• Heringsimperium

    22 Mei, Iceland ⋅ ☀️ 7 °C

    Mehr oder weniger zufällig hielten wir in Siglufjördur (oder so ähnlich) an, um beim Bäcker was einzukaufen. Das kleine Örtchen animierte uns aber zum rumlaufen und zum Besuch des örtlichen Museums. Und das war richtig interessant: der Ort war einst das Zentrum der isländischen heringsverarbeitungsindustrie in Zusammenarbeit mit den Norwegern. Hier wurde fang um Fang angelandet und entweder zu Fischmehl und Öl oder in Salz, eingelegten Hering verarbeitet. Das war eine mächtige und wichtige Industrie für den isländischen Staat, teilweise machte der Fischfang 30 % des Bruttoinlandprodukt aus. Abrupt endete dies in den sechziger Jahren: man hatte es übertrieben und den Hering überfischt. All dies bringt an dieses Museum sehr anschaulich mit vielen Beispielen aus der Zeit nahe. Das Museum setzt aber auch den Herring Girls ein Denkmal:
    Das waren Tausende von saisonalen Arbeiterinnen, die vom späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Fischindustrie im Nordatlantik prägten. Sie folgten den wandernden Heringsflotten von Schottland und den Färöer-Inseln bis nach Island, um den Fang in rasantem Tempo auszunehmen, zu salzen und in Fässer zu verpacken.
    Diese Frauen waren das wirtschaftliche Rückgrat ganzer Küstenregionen und hinterließen ein bedeutendes historisches Erbe

    Bedeutung und Erbe
    * Finanzielle Unabhängigkeit: Da sie nach Akkord bezahlt wurden, verdienten die schnellsten Heringsmädchen oft mehr als die Männer an Land.
    * Pionierinnen der Frauenrechte: Ihr wirtschaftlicher Erfolg und die Bereitschaft, für bessere Löhne zu streiken, legten den Grundstein für die frühe Arbeiter- und Frauenrechtsbewegung in Ländern wie Island.
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