• Running up that hill

    February 26, 2025 in Canada ⋅ ☁️ 2 °C

    Am Morgen verschluckt mich die gelbe Linie 1 der "Toronto Transit Commission (TTC)" an der Queens Station und spuckt mich zwanzig Minuten später wieder an der Station Spadina aus.

    Es zieht mich dem Tageslicht entgegen an die Erdoberfläche. Die Skyline am See und die Universität im Rücken, erlebe ich hier ein anders Toronto, mehr Vorort mit vielen Einfamilienhäusern, Vorgärten, so wie man es aus Filmen kennt. "The Annex" wie das Viertel heißt, würde 1886 von der Stadt als Vorort geplant. Der Stil der Häuser liegt anfangs zwischen viktorianischem, später dann in Georgian und Tudor Stil. Es gilt heute als eines der buntesten Stadtviertel.

    Durch die inzwischen wärmende Sonne gehe ich über die Bloor Street zum Bata Show Museum. Weltweit gibt es nur acht Museen dieser Art und nur dieses eine auf dem gesamten amerikanischen Kontinent.

    Intuitiv denkt man an die unter dem Markennamen produzieren Schuhe. Es gibt eine nicht direkte Verbindung dazu. Die Bata Schuhfabrik wurde 1894 im heutigen Tschechien von Tomáš Bata und seinen Geschwistern gegründet. Tomáš revolutionierte die Schuherstellung mit der Einführung der Fabrikfertigung und der Belieferung des Einzelhandels. Der heutige Hauptsitz - mit rund 30.000 Mitarbeitern und 40 Produktionsstätten - ist Lausanne (CH).

    Museumsgründerin Sonja Bata heiratete den Erben Thomas J. Bata und unterstützte ihn geschäftlich. Auf ihren Reisen durch alle Welt, sammelte sie seltenes Schuhwerk, welche in das 1995 eröffnete Museum einflossen. Es zeigt die Kultur, Geschichte und Handwerkskunst dieses Produkts.

    Von hier aus ging es entlang der Spadina Road, bergaufwärts, zur Casa Loma - dem "Haus auf dem Hügel". Es war der vornehme Wohnsitz von Sir Henry Pellatt. Der kanadische Millionär war mit Wasserkraftwerken an den Niagara Falls und als Chef der Toronto Electric Light Company reich geworden. Sein C$ 3,5 Mio. (heute ca. 60 Mio.) liegt in der Wohngegend der damaligen High Society.

    Hier war ich mit dem Guide verabredet. Und welch' Überraschung ereilte mich, als David von The Tripshepard mich ansprach (mit ihm hatte ich bereits die nächtliche Führung durch Toronto).
    Wir sollten in Summe drei Teilnehmer sein. Das Pärchen kam nicht, so hatte ich zum 2. ten Mal eine private Führung.

    In der ca. 3 jährigen Bauzeit (1911-1914), erachaffte der Architekt Edward Lennox (baute u.a. auch die Old City Hall) eine Mischung aus romantischem Traumschloss und mittelalterlicher Burg. Es war nicht der kostspielige Bau, Sonden die Weltwirtschaftskrise, die Pellatt in den Ruin trieb. Er musste nach 10 Jahren das Haus verkaufen.
    Es verfügt über 100 Zimmer, zwei Geheimgängen u.a. zum Weinkeller, eine indirekt beleuchtete Bibliothek, einen Wintergarten samt angeschlossener Pferdeställe.

    Wie es sich für den Chef eines Energie-Unternehmens gehört, hatte das Haus überall elektronisch Strom für Lampen, den ersten Aufzug, eine moderne Heizung und sogar eine Dusche im mit Carrara-Marmor ausgestatteten Bad des Hausherrn.

    Und dazu (damals) einen Blick bis zum Ontario See.

    Von dieser opulenten Unterkunft einer Familie und ihren ca 80 Angestellten geht es auf die andere Straßenseite in das Spadina Museum.
    Dieses eher bescheiden wirkende Haus hat immerhin noch 50 Zimmer.
    Es wurde 1866 für den Bankier James Austin erbaut. Sein Sohn erweiterte es zwischen 1898 und 1913. Daher gibt es hier auch eine Mischung aus Viktoria NN ischem und edwardianischem Stil. 1984 verkaufte die Familie es an die Ontario Hermitage Foundation, die es zum Museum umgestaltete. Es gibt Einblicke in die High Society der damaligen Zeit.
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