig getestet werden.

    Wir könnten relativ entspannt unser Getränk genießen, da unsere Tochter für ein paar Minuten mit Nachbars Pfiffi beschäftigt war. Nach unserer Rast entschieden wir uns nach einer kurzen Erkundung der Umgebung, parallel und unterhalb unseres Ankunftsweges wieder zurück zur Bergstation zu laufen. Die unbefestigten Wege schüttelten den Kinderwagen und damit auch Josefine wieder in den Schlaf. An der Bergstation brauchte meine Frau noch etwas Action, also rauf bzw. runter ging es mit der Bobbahn.

    Zurück im Hotel bestellten wir uns erst einmal ein Schnitzel und eine Lasagne. Wir hatten Hunger bis unter beide Arme. Doch lange konnten wir es nicht auf der Hotelterrasse aushalten. Unser Kind quengelte und quengelte und es half nur noch ein „kurzer“ dreistündiger Nachmittagsschlaf bis 18 Uhr. Während meine Eltern den Wellnesstempel genossen, galt unsere Aufmerksamkeit unserer Tochter, die natürlich nicht lange beim Abendessen im Restaurant zu halten war, sondern momentan häufig lautstark und quengelig ihre Willen durchsetzen musste.

    Fazit: Eltern und Großeltern wechselten sich ab, um das Kind im hoteleigenen Spielzimmer zu belassen, bevor es dann gegen 22 Uhr ins Bett ging. Und zwar alle.
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