Loveland Pass
April 15 in the United States ⋅ ☁️ -8 °C
Nach einem leckeren Frühstück im Hotel Windsor ging es schon kurz nach 6 los – unsere inneren Uhren waren noch komplett auf Deutschland eingestellt. Die Straßen waren leer, die Luft klar, und wir hatten genau das richtige Timing, um die Rockies in aller Ruhe zu erleben. Unser Plan: nicht einfach durch den Tunnel, sondern über den Loveland Pass.
Zunächst sind wir über den US Highway 6 gefahren – eine der längsten historischen Straßen der USA, die sich eigentlich von Massachusetts bis nach Kalifornien zieht. In diesem Abschnitt ist sie deutlich ruhiger als die Interstate und führt einen langsam und stetig in die Berge hinein. Man fährt durch kleine Täler, vorbei an Flüssen und ersten schneebedeckten Hängen, immer mit dem Gefühl, dass es gleich richtig hoch hinausgeht.
Irgendwann stößt man dann wieder auf die Interstate 70, die große Lebensader durch Colorado. Hier merkt man sofort den Unterschied – mehrere Spuren, mehr Verkehr, alles größer dimensioniert. Die I-70 ist eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen der USA und führt direkt auf den Eisenhower Tunnel zu, der heute den Großteil des Verkehrs unter dem Gebirge hindurchbringt.
Doch genau kurz vor diesem Tunnel sind wir wieder abgebogen – zurück auf die 6, hoch auf den Loveland Pass. Und ab da wurde es richtig spannend.
Mit jedem Meter Höhe wurde es winterlicher. Aus nassen Straßen wurde Schnee, aus grünen Hängen eine weiße Landschaft. Die Straße wurde schmaler, kurviger, ursprünglicher. Man merkt sofort: Das hier ist keine moderne Interstate mehr, sondern ein echter Gebirgspass. Die Schneedecke war bereits geschlossen, die Sicht wechselte ständig – und gleichzeitig öffneten sich immer wieder diese unglaublichen Ausblicke über die Rockies.
Oben angekommen auf 3.655 Metern, direkt an der Continental Divide, fühlt man sich fast ein bisschen wie auf dem Dach der Welt. Der Wind, die Weite, die Stille – und dieses kleine Schild, das zeigt, dass man gerade eine der großen Wasserscheiden des Kontinents überquert.
Was den Pass besonders macht, ist seine Geschichte. Lange bevor es Asphaltstraßen gab, war genau dieser Übergang eine der wenigen Möglichkeiten, die Front Range von Colorado in Richtung Westen zu überwinden. Im 19. Jahrhundert, zur Zeit des Silber- und Goldrausches, zogen Prospektoren, Händler und Siedler durch diese Berge – allerdings nicht exakt über die heutige Straße, sondern über nahegelegene Routen und einfache Trails. Es war eine raue, gefährliche Gegend: Wetterumschwünge, Lawinen und die Höhe selbst machten jede Überquerung zu einem echten Abenteuer.
Der Name „Loveland“ geht auf William A. H. Loveland zurück, einen Eisenbahnunternehmer und Politiker aus Colorado im 19. Jahrhundert. Er spielte eine wichtige Rolle beim Ausbau der Infrastruktur in der Region, insbesondere bei den Eisenbahnprojekten, die letztlich die wirtschaftliche Entwicklung Colorados ermöglichten. Sowohl der Pass als auch die Stadt Loveland tragen seinen Namen – ein klassisches Beispiel dafür, wie stark einzelne Pioniere diese Region geprägt haben.
Bevor der Eisenhower-Tunnel in den 1970er-Jahren eröffnet wurde, war der Loveland Pass tatsächlich die Hauptverbindung für Autos und Lastwagen durch diese Region. Gerade im Winter bedeutete das: Schneestürme, gesperrte Straßen und extrem schwierige Fahrbedingungen. Auch heute noch ist der Pass wichtig – vor allem für Gefahrguttransporte, die den Tunnel nicht nutzen dürfen. Deshalb sieht man immer wieder Trucks, die sich die Serpentinen hinaufkämpfen.
Und genau das macht die Fahrt heute so besonders: Während unten im Tunnel alles schnell und effizient ist, fährt man hier oben noch ein Stück echte Geschichte. Man spürt, wie herausfordernd diese Route früher gewesen sein muss – und gleichzeitig genießt man eine der spektakulärsten Straßen der Rockies.Read more


















