• Zu den Dassanetch nach Omorate

    July 23, 2024 in Ethiopia ⋅ ☁️ 33 °C

    Der Generator der Emerald Lodge in Turmi wurde vor dem Sonnenaufgang natürlich nicht betrieben und so machte ich mich im Dunkeln zur Weiterreise bereit.

    Gegen 7 Uhr morgens trafen Amanuel und Buchee ein, um mich abzuholen. Es sollte nach Omorate, einer Stadt an der Grenze zu Kenia gehen, wo ich mir das Daily Life des Dassanetch Tribes anschauen wollte. Im Südwesten Äthiopiens leben heute schätzungsweise 48 000 Menschen dieser Ethnie. Männer und Frauen werden traditionell beschnitten. Eine nicht beschnittene Frau bezeichnet man im Stamm abwertend als Tier oder Junge, zudem ist es ihnen nicht erlaubt, Kleidung zu tragen. Die Dassanetch leben in kuppelförmigen Häusern, die aus Metall, Holz, Karton und Seilen bestehen. Die Gegend ist sehr heiß und trocken. Die Lebensgrundlage der Dassanetch ist wie bei den anderen äthiopischen Stämmen auch, die Viehzucht, sowie der Getreideanbau (Sorghum, Mais).

    Als wir nach ca. 1.5 Stunden Fahrt in der Stadt Omorate ankamen, musste ich mich wegen der Nähe zur kenianischen Grenze an einem Kontrollposten registrieren. Anschließend holten wir einen lokalen Guide ab, was wohl Vorschrift ist. Leider sprach der Mann bis auf Hello and Good Bye kaum ein Wort Englisch und so erfuhr ich Wissenswertes über den Stamm erst später via Google Recherche.

    Wir fuhren zum Omoriver, wo Amanuel, der lokale Guide und ich in einem schmalen Holzboot auf die andere Flussseite geschippert wurden. Von da aus liefen wir noch ein Stück zu Fuß, bis wir das Dorf schließlich erreichten. Amanuel blieb weit hinter uns. Ich habe ihn erst später in der Dassanetch Siedlung wiedergesehen 🤷‍♀️. Der erste Eindruck vom Dorf war kein Schöner. Es war staubig, überall lag Müll herum und die Menschen hier waren wirklich arm und litten Hunger. In vielen Kindergesichtern klebten Fliegen und aufgrund der einseitigen Ernährung mit Maisbrei und dem daraus resultierenden Eiweißmangel hatten sie einen Hungerbauch. Die wenigen Kleidungsstücke waren schmutzig und zerrissen. Ein trauriger Anblick. Traditionell kleiden sich die Dassanetch nur mit einem karierten Tuch um den Unterleib, sowie zahlreicher Ketten um den Hals. Eine Stammesfamilie war so freundlich und gewährte mir Einblick ins „Haus“, wo sich eine Feuerstelle und Schlafplätze befanden. Ausser ihrem Vieh verfügen sie über keinen Besitz.

    In direkter Nachbarschaft der Dassanetch von Omorate befindet sich eine riesige Bananenplantage, von wo Bananen nach Italien exportiert werden. Von den Dassanetch arbeitet dort allerdings niemand.

    Die kurze Zeit bei diesen Menschen hat mich sehr berührt. In meinen Augen konnten sie im Vergleich zu den Suri kaum mit etwas Besonderem punkten. Sie sind arm, die Umgebung ist staubig, trocken und schmutzig. Auf Decken bieten einige Dassanetch Frauen selbstgemachte Schmuckstücke an. Ich habe mir eine Krokodilzahnkette gekauft 😳, um ein wenig Geld in der Siedlung zu lassen.

    Nebst negativer Gefühle und schlechtem Gewissen diesen Menschen gegenüber, teilte mir Buchee zurück in Omorate mit, dass er und Amanuel kein Geld mehr hätten. Amanuel habe die Tour scheinbar vollkommen falsch kalkuliert. Sollte ich das glauben?
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