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  • Day4

    Bienvenidos a Buenos Aires

    January 5 in Argentina ⋅ ⛅ 28 °C

    Monatelang haben wir uns auf unser Abenteuer in Südamerika gefreut. Nun ist es Realität. Nach einem 15-stündigen Flug via Frankfurt und einer Busfahrt kommen wir in Buenos Aires an. Erster Eindruck: Es riecht nach Grilladen. Und es ist regelrechtes Barbecue-Wetter – um die 30 Grad Celsius und es weht ein angenehmer Wind. Die Weihnachtsdekoration, die in ganz Buenos Aires immer wieder zu bestaunen ist, wirkt da fast schon irritierend.

    Wir wurden gewarnt: Eine hektische und gefährliche Stadt. Und waren erstaunt, wie gelassen die Porteños sind, wie die Einwohner von Buenos Aires genannt werden. Überhaupt ist die Stadt viel schöner und weniger hektisch, als wir es erwartet haben. Vielleicht liegt es an der Ferienzeit, viele Argentinier geniessen über die Weihnachtstage und Neujahr die freien Tage, um ihr Land zu bereisen. Auf jeden Fall fühlen wir uns in Buenos Aires von Anfang an gut aufgehoben. Überrascht sind wir auch über die Bewohner der Stadt. Sie haben wenig gemein mit hitzigen Latinos, sind sie doch zu Beginn zurückhaltend, stolz und fast ein bisschen reserviert. Im Gespräch zeigt sich dann aber, wie freundlich, offen und hilfsbereit sie sind. Und uns scheint, als ob sie aufgrund der wirtschaftlichen Schwankungen noch mehr das Hier und Jetzt geniessen. So lohnt sich für Argentinier das Sparen kaum, wissen die Landsleute doch nie, wie sich der Peso-Kurs entwickeln wird. Die Inflationsrate lag letztes Jahr bei über fünfzig Prozent. Luana, unser Tourguide während einer Biketour, vermittelt uns diesbezüglich einen skeptischen, aber doch gelassenen Eindruck. Man sei es sich schlicht gewohnt, wenn man in Argentinien lebe und wisse nie, was die Zukunft bringe.

    Genannt wird Buenos Aires das Paris des Südens. Uns erinnerte die Stadt vor allem an Madrid – breite Strassen, schmucke Artdeco-Gebäude, von Bäumen gesäumte Alleen. Je mehr Quartiere wir kennen lernen, desto vielfältiger wird die Stadt für uns. Da ist das bunte, hektische, arme La Boca. Im Arbeiterquartier sind alle verrückt nach Fussball. Epizentrum der Verrücktheit ist la Bombonera, das Stadion des Traditionsvereins Boca Juniors, das sich mitten zwischen Häuserzeilen in die Höhe türmt. Steil sind die Zuschauerreihen angeordnet und keine zwei Meter trennen Spielfeld und Zuschauer an der schmalsten Stelle. Nicht umsonst wurde das Stadion, dessen Namen übersetzt Pralinenschachtel heisst, auch schon als Tor zur Hölle bezeichnet. So sagte der brasilianische Fussballer Romario, Weltfussballer von 1994 einst: "La Bombonera es lo más cercano al infierno".

    Einen krassen Gegensatz zu La Boca bildet Recoleta, wo hübsche Strassencafés, vornehme Häuser und teure Boutiquen auf den Besucher warten. Eindrücklich war auch der Friedhof von La Recoleta, eine Art Miniatur-Stadtteil, wo in Mini-Kapellen Berühmtheiten von Buenos Aires bestattet wurden. Nicht fehlen darf da natürlich das Grab von Eva Duarte de Perón, genannt Evita. Die ehemalige und einflussreiche Präsidentengattin ist bis heute umstritten bei den Argentiniern, gleichzeitig aber omnipräsent in Buenos Aires.

    Besonders erstaunt an der argentinischen Hauptstadt hat uns Puerto Madero, das Quartier rund um den Hafen von Buenos Aires. Mit den Backsteinbauten, den modernen Hochhäusern, hippen Restaurants und Hafenkränen wähnten wir uns hier in Hamburg oder einer anderen nordischen Stadt – aber sicher nicht in Südamerika.
    Am wohlsten fühlten wir uns aber in Palermo, unserer Hood, in der wir unsere Unterkunft hatten. Hier gab es diverse schöne Restaurants, welche draussen Tische deckten, viele Bäume, welche Schatten spendeten und Strassenzüge mit farbenfrohen Gebäuden. Bis spätabends konnte man hier gemütlich bei feinem Essen und einem Glas Malbec draussen sitzen.

    Zurück zum Fussball. Die Stadt ist diesbezüglich zweigeteilt. Im Südosten und bei den Arbeitern geht nichts über Boca Juniors, während in den vornehmeren Gegenden im Nordwesten der Verein River Plate dominiert. Als wir Buenos Aires erkundeten, fand keine Partie statt, weshalb wir leider nicht den ganzen Spirit erleben konnten. Die Vereinsfarben rund um La Bombonera liessen uns aber erahnen, mit welchem Eifer die Argentinier den Fussball zelebrieren.

    Fussball ist eine grosse, aber nicht die einzige Leidenschaft der Porteños. Die zweite grosse Leidenschaft ist der Tango. Zwar scheiden sich die Geister, ob er in Uruguay oder in Argentinien seinen Ursprung fand, doch für die Argentinier scheint der Fall klar zu sein. Die leidenschaftliche Tanzform, die melancholischen Melodien und die feurigen Rhythmen haben uns in ihren Bann gezogen. Auf die Spitze getrieben haben die Porteños ihr Können bei einer Show im Centro Cultural de Borges im Microcentro von Buenos Aires.

    Und da ist ja auch noch Asado. In den Parilladas erwarten einen gigantische Fleischbrocken. Simon wurde damit vorzüglich verpflegt – und war von der schieren Menge teils gar etwas überfordert. Doch Roseline (spanisch: Rosalín) kann beruhigen. Auch als Vegetarierin lässt es sich in Buenos Aires vorzüglich speisen. So gibt es feine Gnocchi, Nudeln oder Crêpes.

    Die vierte Leidenschaft war für uns dann doch eher überraschend: Hunde – in allen Rassen, Grössen und Variationen. Die Porteños lieben ihre Hunde. Gefühlt jeder zweite Einwohner führte einen Hund an der Leine oder – und das wurde mehrfach gesichtet – trug diesen wie einen Säugling durch die Strassen von Buenos Aires. Hundecoiffeurs müssen in der Stadt ein Vermögen machen. Denn häufig waren die Vierbeiner besser frisiert als ihre Herrchen und Frauchen. Aber weshalb die Hunde selbst spazieren führen, gibt es in Buenos Aires dafür doch unzählige Dog Sitter. Bis zu zwanzig Vierbeiner haben sie gleichzeitig ausgeführt.

    Kurz zusammengefasst. Wir vermissen Buenos Aires jetzt schon – vielleicht auch im Wissen, dass es von nun an tendenziell lauter, hektischer und dreckiger wird. Wir haben die Stadt aber in vollen Zügen genossen: Bei einer Velotour in den grünen Lungen der Stadt, bei der Tangoshow, bei diversen feinen Essen wie leckerem Asado, beim Yoga auf unserem Balkon, beim Schlendern durch die abwechslungsreichen Quartiere oder bei Gesprächen mit unseren Taxifahrern.

    Nun geht es – abweichend von unseren Plänen – weiter nach Uruguay. Wir sind gespannt auf Montevideo.
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