• Berg-Gedanken-Berge
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Wandertage

An open-ended adventure by Berg-Gedanken-Berge Read more
  • Breitenstein 1622m

    February 21, 2024 in Germany ⋅ ☁️ 8 °C

    Der Winter ist irgendwie kein gewohnter Winter, also könnte ich ja wieder die Wanderschuhe schnüren - mit Grödeln natürlich. Nachdem ich die Schneelage von Franken aus schwer einschätzen kann, wähle ich eine einfache Tour - den Breitenstein. Unten im Tal ist alles grün, die Sonne scheint. Als der Weg zum Pfad wird und man zum Wendelstein abzweigen kann, kommt auch der Schnee. Doch vorher nehme ich noch den Abzweig zu einer kleinen Kapelle, die ganz vorne auf einer Felsspitze steht. Zurück auf dem richtigen Weg schnalle ich dann doch lieber die Grödel an - es ist nämlich verdammt glatt da oben im Schatten morgens zwischen 9 und zehn Uhr. Der Weg im Schnee ist gut erkennbar, es geht über Felsen und hoch zu einer kleinen Hochebene, auf der eine Hütte steht - mit einem fantastischen Panorama im prallen Sonnenschein. Hinsetzen ist aber nicht, Tische und Bänke tragen eine Schneehaube. Ein weiterer Wanderer begegnet mir zu diesem Zeitpunkt, ansonsten bin ich einfach nur herrlich allein. Ab der Hütte wird es zugiger, der Wind eisiger. Schon aus der Entfernung sehe ich, welche fantastischen Formen die Natur am Gipfelkreuz geformt hat; ein Mensch könnte das nicht. Die feinen Eiszapfen glitzern in der Sonne, der Rundumblick ist wunderschön. Die Sonne taucht die anderen weißen Gipfel ins Licht wie als würden Scheinwerfer sie anstrahlen. Für die Vesper zieht es mir zu arg am Gipfel, ich gehe ein Stückchen herunter und mache auf einem Felsen in der Sonne Rast, sauge den Ausblick in mir auf. Noch immer bin ich alleine. Erst als ich schon wieder auf dem Abstieg bin, begegnen mir immer wieder Menschen. Manche fragen, wie die Verhältnisse sind wegen der Grödeln, andere sind verwundert, weil ich allein unterwegs bin. Vor lauter Begeisterung für diese schöne Tour hätte ich fast vergessen, den Wanderstein einer lieben Kollegin zu platzieren. Doch auch für ihn finde ich auf den zehn Kilometern mit 770hm in knapp vier Stunden noch ein Plätzchen.Read more

  • Hochgern 1742m

    January 30, 2024 in Germany ⋅ ⛅ 8 °C

    Eigentlich mag ich es nicht, mir Dinge für ein neues Jahr vorzunehmen, hab es auch noch nie gemacht. Doch für dieses Jahr habe ich mir ein Ziel gesetzt - im Schnitt einmal im Monat eine Bergtour zu machen. Weil ich mich dort wohlfühle, weil alles so klar und einfach erscheint im Angesicht der mächtigen Natur, weil ich dort loslassen kann, die Gedanken sortieren. Nachdem der Januar wettertechnisch schon so schön und ohne den üblich vielen Schnee war, dachte ich mir, ich könnte mit dem Vorsatz gleich mal anfangen. Um zu erkunden, wie hoch es denn gehen könnte, hab ich meinem liebevoll genannten "Wander-Senior" Hans geschrieben. Ihn hab ich vor zwei Jahren bei meiner ersten Grödeltour am Geigelstein kennengelernt. Seitdem haben wir den Kontakt nicht verloren und genießen bei (seltenen gemeinsamen) Wanderungen den Austausch zwischen Alt und etwas Jünger. Hans schlug den Hochgern vor - aber auf den nicht üblichen Wegen. Wie gut, denn am Hochgern war ich schon mal und irgendwie hatte er mich nicht so begeistert. Der Berg strafte mich an diesem Tag lügen. Und so trafen wir uns morgens am Parkplatz und ich stapfte, eher schnaufte, ihm hinterher. Zügig strebte Hans auf seinen Pfaden und über eine wahnsinnig steile Wiese mit den mahnenden Resten alter Bäume und wunderschönem Ausblick dem Hochgernhaus entgegen. Während ihm der Hang nichts auszumachen schien, schwitzte ich aus jedem Loch (und jetzt bin ich meist schon schneller als die angegebene Zeit) und hing immer ein paar Meter hinterher. Zu meiner Verteidigung: ich musste immer wieder schauen und fotografieren, die Momente aufsaugen. Und dennoch: Ich habe so einen Respekt vor Hans! Er ist da ein echtes Vorbild. Das Hochgernhaus steht schon im Sonnenschein, umgeben von ersten Schneeresten. Ein paar kehren am Hochweg schon ein, wir schauen, dass wir den Gipfel noch vor den Massen erreichen. Was uns gelingt. Nur eine Dame ist oben am Vormittag. Ich kann mich gar nicht sattsehen an glitzerndem Schnee, tiefblauem Himmel, unwahrscheinlicher Fernsicht, Sonnenstrahlen. Es ist erhaben. Immer wieder muss sich Hans mein begeistertes "Ist das schön!" anhören. Aber mein Herzs sprudelt über vor Freude. Ein gemeinsames Gipfelbild darf als Erinnerung nicht fehlen. Das übernimmt die freundliche Dame. Auf dem Rückweg begegnen uns immer wieder Bekannte von Hans, allen stellt er mich vor, alle plaudern nett. Man kommt mit den Leuten so leicht ins Gespräch. Am Hochgernhaus machen wir Station und ergattern einen Platz mit Aussicht in der Sonne. Wir essen, trinken und plaudern. Ewig hätte ich so sitzen können, doch irgendwann müssen wir beide heim. Zeit und Länge waren heute irgendwie egal, es war die Gemeinschaft zweier Bergverrückter, die gezählt hat.Read more

  • Sonnenaufgang am Berg

    October 7, 2022 in Austria ⋅ ☀️ 19 °C

    Es war schon lange mein Traum, einmal einen Sonnenaufgang am Berg zu erleben. Nachdem ich es mir allein nicht zutraute, habe ich ein paar Mal eine geführte Sonnenaufgangstour am Wilden Kaiser gebucht - stets erfolglos wegen Ausfalls wegen schlechten Wetters. Bei diesem Kurztrip im Herbst am Wilden Kaiser hatte ich das unendliche Glück, eine besondere Person dabei zu haben, zudem eine mit unglaublicher Bergerfahrung. Spontan entstand am Abend die Idee, es am nächsten Morgen mit dem Sonnenaufgang am Astberg zu versuchen. In der Dunkelheit sind wir aufgestanden und was ich sah, war nicht gut: eine Nebeldecke. Doch Jörg war optimistisch. Also stapften wir los mit unseren Stirnlampen und ich hetzte förmlich den steilen, aber kurzen Anstieg durch den Wald nach oben - in der Angst, den Sonnenaufgang zu verpassen. Während des Wegs flimmern plötzlich erste Sterne am Himmel. Meine Laune bessert sich schlagartig. Wie schön das aussieht - glitzernde Sterne über einem Nebelmeer. Rasch sind wir oben am Astbergsee - über den Wolken. Der Koasa ragt auf der anderen Seite empor. Doch wo kommt nun die Sonne? Da spitzt sie plötzlich hervor - direkt am Kitzbühler Horn. Das Bild, das sich vor uns auftut, ist magisch: ein sich langsam verfärbender Himmel, die am Horn emporkletternde Sonne, das weiß wabernde Nebelmeer, das das Tal verhüllt. Und das in den Armen dieses einen Menschen ... Ich schließe diese Momente in mein Herz und mein inneres Auge ein. Nie im Traum hätte ich mir das so schön vorgestellt. Worte reichen für das Erlebte nicht aus. Es ist ein frischer Morgen, im Spinnennetz glitzert der Tau. Der Koasa beginnt sich im Astbergsee zu spiegeln. Die Natur, ein einziges Wunder, das uns so klein erscheinen lässt.Read more

    Trip start
    October 7, 2022