• Geister im Schnee

    April 27 in Norway ⋅ ☁️ 3 °C

    Regenwetter ist im Anmarsch, da musste ich Abends noch mal los, den letzten Schneezauber einfangen ... Und ich hatte noch ein anderes Ziel, wagte aber kaum zu hoffen, das ich das erreichen kann... Elche, denn ich wußte jetzt, das es gerade welche auf Gimsøy gibt, Eric hat sie beim Straßenüberqueren gesehen und nach Sonnenuntergang sind die Chancen nicht schlecht...
    Blöd nur, das die Sonne mittlerweile erst kurz vor 22 Uhr untergeht, der einzige Vorteil, zu dem Zeitpunkt ist niemand mehr unterwegs, v.a. keine Touristen.
    Nachmittags bei Lila zum Kaffee trinken und danach noch die Lämmchen fotografiert. Sind schon stabiler und frecher jetzt. Bin schon sehr gespannt, in den nächsten Tagen werden noch ca 20 erwartet 🤗...

    Auch ein Kranichpaar sollte es aktuell auf Gimsøy geben, eine Rarität auf den Lofoten... Also erstmal die bekannten Wege abgefahren, nach den Kranichen gesucht und noch auf ein bisschen Sonnenuntergang gehofft. Leider fing es wieder heftig an zu schneien, so das ich die Hoffnung schnell begrub. Doch dann bin ich auf dem Rückweg noch mal in eine kleine Nebenstraße gefahren, die auch durch Wald ging, so wie ihn die Elche lieben. Und da, im vorbei fahren sehe ich im Unterholz gerade noch ein paar Beine und einen riesigen dunklen Körper. Habe sofort angehalten, war an diesem Elch natürlich schon vorbei, doch stand ich dann direkt vor dem nächsten. Ein riesiger Bulle, der mich mit seinen ernsten Augen durch das Unterholz fixierte. Er kam dann sogar raus und ein Stück weit auf mich zu, ohne mich dabei aus den Augen zu lassen... Ohne Auto hätte ich mir vor Angst in die Hose gemacht, er war so riesig und absolut furchtlos. Er stand ein bisschen oberhalb von mir eingehüllt in den treibenden Schnee, wie ein Geist von einer anderen Welt. Gerade habe ich es noch geschafft, ein paar Fotos von ihm zu machen, mit dem Schnee und 6400 ISO war das recht anspruchsvoll. Dann wand er sich ab und ging zurück in den Wald. Dann fuhr ich zu einem Wendepunkt und dann die Straße im Schritttempo zurück. Beide Elche waren so vom Wald verschluckt, als hätte es sie nie gegeben... Und ich war total glücklich, fühlte mich so reich beschenkt. Dann riß auch noch der Himmel auf und bescherte mir eine Sonnenuntergangsstimmung vom Feinsten - und das mitten im Schneegestöber.
    Als ich langsam wieder auf die Hauptstraße fuhr schaute ich natürlich weiter, und sah dann ganz hinten am Hang eine winzige Figur, die kein Fels war. Angehalten, rangezoomt: jawohl, noch ein Elch! Ich freute mich riesig, machte ein paar Bilder und fuhr dann langsam weiter in seine Richtung. Und dann sah ich sie, 2, 4 nein insgesamt 6 Elche ästen da am Hang, ich hatte die Herde gefunden! Passenderweise gab es sogar eine Haltebucht, in der ich in angemessener Entfernung parken konnte. Ich machte eine Serie von Aufnahmen, und dann lehnte ich mich einfach zurück und genoß den Anblick. Ich war weit genug weg, das sie sich nicht gestört fühlten und konnte trotzdem gut beobachten, wie sie die Asttriebe fraßen, denn das Grasland war ja wieder von Schnee bedeckt. Was ein tolles Erlebnis! Als sich die Elche wieder langsam den Hang hoch bewegten, fuhr ich nach Hause. Noch völlig im Glücksrausch dauerte es wieder lange, bis ich endlich ins Bett gehen konnte.
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