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  • Day24

    Unterwegs

    September 16, 2020 in Norway ⋅ 🌧 7 °C

    Es ist an sich nichts von Natur aus gut oder böse, besser oder schlechter, das wird es erst, weil wir es daraus machen. Und klar geht einem der ewige Regen durchaus auf dem Zeiger. Man sieht kaum etwas, kann nicht weit laufen und wird so oder so nass. Und nein, das liegt nicht an der Kleidung. Gegen fisselnden Küstenregen, der fast waagerecht kommt, hast du auf Dauer keine Chance. Der kommt überall hin, wenn er will. Und er will. Und klar kann man weiterfahren, dahin, wo der Wetterbericht Besseres verspricht. Man kann es aber auch aushalten und schauen, was draus wird. Denn nichts schwindelt so sehr wie der Wetterbericht. Rs hat ja auch etwas, wenn die Wolken die Berge zu hängen und Schleier von Regen übers Land schicken. Solange es hinterher immer wieder schön wird, ergeben sich oft schöne, spannende Aussichten. Die Wolken schmiegen sich um die Bergkuppen als wollten sie sie umarmen. Die Sonne kriecht wenig später wieder unter irgendeiner Wolkendecke hervor und verzaubert die herbstliche Landschaft mit gelben Leuchten. Und manchmal auch mit etwas schrillem Rot. Wasserfälle stürzen sich in die Tiefe als wollten sie Selbstmord begehen. Eine einsame Fischerhütte warten geduldig an der Shorline auf irgendetwas. Verlassene Holzboote decken sich mit langem Gras zu. Grad so als erwarten sie den Winter schon. Frühmorgens und nachmittags glätten sich die kleinen und grossen Seen für Spiegelungen. Ein Adler gleitet durch die Lüfte. Ein kleines flinkes Wiesel huscht über die algenbelegte Uferzone. Es regnet schon wieder, diesmal hinter uns. Im Gegenlicht sieht der Regen wie lange Bleistiftstriche aus, die irgendwer gerade in die Luft krakelt. Plötzlich spannt sich ein Regenbogen über die Strasse und den gelbbebaumten Hügel.
    Man möchte durchfahren und wieder zurück und lachen und sich viele Dinge wünschen. Im Gras im Wald findet sich das Fliegenpilzland. Die kleinen und grossen Rotschöpfe mit den weißen Tupfen fallen sofort auf. Unter jedem Pilz wohnt eine kleine Fee. Ganz sicher. Und ein Pilz ist angeknabbert. Wir kichern. Da hatte wer heute ganz sicher Spass. Fliegenpilze sind ja nicht für alle tödlich.
    Und so vergeht die Zeit dann doch wieder zu schnell für alle Vorhaben. Und wir wollen schon nach Hause fahren als wir am Strassenrand kleine und grosse Kunstwerke entdecken. Da hat wer aus Bojen und Seile tolle Werke erschaffen. Ich bin total begeistert. So viel Kreativität nach so einem beruhigten Tag, sehr schön. Mit fällt mein eigenes Winterprojekt ein. Stofftiere nähen, aus der Bekleidung von lieben Menschen, die schon über die Regenbogenbrücke gegangen sind. Jedes Stück eine bleibende Erinnerung. Ich hatte es schon wieder vergessen. Vielleicht hat der Regenbogen mich erinnert, oder der Fliegenpilz oder der beruhigte Tag, wer weiß das schon? Wichtig ist, dass sich der Bogen spannt, der Kreis schließt.
    Das tat es heute mit dem Fliegenpilz. Hier haben wir den ersten der Reise gesehen und nun die letzten. Hier hat es geregnet als wir losgefahren sind, hier regnet es nun wieder wenn wir bald abfahren. Hier blicken wir auf Tromsø wie am ersten Abend auch, bereit für Neues.
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