• Abschied von der Südküste

    September 16, 2023 in Finland ⋅ ☁️ 18 °C

    Am späten Vormittag beschließen wir, nicht noch einmal nach Helsinki, sondern weiterzufahren. Nach 2 Wochen auf den Inseln und dem Besuch von 2 Hauptstädten in Folge ist uns nach Natur und Ruhe. Dennoch stellen wir fest, dass mit Porvoo nicht nur die zweitälteste Stadt , sondern angeblich auch die charmanteste und schönste Stadt Finnlands, die zudem auch UNESCO-Weltkulturerbe ist, in nur 50 km Entfernung direkt auf unserem Weg liegt. „Dann müssen wir da natürlich unbedingt hin“, findet selbst Peter mit einem Augenzwinkern. Aber dort ist es mühsam, eine Camera-Einstellung ohne Baugerüst oder -plane zu finden und wir hatten vor einer guten Woche erst dieses zauberhafte Visby auf Gotland. Zudem hab ich mir auf dem Weg dorthin ein kleines Handicap eingefangen: einen handfesten Hexenschuss. Das Laufen auf dem sehr unebenen mittelalterlichen Kopfsteinpflaster bekomme ich kaum hin. Wir essen in einem Café noch ein Stückchen Kuchen und drehen dann um. Alles in allem sind wir nicht so ganz begeistert von dem Örtchen.

    Zudem gibt es nicht einmal einen CP in der Nähe. Wir fahren 20 km weiter auf die Halbinsel Vessölandet am Finnischen Meerbusen und finden einen einfachen Platz direkt am Wasser (SF-Caravan Itä-Uusimaa) in sehr schöner Landschaft.

    Dieser CP hat übrigens ganz selbstverständlich auch eine kostenlose Sauna, in der Männer und Frauen im Stundentakt wechseln, was jeweils dadurch erkennbar wird, dass reihenweise wundersame Bademantel-Gestalten von den ausschließlich finnischen WoMos vor uns mal in die eine Richtung, mal in die andere Richtung an uns vorbeiziehen. Sauna ist halt elementares finnisches Kulturgut. Ich beschränke mich zur Abwechslung aber darauf, den stündlichen Richtungswechsel dieser Gestalten nur aus dem WoMo zu beobachten. Mein Rücken hat Sehnsucht nach Wärme.

    Am Sonntag ist es zunächst bedeckt, dann beginnt es in Strömen zu regnen. Unser neues Ziel ist die finnische Seenplatte. Letztlich fahren wir ca. 330 km weiter gen Norden. Die E 6 führt uns über ca. 300 km nur durch Wälder. Meist ist es Mischwald aus Kiefern und Birken. Die Sonne gibt inzwischen auch wieder ihr Bestes, auch wenn sie gegen dicke dunkle Regenwolken ankämpfen muss. Und kurz vor dem Joukionsalmis-See sind wir plötzlich nur ca. einen Kilometer von der russischen Grenze entfernt🙈. Da ist es irgendwie schon beruhigend, dass Finnland nun Nato-Mitglied ist. Und so bleibt die bedrückende Vorstellung, daß schon 1 - 2 km weiter das Leben der Menschen so sehr anders ist, als wir es leben dürfen.

    Unser neuer Stellplatz ist auf einer größeren Campinganlage an einem künstlichen See (Punkaharju Resort auf der Insel Tuunaansaari am Puruvesi). Wir sind dort alleine. The season is over. Wir würden gerne mal wieder länger bleiben. Für 2 Übernachtungen hätten wir aber gerne ein Plätzchen an einem natürlichen See im Schären-Gebiet.
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