Die Bauernburg Tartlau (Prejmer)
July 8 in Romania ⋅ ☁️ 20 °C
Eine Festung für ein ganzes Dorf
Heute zeigte sich das Wetter von seiner ruhigen Seite. Leichter Nieselregen und feuchte Luft begleiteten meinen Besuch der Bauernburg Tartlau (Prejmer). Gerade dieses Wetter verlieh der mächtigen Festungsanlage eine besondere Atmosphäre. Die dicken Mauern wirkten noch eindrucksvoller und liessen erahnen, wie sicher sich die Dorfbewohner hier einst gefühlt haben mussten.
Die Kirchenburg von Tartlau gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe und zählt zu den bedeutendsten Wehrkirchen Siebenbürgens. Erbaut wurde sie im frühen 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden und später von den Siebenbürger Sachsen ausgebaut und verstärkt. Ihre strategische Lage machte sie über Jahrhunderte hinweg zu einem wichtigen Verteidigungsbau gegen die zahlreichen Einfälle aus dem Osten.
Schon der Zugang vermittelt den wehrhaften Charakter der Anlage. Durch einen langen Torbogen gelangt man in den Innenhof, der vollständig von einer gewaltigen Ringmauer umschlossen wird. Diese ist stellenweise über zehn Meter hoch und mehrere Meter dick. Von aussen erscheint die Burg nahezu uneinnehmbar.
Im Inneren eröffnet sich jedoch eine ganz andere Welt. In den Mauern sind auf mehreren Stockwerken über 270 kleine Kammern eingebaut. Jede Familie des Dorfes besass hier ihren eigenen Raum. Während Belagerungen fanden die Bewohner mit ihren wichtigsten Habseligkeiten Schutz innerhalb der Burg. Die Kammern dienten als Schlafräume, Vorratslager und Werkstätten – eine kleine Stadt innerhalb der Festungsmauern. Enge Holztreppen und hölzerne Laubengänge verbinden die einzelnen Ebenen miteinander und verleihen der Anlage ihren einzigartigen Charakter.
Im Mittelpunkt steht die gotische Kirche mit ihrem schlichten, hellen Innenraum. Sie erinnert daran, dass die Kirchenburgen weit mehr waren als militärische Bauwerke. Sie waren das religiöse und gesellschaftliche Zentrum der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden und zugleich ein Symbol für ihren Gemeinschaftssinn.
Besonders beeindruckend ist die durchdachte Verteidigungsarchitektur. Schiessscharten, Wehrgänge und Wachräume zeigen, mit welchem Einfallsreichtum die Burg auf Angriffe vorbereitet war. Dennoch wirkt die Anlage heute keineswegs düster, sondern erstaunlich harmonisch. Die hell verputzten Mauern, die gepflegten Holzkonstruktionen und der ruhige Innenhof vermitteln eine Atmosphäre, die Geschichte lebendig werden lässt.
Auch wenn die Sonne heute kaum zu sehen war, wurde der Besuch der Bauernburg Tartlau zu einem besonderen Erlebnis. Das feuchte Wetter unterstrich die mittelalterliche Stimmung und machte den Rundgang durch dieses aussergewöhnliche UNESCO-Welterbe zu einer eindrucksvollen Reise in die Vergangenheit der Siebenbürger Sachsen.Read more
















