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  • Day23

    Abschied ist nicht immer leicht...

    September 15, 2020 in Norway ⋅ 🌧 7 °C

    Abschied ist nicht immer leicht, in vielerlei Hinsicht....
    In der Nacht ist der Sturm aufgefrischt. Hat sich aufgeblasen. Die Bäume biegen sich als tragen sie eine schwere Last. Der Regen fällt schräg über das Land und knallt seine fetten Tropfen krachend gegen die Scheiben. Durch die nicht ganz dichten Fenster surrt es pfeifend wie früher bei Omma, wenn der Wind von Osten kam und alles am alten Haus klapperte und jaulte. Ich checke mehrmals, ob der Flug in der Früh noch auf planmäßig steht. Es ist mir nicht vorstellbar, dass sich bei dem Wind ein Flieger in die Höhe schraubt.
    Der Wecker sollte um halb 5 klingeln, ich stehe schon eine viertel Stunde eher auf. Gepackt habe ich ja schon gestern. Ich muss mich nur anziehen und natürlich etwas waschen. Ein hastiger Tee muss reichen. I'm a little bit excited. Die Eignerin vom abnb hat das Taxi geordert und so warte ich zehn vor 5 mit gepackten Koffer, Fotorucksack und einer kleinen Tasche brav an der Tür. Von aussen. Es regnet in Strömen, es fegt noch immer als müsste der Wind einiges nachholen. Die Zeiger der Uhr bewegen sich gefühlt langsam. Es muss schon 5 sein. Sind aber nur 5 Minuten vergangen.
    Um 5 nach 5 stehe ich noch immer bestellt und nicht abgeholt. So langsam befällt mich eine unangenehme Ahnung. Ich wische sie weg, der Sturm soll sie mitnehmen. Die Unterkunft liegt ja etwas nach hinten versetzt, ich schleppe besser alles nach vorn zur Strasse. Da sieht mich der Taxifahrer besser.
    Würde er, wenn er denn käme.
    Kommt er aber nicht.
    Schei... ja also mistiger Mist.
    Was denn nun? In einer Stunde geht mein Flug.
    Ich google Taxi Tromsø. Finde einige. Anrufen geht zwar, aber der eine labert mir viel auf norwegisch zu, es ist ein Bandansage von der Länge eines Popsongs, beim anderen gibt es nicht mal ne Ansage. Zwei mal klingeln und aufgelegt.
    Es ist halb 6 Uhr in der Früh. Zwei Taxis fahren vorbei. Aber wir sind hier nicht in New York, ne. Da kann man nicht einfach ein Taxi anhalten. Das gat nüt.
    Ich fluche wie ein Rumpelstilzchen. Was natürlich nur bedingt hilft. Ich sehe meine beiden alten Hunde schon verständnislos am Tor der Pension stehen. Die wissen doch, dass ich heute komme. Na und Charlottchen erst. Den beiden kleinen Katzen ist es Wurst, die haben das Karzenhaus okupiert und feiern jeden Tag Ferienlager.
    Was mach ich denn nun?
    Ich will gerade etwas weinen, als halb sechs doch noch das Taxi erscheint. In aller Seelenruhe.
    Ich will dem Fahrer meine Meinung geigen, aber so was von und dann steht da ein feiner , alter Herr mit schlohweisem Haar und dem guten Sakko vor mir und lächelt charmant.
    Na klasse.
    Ich erkläre ihm artig, dass ich hurtig zum Flughafen müsse. Der Flieger gehe alsbald und außerdem, ich hätte doch das Taxi für um 5 bestellt.
    Ja und ja war die Antwort und wir tuckern gemütlich durch die morgendlichen nassen Strassen.
    .
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