• Reif für die Insel

    May 2 in Germany ⋅ 🌙 12 °C

    Es geht los. Um sechs bimmelt der Wecker. Schnell Kaffee in den Leib geschüttet und dann ab zur Bahn. Als wir auf den Bahnsteig kommen fährt unsere S-Bahn gerade ab. Vier Minuten früher als geplant. Yeah. Also neue Verbindung suchen, nochmal umsteigen und mit ach und krach schaffen wir es pünktlich am Bahnhof Altona aufs Gleis. Ein paar Sekunden später kommt ein Bahnmitarbeiter und informiert uns, dass der Zug nach Westerland ausfällt. Danke Merkel.
    Der Nächste fährt 30 Minuten später und ist natürlich knackig voll. Pünktlich um 8:32 Uhr MEZ fährt er los... nur um nach gefühlt 250 Meter wieder anzuhalten. Irgendwas mit anderen Zügen und Weichen. Alle 10 Minuten ertönt ein schriller Warnton und frisst sich ins Gehör. Wovor er warnt? Keine Ahnung. Die DB liefert mal wieder. In mir wächst der Wunsch wieder ein Auto zu haben. Auch Vandalismus ziehe ich in Betracht, aber erinnere mich an mein eigentliches Ziel: ich möchte spazieren gehen, über "Los" und meine "du kommst aus dem Gefängnis frei" Karten sind aufgebraucht. Also ruhig bleiben.
    Dann geht alles ohne Vorfälle weiter. Bis kurz vor Sylt. Da steigt der Zoll und ein macht so Zoll Dinge. Ich vermute das Koks wird aber per Privatjet auf die Insel gebracht.
    Irgendwann erreichen wir Westerland. Nichts wie raus aus dem Zug, rein in den Rewe, raus aus dem Rewe, rein in den Bus und weiter auf den nördlichen Teil der Insel. Von da aus geht zu Fuss weiter bis zum Trailhead des Nord Süd Trail. Ein paar Leute stehen drum rum und lesen das Schild. Sie sehen nicht aus, als wenn sie den Weg gehen wollen.
    Es ist 15 Uhr und seitdem wir aus den Haus sind acht Stunden vergangen. Na dann mal auf. Phoenix macht es sich in einem Strandkorb gemütlich und wird später mit dem Bus zurück fahren. Ich stapfe los. Der NST verläuft hier direkt am Strand und in dem weichen Sand geht doppelt viel Energie für jeden Schritt drauf. Ich denk mir nur "Uff. Das kann ja was werden." Zum Glück setzt die Ebbe ein und nach und nach legt sie einen Streifen nassen Sand frei, auf dem es sich ganz wunderbar gehen lässt. Der Strand ist menschenleer. Nur ein paar Vögel, die Brandung und der Wind. Ich komme gut voran und nach 11km erreiche ich Kampen. Hier verlässt der Weg den Strand und bahnt sich durch die Häuser der Schönen und Reichen bis zur Uwe Düne. Einen klasssischen Uwe (unten wirds eklig) kann ich zwar nach einem halben Tag nicht vorweisen, aber ich genieße die Aussicht über die Insel. In der Ferne sehe ich den hässlichen Fernsehturm von Westerland. Da gehts hin. Der Weg bahnt sich durch das Rote Cliff und es ist mal ein "echter" Wanderweg. Die letzten zwei Kilometer geht es auf einem Fahrradweg entlang und dann stehe ich schon auf dem Bahnhofsvorplatz wo Phoenix auf mich wartet. Wir schlendern durch die Innenstadt und kehren bei McDoof ein. Alles andere ist viel zu teuer oder sieht nach Tourinepp aus. Dann lieber was ehrliches. Westerland ist auch irgendwie abgerockt. Hier sind weniger Millionäre. Eher das gewöhnliche Volk und teilweise grausamste 70er Architektur schmücken das Stadtbild. Mir gibt das alles nichts. Nur die Dünenlandschaften mit den harten Gräsern und der Heide sind wirklich wunderschön.
    Nach dem Trash Buffet geht es in unsere Absteige, die aber tatsächlich von innen recht modern ist. Duschen, schlafen und morgen geht es weiter.
    23km in the Täsch.
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