Fahrtag immer südwärts
February 3 in Switzerland ⋅ ⛅ -5 °C
Nach dem gestrigen schönen Abend und dem leckeren Essen starten wir heute gespannt in den Tag. Wie weit werden wir wohl kommen? Unser Ziel ist klar: die italienische Grenze. Doch ob wir es tatsächlich schaffen?
Da unser Wohnmobil mit seinen 3,60 m Höhe leider zu gross für den Autoverlad Kandersteg–Goppenstein ist (erlaubt sind nur 3,55 m), heisst es umplanen. Also fahren wir wieder talauswärts Richtung Thunersee. Zum Glück ist der Umweg überschaubar – und landschaftlich alles andere als ein Nachteil.
Bei traumhaftem Wetter führt uns die Route durchs Simmental an Zweisimmen vorbei, weiter durchs Saanenland und schliesslich hinauf zum Col des Mosses. Hier werden bei Andreas Erinnerungen wach: Während seiner Militärzeit war er für ein paar Tage hier stationiert. Ein besonderes Gefühl, Jahre später wieder an denselben Ort zurückzukehren.
Mit zunehmender Höhe wird das Wetter jedoch unbeständiger. Zwischendurch tanzen sogar ein paar Schneeflocken vor der Windschutzscheibe. Die Abfahrt vom Col des Mosses ist ziemlich steil, doch unser Wohnmobil meistert sie problemlos. Schon bald entdecken wir die ersten Weinreben an den Hängen kurz vor Aigle, die uns bis nach Martigny entlang der Autobahn begleiten.
In der Ebene werden die Rebhänge von grossen Aprikosenplantagen abgelöst – von hier kommen also die berühmten Walliser Aprikosen! Das Wallis empfängt uns von seiner besten Seite: Sonne, milde Temperaturen und dieses besondere Licht, das der Region den Beinamen Sonnenstube der Schweiz eingebracht hat. Die Hänge sind mit unzähligen Rebsorten bepflanzt; im Herbst muss diese Strecke ein einziges Farbenmeer sein.
Der Rhone entlang fahren wir zügig auf der Autobahn bis nach Brig und legen so in kurzer Zeit einige Kilometer zurück. Dort beginnt der steile Aufstieg zum Simplonpass. Die Strasse ist gut ausgebaut, schneefrei – und die Sonne begleitet uns weiterhin. Doch von Süden her ziehen Wolken über die Berggipfel und kündigen einen Wetterwechsel an.
Oben auf dem Simplonpass legen wir einen Kaffeehalt ein – und treffen spontan eine Entscheidung: Wir bleiben über Nacht. Parken ist kostenlos, lediglich die Kurtaxe ist zu bezahlen. Einfach grossartig – vielen Dank an die Region! Laut Wetterbericht soll es auf der Südseite ungemütlich werden, und wir haben keine Lust, schon heute Nacht vom Trommeln des Regens auf dem Dach geweckt zu werden. Das wird uns in den nächsten Tagen wohl noch oft genug begleiten.
Ein kurzer Spaziergang auf rund 2'000 m ü. M. darf natürlich nicht fehlen. Doch hier scheint alles im Winterschlaf zu liegen, selbst Hauseingänge werden nicht mehr freigeräumt. Der Wind rüttelt kräftig an unserem Wohnmobil, obwohl wir geschützt hinter einer grossen Glaswand stehen.
Auf dem Simplon entdecken wir auch das Wahrzeichen des Passes: den mächtigen Adler. Der Adler ist über 9m hoch und besteht aus grob behauenen Steinen. Als Symbol der Wachsamkeit steht er hier als Soldatendenkmal. Auf seinem Sockel steht:
«IN DER FREIHEIT DER BERGE STEHT ES, EIN WUCHTIGES MAL AUS HARTEM GRANIT:
EIN GEDENKEN TREUER PFLICHTERFÜLLUNG, EIN DAUERNDES MAHNEN,
WILLIG UND WACH ZU SEIN FÜR UNSERE FREIHEIT.»
Leider führt momentan kein Weg direkt zum Adler – alles ist tief verschneit. So bleibt uns nur der Blick aus der Ferne. Trotzdem beeindruckt er, wie er dort oben über den Pass wacht.
Auch wenn wir unser heutiges Tagesziel nicht erreicht haben, geniessen wir jede freie Minute. Genau so fühlt sich Reisen für uns richtig an: ohne Druck, im eigenen Tempo und mit Zeit für all die kleinen und grossen Momente am Wegesrand.Read more























TravelerWohin der Wind Euch ebenfalls weht!
Traveler
Tolle Bilder
Traveler
Wow❄️❄️
Yvi on tourHabe schon lange nicht mehr soviel Schnee gesehen.