• Londonderry die eingemauerte Stadt

    12 giugno, Irlanda del Nord ⋅ 🌬 15 °C

    Die Stadtmauer von Londonderry, oft auch einfach als "Derry Walls" bezeichnet, ist eine der bedeutendsten und imposantesten historischen Sehenswürdigkeiten in Nordirland. Sie umgibt den historischen Kern der Stadt am Westufer des River Foyle. Vor allem ist sie die einzige vollständig erhaltene ummauerte Stadt auf der gesamten Insel Irland. Damit ist die Befestigungsanlage nicht nur ein lokales Wahrzeichen von Londonderry, sondern auch ein herausragendes Beispiel für Festungsstädte in Europa und gehört zu den besten erhaltenen Stadtmauern im gesamten Vereinigten Königreich.

    Die Mauern wurden zwischen 1613 und 1618 errichtet, wobei einige Quellen auch den Zeitraum von 1608 bis 1613 oder 1613 bis 1619 angeben. Das Baumaterial bestand größtenteils aus den Ruinen mittelalterlicher Klostergebäude, was der Konstruktion eine besondere historische Tiefe verleiht. Für die Planung und den Bau waren der Ingenieur Peter Benson aus London sowie der Architekt Sir Edward Doddington aus Dungiven verantwortlich. Die Finanzierung erfolgte durch die Irish Society und Londoner Geschäftsleute gemäß einer königlichen Urkunde von König Jakob I., der die Stadt neubevölkern und stärken wollte.

    Der ursprüngliche Zweck der Stadtmauer war hauptsächlich defensiv: Sie sollte englische und schottische Immigranten, die im Zuge der Kolonisation in die Stadt gekommen waren, vor Angriffen lokaler irischer Rebellen schützen. Die sorgfältige Planung und die hohe Bauqualität machten die Mauern zu einer fast uneinnehmbaren Festung. Trotz dreier großer Belagerungen – 1641, 1649 und vor allem 1688–1689 – wurde die Stadtmauer niemals zerstört oder die Stadt erfolgreich eingenommen. Deswegen trägt Londonderry den Beinamen "The Maiden City", was "die jungfräuliche Stadt" bedeutet und darauf verweist, dass die Stadt nie gebrochen wurde.

    Die berühmteste Belagerung erfolgte zwischen 1688 und 1689, als sich protestantische Siedler aus England und Schottland über 105 Tage gegen jakobitische Truppen verteidigten. Während dieser Zeit wurden gusseiserne Kanonen eingesetzt, die heute noch entlang der Mauer sichtbar sind und einen authentischen Einblick in die militärische Geschichte der Stadt geben. Ein besonders historisches Ereignis ist, dass die Lehrlinge der Stadt das Tor "Ferryquay Gate" während der Belagerung 1688–1689 gegen die Angreifer gesperrt und verteidigt haben, was maßgeblich zum erfolgreichen Widerstand beitrug. Das Ferryquay Gate ist heute das berühmteste der vier ursprünglichen Stadttore.

    Die Stadtmauer ist insgesamt etwa anderthalb Kilometer lang, wobei einige Quellen auch 1,6 Kilometer angeben. Ihre Höhe erreicht bis zu 8 Meter, was sie zu einer wahrhaft beeindruckenden Verteidigungsanlage macht. Die Mauer besitzt vier ursprüngliche Stadttore: "Bishop's Gate", "Ferryquay Gate", "Butcher's Gate" und "Shipquay Gate". Im 18. und 19. Jahrhundert wurden diese ursprünglichen Tore rekonstruiert. Zusätzlich wurden drei weitere Tore hinzugefügt: "New Gate" im Jahr 1789, "Castle Gate" im Jahr 1803 und "Magazine Gate" im Jahr 1865, um den zunehmenden Verkehr und die wachsende Stadt besser zu erschließen.

    Für Besucher bietet die Stadtmauer heute einen gut begehbaren Fußgängerweg, der über die gesamten Mauer führt und einen eindrucksvollen Spaziergang ermöglicht. Von den Mauern eröffnet sich ein spektakulärer Ausblick auf die historische Stadt und ihre Umgebung. Besonders beeindruckend sind die Sicht auf die "St. Columb's Cathedral", die auf das Jahr 1633 zurückgeht und damit eine der ältesten Kathedralen in Irland ist, sowie die schon beschriebene Guildhall mit ihrem charakteristischen Uhrenturm, der sich majestätisch über die Stadt erhebt.

    Entlang des Weges finden sich zahlreiche historische Denkmäler, die Aspekte der Geschichte der Stadt widerspiegeln. Die Kanonen aus der Zeit der Belagerung 1688–1689 sind noch heute an der Mauer positioniert. Ein genauer Plan der Stadt aus der Zeit der Belagerung, der rechts von Ferryquay Gate auf der Außenseite der Mauer angebracht ist, ermöglicht einen detailreichen Einblick in die damalige Stadtstruktur und die strategische Bedeutung der Verteidigungsanlagen.

    Die Stadtmauer von Londonderry ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Sie bietet nicht nur wunderschöne Ausblicke und eine angenehme Spazierroute, sondern vermittelt auch anschauliche Einblicke in die verworrene und oft konfliktreiche Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland.
    Leggi altro