• Tagesbericht No. 9 (Regenwald Abreise)

    June 10, 2024 in Ecuador ⋅ ☁️ 22 °C

    Wie macht man die Abreise leichter? Indem man den letzten Ausflug mit einer Startzeit von 6 Uhr ansetzt. Also klingelt um 5:15 unser Wecker. Wir überlegen, ob sich das Aufstehen lohnt, denn noch hören wir es leise regnen und bei Regen fällt die Tour aus.
    Aber, wie in den letzten Tagen fast immer, haben wir Glück und so ziehen wir uns ein letztes Mal unsere Gummistiefel an und stapfen in Richtung Motorkanu.

    Im aufsteigenden Nebel fahren wir den ungewöhnlich stillen Fluss entlang in Richtung Terra firme - eines der fünf unterschiedlichen Ökosysteme des Regenwaldgebiets.
    Hier befinden wir uns ca 250m überm Meeresspiegel, etwa 25 Meter höher, als am Basecamp. Dadurch ist dieses Gebiet quasi nie richtig geflutet und bietet den vielen Säugetieren Unterschlupf.
    Das bedeutet für uns aber auch, dass wir auf dem teils schlammigen und sehr rutschigen Boden die nicht unerhebliche Höhendifferenz überwinden müssen. Der kurze Aufstieg ist anstrengend, aber gut machbar.
    Unser Ziel ist eine Plattform, von der aus man bei klarem Himmel sehr gut viele der 650 Vogelarten beobachten kann.
    Heute, bei dem Nebel, ist die Sicht nicht sonderlich weit. Rom nutzt aber die Zeit, um uns noch etwas über die Besonderheiten der verschiedenen Ökoysyteme des Waldes zu erzählen und nach etwa 30 Minuten kündigt er den Abstieg an.

    Uns rutscht ein bisschen das Herz in die Hose, denn wir können nicht mehr ausblenden, dass wir den halsbrecherischen Pfad erneut beschreiten müssen. Und runter ist irgendwie schlimmer als hoch.
    Erstaunlicherweise packen alle aus unserer Gruppe es ganz gut. Bis auf einen kleinen Stolperer eines Mitreisenden direkt am Kanu. Dank der Gummistiefel kommt er aber mit trockenen Füßen davon.

    Auf dem Wasser passieren wir Vögel, die sich ihr Gefieder wärmen und genießen unsere vorletzte Fahrt. Und am Steg der Lodge erwartet uns eine niedliche Überraschung. Drei Titi-….Äffchen frühstücken die Früchte eines Baumes direkt nebenan. Wir haben damit jetzt sogar 7 der 10 Affenarten entdeckt!

    Ab jetzt haben wir nicht mehr lange Zeit. Ein letztes, sehr leckeres Frühstück, ein Gruppenfoto und dann wird es Zeit.

    Auf der dreistündigen Kanufahrt winken wir allen Tieren, denen wir begegnen, innerlich zum Abschied und machen noch eine grandiose Entdeckung.
    Ein Exemplar des …Kaimans, das sogar noch größer ist, als das von letzter Nacht.
    Als die urzeitliche Echse genug von unserem Staunen hat und durchs flache Wasser verschwindet, können wir noch eine Weile anhand der zitternden Äste und Bäume ihren Weg verfolgen und dann geht‘s auch für uns weiter.

    Ein kleines bisschen Hoffnung habe ich noch, eine Anaconda zu entdecken und so scanne ich mit meinen Augen die Uferlinien ab- leider erfolglos.
    Was allerdings auffällt ist, dass obwohl es in unserem Augen viel und stark geregnet hat, der Fluss immer flacher wird. Zum Teil sogar mehr als einen Meter.
    Das kommt daher, dass er quasi nur aus Regenwasser besteht, was natürlich verdampft und versickert. In der Trockenphase müssen die Kanus sogar über Teilabschnitte geschoben werden. Der aktuelle Wasserstand müsste so bei 7 Metern sein.
    Und schon jetzt muss Orson uns vorbeilenken an plötzlich aufgetauchten Bäumstämmen - oder eben mit Vollgas quer durch.

    In El Punto verabschieden wir uns von Rom und dem Regenwald. Einzig den Mosquitos zeigen wir innerliche Mittelfinger.

    Der Weg zurück in die Zivilisation. Ca 10 Stunden werden wir wieder im mittel-bequemen Bus sitzen. Neben uns: deutsche Touristen
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