• Noch mal Warschau

    June 5, 2025 in Poland ⋅ ☁️ 23 °C

    Heute war eigentlich Regen angesagt. Also habe ich schon vorab Wortwitz gekalauert in der letzten Nacht ... jetzt war aber gar kein Regen heute und das Gedicht beschreibt nicht die Realität und läuft somit außer Konkurrenz.

    War Schauer? Nö, ich würde wohl
    Als Dauerregen es beschreiben
    Da half auch nicht mehr Alkohol
    Wir konnten hier nicht bleiben

    Naja. Hatte schon bessere.

    Der Tag fing damit an, dass uns beim Frühstück Kienäppel auf den Kopf zu fallen drohten, deswegen sind wir auf Nummer Sicher gegangen (Höhö!)

    Anschließend sind wir ca. 14 km in die City geradelt, wobei ich versehentlich in Komoot zunächst "Wandern" statt "Fahrrad" eingegeben hatte. Was soll ich sagen, es wurde nach 3 km sooo deutlich, dass ich es noch korrigieren konnte, bevor sich alles zu einer großen "Aktion Schlammloch" auswuchs.

    Erstes Ziel in Warschau war das POLIN - Museum zur Geschichte der polnischen Juden. Ich lege jedem diese tolle Ausstellung wärmstens ans Herz! POLIN heißt auf hebräisch "sich niederlassen" die Wortähnlichkeit zu Polen ist schon irgendwie verblüffend.
    Angefangen bei der im Mittelalter beginnenden Flucht vor Pogromen aus den westeuropäischen Metropolen über die Versuche Juden einen gesetzlichen Status zu geben durch die Herrscher der folgenden Jahrhunderte bis hin zur Shoa und auch zum Antisemitismus im Nachkriegspolen und die zaghaften Versuche, heute wieder eine jüdische Gemeinde zu etablieren ... alles sehr gut erläutert und interaktiv gestaltet.
    Besonders beeindruckend war die Erkenntnis, dass die Selbstwahrnehmung des "nirgendwo gewollt sein" für die polnischen Juden noch einmal zusätzlich durch das "polnisch sein" verstärkt wurde. Polen war in den Machtspielen zwischen Preussen, Russland und Österreich-Ungarn selbst immer wieder neu gezwungen, seine Identität zu finden. In diesem wackligen Konstrukt war Pole sein schon irgendwie doof. Polnischer Jude zu sein, machte es nicht besser.

    War am Ende doch ganz schön anstrengend, wir waren bestimmt zwei Stunden in der Ausstellung. Danach gab es vor Ort im Restaurant noch Shakshuka und israelischen Kaffee (mit Zimt und Kardamom). Dann sind wir zum Palac Kultury geradelt, einem der Wahrzeichen Warschaus ... also ein Warschzeichen, wa?
    Der stalinistische Klotz ist schon sehr beeindruckend und man kann in den 30. Stock fahren und über ganz Warschau gucken ... also warschauen, wa?
    Zwei Erkenntnisse davon: Warschau sieht von oben cool aus und Schulklassen nerven voll!

    Vom Palac ging es dann wieder Richtung Altstadt, vorbei an den Ministerien und Präsidenten-Residenzen. Alles sehr schick und sehr, sehr sauber. Das fiel uns richtig auf! Ich erinnere mich, wie man in den Neunzigern immer scherzhaft sagte, Deutschland sei so sauber weil es von so vielen polnischen Putzkräften gepflegt würde. Ich vermute jetzt, der polnische Bürger hat es generell sehr gern sauber. Das betrifft jetzt nicht nur die Innenstädte sondern auch die Campingplätze, Raststätten und sogar Parkplatz-Klos! Dies ist zumindest unsere Erfahrung hier.

    An der Weichsel gab es dann noch einen Aperol und ein Zywiec 0,0 bevor wir wieder zurück zum CP geradelt sind. Insgesamt waren es dann heute doch fast 50 km aufm Rad.

    Morgen geht es in Richtung Masuren, Polen wird uns so schnell nicht los. Wieviel wir am Ende vom Reisetitel wahrmachen ... mal sehen. :)
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