68. ToM für Luisa
April 19, 2024 in Germany ⋅ 🌧 6 °C
Dieser Baum der Erinnerung wurde nicht nur für Luisa gepflanzt, sondern für alle Suizidopfer, Waldsolms und des Bestattungshauses Bangel.
Heute wurden gleichzeitig zwei Bäume der Erinnerung gepflanzt. Einen davon pflanzte Mario auf einem Klinikgelände in Thüringen. Für den anderen durfte ich die Zeremonie auf einem wunderschönen Gelände an der Grillhütte Griedelbach bei Hüttenberg halten.
Die Begegnungen dort mit Luisas Mutter und allen anderen Beteiligten wirkte noch länger in mir nach und hat auch mich berührt.
Heute sah ich nun die ersten Bilder in diesem Jahr von dem Bäumchen. Inzwischen hat das Bestattungshaus Bangel sogar eine Sitzbank gesponsert und aufgestellt. Und wieder fühle ich mich berührt. Von dieser Geste, die allen zugute kommt, die den Baum besuchen und dort ein wenig verweilen wollen.
Irgendwie passend, genau an dem heutigen Karfreitag. An Ostern. Die Tage, die uns von Leid, von Auferstehung, von Hoffnung erzählen.
Aus Leid, aus Schmerz heraus wieder den eigenen Weg finden können, mit der Akzeptanz des Geschehenen. Mit der Trauer an der Hand doch selbst wieder Hoffnung schöpfen können. Wieder verwurzeln können mit dem Leben, wachsen, auch wieder blühen und strahlen. Genau das sollen unsere Bäume der Erinnerung bewirken und zeigen. Wir sind noch hier... mit unseren Lieben immer im Herzen und in unseren Erinnerungen. Sie sind bei uns. Immer. Und wir sind hier. Im hier und jetzt. Egal wie trostlos und mühevoll es an manchen Tagen erscheint. Es werden immer wieder die sonnigen Tage auf uns warten, die Zuversicht, die Hoffnung und das Leben.
Möge jeder, der dieses Bäumchen besucht und sich auf der Bank zum verweilen niederlässt, Ruhe in die eigenen Gedanken einkehren lassen. Ein bisschen Frieden spüren. Und Hoffnung. Und Leben.
Friedliche Ostertage euch allen
-Eure Iris-
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EIN BAUM FÜR LUISA – STELLVERTRETEND FÜR ALLE, DIE NICHT BLEIBEN KONNTEN UND FÜR ALLE, DIE GEBLIEBEN SIND
Von der ersten Idee und dem Wunsch bis zum tatsächlichen Termin, in der Nähe von Hüttenberg einen Baum der Erinnerung zu pflanzen hat es nun fast fünf Jahre gedauert.
Wir wurden damals am 08.08.2019 eingeladen, um zum Memento Tag, als das Team von Bangel Bestattungen einen Tag der Offenen Tür durchführte, unseren Verein und das Projekt der Erinnerungsbäume den Besuchern vorzustellen. Bereits an diesem Tag gingen wir in die Planung, wurden so nach und nach Sponsoren gefunden, nahm alles ein wenig Gestalt an. Die Frage des Standortes jedoch blieb für längere Zeit unklar. Die Jahre der Pandemie ließen die weitere Planung erst einmal ins Stocken geraten. Und am 19.04.2024 war es endlich soweit: An einem wirklich wunderbaren Standort, erhoben auf einem Hügel mit herrlichem Blick in die Weite durfte die Zeremonie nun stattfinden. Bei der Grillhütte Griedelbach in der Nähe des Waldfriedhofs hat dieser Baum seinen Platz gefunden.
Das Wetter hatte uns zwar einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht da es zwischendurch richtig heftig regnete, in der Grillhütte blieben wir zumindest während den Reden trocken.
Herr Bangel fand gute, einleitende Worte, bevor Bürgermeister Bernd Heine seine Worte an die Anwesenden richtete.
Wie wichtig es sei darüber zu reden, da das Thema Suizid noch immer tabuisiert wird. Auch, dass es in der Gemeinde und dem Kreis viel häufiger vorkomme als man überhaupt erfahre, da die Presse den Kodex einhalte und den Werther Effekt vermeidet und nicht über einen geschehenen Suizid berichte. Und doch: das Thema Suizid sei präsent. Umso mehr befürworte er die Baumpflanzung und auch das Gemeindegremium stimmte dem Vorhaben zu.
Diese Sommerlinde steht für alle, die all die Hoffnung in ihrem Leben verloren und keinen anderen Ausweg mehr für sich selbst sahen. Dieser Baum steht für Luisa. Und für ihre Mutter, die durch den Tod ihres wunderbaren Mädchens in eine tiefe Lebenskrise und Sinnsuche geworfen wurde. Dieser Baum steht für alle Angehörigen und Freunde, die plötzlich ohne ihr Kind, ohne Partner oder Partnerin, ohne Vater oder Mutter, ohne Bruder oder Schwester, ohne den besten Freund oder die Freundin zurückblieben. Eine Sommerlinde, die für die Menschen schon sehr lange eine tiefe Bedeutung hat. Durch ihre zarten, hellgrünen Blätter gibt sie ein schönes, freundliches und friedvolles Bild in der Landschaft. Unter den Linden wurde sich früher getroffen, wurde getanzt und gelacht. Lindenbäume waren der Mittelpunkt des Ortes. Die Linde ist Symbol der Güte, der Gastfreundschaft und der Bescheidenheit.
Mario Dieringer hatte am selben Tag eine Baumpflanzung am Hainich Klinikum in Mühlheim/Thüringen. Unverhofft gab es nun Terminüberschneidungen, die wir jedoch gut zu lösen wussten. Die erste Planung für den Baum für Luisa, stellvertretend für alle Suizidopfer, hatte ich selbst 2019 begonnen, bevor dann unsere fleißige Sonja voller Engagement mit dem Bestattungshaus im letzten Jahr weiter in den Feinschliff der Planung ging und vollendete.
Ich bin dankbar, dass ich für Luisas Mama und alle anderen Suizid-Hinterbliebenen, dass ich für all die, die viel zu früh gingen, diese Zeremonie zur Pflanzung übernehmen durfte. Wir sind dankbar für die wunderbare Zusammenarbeit mit dem ganzen Team von Bangel Bestattungen, dem es eine Herzenssache war diesen Baum zu pflanzen. Wir sind dankbar für all die Sponsoren, ohne die diese Pflanzung nicht möglich gewesen wäre. Wir sind dankbar für das tolle Engagement der Gemeinde, die uns bei allem unterstützte und den Baum pflanzte. Und ebenso dankbar, dass Bürgermeister Herr Heine der Einladung folgte um an der Zeremonie teilzunehmen. Mein Dank geht an alle, die diese Pflanzung möglich machten. Die persönliche Begegnung mit den Beteiligten, mit den Hinterbliebenen, der Austausch davor und danach, es hat mich berührt.
Und ich bin mir sicher, dass dieser Platz, an dem die Linde nun steht, perfekt gewählt ist. Wie friedvoll und weit der Blick von dort aus reicht, an Ort zum Verweilen. Zum liebevollen Erinnern und Kraft sowie Mut zu finden.
- Eure Iris -Read more













