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Nord Süd Trail Section Hike

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    Lektionen

    Yesterday in Germany ⋅ ☁️ 21 °C

    Liebes Tagebuch.
    Heute Nacht war ich ein Stein. Keine Ahnung ob Gewitter oder Regen war. Ich habe nichts mitbekommen. Das war wohl nötig.
    Als ich um halb sieben das Rollo hochfahren lasse bin ich erstaunt. Die Sonne scheint. Die Straße ist etwas nass. Voller Freude packe ich meine Sachen und los gehts.
    Etwa 2 Kilometer später erhalte ich meine erste Lektion. Wolken erscheinen und als ich über die erste Hügelkuppe komme sehe ich am Himmel eine gigantische Gewitterzelle. Ich Esel. Hätte ich mal Regenradar gecheckt. Das war auf meiner Tour doch recht zuverlässig. Oh man. Die nächste Hütte ist 3km weg. Das Gewitter hat Gut Geschwindigkeit drauf. Das schaffe ich niemals. Also zurück ins Dorf. Während ich mich umdrehe fallen auch schon die ersten dicken Tropfen. Der Schirm muss reichen. Hinter der ersten Kurve im Dorf finde ich meine Rettung: eine sehr große Bushaltestelle mit Bank. Also von der Größe her ist es schon fast ein Dorfgemeinschaftshaus. Na dann mal gucken was da so kommt. Und es ist einiges. Wind, Blitz, Donner, Regen. Zum Glück bin ich umgedreht. Aber wäre ich schlau gewesen hätte ich jetzt noch in meinem Bett vor fetten XXL Monsterglotze rumlümmeln können. Selber Schuld. Ja und so sitze ich da fast zwei Stunden, frühstücke und bestaune das Gewitter. Der längste Donner dauert genau 46 Sekunden. Dann habe ich aufgehört zu zählen. 😅
    Gegen zehn wird es etwas heller. Ich sehe meine Chance, aber dann kommt doch noch ne Ladung Regen runter. Also noch mal warten. Ich bin Schönwetterwanderer.
    Kurz nach zehn kann ich dann endlich los. Es ist schön kühl. Alles nass und saftig. Der Weg ist gnädig und führt mich erstmal nicht nur durch Wiesen sondern Richtung Schwarzbachschlucht. Nach 50km Westerwaldsteig nun endlich ein kleines Highlight. Die Schlucht ist wunderschön und ich hab sie für mich alleine. Leider ist sie nicht sehr lang... aber endlich Zeigt der Steig auch mal was er kann. Es geht endlich auch mal richtig rauf und runter. Neben ein paar Forststrassen gibt es auch jede Menge Single Trails. Alle schön zugewuchert und ich bin ständig damit beschäftigt Zecken von meinen Beinen und Schuhen zu schnipsen. Besonders an den Waldrändern sind sie heiss auf mein Blut. Apropos Wald. Westerwald. Der Weg geht gar nicht so viel durch den Wald. Eher durch Weiden und Wiesen. Aber wenn dann ist es eine Freude.
    Bei Westerburg lerne ich die nächste Lektion. Ich will gerade gucken wie ich zu einem Supermarkt komme und da dämmert es mir. Es ist Sonntag. Fickedifuck. Ich hab Hunger und brauche Futter. Keine Tankstellen etc in der Nähe. Na dann muss jetzt Rationiert werden bis morgen Mittag oder später... der Hiker Hunger wird eh langsam fies. Besonders, wenn man nicht genug Stoff hat. Ich ESEL!!! 🫏
    So gehe ich mit knurrenden Magen weiter. Für heute noch ein Riegel und hoffen, dass ich noch irgendwo was essen kann. Dann habe ich noch zwei Riegel und etwas Couscous für morgen. Und ein pappiges Brötchen.
    Natürlich denke ich jetzt nur noch an Essen. Etwas Ablenkung bekomme ich, als ich ein Storchennest sehe. Eine Bank steht in der Nähe und ich mach ein bisschen auf Ornitologe. Richtig süss wie die kleinen Schnäbel der Brut über den Rand des Nestes gucken. Mama und Papa Storch sind auch da und klappern einmal für mich. Danke. Tolle Show.
    Mein Magen knurrt. Wie war das nochmal mit "dem gebratenen Storch"? 😅 Weiter gehts durch Feld und Flur bis zu einem kleinen Biotop. Auch dort lasse ich mich kurz nieder und beobachte Schwäne, Nil- und Kanadagänse. Dazu der Nachwuchs der Stockenten.
    Da ich heute erst so spät starten konnte habe ich erst 27 Kilometer auf der Uhr. Was solls. Um die Ecke ist ein Campingplatz. Es gibt eine Gastro. Es ist kurz nach sechs. Was gibt es lange zu überlegen?
    Auf dem Platz geht der Punk ab. Heute ist hier Triathlon. Spitzensportler fetzen an mir vorbei während ich mein Zelt aufbaue. Zack zack und zur Wirtschaft. Pommes! Leider ist der Service völlig überfordert mit mehr als zwei Gästen. Bis ich ein Getränk habe dauert es 15 Minuten und jetzt bin ich fast fertig mit schreiben und habe noch nicht mal meine Fritten. Familie Ballerstraller darf natürlich auch nicht fehlen. Eine Fettfresse mit Böhse Onkelz Shirt faselt irgendwas von Linksradikalen. Linksradikale hier, Linksradikale da. Grüne, Linke blablabla. Du Hampelmann, der "Linksradikale" sitz vor dir. Also hat er ja auch irgendwo recht. 😅
    Bevor ich eskaliere lenkt seine "Schnuckelmaus" das Gespräch auf wer jetzt mit wem gebumst hat. Ist das peinlich. Aber auch lustig. Aber auch dumm. An ihrem Knöchel ein schäbig gestochenes Kleeblatt Tattoo. Aus ihren Gesprächen erfahre ich auch noch von ihrer Schildkröte "Rambo". Sie selbst nennt sich Königin. Heiliger Bimbam. Zum Glück will die Königin nach Hause. Also Fettfresse fahr deine Olle in ihr Schloss. Mittlerweile habe ich immerhin schon Besteck bekommen. Und meine dritte Lektion für heute: eine gute Pommes dauert 1 1/2 alkoholfreie Weizen.
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  • Endstation: Spielhalle

    May 30 in Germany ⋅ ☁️ 24 °C

    Liebes Tagebuch. Was war das denn bitte für eine Nacht? Das Gewitter kam nochmal kurz wieder, aber kein Vergleich zu dem was vorher abgegangen war. Nachdem es sich endgültig verzogen hatte dachte ich an etwas Schlaf. Es war schon Mitternacht. Ja nee. Alle Tiere des Waldes hatten sich wohl überlegt mich zu besuchen. Was ein Getöse. Dazu hämmerten Zapfen auf das Dach. Die Mäuse machten Party und ein Igel gab sich zu erkennen an seinem Geschnüffel und Geschmatze. Irgendwann war ich kurz eingeschlafen und wurde sofort durch ein Krachen aufgeweckt. Irgendwo auf der anderen Talseite hatte ein Baum den Abgang gemacht. Dann war irgendwann Ruhe. Aber mehr als drei Stunden Schlaf hatte ich nicht bekommen. Ich ignorierte den ersten Wecker... den zweiten auch. Kurz vor halb sieben schälte ich mich aus meinem Schlafsack. Es war (noch) wunderbar kühl und das Tal lag im Nebel. Völlig verschlafen machte ich mich auf den Weg... ja das war etwas zäh die ersten zwei Stunden. Nach einem Kaffee vom Bäcker wurde der Geist etwas lebendiger. Die Sonne war dabei ihr brutzliges Handwerk zu verrichten und knallte mir auf die Birne. Der Weg führte viel durch nasse Wiesen und meine "Stützstrümpfe" sogen sich voll und waren angenehm kühl. Meine Schuhe und Socken leider auch... Bei so viel Wiesen waren die lästigen Zecken natürlich nicht weit. Aber auch hier trumpften meine weissen Stützstrümpfe. Auf ihnen sieht man wirklich jedes kleine Mistvieh kriechen.
    Erneut wachgerüttelt wurde ich, als der Weg gerade in den Wald auf eine Gabelung zuging. Die Sonne strahlte durch die Baumkronen. Und da standen sie. Acht kleine süsse Frischlinge. Ca. 50 Meter von mir. Ein toller Anblick. Nur Mama Schwein war nicht zu sehen. Oh man. Ich machte mich durch Rufen bemerkbar. Nichts. Dann klatschte ich in die Hände. Ich wurde gesehen und die kleinen frechen Ferkel verschwanden aus meinem Blickfeld. Ich wartete einen Augenblick und näherte mich lautstark. Am Wegesrand ein Mülleimer. Ich hämmerte mit meinem Trekking Stock drauf. Das sollte doch reichen. Sollte es? An der Gabelung die Überraschung. Die ganze Schweinefamilie war noch da. Die Ferkel preschten nach links, die Bache nach rechts und ich lief in die Abzweigung weg von ihnen. Zum Glück war das sogar mein Weg. Joa. Jetzt war ich wach. Trotzdem. Wildschweine gehören zu den tollsten Tieren, die man in unseren Wäldern beobachten kann.
    Es ging hoch zur Fuchskaute. Dem höchsten Punkt auf dem Westerwaldsteig. Joa. Völlig banal. Auf den "Gipfel" kommt man irgendwie nicht. Also ich hab ihn nicht gefunden. Nur Warnschilder vom Wirtshaus. Dazu eine Tafel auf der steht, dass man anrufen soll, wenn man was will. Wenn sie Lust haben gehen sie dran. Wenn nicht - fuck you. Auch eine prima Idee eine Wirtschaft zu führen. Mittlerweile war ich wieder völlig platt. Eine Pause musste her. Immerhin ging es fast nur bergab. An einer Hütte mit Quelle ließ ich es mir erstmal mit einem Hiker Trash Sandwich gut gehen. Was mir dann auffiel... wo waren eigentlich die Menschen. Ich hatte bis hier nur eine Hand voll Radler und zwei Hundemenschen gesehen. Es war Samstag. Was machen die Leute denn nur? Wetter war bis auf ein paar Tropfen Regen absolut Top. Komisch.
    Ich spielte Barrista und mixte mir einen kalten Instantkaffee mit frischem Quellwasser. Ein Gedicht. Eine Zecke krabbelte aus meinem Beutel mit Kaffeepulver. Was zum Geier? Wie? High Five mit meiner Schuhsohle.
    Mit dem Koffeinkick ging es wieder etwas besser, aber ich war fürchterlich erschöpft. Für heute Abend gab es zwei Optionen. Entweder Campingplatz oder mit 38€ die billigste Pension weit und breit. Ich kann mich gar nicht mehr an den Weg erinnern so müde war ich. Der Campingplatz war nun nicht mehr fern und ich sah schon den Badesee. Kaum ein Mensch zu sehen am Strand. Das ist doch vielversprechend. Denkste. Ich weiss jetzt was die Leute am Samstag hier so machen. Die hängen einfach auf ihrem Campingplatz ab. Es war brummend voll. Nee danke. Ich brauche Schlaf. Also die Absteige über mein Erscheinen informiert. Zimmer frei. Perfekt.
    Kurz vorm Ziel sah ich dann in einem Garten die Südstaatenflagge. Oh man. Ich war ja in Rheinland Pfalz. Na klar. Das Bundesland mit den meisten durchgeschepperten Knallköppen. Rein anekdotisch, versteht sich.
    Ich bekam einen Rückruf von der Pension mit der Frage über meine Ankunftszeit. Ja so 19 Uhr rum. "Ok, kein Problem. Ich hinterlege den Schlüssel in der Spielhalle." Wo? 😅 Ich war bereit für ein Abenteuer. Auf dem letzten Kilometer malte ich mir alle möglichen Szenarien aus was wohl auf mich warten würde. Ja mein erstes Mal Spielhalle und es war genau so wie ich es mir immer vorgestellt habe. Eine Klingel an der Tür und sobald dir Einlass gewährt wird steigt dir der Geruch von kaltem Rauch in die Nase. Hinterm Tresen eine schmierig geleckte Witzfigur mit Tribal Tattoos. Ach komm. Das ist alles zu Klischeehaft. Und wieso Spielhalle? Das hier war ein kleiner Raum mit drei Automaten. Vor einem saß eine abgeranzte Frau. Nett hier. Gib Schlüssel. Er gab. Also rauf ins Zimmer. Spannung. Was kriegt man für 38€? Ein sauberes Bett und eine riesengroße Glotze. Dazu ein Bad auf dem Flur. Aber alles ganz neu und picobello.
    Ich musste an eine abgefuckte Drecksbude für 150$ in Cascade Locks denken. Dagegen war das hier das Rizz oder wie das heißt. Ab unter die Dusche. Nach zwei Tagen hatte ich schon einen reizenden Geruch. Als ich fertig war sah ich einiges an Waldgerümpel in der Duschwanne. Ich versuchte den sauberen Zustand vor meinem Erscheinen wieder herzustellen. Dann nichts wie runter... denn es gab noch ein Restaurant. Ich hatte Lust auf ein Bier. Ja und dann kam der Schlag in die Magengrube. Das Fass mit Pils war alle. Dreckladen. Ich knickte ein und nahm ein Helles. Das Essen auf den Tellern der anderen Gäste sah tatsächlich ziemlich gut aus. Ich knickte nochmal ein. Eine Portion Süsskartoffel Pommes wanderte in meinen Schlund.
    Ich bin gespannt auf morgen. Heute Nacht soll es wieder ordentlich ballern (auch ein Grund für die Pension) und es soll eigentlich den ganzen Tag regnen. Ich werde sehen. Vielleicht ein kurzer Tag... heute waren es dann doch wieder 43 Kilometer. Ab in die Falle. Füße hoch
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  • Auf den Westerwaldsteig feat. Blitze ⚡️

    May 29 in Germany ⋅ ⛅ 28 °C

    Liebes Tagebuch.
    Es geht wieder los. Heute bin ich nach Dillenburg gefahren. Hier habe ich im August den Rothaarsteig beendet und nun soll es weitergehen auf dem NST. Also steige ich zu der Stelle auf wo ich den Trail verlassen habe. Ehrensache. Dabei lege ich schon so viel Höhenmeter zurück wie gefühlt auf dem gesamten Abschnitt Nord. 😅 Herrlich. Rauf runter. Endlich mal eine Abwechslung. Die ersten 20 km folgt der NST dem Dill Lahn Bergpfad. Mal auf Pfaden dann auf Forstatrassen durch den Wald und dann über Hochwiesen. Die Sonne knallt brutal. Es sind bestimmt 30 Grad. Also immer schön Wasser saufen. Deshalb gleich mal in den erstbesten Rewe und kalte Getränke holen. Als ich am Packtisch meine Sachen verstaue sehe ich einen Stapel Flyer. Firedensmarsch nach Berlin. Was sich erst schön liest entpuppt sich als völlige Schwurbelscheisse. "Jetzt reichts! Für Meinungs- und Pressefreiheit. Erhalten wir die deutschen Tradition und Bräuche!" Ähhhh ja. Wir haben Meinungsfreiheit und Pressefreiheit. Dann vergleicht sich die Gruppe mit den Menschen, die zum Hambacher Schloss marschiert sind. Uff. Fehlt nur noch, dass sie sich mit Sophie Scholl vergleichen. Ganz ausversehen stoße ich an den Stapel Flyer und er fällt in das Müllfach. Ups. Was ist hier los in der Gegend?
    Was mir gleich auffällt ist die frische Beschilderung mit den NST Wegweisern. Ja und an einer Picknickbank gibts ein Gipfelbuch. Da lese ich doch, dass der Soulboy vor 5 Tagen hier war. Na dann hat der wohl ausgeflaggt. Vielen Dank. Absolut grossartig was du mit dem NST geschaffen hast!!!
    Ich gehe an einer Frau mit Hund vorbei und Grüße. Hinter mir höre ich: "Bis ans Haldenwanger Eck?" Ich bleibe stehen und erläutere meine Pläne und wir quatschen ein wenig. Sie kennt sich bestens aus mit dem NST und ist auch schon mehrere Tausende Kilometer mit ihrem Hund gewandert. Durch die Schweiz und Frankreich. Wir gehen ein Stück zusammen und halten Trail Talk. Dann muss ich abbiegen und es heisst "Auf Wiedersehen!" Endlich normale Leute.
    Gegen sieben erreiche ich Herborn. Ich muss noch Proviant einkaufen. Also ab zu einem riesigen Rossmann. Leider ist die Nahrungsabteilung total klein und es gibt weder Porridge noch Cousous. Scheisse. Also noch ein Umweg zu Edeka. Auch gigantisch aber hier gibt es alles was ich brauche.
    Dann ging es auf den Westerwaldsteig. Der Trailhead ist in der doch ganz ansehnlichen Innenstadt. Nach 50 Metern ging es schon nicht weiter. Eine Modenschau fand direkt in der Fussgängerzone statt. Also drum herum und nichts wie raus aus der Stadt. Schön straight den Berg hoch. Schweiss läuft. Es geht unter der Autobahn durch. Irgendwie schon beeindruckend diese riesige Brücke. Es zieht sich zu und am Horizont sehe ich dunkle Wolken. Das knallt doch heute noch. Also etwas spurten. Ausserdem ist es schon acht. Im nächsten Dorf fülle ich am Friedhof noch mein Wasser auf. Eine Frau beobachtet mich etwas irritiert. Ich wünsche ihr einen schönen Abend.
    Dann gehts noch einen Kilometer den Berg hoch zu einer Schutzhütte. Ich habe etwas Sorgen, dass die Dorfjugend hier abhängt, aber es ist niemand vor Ort. Bestes Timing. In der Ferne donnert und blitzt es schon. Aber es scheint recht sicher zu sein. Um mich herum noch Bäume, die etwas Schutz bieten. Denke ich. Ja falsch gedenkt. Die Hütte ist nach allen Seiten offen und der Wind pustet schon Regen hinein. Von oben fallen Zapfen auf das Dach. Das Gewitter ist nun recht nah. Hmmm. Ich packe alles ein und verzichte erstmal auf mein Essen. Es wird ungemütlich. Über mir Donner, Blitze und Regen. Dann wird es plötzlich etwas ruhiger. Ich checke das Regenradar und sehe, dass es auf halb elf richtig übel werden soll. Das Dorf ist nur einen Kilometer den Berg runter und auf dem Friedhof gab es eine Kapelle mit Vordach. Also setze ich mich in Bewegung und jogge den Berg runter. Ratzfatz bin ich da. Leider sind die Toiletten verschlossen. Dann würde ich da einfach abhängen. Immerhin eine Bank steht unter dem Vordach. Ja und dann beobachte ich wie es rund um mich herum anfängt ordentlich zu Wemsen. Atemberaubende Blitzformationen ziehen sich durch den Himmel. Ich hoffe das ich hier einfach sicher bin. Zur Not kann ich mich noch in eine Ecke kauern. Ja keine Ahnung wie lange ich hier jetzt sitze... gegen halb zwölf soll der Spuk zu ende sein. Dann werde ich wieder zur Hütte rauf und mein Lager dort aufschlagen. Falls was irres passiert ist erfährst du morgen, liebes Tagebuch.
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  • Finale & Never quit on a bad day...

    May 26 in Germany ⋅ ☀️ 20 °C

    ...oder wenn es mal durch die Stadt geht. Und schon gar nicht 30km vor dem ersten großen Ziel.

    Liebes Tagebuch.
    Never quit on a bad day.
    Diesen Satz musste ich mir heute morgen, als ich aus dem Südausgang des Hbf Hamburg schritt und zwei Meter von mir jemand auf den Weg kackte, zum ersten mal seit langer Zeit wieder sagen. Eigentlich aus Spaß, aber ich hörte in mir einen ernsten Unterton. Ach Hamburg meine Perle. Never quit on a bad day.
    Ich versuchte den Trail (sofern es den hier in der Stadt geben kann) zu erreichen, aber ein paar Baustellen, Strassensperren und Kotzehaufen machten es etwas umständlich. Irgendwie klappte es dann und ich stand an der Binnenalster. Hier sollte es entlang gehen. Ich versuchte mir den Weg von der Karte im Kopf zu speichern, aber dann stand ich plötzlich auf dem Jungfernstieg. Da passte doch was nicht. Also einen Weg zum botanischen Garten gesucht und versucht nicht auszurasten. Never quit on a bad day. So musste ich ständig aufs Handy gucken, um zu sehen wohin es gehen sollte. Um mich herum Menschen, Autos, Krach, Stress. Never quit on a bad day.
    An den Landungsbrücken konnte ich den ganzen Touriwahnsinn etwas ausblenden, denn dort traf ich meinen alten Kunpel Join. 20 Jahre hatten wir uns nicht gesehen. Jetzt hatte es endlich mal geklappt. Bei einem kühlen Getränk versuchten wir zwei Dekaden in 30 Minuten aufzuarbeiten. Also gab jeder einen Schnellabriss der wichtigsten Ereignisse. Dann trennten sich unsere Wege wieder, denn er hatte noch zu tun und ich noch Kilometer zu gehen. Bis bald alter Freund.
    Entlang der Landungsbrücken, Fischmarkt und Elbstrand war der Teufel los. Alle wollten die beeindruckende Aussicht auf den Hafen genießen. Auch ich konnte mich dem nicht verwehren. Dicke Pötte, Hafenrundfahrten, Schlepper... alles dabei. Am Strand sonnten sich die ganz coolen. Ein Typ lag nackt dort und eine Flasche steckte mit dem Kopf voran in seiner Arschritze. Ein prächtiger Anblick. Never quit on a bad day.
    Der Weg kam auch am Hafenklang entlang. Einem Laden in dem ich schon recht oft war. Oxbow, Extreme Noise Terror, EyeHateGod, D-Clone, Warthog, Hellshock, Slöa Knivar usw. Die Creme de la Creme des Krach. Oder halt selber dort Musik gemacht. Sowas halt.
    Richtung Blankenese wurde es etwas ruhiger. Kurz. Es ging nun auf die Fähre Richtung Rüschpark und der Anleger war schon gut gefüllt. Die unzähligen Fahrradfahrer drängten und quetschten sich auf das Schiff als wenn es die letzte Überfahrt wäre... die Fahrt war kurz und auf der anderen Seite ging es nun für mich am Airbus Werk vorbei. Welch schöne Ruhe doch so Triebwerktests ausstrahlen. Dazu das liebliche Rauschen einer Bundesstraße. Never quit on a bad day. Tatsächlich war der Trail zeitweise echt ansehnlich, aber es gab nun keinen Schatten mehr. Ich wurde gegrillt. Ab Neuenfelde ging es dann kilometerweit nur geradeaus durch eine Brache. Zum Glück stand am Wegesrand ein Automat mit kühlen Getränken. Ich gönnte hart. Dann weiter. Wasser über den ganzen Leib verteilt, zentimeterdick Sonnencreme drauf und ab. Plötzlich stand ich vor der Baustelle einer neuen Autobahn. Wo hier der Trail langgehen sollte war mir ein Rätsel. Das GPS sagte gerade aus durch einen breiten tiefen Wassergraben über die Baustelle, auf der hart geschuftet wurde. Schwimmen wollte ich nicht. Linker Hand war der Weg durch ein Tor gesperrt. Privat. Also rechts rum. Never quit on a bad day. Ein ewig langer Umweg stand an. Fast. Denn nach ein paar hundert Metern hatte die Baustelle eine Durchfahrt. Natürlich überall Verbotsschilder. Hmmm. Durch? In dem Moment fuhr ein Opa an mir vorbei. "Na mal gucken ob es hier lang geht, haha!" Also ihm nach. Durch! Es klappte. Nach ein paar Minuten merkte ich, dass offenbar noch andere Fahrradfahrer*innen alle Verbotsschilder ignorierten. Dann kanns ja nicht so wild sein... Also immer weiter geradeaus Richtung Fischbek. Mein GPS Track führte mich auf einen Feldweg, der einfach im Nichts endete. Never quit... Also wieder zurück und direkt an den Bahngleisen entlang. Eine Elster aka Magpie landete vor mir und ich wusste das nun alles gut sein würde. Ja und dann kam ich auf den Zubringer vom Heidschnuckenweg. Erinnerungen an meine erste Fernwanderung von 2018 kamen zurück. Hier bin ich lang gestapft. Kaum Ahnung von nichts. Jetzt stehe ich wieder hier am Trailhead. Nach 600km Nord Süd Trail und knapp 4000km anderer Wege. Ein gutes Gefühl. Wieviele Ängste konnte ich mir über die Jahre nehmen. Die Lernkurve geht erst steil, aber hört nicht auf.
    Dennoch war es ein herausfordernder Tag. Die Lautstärke, die Hitze, der Asphalt, die Menschenmassen... der Bad Day. Er geht vorbei.
    Damit ist der Abschnitt Nord abgehakt. ✅

    Morgen geht es kurz nach Hause und dann am Donnerstag geht es nach Dillenburg.
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  • Hamburg, ich komme!!!

    May 25 in Germany ⋅ ☀️ 25 °C

    Liebes Tagebuch.
    Was für zwei wundervoll entspannte Pausentage. Einfach schön auf dem Campingplatz in Güster (wo ich vorher schon geschlafen habe) abgecampt. Trotz Pfingsttrubel war es dort sehr sehr ruhig und entspannt. Ein toller Platz. Ja und dann haben wir eigentlich nur gebadet, gesonnt, gelacht und gegrillt. Pausentage in der Natur sind die Besten. Und heute um halb eins wurde ich dann auf dem Rückweg von Phoenix in Aumühle ausgesetzt. Keine Wolke am Himmel und die Sonne knallte. ABER der Weg verlief meist schön im Schatten und nur mit dem Nötigsten und Wasser im Rucksack flitzte ich durch die Landschaft. In Bergedorf gönnte ich mir ein Mittagessen. Beim Vietnamnesen gab es Frühlingsrollen, einen leckeren Mangosalat und ein großes Jever. 13km in zwei Stunden und die Überschreitung der Stadtgrenze sollten gefeiert werden.
    Gut gestärkt und etwas angeschwipst ging es weiter. Entspannt wie man nach Hamburg reingeführt wird. Der Abschnitt war der, auf den ich mich am wenigsten freute, aber es war wirklich erstaunlich schön. Besonders die Boberger Niederung mit ihren Dünen, Heideflächen, Segelflugplatz und einem See. Ja und es war die absolute Hölle los. Verständlich bei dem Wetter. Morgen würde der Spuk wieder vorbei sein. Ich merkte langsam wie ich in Hamburg angekommen war. Es ging an Straßen, durch Wohnblöcke entlang. Aber immer schön entlang eines grünen Gürtel. Immer schön im Schatten. Am S Bahnhof Horner Rennbahn hol ich mir noch ein kühles Getränk. Ein Cabrio fährt vor. Aus den Boxen knallt "I wanna be sedated" von den Ramones. Ja ich auch. 😅 Irgendwann nervte das Großstadtgewimmel aber ziemlich hart und ich sah zu, dass ich am Berliner Tor die S Bahn Richtung Phoenix bekam. Am Hbf natürlich wie immer völliger Ausnahmezustand. Nichts fährt (pünktlich oder überhaupt) und alles ist völlig überfüllt. Und Hamburg will Olympia. 😅 Absoluter Bullshit. Naja dann hänge halt erstmal am Bahnhof fest und hoffe, dass irgendwann eine Bahn kommt. Immerhin habe ich Zeit zu schreiben.
    Trotz späten Start noch 31km rausgedrückt. Morgen steht dann ein weiterer Stadtspaziergang an. Innerlich bin ich schon fertig mit der Sektion Nord. Noch 30km bis nach Fischbek und zur 600km Marke und dem Beginn des Heidschnuckenweges (schön, aber bereits abgehakt). Das reicht jetzt auch für Norddeutschland und ich bin bereit mal wieder ein Mittelgebirge unsicher zu machen.
    Ach, ich habe meine "alten" Schuhe nochmal probiert. Keine Probleme und es fühlt sich wie zu Hause an. 😅
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  • Das Rauschen

    May 22 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C

    Liebes Tagebuch.
    Ich brauche Schlaf. 😴😅 Habe tief und fast geratzt und war dann etwas träge. Erst um halb sieben war ich abreisebereit. Erstmal 1,5km zurück zum NST und dann begann der Wanderspass. Es ging kurz durch einen zeckenverseuchten Wald und dann meist einfach immer stumpf ein paar Kilometer geradeaus. Dann eine Kreuzung und wieder von vorn. Der Belag wechselte zwischen Schotter, weichen Waldwegen, Pflastersteinen, Betonplatten und Asphalt. Ich konnte nun auch das Rauschen der Autobahn vernehmen. Wie ein Wasserfall von weitem und halt wie eine Autobahn von nahem. Ich sog den Krach in mich auf und akzeptierte ihn. Ändert ja nichts. Ich ließ meine Beine einfach ihre Arbeit verrichten. Die Gedanken drehten wieder frei. Ich traf niemanden (ausser ein paar Hasen und Rehe) und nichts passierte. Der Himmel war noch immer mit einer dicken Wolkendecke verhangen und es war sehr drückend in den Feldern und kühl feucht in den Wäldern. Ja und in den Waldabschnitten da warteten sie auf mich. Die Mutantenmücken. Fette Viecher. Ein ganzer Schwarm verfolgte mich und verwandelte meine Beine in einen Streuselkuchen. Auch eine Art von Rauschen. Oder eher (Blut)Rausch.
    Ich kam durch das Gut Wotersen, welches völlig in der Zeit stehen geblieben war. Irgendwie fühlte ich mich 200 Jahre zurückversetzt. Nur ein paar Porsche erinnerten an die Gegenwart. Merkwürdiges Gehöft.
    Und so zog sich der Tag wie ein Gummiband. Im Hintergrund immer das Rauschen. Nach 28km erreichte ich Kuddewörde. Auf der Autobahn war wohl stau. Das ganze Dorf war von Campern und anderen Gefährten verstopft. Chaos. Abgasgestank. Das Rauschen war nun ganz nah.
    An der Hauptkreuzung war eine Bäckerei. Seid Kiel konnte ich allen kulinarischen Gelüsten widerstehen, um das Budget zu schonen. Nun war es Zeit auf die Kacke zu hauen. Zwei große Kaffee, ein Stück Himbeer Cheesecake und eine unglaublich lecker siffiges Franzbrötchen mit Kürbiskernen. So saß ich da und beobachtete die gestressten Menschen in ihren Karren, während ich mir meine Happen schmecken ließ.
    Die Pause tat unglaublich gut. Dann bot mir der Trail eine Entschuldigung an. Die letzten zehn Kilometer sollte es auf famosen Pfaden durch das Billetal gehen. Ein purer Genuss... bis auf das Rauschen. Auch hier dominierte es alles und es wurde stärker und stärker. Ich ging unter der Autobahn lang. Dann entfernte es sich stetig und für die letzten drei Kilometer oder so hatte ich endlich Ruhe... ich erreichte den Bahnhof Aumühle kurz vor den Toren Hamburgs. Von hier nahm ich die S Bahn Richtung Phoenix. Pfingsten stand vor der Tür. Es würde voll werden in der Natur und Himmelfahrt hatte mir gezeigt, dass mir das einfach nicht so Spass machte, wenn überall Tamtam ist. Also einfach mal Pause machen. Mit Phoenix campen, grillen und abhängen. Meine Beine würden sich auch über eine Schonzeit freuen. Sie hatten mir gute Dienste geleistet und sollten nun entlohnt werden. In den letzten Tage hatte ich einen Schnitt von 36km. Mein Tempo. 😅
    Ab Montag geht es dann die letzten paar Kilometer zur Stadtgrenze und dann ab durch die City. Ja und dann ist der Abschnitt Nord ja auch schon erledigt.
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  • Ankommen, Erinnern.

    May 21 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Liebes Tagebuch.
    Heute bin ich endlich angekommen. Also nicht in Hamburg oder einem anderen Ziel. Sondern auf dem Trail. Ein schönes Gefühl.
    Los ging es ganz routinemäßig. Aufstehen, einpacken, essen, gehen. Sorry an meine Nachbarn, dass sie evtl wegen mir aufgewacht sind. Nur ausgleichende Gerechtigkeit, denn wegen ihnen konnte ich nicht richtig einschlafen. Den ganzen Abend waren sie damit beschäftigt jegliche Reißverschlüsse an ihrer Ausrüstung zu checken. Ritsch, ratsch, ritsch ratsch... Die Nacht war eh etwas unruhig, denn der "Zelt Balkon" war der reinste Acker. Morgens lag ich halb verdreht und quer auf der Matte in meinen Quilt verwickelt... wie auch immer.
    Es ging auf schmalen Pfaden am Ratzeburger See entlang, als plötzlich mächtig Radau im Gebüsch war. Wildschweine. Frischlinge. Grunzend rumpelten sie im Sumpf am Ufer entlang. Ein tolles Erlebnis. Ein paar Meter weiter stand ich auch schon in Ratzeburg. Schnell wie jeden Tag nur das nötigste besorgt und weiter. Mal am See, dann im Wald. Nur die besten Wege und keine Menschen. Alles war wie ausgestorben. Genau so sollte es sein. Ich verlor mich in Gedanken und wandelte vor mich hin. Ich dachte nicht an das "normale" Leben sondern war einfach im hier und jetzt. Im Trailalltag. Im Bein zog es mal, das Shirt wurde langsam speckig und siffig, Mückenstiche juckten, Dreck in den Schuhen und so langsam merkte ich wie der Hiker Hunger anfing sich zu manifestieren. Ich wollte essen. Viel essen. Ein toller Zustand.
    Ich wurde kurz aus meinen Gedanken gerissen. Ein Wanderer kam auf mich zu. Spannend. Sirrius war sein Name. Er geht auch häppchenweise den NST. Gerade Richtung Norden. Wir schwatzen ein wenig und wir stellten fest, dass wir uns später möglicherweise nochmal wiedersehen werden. Nach dem E1 will er auf den Natursteig Sieg und dann auf den Rheinsteig. Also ungefähr das was ich auch vorhabe. Nur mit dem Westerwaldsteig noch dabei. Zukunftspläne.
    Jetzt war ich erstmal hier und bald erreichte bald Mölln. Auch hier kamen Erinnerungen hoch. Zum einen waren mein Vaddi und ich hier auch auf unserer Radtour nach Lübeck durchgekommen. Aber die Stadt war aus der Zeit auch noch anders in Erinnerung geblieben. Keine schöne, denn ich musste an den rassistischen Brandanschlag von 1992 denken, bei dem drei Menschen getötet wurden. Das hatte sich irgendwie bei mir eingebrannt und mich geprägt. Auch in unserem Dorf, in meiner Schule wurde das dumme Geschwätz über "Asylanten" verbreitet und weitergegeben, genauso wie es heute wieder salonfähig gemacht wird von der blaubraunen Brut.
    Mölln an sich wirkte ziemlich runtergekommen. Überall Baustellen und leicht ranzig. Vorm Edeka ein paar halbstarke Berufsjugendliche am saufen. Ab dafür. Schnell war ich wieder aus der Stadt und an den schönsten Seen bis jetzt. Umsäumt von alten Buchen und Eichen. Ein paar von ihnen ins Wasser gestürzt. Schwäne, Enten, ein wunderbarer Trail und wieder keine Menschenseele. Ich tauchte wieder in meine Gedanken ab. Hamburg war nicht mehr weit und ich dachte über die Dinge nach die ich erlebt hatte, was glatt gelaufen war und was nicht. Was hatte ich gelernt. Welcher Ausrüstung hat getaugt und und und... dabei merkte ich, dass vieles schon so weit weg erschien. Da war wieder dieses Gefühl auf dem Trail angekommen zu sein. Zeit ist relativ. Tage egal (bis die Arbeit wieder losgeht, haha). Was passiert das passiert und was nicht das halt nicht. Ich war absolut dankbar und gab einer uralten Kiefer eine Umarmung. Da war es, dieses Gefühl.
    Es ging durch das wunderschöne Hellbachtal und ich entschied mich für eine kleine Side Quest. Ein Abstecher zum Krebssee. Hier war ich schon mehrmals mit Phoenix. Wieder kamen Erinnerungen hoch. Ich setzte mich an die menschenleere winzige Badestelle und machte eine Pause. Zeit das Zelt zu trocknen. Routine.
    Ich ging ans Ufer, denn der See trägt seinen Namen zu recht. In ihm leben Krebse. Und wenn man ganz aufmerksam ist und Glück hat dann sieht man sie im klaren Wasser, wie sie ihrem Tageswerk nachgehen. Heute hatte ich leider kein Glück. Aber ich war zufrieden genug. Noch ein paar Kilometer und ich sollte mein Ziel erreichen. Und da wieder das Gefühl... Die "last two miles", die sich ziehen wie Kaugummi, wenn die Füße vom Tag schwer sind. Immerhin konnte ich an der 500km Marke einen kleinen Purzelbaum schlagen.
    Bevor der Tag zu Ende ging durfte natürlich etwas nicht fehlen: ein zeckenverseuchter grasiger Weg und ein schönes Stück Landstraße.
    Auch das war irgendwann gegangen und dann stand ich auf einem fast leeren Campingplatz im Grünen. Nur ein paar Leute waren zu sehen und ich hatte die ganze Zeltwiese für mich alleine. Simsalabim und das Lager stand, Essen war vorbereitet, Handy an der Steckdose und ich war mehr als zufrieden. Da war es wieder, dieses Gefühl angekommen zu sein.
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  • Wir müssen reden...

    May 20 in Germany ⋅ ⛅ 13 °C

    ...und zwar übers Wetter.

    Liebes Tagebuch. Ich glaube heute ist es an der Zeit mal über das Wetter zu reden, denn sonst ist heute nicht wirklich viel passiert. Der Tag war völlig unspektakulär. Viel Asphalt, etwas Wald. Da war das Stück am Elbe Lübeck Kanal schon ein Highlight. Da bin ich glaube ich mal als Kind mit Bike und meinem Vaddi dran lang nach Lübeck gefahren. Uwe habe ich noch kurz getroffen und wir sind ein Stück zusammen gegangen, bevor er auf seinem E-Mopped davon düste. Etwas Aufsehen erregte ich in einem kleinen Waldstück bei den wohl frisch geschlüpften Mücken. Die waren heiss auf mein Blut. Selbst im Gehen wollten die mir ans Leder und nun zieren ein paar schöne dicke rote Stiche meinen Oberschenkel. Mehr passierte nicht.
    Aber nun zum Wetter. Ich hatte ja wohl ziemlich Glück gehabt. Ok, es war windig und kalt gewesen, aber bis auf zwei kleine Schauer musste ich nichts ertragen. Das sollte sich heute ändern. Den ganzen Tag 95% Regenwahrscheinlichkeit. Als ich aufwachte regnete es bereits. Ich blieb erstmal liegen und frühstückte dann langsam, bevor ich meine Sachen packte. Der Regen hatte etwas nachgelassen. Das war mein Startschuss. Raus aus der klapprigen Bude. Beim Bedienen des Rollos war dieses einfach abgefallen und baumelte nun vom der Dachschräge vor dem Fenster. Ich wollte doch nur alles ordentlich hinterlassen. Nun, ehrlich gesagt machte es keinen Unterschied mehr. Ich zog die hinter mir zu. Ab zum Trail. Nach ungefähr zwei Minuten an der frischen Luft hörte der Regen ganz auf und die Sonne kam raus. Sollte es das gewesen sein? Ich nahm dankend an und marschierte los. Am Himmel ein Wechselspiel aus Sonne und Wolken und der Wind war mittlerweile mehr warm als kalt. Gegen Mittag zogen dunkle Wolken auf mich zu. Eher auf uns. Denn das war der Moment wo Uwe von hinten angelaufen kam. Den Roller schiebend neben sich. Kurzer Schwatz und rein in die Regenklamotten. Der Schauer war kräftig, aber über uns gab das Blätterdach einer kleinen Allee uns etwas Schutz. Sobald der Regen vorbei war wurde es unerträglich warm in den Klamotten. Also wieder alles aus. Nun lag ein längerer Abschnitt an einer Landstraße vor uns. Uwe machte sich aus dem Staub. Ich war etwas neidisch, dass er das Stück ratzfatz hinter sich haben würde... er hatte die Roller Power. Ich die mentale. Auch diese Landstraße ist irgendwann zu Ende. Und zwar in Krummesse, bekannt für seine Schnapsbrennerei (so munkelt man). Hier fing es wieder leicht an zu nieseln, aber es war die Mühe nicht wert die Regenklotten anzulegen. Der Schirm reichte völlig. Jetzt ging es an den Elbe Lübeck Kanal und die Sonne kam wieder hervor. Ich fing an zu schwitzen und cremte alle freien Hautstellen nochmals ein. In Berkentin bog der Weg Richtung Ratzeburger Seen ab und da sah ich sie. Die dicke fette schwarze Wolke, die von Nordosten auf mich zukam. Ich sputete mich. Mein Ziel war der Campingplatz in Bucholz. Fast direkt am Weg wollte ich hier meinen Beinen nach "nur" 30km ihren Feierabend bescheren. Wäre fein das Zelt noch vor dem Weltuntergang aufbauen zu können. Ich zog das Tempo an und lief erstmal an der Abzweigung zum Platz vorbei. Yeah. Nach einem extra Kilometer stand ich dann an der Rezeption und der Betreiber zeigte mir meinen Platz. In weniger als zehn Minuten war alles bezugsfertig. Es fing an zu tröpfeln. Schnell nochmal aufs Klo, Wasser holen und am Automaten ein Kaltgetränk ziehen. Dann nix wie rein ins Zelt. Neben mir war noch ein junges Paar dabei panisch ihr Lager aufzubauen.
    Die Wolke war nun direkt über mir und öffnete ihre Pforten. Prasseln. Über eine Stunde lang kam es runtergeknattert. Es tropfte in mein Zelt. Scheisse. Da war wohl über die Jahre eine Naht undicht geworden. Schnell den Regenrock zwischen Außen- und Innenzelt getüdelt. Passt. Ja und dann sitzt man da und wartet, isst und schreibt. Gemütlich sein, während die Natur ihr Ding macht.
    Als das Schauspiel beendet war machte ich mich noch auf, um ein wenig am See zu spazieren. Alle anderen versteckten sich in ihren Campingbunkern und verpassten die wundervolle Luft und das mächtige Farbenspiel, zwischen der untergehenden Sonne und den Wolken.
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  • Einmal um Lübeck herum

    May 19 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Liebes Tagebuch. Die Nacht in der etwas gruseligen Pension habe ich wohlbehalten überstanden. Ich habe mich heute Morgen unauffällig verkrümelt, um nicht doch noch zum gemeinsamen Psychofrühstück gezwungen zu werden.
    Ich wanderte so in den Tag hinein und machte mir über dies und jenes Gedanken. Ich war etwas missmutig, da ich heute Abend nach ca 40km quasi in Lübeck stehen würde was vermutlich wieder zur Folge haben würde, dass ich mir irgendeine Unterkunft nehmen muss. Aber das waren Probleme für Future Magpie. Das Wetter war toll und der Weg war recht abwechslungsreich: Schotter, Feldwege, Landstraße, weiche Waldböden. Durch Wiesen, Felder und Wälder. Die Kilometer purzeln so dahin und mit ihnen auch die 400km Marke.
    Ein Highlight ist definitiv der Abschnitt an der Schwartau. Einfach zum Genießen. Dann kam das Dorf/Stadt Ratekau. Habe mich erstmal verlaufen. Kam aber trotzdem beim Rewe raus. Da wollte ich hin. Dann nichts wie weg. Die Menschen wirken hier nicht so freundlich. Komisch.
    Etwas außerhalb traf ich einen Opa, der langsam auf mich zukam. Er hatte wohl sein Gebiss vergessen. Er sprach mich an und ich hatte Schwierigkeiten ihn zu verstehen. Angeblich war wohl der Weg vor mir gesperrt, da gerade neue Hochspannungsleitungen gespannt werden. Mit Hubschraubern. Er deutete in die Richtung. Ich sah weder Hochspannungsleitungen noch Hubschrauber. Zu hören war auch nichts.
    Wohin ich denn wolle. Ich nannte ihm den Namen des nächsten Dorfes ein paar KM weiter. "Kenne ich nicht."
    Ok. Er nuschelte wieder was von den Strommasten. Ich verabschiedete mich und zog davon. Mal gucken was davon wahr ist. Natürlich nichts. Ich traf zwar auf drei Baustellen, aber hier passierte gar nichts und alle wirkten schon länger verlassen. Wie lange war der Opa wohl hier draußen gewesen? 😂
    Der NST macht nun einen großen Bogen um Lübeck, aber man merkt meistens, dass man nah an einer Stadt ist. Überall Lärm, Straßen und Menschen. Dann geht es für ein paar Kilometer nach Mecklenburg Vorpommern rein und entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und durch ein wunderschönes Stück Heide.
    Ich mache Pause an einem See und dort treffe ich Uwe. Er hat einen Monat frei und fährt den NST soweit es geht mit dem E-Roller. Sein Gerät hat was von Mad Max. Fette Schlappen und viel Klimbim. Wir unterhalten uns ausgiebig. Dann ist da noch Daniel, der mich vorher angesprochen hatte. Angeblich hat er schon richtig extreme Sachen gemacht. Nur was genau erzählt er nicht. Nerven vielleicht? 😂 Aber was er alles noch machen will, davon kann er gar nicht genug erzählen. Er ist ein richtiger Maulheld. Uwe erzählt uns noch was vom Camino und dann trennen sich unsere Wege wieder. Uwe sehe ich vielleicht nochmal wieder. Daniel hoffentlich nicht. Ich bin platt. 44 Kilometer bin ich gegangen. Ich möchte ausruhen. Bis aus dem Speckgürtel von Lübeck raus sind es noch mindestens 10 Kilometer. Das schaffe ich nicht. Ich muss wohl in den sauren Apfel beißen. Im Tausch gegen 50€ erhalte ich Zugang zu einem richtig schönen Loch. 😂 Mehr bin ich auch nicht bereit auszugeben. Ich möchte ungern mein Budget für diesen Monat überschreiten.
    Es ist echt eine Absteige, aber fussläufig vom Trail und das Zimmer hat eine XXL Glotze.
    Ich mache mir was zu essen und fange an zu schreiben.
    Liebes Tagebuch, es gibt eigentlich noch so einiges zu erzählen von heute. Viele kleine Dinge am Wegesrand, der Hase, der heute seinen zweiten Geburtstag feiern durfte, eine Fahrt im Shuttle durch den Herrentunnel, Minischafe und und und. Aber ich bin einfach zu müde und möchte den Kopf abstellen... bis morgen.
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  • Wandern ist kein Ponyhof

    May 18 in Germany ⋅ 🌧 14 °C

    Oder doch?
    Liebes Tagebuch. Ich habe geschlafen wie ein Stein. Gestern Abend hat es noch geregnet und das leichte prasseln auf dem Zelt hat mich gut einschlafen lassen. Heute morgen ist das Zelt fast wieder trocken. Die Nacht war auch recht warm. Zum ersten Mal. Und für heute waren 18 Grad angesagt.
    Um 5:38 war alles gepackt und ich war startklar. Noch ein kleiner Pit Stop auf der Toilette beim Besucherzentrum (oder was das sein soll) und dann rauf auf die Schotterpiste. Schönwalde war mein erster Stop. Essen für den Tag einkaufen. Ich habe meine Rationen jetzt halbwegs auf Linie und schleppe nicht mehr zu viel mit mir rum. Jeden Tag gibt es mindestens einen Supermarkt. Heute musste ein neues Stück Parmesan und Aufschnitt für meine Mittagspause ran.
    Dann weiter nach Neustadt. Die Natur war richtig schön. Überall kleine Schutzgebiete. Irgendwo auf dem Weg wollte ich meine Mittagspause machen, aber ich konnte einfach keine Bank oder ein geeignetes Plätzchen finden. Überall nur Felder oder Gestrüpp. Nichtmal ein Baumstumpf war zu finden. Meine Hoffnungen lagen im historischen Gut Sierhagen. Aber auch dort keine Bank. Nur eine Bushaltestelle und drumherum nur Lärm. Transporter, Gabelstapler etc. Ein Fest wurde vorbereitet. Also weiter. Irgendwo ja irgendwo sollte doch eine Bank zu finden sein. Nebenbei verdunkelte sich der Himmel und ich bekam ein paar Regentropfen ab. Jetzt wollte ich keine Bank mehr. 😂 Ja und dann stand ich plötzlich am Rande von Neustadt an einem Skatepark mit überdachter Bank. Endlich. Also schön ne Stulle geschmiert. Zwei. Die Füße auslüften und mal kurz sein. Der Tacho sagte 25km. Es war 13 Uhr. Dann noch im Rossmann Couscous und Porridge für den Abend und nächsten Morgen besorgt und nicht wie raus aus der Stadt. Es war ordentlich Betrieb und sehr laut. Zwischen zwei Bundestraßen, Autobahn und Flughafen war nicht viel Platz für Ruhe. Der Weg verlief nun auch wieder kilometerweit über Aspahlt. Mein Plan war eigentlich auf einen Campingplatz zu gehen. Es gab zwei am Weg. Einer für immer geschlossen, der andere bot nur überteuerte Mobile Homes zum mieten an. In Scharbeutz (welches ich easy mit dem Bus erreichen konnte) wurde ich auch nicht fündig. Nur Dauercamper und mein letzter Notnagel hatte keinen Platz mehr frei. Die letzte Lösung wäre nach Timmendorfer Strand zu fahren. Dort gab es noch einen, aber das war der letzte Ort wo ich sein wollte. Wildcampen? Das einzige Stück Wald, welches ich kreuzte war ein Naturschutzgebiet. Ansonsten nur Häuser und Felder. Uff. Mir war klar, dass es morgen um Lübeck mit draussen schlafen schwer werden würde, aber heute schon? Sowas stresst mich. In eine Bushaltestelle legen wollte ich mich auch nicht. Also geguckt was es so an Unterkünften gab. Scharbeutz, Grömitz, Timmendorfer Strand... $$$ nur eine kleine verdächtig günstige Pension erweckte mein Aufsehen. Direkt am Weg. Lets go. Gebucht. Weit war es auch nicht mehr. Der Weg machte nochmal einen schönen Schlenker an einem See entlang. Eine Entschädigung für den vielen Asphalt. Ein Junge kam aus dem Wasser, seine vermeintliche Mutter half ihm sich abzutrocknen. Wäre mir etwas zu kalt gewesen. Ein paar Minuten später hörte ich ein Keuchen hinter mir. Es war der Junge. Die Frau war nicht zu sehen. Er keuchte und keuchte. Ich machte mir sorgen. "Alles ok bei dir?" Als Antwort kam ein unverständliches "Ja". Ich realisierte, dass er sich nicht vercshluckt hatte sondern irgendwas mit seiner Stimme war oder so. Bin kein Arzt. Das war mir etwas peinlich. Ich schaute auf mein Handy um zu gucken wo ich lang musste. Er stand plötzlich neben mir und wollte wissen was ich gucke. "Wo ich hin muss."
    "Ich kenn mich hier aus."
    "Ja passt schon. Ich muss da lang." Ich deutete mit dem Finger in die Richtung.
    "Ich auch. Das ist mein Weg. Da irgendwo wohne ich."
    Ohhhh neeeee. Bitte nicht. Er lief hinter mir her. Unangenehm. Ich schaute mich um in der Hoffnung die Frau zu sehen. Negativ. Ich blieb erneut stehen, um meinen Weg zu checken. Es konnte nicht mehr weit sein. Wieder stand er direkt neben mir und lehnte sich über mein Display. "Du bist nett, aber sowas mag ich nicht.", gab ich ihm zu verstehen. Ich rief "Entschuldigung!!!" und lief keuchend weg. Ich war erleichtert. Ich schaute auf mein Display. Ich muss bereits da sein. Ich hob den Kopf und stand direkt vor meinem Ziel. Eine Pferdepension. Ein doch sehr edel wirkendes Haus. Sehr gepflegt. Ställe und Reitanlagen nebenan. Ein Traum wie aus der Wendy Zeitung. Mein klingeln blieb unbeantwortet. Niemand zu sehen. Hmmm. Also anrufen. Nichts. Plötzlich öffnete sich die Tür und eine kleine schrumpelige Omi stand vor mir. "Ahhh. Sie sind unser neuer Gast. Ich heisse sie herzlich Willkommen."
    Ja Moin. Sie stellte sich vor und führte mich in einen edlen Saal. Auf einem Tisch lagen ein paar Zettel, die ich ausfüllen sollte. Nichts leichter als das. Ich nahm sie in Augenschein. "Ich kann kaum noch sehen. Ich glaube ihnen mal, hihi!" Ja danke. Was gibt es auch nicht zu glauben? Dann bat sie mich die 60€ zu bezahlen. Ich sagte ihr, dass ich bereits per Kreditkarte bezahlt hatte. "Ja aber das dauert bis wir das bekommen. Bitte zahlen sie bar." Ich verneinte höflich und wollte mein Handy holen, um ihr den Beleg zu zeigen. "Nein. Müssen sie nicht. Da stimmt schon." Sag ich ja. "Bitte zahlen sie bar!" WTF? Mir reichte es. Ich stand auf und holte mein Handy und zeigte ihr die Buchung. "Das kann ich nicht lesen! Meine Tochter wird das später prüfen. Wenn es Probleme gibt habe ich ja ihre Adresse." Heiliger Bimbam. Im Zweifel bin ich heute Abend in Zimmer 10!!!
    "Bitte schreiben sie mir nochmal ihre Adresse sauber auf damit wir die Rechnung nachschicken können." Ich antwortete, dass ich keine Rechnung brauchen würde. "Ja aber dann müssen sie jetzt bar bezahlen!"
    ES IST BEZAHLT!!! Endlich war ich wieder an irre Menschen geraten. Der Spuk wurde jedoch jäh beendet, als ein anderer Gast hineinkam und fragen hatte. Ich bat sie mir zu sagen wo ich mein Zimmer finden könnte. "Ich zeige es ihnen." Nein! Bitte nicht! Sie deutete auf die Treppe. "Ganz nach oben. Wollen sie morgen frühstücken? Wir essen alle zusammen an einem Tisch." Auf gar keinen Fall!!! Lieber würde ich mir einen Zeh abhacken. Ich stapfte nach oben und mir war klar, dass ich heute Nacht die Tür verriegeln würde. Schnell Sachen ausgepackt und dann zur örtlichen Gaststätte, um ein Bierchen zu schlürfen. Was für eine Bude. Vor 20 Jahren stehen geblieben. Es war nicht viel los. Mir wurde ein Thekenplatz angeboten. Ich schaute in die Runde. Auf gar keinen Fall. Es roch förmlich nach Stammtisch. Ich nahm in einer Ecke platz und bestellte ein großes Jever. Immerhin gutes Bier. Jedoch dauerte es noch 20 Minuten bis ich es bekam. Die Bedienung war wohl etwas überfordert mit 6 Gästen. Mir recht. Jeder in seinem Tempo.
    Ja und sitze ich hier in der vergilbten Wirtschaft und hoffe, dass dies alles einfach "normal" hier ist.
    Ps: endlich mal wieder über 40km gegangen.
    Pps: ich weiss warum ich gerne draussen weg von anderen Schlafe
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  • Sonntagsspaziergang

    May 17 in Germany ⋅ ☁️ 13 °C

    Liebes Tagebuch. Was für ein schöner Pausentag. Ausschlafen in einem gemütlichen Bett, Körperpflege, Spargel essen, Spazieren gehen, Das perfekte Dinner gucken, wieder Ausrüstung aussortieren und einfach kurz mal nichts tun. Quality Time mit Phoenix. Wunderbar.
    Heute morgen dann zum Bahnhof, das Öffichaos in Hamburg danke Phoenix Shuttle ausgetrickst und nach zwei Stunden gehts jetzt in Bad Malente weiter. Es ist Sonntag Mittag 12:04 Uhr und es ist mächtig was los. Überall Menschen, die den Rest des langen Wochenendes auskosten. Meine Beine sind die ersten Kilometer etwas steif. Ich glaube sie dachten wohl jetzt ists fertig mit Wandern. Nix da. Die ganzen Spaziergänger und Biker, die an mir vorbei rasen stressen mich etwas und ich gebe Hackengas. Immer schön am Wasser entlang. Es ist etwas wärmer als die letzten Tage, aber der Wind ist immer noch ziemlich frisch. Aber das Thema Wetter spare ich mir noch auf.
    Ich erreiche Eutin und bin heilfroh, dass der Weg nicht ins Zentrum geht sondern gleich wieder abbiegt. Entlang des nächsten Sees. Ein Stück weiter wird es endlich ruhiger. Ich gehe gelassener und kann genießen. Dann biegt der Weg wieder auf eine kleine Landstraße ab, der ich für ein paar Kilometer folge. Es ist nicht viel los, aber wenn Autos kommen dann ballern sie irre an mir vorbei. Das stresst. Ein paar demolierte Leitpfähle stehen als Mahnmale für die Kollisionen mit Außenspiegeln stumm am Weg.
    Mein Wasser wird knapp und an einem Bauernhof winke ich jemanden heran und frage ob er mir meine Pullen auffüllen würde. Aber gerne doch. Aus dem Flur strömt ein ähnlicher Duft wie aus dem Haus der alten Frau, die früher bei meinen Eltern gegenüber gewohnt hat (Mutti, sach mal Namen bitte).
    Dann ist es Zeit für den Final Push auf den Bungsberg. Mit 167 Metern die höchste Erhebung in Schleswig Holstein. Das letzte Stück ist dann nochmal ein schöner Single Trail. Über dem Gipfel thront ein oller Funkturm. Die Aussicht ist ganz schön.
    Hier ist auch direkt ein Trekkingplatz auf dem ich heute mein Zelt aufstellen werde.
    Ein schöner Sonntagsspaziergang geht zu Ende. Nichts aufregendes ist passiert. Sowieso habe ich hier eigentlich keine Zusammenstöße mit irren Charakteren, wie es zB auf dem Rothaarsteig und Abschnitt Edersee zur Tagesordnung gehörte. Ein wenig vermisse ich es ja. Der Rest ist Routine: Essen vorbereiten, dehnen, schreiben und bereit für die Nacht machen. Im Hinterkopf die Hoffnung auf den nächsten Etappen ein paar Kilometer mehr zu schrubben zu können. Den Beinen geht es soweit gut und die Tage sind lang.
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  • Im Sauseschritt durchs Plöner Land

    May 15 in Germany ⋅ ☁️ 6 °C

    Liebes Tagebuch.
    Heute morgen war alles mit einer Eisschicht überzogen. Ich war in der Nacht aufgewacht und meine Nasenspitze hatte mir verraten: es ist kalt. Alles andere war warm. Ich wollte nicht aus den Federn. Also gab es Frühstück im Bett. Das Gute: der Himmel war strahlend blau und schon bald würde die Sonne mich wärmen. "Zum Glück" ging es die ersten 17km bis nach Plön fast ausschließlich über den Aspahlt durch Felder und somit konnte die Sonne mich voll bestrahlen. Nur einmal machte der Weg einen Schlenker über eine Wiese, um 700 Meter später wieder auf dem selben Teerweg zu landen. Vermutlich nur, um die Füße im hohen Gras zu durchnässen. Plön war schnell abgehakt. Nur kurz was vom Bäcker geholt und dann nichts wie weiter. Keinen Sinn für Kultur. Das lange Wochenende sorgte dafür, dass alles voller Menschen war. Ich fühlte mich zwischen überambitionierten Fahrradnerds, Familien und Nordic Walking Gruppen eingeengt. Letztere machten mich schon nervös, wenn ich das Klackern ihrer Stöcke im Schotter hörte. Die größte Herausforderung war heute der Aussichtsturm. Ab einer bestimmten Höhe wird mir einfach komisch und ich musste mich echt überwinden, die letzten zwei Stockwerke hochzugehen. Der Wind pfiff und es fühlte sich an, als wenn der Turm aus Gummi wäre. "Mir kann hier nichts passieren!" sagte ich zu mir selber. Oben angekommen sah ich schnell zu, dass ich wieder runter kam. 😂 Die Aussicht war trotzdem schön. Dann ging es weiter nach Bad Malente. Endlich wieder schöne Wege. Ich traf einen E1 Wanderer und wir hielten einen kurzen Schnack. Mit meinem Kopf war ich jedoch schon in Hamburg bei Phoenix. Morgen ist ein Zero Day angesetzt. Nach schnellen 27 Tageskilometern stand ich um zwei In Bad Malente am Bahnhof. Ansonsten gibt es auch gar nicht so viel zu berichten vom Tag: Wetter Top, Landschaft Top, Wege so lala.
    Der Weg vom HBF in Hamburg zu Phoenix war ein absoluter Fiebertraum. Alles hatte Verspätung oder Strecken waren wegen Bauarbeiten gesperrt oder S Bahnen fielen einfach aus. Erleichterung machte sich breit, als Phoenix mich mit dem Auto aus dem ganzen Chaos abholte...

    Ps: mal wieder nicht gemerkt, dass ich die 300km Marke überschritten habe.
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  • Cheech und Chong fahren zur See

    May 14 in Germany ⋅ 🌙 8 °C

    Liebes Tagebuch. Heute war Vatertag. Das reicht eigentlich schon.
    Aber er hatte auch seine Momente. Zum Beispiel als ich, nach tiefem erholsamen Schlaf aufwachte, duschte und dann von Björn mit einem mächtigen Frühstück verwöhnt wurde. Alles zusammengepackt und dann los. Björn kam mit. Er musste auch zur Fähre, wo er sich mit seiner Laufgruppe traf. Irgendwann wurde es etwas knapp und er musste schonmal lossprinten. Ich würde entspannt die nächste nehmen. Wir verabschiedeten uns. Hier nochmals dickes DANKE. 🙏
    Die nächste Fähre sollte meine sein und so schipperte ich hinüber nach Wellingdorf (oder so). Und Schwupsdiwups ging es auf schmalen Wegen an der Schwentine entlang. Wunderhübsch. Jedoch kamen nun immer mehr bereits besoffene Leute mir entgegen. Hinter ihnen eine Spur aus Pfand und Kippenstummeln. Man hörte sie schon aus der Ferne gröhlen und Ballermann Hits hämmerten aus ihren Boomboxen. Im Vorbeigehen sah ich ihre gekreuzten glasigen Blicke. Nicht schlecht für halb zwölf. Auf einem kleinen Stück auf einem Fahrradweg kam mir eine Gruppe von Laufer*innen entgegen. Darunter auch Björn. Wir umarmten uns kurz. Die anderen wünschten mir eine gute Reise. Motivierend.
    Dann hatte ich eine Rentner Wandergruppe vor mir. Nicht motivierend. Ich gehe selbst ja kaum schneller, aber so dicht auf ihnen zu laufen machte mich ganz wuschig. Zum Glück bogen sie rechtzeitig ab. Ihr Ziel war wohl die Oppendorfer Mühle. Es roch nach Fett und dieselbe Rotzmucke plärrte aus einer Anlage. Haben die noch nie was von Disclose gehört? Jetzt diel mir auf, dass ich noch nicht einmal Musik gehört hatte. Das unvorhersehbare Gezwitscher reichte mir eigentlich als Unterhaltung. Nach der Mühle wurde es ruhiger. Nur ein paar Leute gingen spazieren und ich konnte endlich abschalten. Bis ich Preetz erreiche. Hier flogen die Löcher aus dem Käse. Es war mächtig was los. Sogar Fahrgeschäfte wurden aufgebaut. Ich hielt mich abseits und war dann plötzlich völlig allein auf schmalen Pfaden unterwegs. Die Landschaft war wirklich toll. Überall Wasser, schöne saftig grüne Wälder. Gänse und anderes Federvieh zierten das Bild. Nur der Müll... ich sammelte einen ganzen Beutel an Kippenstümmeln, Snickerspapier und Kronkorken ein. Was mit den Leuten los? Die haben doch Bollerwägen dabei. Aber nichts anderes hatte ich leider heute erwartet. Ich nahm es hin. Ein paar der Orgs heute waren eh nur noch mit den primitivsten Funktionen ausgestattet.
    Mehr als ein paar Brunftschreie, die ins leere hallen, war nicht zu holen.
    Nicht mehr weit bis zu meinem Ziel: der Biwakplatz Walstorfer Mühle. Anbei war ein Kiosk, welcher wohl gerade Feierabend gemacht hat. Die letzten zwei Gäste verließen das Gelände. Schade. Die ganzen Saufgelage heute hatten mir Durst gemacht.
    Ich meldete mich beim Haus nebenan, welches zu dem Kiosk gehörte. Ein Mann öffnete die Tür. Ich sagte, dass ich gerne dort schlafen würde. "Ja machen sie doch." war die Antwort. Knapp und direkt. Na dann mache ich mal. Der Platz war direkt am See mit einer Picknick Bank. Ich panschte mir meine Cold Soak Pampe zusammen und ließ sie quellen. Aber so schlimm wie es sich anhört ist es wirklich nicht. In den Couscous ne Gurke, Parmesan und Olivenöl rein. Et Voila. Bon Appetit. Aus der Ferne sah ich zwei Kanus auf den Platz zusteuern und hörte: "Da! Da können wa noch schön nen kaltes Bier saufen!" Vater, Söhne, nen Oppa, eine Frau und so eine Art Zimmermann. Der Oppa saugte an einer Bierpulle. Ich witterte schon jetzt meine Chance. 😂
    Sie landeten an. Der Oppa kam auf mich zu, nachdem er beim Aussteigen über ein aufblasbares Pferd im Boot gestolpert war und angefangen hatte zu fluchen. Er fragte mich "Jibbet hier wat to freten"
    "Nee hier jibbet nüscht mehr. Aber habta mal ne Pulle Bier?"
    Er fackelte nicht lange und holte ein Bier für mich aus dem Boot. Die anderen waren jetzt auch dazu gekommen. Die Frau fragte in die Runde, ob sie nochmal einen bauen solle. "Na klar! Lass mal einen bauen" antwortete der Oppa. Dabei sah ich wie er bereits an seiner Haschpfeife rumnuckelte. Ich kam mit dem Vater ins Gespräch. Er war interessiert was ich hier so treibe und schenkte mir einen Aufkleber "Für deine Essensdose."
    'Holstein für Alle steht' stand darauf. Stabile Leute hier. Wir stießen an. Die Frau, der Oppa und der Zimmermann löteten das Horn von Gondor, während ich weiter mit dem Vaddi übers Wandern redete.
    Die beiden Kinder kamen wieder und wollten los. Schnell packten sie alles zusammen und wollten ablegen. Als Dank für das Bier schob ich sie mit ihren Booten zurück in den See. Der Zimmermann wünschte mir eine gute Reise. Ebenso. Immerhin trugen die Kinder Schwimmwesten. 🥸 Der Vater rief zu mir rüber "Wandersmann wie heisst du eigentlich?" Magpie. Er guckte irritiert. Dann verschwand sein Gesicht hinter dem Schilf am Ufer.
    So schön der Platz auch war. Er lag direkt am Wasser und das hiess es würde nass und kalt werden. Alsbald machte ich mich fertig fürs Bettchen.
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  • "Laboe ist fällich!"

    May 13 in Germany ⋅ ⛅ 6 °C

    Liebes Tagebuch.
    Die Nacht war gut. Irgendwann hat es geregnet und ich bin kurz aufgewacht. Das prasseln aufs Zelt hat mich aber schnell wieder einschlafen lassen. Gegen acht stehe ich auf. Heute wird mit 17km ein kurzer Tag. Mein Ziel ist Kiel wo ich eine Nacht bei Trail Angel Björn übernachten werde.
    Man merkt, dass ich der Stadt recht nah bin. Menschen, Häuser, Autos. Aber der Weg schafft es doch ganz gut auf Feldwegen das alles zu umgehen und so stehe ich plötzlich am Nord Ostsee Kanal. Dicke Kähne fahren vorbei. Von hier muss ich mit der winzigen Personenfähre übersetzen. Keine fünf Minuten dauert die Überfahrt. Auf der anderen Seite geht es erst vorbei am Marinestützpunkt der Bundeswehr. Überall Menschen in Uniform. Ein paar Grüße ich mit einem strammen "Moin", während ich in meiner eigenen Plastikuniform aus Outdoorkleidung lässig wie ein Tagedieb an ihnen vorbeischlurfe. Dann geht es an der Promenade entlang. Der Wind ist heute besonders frisch und dicke Wolken hängen am Himmel. Wenn die Sonne mal kurz rauskommt wird es angenehm warm. Es ist irgendwas um Mittag herum, als ich den Fähranleger erreiche. Hier muss erneut übergesetzt werden. Dies ist quasi mein Tagesziel. Björn ist noch nicht wieder in der Stadt. Was also tun? Na rauf auf die Fähre und ab nach Laboe. Die Fahrt geht auf den Nacken vom Deutschlandticket. Dieser legendäre Ort aus der epischen TV Doku "Youth Wars" möchte ich mir mal selber ansehen. Ausserdem steht dort dieser Turm, den ich gestern von der anderen Seite gesehen habe.
    Die Fahrt dauert knapp eine Stunde und das Schunkeln macht mich ganz müde und schläfrig. Auf Deck ist es viel zu kalt. Also gehe ich rein und stelle fest, dass dies der einzige ÖPNV mit Cocktailbar ist. 😂
    Laboe ist komisch. Da sind wunderschöne Häuser, aber auch völlig abgeranzte Buden. Ebenso verhält es sich mit den Menschen. Billige Ramschläden an der Promenade. Es gibt genug Publikum. Schick, aber doch scheisse. "Laboe ist fällig" so heisst es in der Doku. Es stimmt wohl.
    Der Strand ist schon schön und das Wasser leuchtet türkis. Ich ging auf den Turm zu, welcher sich als Ehrenmal der Marine entpuppte. Schon imposant. Genauso imposant ist das U-Boot, welches neben dem Eingang steht. Eintritt möchte ich heute nicht zahlen, ausserdem sind gerade 4 völlig besoffene Finnen im Boot verschwunden. Könnte nervig werden auf kleinem Raum. Statt Feindfahrt gibts bei mir Heimfahrt. Also zurück nach Kiel. Diesmal nehme ich aber den Bus. Das geht schneller. Vom Bahnhof sind es nur ein paar Minuten zu Björn und er empfängt mich herzlich mit einem eiskalten IPA aus den fuckin' US of A. Hell yeah!!! Man kennt sich eigentlich nicht, aber dann doch. Gesprächsthemen gehen uns nicht aus. Allen voran natürlich der PCT und der NST. Aber auch Einzelheiten zu dem Start Up, welches er mitgegründet hat: Läppi Das Pinkeltuch. Eine Alternative für viele weggeworfene Taschentücher und Klopier in der Natur.
    Zwischen Bier und Gerede holen wir uns Pizza und setzten uns in die Sonne. Und ganz schnell ist es auch schon dunkel, spät und Zeit ins Bett zu gehen.

    Läppi: www.laeppie.de

    Doku Youth Wars: https://youtu.be/jNHnl3yv6UE?is=SbocalRQIUF1ZzCU
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  • Heckmeck am Schwedeneck

    May 12 in Germany ⋅ ☁️ 6 °C

    Liebes Tagebuch,
    Was für ein prächtiger Tag. Heute ging es an der Küste entlang ums Schwedeneck in die Kieler Bucht.
    Aber ganz so gut ging es nicht los. Heute Nacht und heute morgen ist auch der Regen hier angekommen. Von daheim und aus Hamburg höre ich immer nur Regen Regen Regen. Um halb sechs entscheide ich mich nochmal ne Stunde zu schlummern. Vor dem Fenster fallen Regentropfen vorbei. Zwischen acht und neun soll es besser werden. Also nochmal Füsse hoch.
    Um kurz vor sieben verlasse ich meine Unterkunft und gehe immer noch im Regen zur Bushaltestelle, um dort hinzukommen wo ich gestern aufgehört habe. Hier mal ein Lob an den öffentlichen Nahverkehr. Überall gibts Bushaltestellen, vernünftige Fahrtzeiten und alles ist pünktlich. Nach kurzer Fahrt stehe ich im Regen. Wat willste machen. Nix. Es dauert aber keine zehn Minuten da ist der Spuk schon vorbei. Also Regenzeug umsonst angelegt. Fast. Denn der Wind ist doll und kalt. Na dann auf. Es geht durch den Wald auf die Steilküste zu. Dann geht es am Strand weiter. Es ist nicht ganz so anstrengend wie ich es mir vorgestellt habe, denn schon bald geht es wieder auf die Klippen und die Sonne kommt raus. Jetzt beginnt das Wanderfest. Es geht fast die ganze Zeit auf schmalen Pfaden durch wundervolle Buchenwälder und Felder entlang. Links von mir immer das Meer und wundervolle Weitsichten. Ich steige zum Strand ab und suche mir hinter ein paar Steinen etwas Windschutz. Frühstückszeit. Genusszeit.
    Weiter gehts. Rauf und runter. Dann kommt ein kurzes Stück, welches meine Höhenangst triggert. Der schmale Pfad ist rechts durch einen Stachdrahtzaun abgegrenzt. Zur Linken sind es manchmal nur 30cm bis zur Abbruchkante. Ruhig bleiben. Einfach einen Fuß vor den anderen. Das die Kante möglicherweise unterhöhlt ist blende ich aus. Mich wird sie auch noch halten. Geschafft. Durchatmen.
    Hundert Meter weiter kommt mir eine Familie mit Fahrrädern entgegen. Kind im Kindersitz. Oma und Opa sind auch dabei. An einem Fahrrad ein Anhänger. Der Hund darf natürlich auch nicht fehlen. Sie können auf dem Pfad nur schieben. Ob es da so weitergeht fragen sie mich. Ähhhh. Ja. Und mit den Bikes und dem Anhänger ist das vermutlich keine gute Idee. Sie erzählen, dass sie den Weg auf Komoot gesehen haben. Ähhh. Ja. Das sind dann auch die Leute, die in das Hafenbecken fahren, weil das Navi es sagt. Sie wollen ihr Glück probieren. Na dann nur zu. Ich gehe weiter. Zumal hier auch alle Fahrrad- und Wanderwege gut ausgeschildert sind. An allen Zugängen zu den Klippen stehen Warnschilder. Etwas später kommt mir wieder eine Frau, ihr Fahrrad schiebend, entgegen. "Moin. Bleibt der Weg so? Ich hab den auf Komoot gesehen." Das Hafenbecken ist in die andere Richtung, denke ich mir. Ich erzähle ihr wie ich den Weg empfunden habe. Sie dreht um.
    Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Leuchtturm Bülk. Ich kann ihn schon sehen. Sie Sonne knallt. Also beschließe ich nochmal an den Strand zu gehen und etwas zu dösen und zu sinnieren. Auch wenn das Gehen im Sand heute viel Zeit verbraucht hat ist es gerade einmal zwei. Ich raste ausgiebig. Denke mir Blödsinn aus. Erinnere mich an den Kurzurlaub, den Phoenix und ich hier mal gemacht haben. Wunderprächtig.
    Ich gehe genüsslich weiter, nachdem der Wind doch erheblich zugenommen hat und vom Landesinneren dunkle Wolken anrücken. Hinter dem Leuchtturm beginne ich zu flanieren. Der Weg ist ausgebaut und Menschen gehen spazieren. So gelange ich zum Hafen von Strande. Es ist mächtig was los auf und am Wasser. Segelboote schneiden durch die Wellen und Angler versuchen ihr Glück. Teure Häuser, teure Boote. Ein Frau steht mit einem Pferd völlig random in der Gegend rum. Ich verlasse den NST, um zum Campingplatz Falckenstein zu gelangen. Ich spaziere über die Promenade von Schilksee. Was für ein Ghetto. Das komplette Gegenteil zu den letzten 500 Metern. Am Wasser Gebäude vom feinsten Brutalismus. Dahinter Plattenbauten. Alles ziemlich heruntergekommen. Auch die Menschen wirken geschunden. Komisch, gerade hier muss ich den ersten AfD Sticker von einer Mülltonne kratzen... Zufall?
    Über ein paar Schleichwege, die ich auf Komoot gefunden haben (Spass) gelange ich wieder an die Bucht und von dort sind es nur ein paar Meter bis zu meinem Ziel. Ein kleiner Witzbold nimmt mich in Empfang und begrüßt mich mit Namen (ich hatte mich angekündigt). Er fängt sofort an Blödsinn zu erzählen. Ist das eine Einladung? Ich konter seinen Quatsch gekonnt. Er ist erst etwas verwirrt, aber dann leisten wir uns ein Feuerwerk des Schwachsinns. Prima. Hier möchte ich bleiben.
    Die Rezeption ist in einen ziemlich abgerockten Betonklotz, der an die feinste Architektur von Schilksee erinnert. Der Platz ist durch viele Bäume gut vor den starken Windböen geschützt. Gerade als ich mein Zelt aufgebaut hatte fing es an zu regnen. Das einzig Negative: nebenan hat wohl der Bauern Gülle ausgefahren. Es riecht etwas streng.
    Als das Schauer sich verzogen hat gehe ich noch kurz zum Strand, um meinen Couscous zu futtern und zu schreiben. Der Wind pustet, die Finger sind etwas kalt, aber es ist der Abschluss eines wunderbaren Tages. Bis jetzt die schönste Strecke auf diesem Abschnitt.
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  • Ein schöner Tag, aber kalt.

    May 11 in Germany ⋅ ☁️ 10 °C

    Liebes Tagebuch. Der Tag begann früh. Draussen war es kalt. Eine dicke Wollendecke bedeckte den Himmel. Ich war müde und wollte schlafen. Mir war kuschelig warm und die neue Matte ist schon ziemlich bequem. Das machte es nicht einfacher... trotzdem wollte ich los. Kleine Schritte dauern länger.
    Ich zog fast alles an was ich dabei hatte, schrieb Rüdiger noch eine nette Nachricht in sein Gästebuch und dann ging es los. Der Weg war super abwechslungsreich, also im Vergleich zu den ersten Tagen. Es ging durch Wälder und Felder. Der Wind war kalt. Ich ging so langsam, dass ich auch nicht richtig aufheizte. Trotzdem alles wunderbar. Keine Schmerzen. Niemand weit und breit. Ich konnte meinen Gedanken freien Lauf lassen und dann stand ich irgendwann schon in Osterby. Ein richtig hübscher kleiner Ort. Ganz idyllisch. Ich wollte eine Pause machen, aber der Wind pfiff zu doll. Sofort wurde mir kalt. Also weiter. Ja und was soll ich sagen... also ich weiss nicht wie, aber ich stand ich Eckernförde an der Ostsee. Hä? War ich wirklich schon 27km gegangen. Meine Beine waren sich auch nicht sicher. Es war gerade mal halb zwei. Und endlich wurde es etwas wärmer. Bis zum nächsten Campingplatz waren es noch 10km... sollte ich? Nein. Ich entschied mich hier zu bleiben. Nicht wieder übertreiben. Morgen wird so oder so ein langer anstrengender Tag - es geht ums Schweden Eck und sinnvolle Etappenziele gibt es erst kurz vor Kiel.
    Ich nahm mir ein Zimmer, deponierte meine Sachen und ging dann die Promenade entlang. Noch ein kleines Stück NST. Nur bis zur Steilküste. 😂 Die Sonne kam überraschenderweise raus und ich legte mich in den Sand. Ja und dann genoss ich einfach das plätschern der Wellen. Einfach mal sein. Kein Stress, nicht an morgen denken. Die letzten Tage hatte ich nur an mein Bein gedacht, aber dem ging es offenbar ganz gut. Also freie Fahrt für freie Gedanken.
    Irgendwann verschwand die Sonne wieder hinter den Wolken und der kalte Wind übernahm das Kommando. Ich ging durch den Wald zu einer Bushaltestelle an einer Bundestraße und fuhr zurück nach Eckernförde. Ich holte mir Salat und liege nun vor dem TV und gucke "Das perfekte Dinner"! Es spielt zufälligerweise hier in der Gegend. 😂
    Ich könnte zwar noch das ein oder andere schreiben, aber gerade möchte ich einfach nur nichts tun. 😊 Das war ein schöner Tag.

    Ps: gerade habe ich gemerkt, dass ich die 200km Marke überschritten habe. 🤷🏼‍♀️
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  • Genug erlebt...

    May 10 in Germany ⋅ ⛅ 10 °C

    ...um nicht über das Wetter schreiben zu müssen.

    Liebes Tagebuch.
    Die Nacht war in Ordnung und gegen acht verließ ich das Dom Hotel in Richtung Promenade. Vereinzelt torkelten noch ein paar Jugendliche am Wasser entlang. Etwas entfernt lief Ballermannmucke. Weg hier. Mein nächstes Ziel war das Haitabu Museum. Ich war ich mal als Kind und nun wollte ich mal gucken was man hier lernen konnte. Das zukünftige Wissen sollte 14€ kosten. Joa. Ich war der erste vor Ort und kam mir wie ein Nerd vor. Die Austellung startete auch ganz gut. Eine Abhandlung über die Historie der ehemaligen Wikinger Siedlung und die Ausgrabungen. Natürlich wurde auch diese archäologische Stätte im dritten Reich von den Nationalsozialisten ausgeschlachtet.
    Anschließend gab alle möglichen Gegenstände des Alltags zu sehen. Schmuck, Werkzeuge, Waffen etc. Anschließend ging es in die Schiffshalle, in der sich ein Modell eines Langschiffs befand. Mittlerweile war noch ein Rentnerpaar dazu gekommen. Sie ließen den Audioguide in voller Lautstärke über ihr Telefon abspielen. Somit konnte sich mein Wissen verfestigen. Ich ging durch die nächste Tür und Stand plötzlich im Eingangsbereich. Gerade mal eine Stunde. Ich hatte wirklich alle Texte gelesen. Nun gut. Es gab ja noch das Dorf, aber auch das war in 15 Minuten abgehakt. Heute war Sonntag und am Wochenende sind da so Leute, die so tun als wären sie Wikinger. Aber heute war wohl nur eine Schildmaid anwesend. Sie saß Kaffee trinkend auf einer Sitzgarnitur. So muss es wohl gewesen sein. Weiter ging es. Der Weg wurde nun richtig schön und schmal und es ging auch mal etwas hoch und runter. Überall zwitscherten Vögel. Meinen Beinen ging es gut. Ich hielt an meiner gestrigen Gangart fest. Der Weg ging nun wieder über eine Strasse und ich hörte schnelle Schritte hinter nie und eine Wanderin lief plötzlich neben mir. Moin. Moin. Wir guckten uns gegenseitig auf die Rucksäcke. Es stellte sich heraus, dass sie auch auf dem NST unterwegs ist. Sie war auch letzten Samstag gestartet. Wir gingen ein paar Schritte zusammen und erzählten uns die schönsten Geschichten aus der Asphalthölle. Ich konnte nicht mit ihr Schritt halten und sie musste einen Bus zurück zu ihrer Unterkunft kriegen. Als wir uns verabschiedeten stellte sich heraus, dass wir an einer Bundestrasse standen und nicht auf dem NST. Sie ging die Straße weiter, um dann wieder auf den Trail abzubiegen. Ich hatte null Ambitionen an der Straße zu gehen und drehte wieder um. Das sollte sich lohnen, denn es ging an einer schönen Mühle und Teichen vorbei. Der nächste Abschnitt war etwas mühsam. Gerade Feldwege, aber immerhin ab und zu mit Schotter. Ich fing an des Spiel "Verzecken" zu spielen. Wieviele Zecken konnte ich am Wegesrand im hohen Gras ausfindig machen? Meine Geschwindigkeit war dafür perfekt. Ja und nach kurzer Zeit und der Zahl 15 wurde der Spielspass durch Paranoia abgelöst. 😂 Ich konzentrierte mich auf den Asphalt. Aber auch das wurde anschließend mit dem Naturpark Hütter Berge belohnt. Keine Berge. Hügel. Eine willkommene Abwechslung. Ein ganz toller Buchenwald mit vielen kleinen Wegen. Dann ein Anblick, den ich schon seid Jahren nicht mehr hatte. Eine rare Sichtung unter den Outsoodspezies. Immer gut getarnt, oft abseits der Wege unterwegs: Bushcrafter. Gleich zwei. Sie stapfen an mir vorbei direkt in den Wald. Vermutlich wollen sie nur einen Kaffee kochen, denn sie haben je nur einen ca 60 Liter Militärrucksack dabei. Ihr Tarnkleidung macht sie eins mit der Natur, als sie im Gebüsch verschwinden.
    Jetzt ging es rauf auf den bislang höchsten Punkt mit 62 Metern. Oben angekommen wurde ich von Sonne und einer Sitzgelegenheit in Empfang genommen. Bis zu meinem Ziel waren es nur noch 1,7 km. Zeit hier etwas zu verweilen und zu schreiben. Währenddessen kamen immer mal wieder ein paar Einheimische hier hoch. Völlig ausser Atem. Von diesem schweren Anstieg waren auch viele Geschichten im E1 Trailregister nachzulesen. Dieses befand sich in einer Holzschachtel am "Gipfel". Neben einigem Blödsinn waren auch viele Einträge von Menschen auf dem NST zu lesen.
    Es wird kühl und ich mache mich auf den Weg zum Trekkingcamp. Da hatte ich mich gestern schon angemeldet. Das Camp ist hinter einem Haus, in dem Rüdiger wohnt. Er bezeichnet sich als Althippie und stellt seinen Garten gerne zur Verfügung. Als er meine Schuhe sieht ist das Eis sofort gebrochen. Er ist passionierter Altra Träger und nachdem wir mit dem Thema durch sind kommen wir zur Musik, Wandern, Natur und Vögel. Er ist auch Vogelkundler. Ja und so vergehen fast ein einhalb Stunden, bevor ich überhaupt mein Zelt aufbaue. Alles auf eine super sympathische Art. Er hat eine Aussentür für sein Bad eingebaut, damit seine Gäste vom Garten direkt aufs Klo können. Er teilt gern, wie er sagt. Seine Katze kommt mich noch besuchen. Auf der riesigen Weide nebenan leben Schafe und Ziegen. Die Vögel zwitschern. Schnell noch dehnen, essen und dann in die Falle.
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  • Viele kleine Schritte...

    May 9 in Germany ⋅ ☀️ 14 °C

    ...viele kleine Dinge. Von Road Rage, schöner Natur, einem Mahl, nervigen Jugendlichen und ausgebliebenen Schmerzen.
    Liebes Tagebuch. Die zwei Tage Ruhe taten richtig gut. Ich konnte mich körperlich und geistig vom Asphalt erholen. Der Schmerz in meinem Schienbein war fast weg. Gestern war ich noch kurz entschlossen zu Green Running, einem Fachgeschäft für Laufschuhe und Trailrunner in Altona, nachdem ich reflektiert hatte was wohl zu meinem Gebrechen geführt hatte. Zum einen die Wegbeschaffenheit, mein hoher Pace und große Schritte. An letzten beiden Punkten konnte ich selbst etwas ändern, aber der Strassenbelag... Ich wünschte mir etwas mehr Dämpfung an den Sohlen. Das ganze hatte zur Folge, dass ich über eine Stunde lang beraten wurde inkl. Laufanalyse auf so einer Maschine. Dann wurden mir Schuhe und Sohlen vorgelegt und es ging los: das Anprobieren. Letztendlich kristallisierte sich ein Schuh und die passenden Einlagen heraus. Ausprobieren. Schuhe brauche ich immer.
    Wieder bei Phoenix angekommen sortierte ich noch ein paar Sachen aus. Zum Beispiel meinen Gaskocher und Topf. Ich hatte ihn einmal benutzt. Lets try coald soaking. Die Gewichtsersparnis wurde durch eine Familientube Salbe schnell wieder ausgeglichen.
    Ja und heute morgen wollte ich es wagen. Ich wurde von Phoenix zum Bahnhof gebracht und um sieben stieg ich in die Bahn. Um halb elf stand ich dort wo ich den Trail verlassen hatte. Ich war nervös. Würde es ohne Schmerzen gehen? Ich tapste los. Langsam, kleine Schritte. Taps taps taps. Natürlich auf Asphalt. Nach drei Kilometern machte ich eine kurze Pause und horchte in meinen Körper, direkt ins Bein. Nichts. Ich freute mich. Die größte Herausforderung war nun an meinem Tempo und meinen Schritten festzuhalten und nicht auszubrechen. Das ganze wurde mir einfacher gemacht, als aus der Strasse plötzlich ein weicher schmaler Weg wurde. Es ging am Idstedter See vorbei und ich fing an wieder zu genießen. Die Sonne schien. Natürlich kamen auch wieder geteerte Wege zum Einsatz. Auf einem dieser sah ich einen schwarzen BMW auf mich zukommen. Doch anstatt den Abstand zu mir zu vergrößern hielt er direkt auf mich zu bis er plötzlich ca 20 Meter vor mir abrupt zum Stehen kam. Eine Staubwolke stieg an der Motorhaube empor. Als sie sich legte machte sie den Blick auf die Fahrerin frei. Sie starrte mich an. Als erstes dachte ich sie wolle mir vielleicht Hilfe anbieten, weil ich mit meinen Kompressionsstrumpf da so lang humpelte. Der Gedanke wurde sofort gelöscht als sie aufs Gaspedal trat und an mir im Affenzahn vorbei rauschte. Ich sprang zu Seite. Was zum Geier? Zwei weitere Szenarien machten sich in meinem Frontallappen breit: Entweder ich erinnerte sie an jemanden, mit dem sie noch ein Hühnchen zu rupfen hatte und die Konsequenz wäre es, diesen jemand zu überfahren oder sie war auf der Suche nach ihrem Traummann. Zum Glück schien ihr Restverstand noch die richtige Einschätzung der Sachlagen übermittelt zu haben. Wie auch immer. Bis jetzt war ich ja von irren Situationen verschont geblieben und versuchte es gelassen zu nehmen. Aber doch etwas verdutzt tapste ich weiter. Es ging wieder auf schmalen Wegen durch Wald und Wiesen. Ein wahrer Genuss. Sattes Grün, überall Blümchen, Kühe, Rehe, Wasser, Sonne, Wolken, Wind. Keine Schmerzen. Ja und irgendwann stand ich im Herkulesgarten in Schleswig und nur etwas später in der Stadt. Hier wollte ich bleiben. Nicht unnötig reinklotzen und außerdem möchte ich mir morgen früh in Ruhe das Haitabuh Museum angucken. So stieg ich im Dom Hotel ab. Was kann man für 50 Schleifen erwarten? Richtig. Aber das Zimmer war sauber und ich habe sogar mein eigenes Klo, was wohl nicht alle Zimmer haben. Etwas hellhörig. Ich vermute ich kann morgen früh hören was meine Nachbarn gegessen haben und andersrum.
    Ich ging noch kurz in die Innenstadt. Irgendwas zwischen Hansestadt und Ghetto. Irgendwie wie Kiel light.
    Hier sind Schattenboxen und Durstlöcher Trinkpäcken angesagt. Es ist Samstag und die Stadtjugend lässt es krachen. Fair enough. Ich stiess auf einen arabischen Imbiss und es roch extrem lecker. Ach so eine Kleinigkeit... keine zwei Sekunden nachdem ich mich gesetzt hatte wurde mir eine Schale Suppe vorgesetzt. Dazu eine herzliche Begrüßung. Eine kleine Schawarma sollte es sein, nachdem ich um eine Empfehlung gebeten hatte. Nun gut. Die bekam ich auch, aber nach und nach wurden andere Speisen vor mich gestellt. Etwas Hummus, eingelegtes Gemüse, Tee und ein dickes Stück Kuchen. Diese arabische Gastfreundschaft ist halt nicht zu schlagen. Mit dicker Plautze verabschiedete ich mich und rollte zurück Richtung Hotel. Ich setzte mich noch kurz ans Ufer der Schlei, um zu schreiben. Ich hörte es hinter mir gackern. Zwei Teenager setzen sich einen Meter neben mich. Dank meiner langjährigen Tätigkeit an einer Förderschule wusste ich, dass es nun dumm werden würde. Ich war jetzt schon genervt. Dann fragten sie mich was geht und bla. Ich sah wie die eine Göre heimlich mit dem Handy filmte und machte gleich höflich aber deutlich klar, dass ich auf so einen Quatsch keinen Lust hätte. Sie wurden etwas verlegen und deuteten an, dass sie nun weiter müssten. Ich stimmte ihnen zu. Was zum Geier Teil 2. Sowas bleibt einem erspart, wenn man irgendwo in der Natur schläft. Ich genoss den Abend am Wasser und freute mich einfach, dass mein Knie durchgehalten hatte. Schräg gegenüber feierten ein paar Jugendliche auf dem Segelboot der Eltern. Hinter mir beleidigten sich andere mit "Bastard" und "Hurensohn" durch. Idyllisch, dieses Schleswig.
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  • PCT Flashbacks

    May 7 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Liebes Tagebuch. Pause ist angesagt. Heute morgen war es nur minimal besser und die Angst, dass es wieder so schlimm wie vor drei Jahren auf dem PCT werden sollte kroch in mir hoch. Nichts riskieren, keinen falschen Ehrgeiz. Bis nach Schleswig wären es eh 22+km gewesen. Das würde es nicht besser machen. Das gute: ich war dieses Mal nicht irgendwo in der Wüste ab vom Schuss, sondern nur in der Norddeutschen Einöde. Ein zwei Pausentage müssen her. Hier auf dem Campingplatz wollte ich nicht bleiben. Es gab hier einfach null Infrastruktur. Aber es gab eine Bushaltestelle 50 Meter entfernt. Ich könnte in 45 Minuten in Schleswig sein und mir dort eine billige Absteige nehmen oder in die andere Richtung fahren und über Flensburg in nicht einmal drei Stunden bei Phoenix vor der Haustür stehen. Die Entscheidung war einfach. Um 20 nach sechs kam der Bus und um kurz nach neun stand ich plötzlich in Hamburg.
    Ich nutze die Gelegenheit und machte einen kurzen Abstecher zu Globettotter, um meine Isomatte auszutauschen. Diese war dank intensiver Nutzung fast vollständig delaminiert und hielt nicht mehr so richtig warm von unten. Schon Wochen vor der Tour habe ich versucht eine neue Matte zu besorgen, aber das von mir gewünschte Modell war nirgendwo lieferbar. Vor ein paar Tagen hatte ich sie Nachricht bekommen, dass es sie nun wieder gab und zufällig war sie in Hamburg auf Lager. Vor Globetrotter bildete sich schon eine Schlange von Rentnern, die wohl neue Funktionskleidung benötigen. Was man halt so um halb elf an einem Donnerstag macht. Ich hielt mich abseits auf bis der Laden aufmachen sollte. Ein Typ kam vorbei und sprach mich an was für eine Tour ich machen würde. Wir kamen kurz ins Gespräch und auch ihm sagte der Nord Süd Trail etwas. Er wollte auch zu Globetrotter und sich noch was für seine Rennsteig Tour nächste Woche holen. Als der Laden seine Pforten öffnete verabschiedeten wir uns und verloren uns in der Konsumhalle zwischen Tonnen von Outdoor Zeug auf drei Etagen. In der entsprechenden Abteilung wurde ich zum Glück nicht vom Personal angesprochen. Bestimmt nette Typen, aber ich wusste ja genau was ich wollte. Also schnell die Matte gepackt und zur Kasse. Natürlich standen vor der Kasse noch so Sachen, die man mal so mitnehmen soll und es hat funktioniert. Auf einem kleinen Tisch lagen ein paar Bücher. Unter anderem das Buch "7 Millionen Schritte auf dem Pacific Crest Trail". Eigentlich hab ich schon zu viele Bücher über den PCT gelesen. Im Endeffekt handeln sie halt alle von der gleichen Wanderung. Mal interessanter mal langweiliger geschrieben. Der Autor Björn und seine Freundin Annika waren allerdings auch 2023 auf dem PCT und waren verrückt genug in die völlig verschneiten Sierras zu gehen. Auf dem Trail waren wir uns leider nicht begegnet, aber die PCT Community "kennt" sich trotzdem. Ich hatte morgens noch mit ihm geschrieben, denn die beiden sind Trail Angel am NST in Kiel. Er hatte mir Angeboten bei ihnen zu übernachten und mich mit ihm an seine IPA Vorräte zu machen. 😂
    Das verschiebt sich nun etwas nach hinten. Aber wo war ich. Ach beim Globi. Auch lustig: da stehste in voller Ultraleicht Kampfausrüstung im Laden und kaufst ein Buch, welches du schnell und diskret in deiner Meshtasche verstecken willst... Schnell zur Kasse und dank Gutscheinprogramm von meiner Arbeit (Danke Chef!) 100€ Rabatt bekommen und dann noch Voltaren aus der Apotheke besorgt. Dann war es Zeit für Self Care. Füße hoch, eingecremt und Kühlkissen drauf.
    Irgendwann war ich natürlich neugierig wie die neue Matte so ist. Also aufgeblasen, probegelegen und sofort für 1 1/2 Stunden weggepennt. 😂 Scheint bequem zu sein.
    Dann fing ich an das Buch zu lesen und ich bekam Gänsehaut. Erinnerungen kamen hoch.
    Dann fand ich mich/uns wieder. Die beiden sind etwas nach uns gestartet und an einer Stelle beschreibt er seine Sorgen und die vorherrschenden Bedingungen, den Schnee und einen lokalen Fernsehbericht über eingeschneite Hiker in Mt. Laguna. Das waren u.a. wir. 😂
    Bin gespannt auf ihre Geschichten und wie es weitergeht.
    So verging die Zeit und irgendwann kam Phoenix von der Arbeit...
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  • Böse Omen

    May 6 in Germany ⋅ ☁️ 12 °C

    Liebes Tagebuch, was für eine prächtige Nacht. Ich habe geschlafen wie ein Stein. Draußen war es ziemlich kalt, aber ich war die ganze Nacht kuschelig warm. Noch bevor mein Wecker losknattern kann übernimmt ein Fasan ganz in der Nähe diese Aufgabe. Viel schöner.
    Wie zu erwarten bei diesem Platz ist alles nass vom Kondenswasser. Das Zelt ist gleich doppelt so schwer.
    Während mein Nachbar noch ratzt mache ich mich den wunderbaren Sonnenaufgang entgegen auf den Weg. Es dauert nicht lange und ich erreiche Flensburg. Ab hier werde ich bis Hamburg dem E1 folgen. Der Weg geht steil bergab. Wie kann das sein? Wann genau soll ich denn in den letzten zwei Tagen hochgegangen sein? 😂
    Der Markt wird gerade aufgebaut und in der Innenstadt ist noch völlige tote Hose. Nur ein Cafe hat auf. Während ich einen Kaffee schlürfe und die Schläuche entleere geier ich noch etwas Strom. Als ich das Cafe verlasse ist plötzlich richtig Trubel. Ich schlendere über den Markt und gucke ob es etwas besonderes zu Naschen gibt, aber nur der Flensburger Bierwagen sagt mir zu. Warum nicht. 😂 Auf die abgeschlossene Etappe Sylt-Flensburg. Das Bierfoto schicke ich frech zu meiner Arbeit...
    Ich mache mich wieder auf den Weg. Bloß raus aus der Stadt. Ich mache nir keine Hoffnungen auf etwas anderem als Asphalt zu gehen und ich habe recht. Eine schwer bepackte Wanderin kommt mir entgegen. Sie ist auf dem Weg nach Dänemark. Na dann hat sie es ja bald geschafft.
    Ich mache eine kurze Pause in einer Bushaltestelle im Nirgendwo, als ich wieder losgehe zieht es plötzlich in meinem linken Schienbein. Oh oh. Das kenne ich doch vom PCT. Scheisse. Es wird mich den Rest des Tages begleiten. Ich mache ganz langsam aber der leichte Schmerz ist ständig da. Uff. Jetzt schon? Hat mich der Asphalt gebrochen? Ich habe mich extra die letzten Tage immer gedehnt und ein paar Yoga Action Moves gemacht. Umsonst? Jeder Schritt zieht...
    Plötzlich stehe ich in einem Wald. Ein völlig ungewohntes Umfeld nach Tagen der offenen Fläche. Ja und dann wird aus der harten Strasse plötzlich ein kleiner wilder Singletrail. Was mir sofort auffällt: es zieht nicht mehr so dolle. Oh bitte lass keinen Asphalt mehr kommen. Falls gedacht. Natürlich dauert es nicht lange und ich stehe auf einer frisch geteerten Straße. Yeah. Ja und sofort wird das Ziehen doller. Noch drei Kilometer bis zum Campingplatz. Das kann ja was werden.
    Im Internet lese ich wilde Geschichten über den Betreiber des Platzes. Was mag da wohl noch auf mich zukommen? Ein ganz netter Herr und ich staune nicht schlecht als er ein Gespräch anfängt. Er weiss bescheid über das Wandern. Auf dem E1 ist viel los und in letzter Zeit sind auch immer mehr Leute auf "dieser neuen Route" unterwegs. Er meint den NST. Er zeigt mir einen Platz mit der Anmerkung, dass dort genau die Sonne aufgeht, denn "ihr Wanderer wollt ja morgens immer trockene Zelte". Richtig. Nur meistens bin ich schon unterwegs, wenn die Sonne aufgeht.
    Er zeigt mir wo alles ist und wünscht mir einen schönen Abend. Ich gehe sofort unter die Dusche. Ein tolles Gefühl. Dann nutze ich zum ersten mal meinen Kocher. Bis jetzt habe ich immer nur kalt gegessen und kalten Kaffee getrunken. Er hat mir bis jetzt nicht gefehlt. Aber nun eine warme Tütenpampe. Einfach ein Gedicht. Obwohl ich kurz an zu sabbern anfange, als die einzigen anderen Menschen auf dem Platz ihren Grill anwerfen.
    Mein Schienbein spüre ich fast gar nicht, solange ich nicht gehe. Ich werde morgen früh gucken wie es ist. Vielleicht ein Pausentag, vielleicht schaffe ich auch die 22km bis nach Schleswig, wo ich mir eh eine billige Absteige suchen wollte. Zur Not fährt direkt vorm Platz ein Bus oder im nächsten Dorf. Es ist so einfach hierzulande. So ärgerlich es sich auch anhört und mich wurmt habe ich einen entscheidenden Vorteil: Zeit! Und keinen Druck irgendwann irgendwo zu sein.
    Ich lege die Füße hoch und hoffe, dass es morgen besser ist.
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  • Die Profilreibe und späte Rache

    May 5 in Germany ⋅ ⛅ 9 °C

    Liebes Tagebuch. Heute ist gar nicht so viel passiert. Kein Bierkrieg oder so. Nur Asphalt. Ich habe mich gefühlt wie auf dem Siegwardsweg. Kaum eine Menschenseele unterwegs. Immer geradeaus. Nur die Hasen, Rehe, Fasane, Kraniche und Katzen waren meine treue Begleitung. Aber ich habe es auch genossen einfach nur so für mich zu sein. Nachdenken und sowas.
    Los ging es um viertel vor sechs. Ich bin nochmal beim Waldheim vorbei. Es roch nach Eisen. Nach Blut. Vor dem Schlachschuppen stand eine Wanne mit den Resten des gestrigen Rehs.
    Der Geruch war nicht sehr angenehm. Das Foto erspare ich euch.
    Um acht Uhr war ich in Ladelung und meine Stimmung wurde gedrückt, während ich mir die Gedenkstätte des KZ Ladelung anguckte. In den sechs Wochen, in denen es das Lager gab, wurden 300 Menschen durch Zwangsarbeit umgebracht. Beklemmend. Besonders in Zeiten wo die AfD Faschistenbande Rassismus wieder gesellschaftsfähig gemacht hat. Umso mehr freue ich mich, dass ich hier noch keine dummen Plakate oder Naziaufkleber gesehen habe. Eher das Gegenteil. Kein Vergleich zum Sauerland, der Pfalz oder dem Hunsrück, wo sogar Menschen Hakenkreuze an ihrem Haus hatten.
    Ich mache eine Pause und lasse die Eindrücke sacken. Diese Orte nehmen mich immer sehr mit.
    Der Weg geht anschließend meist schnurgerade aus. Du darfst raten auf welchem Untergrund. Naaaa? Richtig!
    Etwas aufregender wurde es, als es hinter einer Leitplanke an einer Bundesstraße entlang ging. Joa. Alles muss nichts kann. Da ist ne Leitplanke warum also mal von 100 runterbremsen? Ist eh Baustelle...
    Zum Glück waren es nur ein paar hundert Meter. Danach endlich wieder knüppelharter Belag. Ein Gedicht. Nebenbei überschritt ich die 100km Marke.
    Der Rest war nur ein Durchhaltewettbewerb. Ich kam noch einmal an der dänischen Grenze vorbei. Als Rache für gestern ging ich rüber und entleerte meine Blase. Nehmt das, ihr Schurken.
    Der letzte Kilometer zum Trekkingplatz war dann ein Genuss. Es ging durch eine mit Sträuchern bewachsene Wiese. Weicher Untergrund. Sattes grün.
    Am Camp Schäferhaus stand auch schon ein Zelt. Ein Bursche mit einem Drahtesel auf dem Weg zum Nordkapp. Schön etwas Gesellschaft zu haben. Meine Sprachausgabe war den Tag über etwas eingeschränkt. Bis auf 7xMoin 2xmitKartebitte und 2xDanke gab es nichts zu reden.
    Ein guter Zeitpunkt mal wieder das gesprochene Wort zu üben. Themen gab es genug, da er auch 2023 in den USA unterwegs war. Jedoch mit einem Van. Naja und Geartalk und sowas halt.
    Der Platz war übrigens auch sehr hübsch. Ein kleines Areal inmitten der wilden Weide. Rindvieh nebenan und eine Skulptur in der Mitte. Dazu eine Armee Waldameisen, die sich über meinen Nachbarn hermachten und Einzugspläne für sein Zelt hatten.
    Nach 39km auf der Profilreibe war ich bereit für den Matratzenhorchdienst und legte mich ab. Im Hintergrund das leise Rauschen der A7.
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  • Der deutsch dänische Bierkrieg

    May 4 in Germany ⋅ ☀️ 9 °C

    Liebes Tagebuch, als ich aufwache scheint die Sonne durch das Fenster. Ich freue mich. Zum einen über das Wetter und zum anderen darüber, dass ich Sylt verlassen werde. Aber vorher erst noch Frühstück. Dann geht es auch schon zum Bahnhof wo ich schweren Herzens von Phoenix Abschied nehmen muss. Ach weh. In ca zwei Wochen sehen wir uns vermutlich erst wieder. Sie bleibt noch ein paar Stunden, um die Strände unsicher zu machen. Ich steige in den Zug. Sie wird mir fehlen. Jetzt beginnt das Train Blazing. 🤣 Von Morsum ans Festland kann man nur mit dem Zug kommen. Nix mit wandern. Nach 20 Minuten erreiche ich Klanxbül. Der Trail ist die Landstraße. Ich treffe die Wanderin von gestern wieder (auch hier bei den Pinguinen als Himmelskind zu finden). Wir schnacken kurz in einer Bushaltestelle. Vermutlich werden wir uns erst nicht wiedersehen. Von daher alles gute für deine Reise, falls du das liest.
    Dann geht es auf einen kurzen Abstecher nach Dänemark. Auf einem Deich geht es kilometerlang durch eine weite Landschaft. Als ich am Grenzübergang zu Deutschland vorbeikomme und einen dänischen Supermarkt sehe, freue mich riesig auf ein leckeres IPA, aber vor Ort die große Enttäuschung: Verkauf nur an Dänen, wegen Dosenpfand. Danke Merkel. Ich bin kurz davor den Deutsch Dänischen Bierkrieg anzuzetteln. In letzter Zeit wurden ja schon aus nichtigeren Gründen Konflikte entfacht. Ich reisse mich zusammen. 🤣 Geknickt ziehe ich weiter. Auf Asphalt. An einer Schutzhütte mache ich eine Pause und esse etwas und dann geht es kurz durch etwas wie eine Art Wald. Wie ich das vermisst habe. Einfach mal wieder ein paar Bäume. Die Freude ist von kurzer Dauer und wird von mehr Asphalt abgelöst. Ich wusste was auf mich zukommt und somit akzeptiere ich es schlicht und einfach. Ich erreiche Süderlügum. Es ist Nachmittag und sämtliche Supermärkte (so sieben Stück) werden von Dänen geplündert. Ich hoffe, dass ich noch ein einziges Jever für den Tagesabschluss abbekomme. Pustekuchen. Eine einsame zerbeulte Dose steht halb ausgelaufen im Regal. Visionen von Krieg erscheinen erneut vor meinem inneren Auge. Von wegen The Trail Provides. Ich kapituliere. Rückzug nach vorne. Mein Unmut ist schnell verflogen, als ich einen heidebewachsene Dünenlandschaft quere. Nur kurz, aber eine Wiedergutmachung. Besonders die zwei dicken Ringelnattern, die ich sehen durfte haben mich versöhnt. Jetzt ist es nicht mehr weit zum Trekkingplatz "Mückenparadies". Hier kann man umsonst und legal zelten. Ein wunderschönes Areal im Wald mit einer Schutzhütte, Bänken und einem kleinen Teich mit Insel. Auf der Insel eine Sitzgruppe, die man per Floß erreichen kann. Hammer.
    Ich gehe noch kurz zum nahegelegenen Jugendwaldheim, um mein Wasser aufzufüllen. Ein paar Kids stehen an der Tür eines Schuppens. Ich mache mich bemerkbar und sie drehen sich um und geben den Blick in das Innere des Verschlags frei. Von der Decke hängt ein Reh. Links daneben ein dicker Jäger und rechts ein Mädchen, welches an dem Reh rumfiletiert. Er guckt mich verdutzt an. Ob ich mein Wasser auffüllen könnte, frage ich ganz lieb. "Da um die Ecke ist der Hahn". Er wendet sich wieder dem Mädchen zu erklärt ihr wo sie jetzt am besten rumschnippeln müsse. Die gute norddeutsche Art. Bloß kein Wort zu viel. Ich lasse sie ihr blutiges Handwerk verrichten und hole mir Wasser. Immerhin zerlegen die Kids ihr Abendessen selbst. Dann geht es zurück zum Platz. Schnell alles aufbauen und dann was essen. Nebenbei lese ich das Hüttenbuch der Initiative NST. Einfach toll, dass sich nach ein paar Jahren eine richtige Community gebildet hat. Daumen hoch. 👍
    Ab und zu kommen ein paar von den Schlachterkindern am Teich vorbei ansonsten passiert nichts und ich erkläre den Tag für beendet. Peace. ✌️
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  • Will ich zurück nach Westerland?

    May 3 in Germany ⋅ ☁️ 14 °C

    Liebes Tagebuch. Heute war die Etappe recht entspannt. Nur 13km sollten es werden. Von Westerland ging es nach Tinnum und dann immer dem Deich entlang. Links Schafe und rechts das Wattenmeer. Das Highlight war meine Begegnung mit einer anderen NST Wanderin. Das hätte ich nicht gedacht, so schnell jemand zu treffen. Von Weitem habe ich sie schon erkannt. Hier auf der Insel sind eigentlich keine Menschen mit Trekking Rucksack und Wanderstöcken unterwegs. Das fällt sofort auf. Nach einem kurzen Schnack ziehe ich weiter.
    Sonst passiert nicht viel. Ich ergötze mich an den verschiedenen Vogelarten und ein paar Kühen. Es regnet kurz und das schöne: ich bin fast ganz allein auf den Wegen. Ja und plötzlich stehe ich schon am Bahnhof in Morsum. Am liebesten würde ich die Insel verlassen, aber in Westerland wartet Phoenix auf mich. Der einzige Grund dorthin zurückzukehren. Nach zehn Minuten im Zug stehe ich wieder mitten im Touritrubel und merke, dass ich fertig mit der Insel bin. Es gibt hier keine Einheimischen mehr. Alles wirkt gekünstelt. Ich treffe Phoenix in einem Cafe und dann gehts kurz in die Unterkunft, um die Füße hochzulegen, bevor etwas Essen gehen wollen. Wie schon gestern erwähnt: die meisten lokale sind extrem teuer und die, die halbwegs bezahlbar sind wirken wie schlechte Systemgastronomie, ABER letztendlich landen wir in einem persischen Restaurant und werden nicht enttäuscht. Ganz hervorragende Küche und nicht aufdringlicher Service. Das Ganze zu normalen Preisen. Mahlzeit.
    Der Himmel hat sich verdunkelt und Regen peischt an die Scheibe und prasselt auf das Dach. Draußen versuchen die feinen Damen und Herren ihre Stepp- und Daunenjacken trocken zu halten. Wir sind froh nicht auf dem Zeltplatz zu sein. Es ist auch ziemlich kalt geworden... kurz bekomme ich Zweifel, ob es richtig war nur eine kurze Hose mitzunehmen. 😅 Aber für morgen ist wieder Sonnenschein angesagt und es geht auf das Festland.
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  • Reif für die Insel

    May 2 in Germany ⋅ 🌙 12 °C

    Es geht los. Um sechs bimmelt der Wecker. Schnell Kaffee in den Leib geschüttet und dann ab zur Bahn. Als wir auf den Bahnsteig kommen fährt unsere S-Bahn gerade ab. Vier Minuten früher als geplant. Yeah. Also neue Verbindung suchen, nochmal umsteigen und mit ach und krach schaffen wir es pünktlich am Bahnhof Altona aufs Gleis. Ein paar Sekunden später kommt ein Bahnmitarbeiter und informiert uns, dass der Zug nach Westerland ausfällt. Danke Merkel.
    Der Nächste fährt 30 Minuten später und ist natürlich knackig voll. Pünktlich um 8:32 Uhr MEZ fährt er los... nur um nach gefühlt 250 Meter wieder anzuhalten. Irgendwas mit anderen Zügen und Weichen. Alle 10 Minuten ertönt ein schriller Warnton und frisst sich ins Gehör. Wovor er warnt? Keine Ahnung. Die DB liefert mal wieder. In mir wächst der Wunsch wieder ein Auto zu haben. Auch Vandalismus ziehe ich in Betracht, aber erinnere mich an mein eigentliches Ziel: ich möchte spazieren gehen, über "Los" und meine "du kommst aus dem Gefängnis frei" Karten sind aufgebraucht. Also ruhig bleiben.
    Dann geht alles ohne Vorfälle weiter. Bis kurz vor Sylt. Da steigt der Zoll und ein macht so Zoll Dinge. Ich vermute das Koks wird aber per Privatjet auf die Insel gebracht.
    Irgendwann erreichen wir Westerland. Nichts wie raus aus dem Zug, rein in den Rewe, raus aus dem Rewe, rein in den Bus und weiter auf den nördlichen Teil der Insel. Von da aus geht zu Fuss weiter bis zum Trailhead des Nord Süd Trail. Ein paar Leute stehen drum rum und lesen das Schild. Sie sehen nicht aus, als wenn sie den Weg gehen wollen.
    Es ist 15 Uhr und seitdem wir aus den Haus sind acht Stunden vergangen. Na dann mal auf. Phoenix macht es sich in einem Strandkorb gemütlich und wird später mit dem Bus zurück fahren. Ich stapfe los. Der NST verläuft hier direkt am Strand und in dem weichen Sand geht doppelt viel Energie für jeden Schritt drauf. Ich denk mir nur "Uff. Das kann ja was werden." Zum Glück setzt die Ebbe ein und nach und nach legt sie einen Streifen nassen Sand frei, auf dem es sich ganz wunderbar gehen lässt. Der Strand ist menschenleer. Nur ein paar Vögel, die Brandung und der Wind. Ich komme gut voran und nach 11km erreiche ich Kampen. Hier verlässt der Weg den Strand und bahnt sich durch die Häuser der Schönen und Reichen bis zur Uwe Düne. Einen klasssischen Uwe (unten wirds eklig) kann ich zwar nach einem halben Tag nicht vorweisen, aber ich genieße die Aussicht über die Insel. In der Ferne sehe ich den hässlichen Fernsehturm von Westerland. Da gehts hin. Der Weg bahnt sich durch das Rote Cliff und es ist mal ein "echter" Wanderweg. Die letzten zwei Kilometer geht es auf einem Fahrradweg entlang und dann stehe ich schon auf dem Bahnhofsvorplatz wo Phoenix auf mich wartet. Wir schlendern durch die Innenstadt und kehren bei McDoof ein. Alles andere ist viel zu teuer oder sieht nach Tourinepp aus. Dann lieber was ehrliches. Westerland ist auch irgendwie abgerockt. Hier sind weniger Millionäre. Eher das gewöhnliche Volk und teilweise grausamste 70er Architektur schmücken das Stadtbild. Mir gibt das alles nichts. Nur die Dünenlandschaften mit den harten Gräsern und der Heide sind wirklich wunderschön.
    Nach dem Trash Buffet geht es in unsere Absteige, die aber tatsächlich von innen recht modern ist. Duschen, schlafen und morgen geht es weiter.
    23km in the Täsch.
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    Trip start
    May 2, 2026