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Andere Welt Reise

A 25-day adventure by doreenreistfern Read more
  • Trip start
    July 16, 2024

    Die ersten Tage in Addis Abeba

    Jul 17–19, 2024 in Ethiopia ⋅ ☁️ 20 °C

    Endlich Sommerferienbeginn 🙏.
    Nach 8 intensiven Monaten im Lehrberuf konnte mich nichts und niemand mehr davon abhalten, eine neue Reise anzutreten und mir damit eine kurze Auszeit zu gönnen. Ich hatte etwa 30 Tage kostbare Frei-Zeit und wollte Nichts wie weg. Ich recherchierte viel und meine erste Idee war es, wieder über den großen Teich zu fliegen, vielleicht in die Dominikanische Republik oder nach Jamaika. Plötzlich taten sich mir aber ganz andere Destinationen auf, wie z. Bsp. die Seychellen mit einem Stopover in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Meine Neugier war geweckt und ich nutzte die rare Freizeit, um mich einzulesen. Immer wieder zeigten sich im ostafrikanischen Land neue Highlights auf, bis ich den Entschluss fasste, länger in Äthiopien bleiben zu wollen. Ich wollte die Hälfte meiner Ferien im Land verbringen und die restliche Zeit auf den Seychellen.

    Am Dienstag, den 16.Juli nahm ich am späten Nachmittag den Zug zum internationalen Flughafen Frankfurt. Pünktlich um 22.10 Uhr starte die gut besetzte Boing von Ethiopian Airlines den Flug nach Addis Abeba. Der Check-in war hektisch. Es hatte sich eine lange Schlange gebildet, vor allem von Reisenden mit äthiopischen Wurzeln, die die Familien im Heimatland besuchen und beschenken wollten. Dementsprechend schwer und meist übergewichtig war deren Gepäck. Eine komplizierte Angelegenheit, da sie Sachen wieder auspacken mussten und das nahm Zeit in Anspruch. Nach längerer Wartezeit war mein Check-in schliesslich erledigt und ich konnte mich zum entsprechenden Gate begeben. Ich war überrascht von der Vielzahl westlicher Reisender in Richtung Äthiopien. Es wurde mir aber schnell bewusst, dass der Grossteil den Flughafen Addis Abeba nur für den Transfer nutzen würde. Und so stellte es sich dann tatsächlich heraus, dass ich an der Immigration in Addis Abeba eine der wenigen Personen aus der westlichen Welt war. Davon ließ ich mich nicht abschrecken und verließ das Flughafengebäude stolz, denn schließlich hatte ich es schonmal bis hierhin geschafft.

    Ich nahm mir ein Flughafentaxi, Jahrgang: sehr alt, welches mich für USD 15 ins Zentrum der Hauptstadt brachte. Später nutzte ich die Ride App für Taxifahrten und kam für ein Fünftel des Preises zum Flughafen oder zu anderen Zielen in Addis. Ich hatte mich für 2 Nächte in ein Airbnb in einem Akrobatikzirkus eingemietet. In Addis Abeba war gerade Regenzeit und die Temperaturen lagen zwischen 18 und 20 Grad. Mir war recht kalt und Heizungen gab es nicht. Also hieß es, sich nach dem Zwiebelprinzip zu bekleiden und wenn das immernoch nichts half, es einfach auszuhalten. Das Zimmer, welches ich im Zirkus hatte, war recht dunkel und feucht, ich versuchte aber das Beste draus zu machen, denn ich reiste schließlich in einem 3. Welt Land. Die Kinder, die täglich zur Probe in den Zirkus kamen, waren so herzlich und heiterten mich augenblicklich auf. Der Fekat Zirkus befindet sich im District Piazza, sehr zentral in Addis Abeba. Fussläufig zu erreichen sind einige gute Cafés und Restaurants, u.a. auch das bei Reisenden bekannte Café Tomoca, indem der Kaffeeliebhaber voll auf seine Kosten kommt. Guten äthiopischen Kaffee bekommt man übrigens landesweit überall für wenig Geld.

    In den ersten beiden Tagen in Addis Abeba habe ich keine Bäume ausgerissen. Ich wollte es ruhig angehen lassen, da mich die letzten Monate im neuen Beruf recht gefordert hatten. Schnell merkte ich aber, dass mich der Kulturschock in Anspruch nahm. Ich hatte auf meinen Reisen zuvor zwar schon sehr viel gesehen, doch das, was sich mir in der äthiopischen Hauptstadt zeigte, toppte nochmals alles. Die Unterschiede zwischen arm und reich sind in Äthiopien enorm. Bezahlt wird im Land mit dem Birr, allerdings will ihn niemand wirklich. Stattdessen ist der Dollar heiß begehrt und wird auf dem Schwarzmarkt fast doppelt so hoch gehandelt, wie in jeder Bank. Auch ich konnte auf dem sogenannten Black market den USD 1:100, anstatt 1:58 tauschen. Danach hingen mir die Schultern runter, weil ich so viele Scheine in der Tasche hatte. Wer träumt nicht davon, 1x im Leben reich zu sein? Ich hatte plötzlich „20 000“ einstecken. Dafür hätte ich mir z.B. ein Schaf oder eine Ziege auf dem Viehmarkt mitten in der ostafrikanischen Hauptstadt kaufen können 😅. Ein Taxifahrer erzählte mir, dass es in Addis üblich sei, am Wochenende zum Markt zu kommen, sich ein Tier schlachten und zerlegen zu lassen und anschließend ein Familienbarbecue zu machen. Andere Länder, andere Sitten. Gegessen wird das zerkleinerte Fleisch übrigens mit der rechten Hand, eingepackt in ein Stück Injera (dünnes, weiches Sauerteigfladenbrot).

    Am zweiten Tag versuchte ich die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Ich begab mich zum Nationalmuseum, wo sich das Skelett von Lucy befindet, dem bisher wohl ältesten Fund eines Menschen. Nach der Besichtigung wurde ich von
    2 lokalen Guides in ein Lokal geschleppt, wo ich dem äthiopischen Honigwein „Tej“ verfiel. Nachdem ich meine Trunkenheit, denn das Zeug hatte es wirklich in sich, wieder etwas in den Griff bekommen hatte, brachten mich die beiden zum Mercato, dem größten ostafrikanischen Markt. Besonders interessant fand ich den Recyclingmarkt, wo z.B. aus alten Reifen Schuhe hergestellt werden, oder Unmengen an Plastik aus Europa erneuert werden. Sehenswert.

    Ich konnte in Addis Abeba sicher nur einen Bruchteil dessen sehen, was die Millionenstadt eigentlich zu bieten hat. Jedoch waren die vielen Begegnungen mit den Menschen, die in dieser Metropole leben, für mich mehr wert, als jede einzelne Sehenswürdigkeit.

    „Amasseguénalo“ heißt auf amharisch, der Landessprache Äthiopiens, DANKE. DANKE für den ersten Einblick in ein besonderes Land. Ich bin überwältigt von den vielen Eindrücken.

    Am Freitag, den 20. Juli flog ich weiter in den Süden Äthiopiens, wo ich mich zusammen mit einem Guide auf eine 6-tägige Tour zu den indigenen Stämmen begeben wollte.
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  • Von Jinka nach Surma

    Jul 19–22, 2024 in Ethiopia ⋅ ☁️ 26 °C

    Heute steige ich wieder in den Flieger von Ethiopian Airlines. Es ist ein Inlandsflug, der mich in ca. einer Stunde nach Jinka, einer Stadt im Omo-Tal, bringen soll. Die Maschine startet und landet pünktlich. Am frühen Nachmittag werde ich von meinem Guide Amanuel und dem Fahrer Buchee am Flughafen in Jinka abgeholt. Gemeinsam wollen wir an diesem Tag noch Turmi, eine belebte Stadt im Omo-Tal und Ausgangspunkt zu den Ethnien des Tales, erreichen. Allerdings scheint es etwas an der Organisation zu hapern. Zuerst darf ich Amanuel die Dollar für die nächsten
    4 Tage abgeben, dann geht’s zum Geldwechseln zur Bank und anschließend werden alle Tankstellen abgefahren, in der Hoffnung eine zu finden, die Treibstoff für den Wagen hat. Fehlanzeige. Benzin ist in Äthiopien gerade Mangelware, so dass die Beiden erst in der nächst größeren Stadt auf dem Schwarzmarkt fündig werden und stolze USD 2 pro Liter hinblättern müssen, was etwa doppelt soviel ist, wie der reguläre Preis an der Zapfsäule. Ich bin erleichtert, als der Wagen endlich betankt ist und es weitergeht.

    Gegen Abend kommen wir in der Stadt Turmi an, wo ich von Amanuel in der Buka-Lodge einquartiert werde. Es ist eine gute Unterkunft, die auch andere Reisende aus der westlichen Welt besuchen. Wo Buchee und Amanuel übernachten, weiß ich nicht. Besprochen ist, dass sie mich am nächsten Morgen um 5 Uhr für die Weiterfahrt abholen werden.

    Gesagt, getan. Am nächsten Tag starten wir zu früher Stunde zu Viert, nun ist auch noch ein Koch an Bord, die Fahrt zum Suri-Tribe. Angeblich dauert es einen ganzen Tag, um im nordwestlichen Teil des Omotals anzukommen. Zum Frühstück halten wir auf einem Campingplatz im Omo-Nationalpark, wo sich herausstellt, dass sich meine Mahlzeit auf
    5 Ananasscheiben beschränkt. Zusätzlich zur Ananas hat mein Guide noch eine Wassermelone im Auto. Das war’s. Die 3 halten für ihr eigenes Frühstück in einer kleinen Stadt und gönnen sich Injera mit jeder Menge Schaffleisch. Dementsprechende Gerüche herrschten anschließend im Auto vor 😫. Amanuel beauftragte den Koch in der nächsten Ortschaft wenigstens Brot (ist in Äthiopien in der Regel Hefebrot) und ein paar Bananen zu kaufen, womit ich in den nächsten Tagen meinen Hunger stillen konnte und einer möglichen Magen-Darm-Infektion vorbeugen konnte.

    Gegen Nachmittag erreichten wir das Gebiet des Suritribes, was sich im ersten Moment etwas befremdlich anfühlte. Die Männer kehrten nochmals für lokales Essen ein und ich wurde von den Menschen, die seltener Touristen sahen, begutachtet. In der Kleinstadt versuchen die Suris naturbelassenen Honig und andere Erzeugnisse aus der eigenen Landwirtschaft zu verkaufen. Ich war gespannt, was ich ab jetzt noch alles bestaunen durfte. Die Fahrt ging weiter und Buchee begann auf einmal wie ein Henker auf einer unbefestigten Straße zu rasen. Ich denke, dass es etwa 120 km/h auf dem Tacho waren. Es war unheimlich. Als ich meinen Guide dann fragte, warum der Fahrer mich derart in Gefahr bringe, meinte er, dass wir gerade kriminelles Gebiet durchquert hätten. Nicht selten würden hier Autos beschossen und überfallen. Es würde nochmals ein ähnlicher Drive zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Wieder standen mir 1000 Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Warum erhielt ich diese Information erst im Nachhinein? Ich nahm es hin und versuchte ruhig zu bleiben. Es war bereits Nachmittag und angeblich sollten wir bald ankommen. Da Buchee in der Regel auf Feldwegen fahren musste, dauerte alles entsprechend lange. Für einen Zwischenstopp hielten wir nochmals in einem Dorf, wo gerade Tella, das lokale, traditionelle Bier getrunken wurde. Die Dorfgemeinschaft freute sich über den Besuch und ich wurde zum Tellatrinken eingeladen. Der Becher war alt und schmutzig, aber wen störte das in Äthiopien schon. Er musste nur seinen Zweck erfüllen und das tat er. Cheers 🍻.

    Wir fuhren noch eine Weile weiter und erreichten gehen 16.30 Uhr Ortszeit unseren Campingplatz, nahe des Flusses und des Dorfes Surma. Nachdem die Zelte aufgeschlagen waren, gingen Amanuel und ich hinunter an den Fluss, wo die ersten Dorfbewohner (meist Kinder und Frauen) aufschlugen, die Gesichter mit Naturfarben aus Asche und abgeriebenen Steinen bemalt. Für jedes Foto gab ihnen mein Guide ein Trinkgeld. Das war hier so üblich und wurde stolz nach Hause gebracht, um sich von den Ersparnissen später weiteres Vieh zu kaufen. Die Suri leben übrigens weitestgehend von dem, was sie selber erzeugen. Ihr Vieh ist ihnen heilig. Auch gibt es bei den Suri keinen Kalender. Sie zählen die Tage anhand des Ab-und Zunehmen des Mondes. Geburtstage werden nicht registriert. Auch haben sie kein fließendes Wasser und keinen Strom. Ein traditionelles Leben im Einklang mit der Natur.

    Nach dem Fotoshooting am Fluss ging es zum Abendessen und anschließend ins Zelt. Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende und der nächste sollte folgen.

    Ich stand mit dem Sonnenaufgang auf, denn Amanuel wollte mir eine besondere Tradition der männlichen Suri zeigen. Wir marschierten um etwa 6.30 Uhr morgens los zur Viehherde. Die Männer und Jungen waren bereits zahlreich vor Ort, um die Rinderherde zu hüten. Nachdem wir eintrafen, begannen sie, ihre nackten Körper mit Asche zu bemalen, bis dann schließlich ein junger Mann Pfeil und Bogen holte. Der Pfeil wurde dem Rind in den Hals geschossen und das fließende Blut in einer Schale aufgefangen. Die gut gefüllte Schale mit dem noch warmen Blut trank ein Suri-Mann vollends aus. Ein Brauch, der die Manneskraft steigern soll und angeblich macht die Blutentnahme auch das Rind widerstandsfähiger 🤷‍♀️.

    Nach etwa einer Stunde liefen Amanuel und ich in Richtung Dorf, wo sich das Leben der Frauen und Kinder abspielte. Ich durfte in ein lokales Haus kriechen, wo sich nichts weiter befand, als eine Mutter, die gerade ihren Nachwuchs stillte. Hab und Gut gibt es nicht. Außer ein paar Ziegenfellen, auf denen geschlafen wird, konnte ich nichts entdecken. Die Frauen hatten sich mittlerweile für die Fotos schick gemacht. Es war wirklich beeindruckend und auch ein stückweit rührend, für eine kurze Zeit Teil einer so anderen Welt zu sein. Viele der Frauen trugen ihren Lippenteller, ein Relikt der Schönheit. Wenn die Suri Frau heiratet, beginnt sie, ihre Unterlippe mit einem Stab zu durchstechen und vergrößert den Einschnitt immer mehr, bis sie schließlich einen Lippenteller einsetzen kann. Sie büsst dabei auch 4 ihrer vorderen, unteren Schneidezähne ein.

    ADCHALEE Suri !, was soviel heißt, wie
    DANKE, dass ihr soviel von euch preisgegeben habt !

    Am Abend sollte noch ein weiteres Highlight folgen. Einige Männer wuschen sich im Fluss (in Äthiopien übrigens recht alltäglich) und bemalten ihre Körper. Sie wollten den ledigen Stammesdamen damit imponieren. Dass ich Zuschauerin dieser Balz war, schien sie nicht zu stören.

    Ich könnte noch Stunden von meinen Tagen bei den Suri berichten, wie meine Gefühle Karussell gefahren sind, wie ich wie die Suri auch, im Busch mein Geschäft erledigt habe, wie ich dem Stammesältesten die Hand geschüttelt habe oder wie ein bewaffneter Sicherheits-Surimann auf unserer Rückfahrt begann zu moderner Musik die Schultern zu schwingen. Ich bin noch immer gerührt, bewegt, beeindruckt und fasziniert, so etwas Besonderes gesehen und erlebt zu haben.

    Am späten Nachmittag kommen wir nach einer nicht ungefährlichen Fahrt (es hatte im Süden Äthiopiens stark geregnet und die Feldwege, auf denen Buchee fuhr, waren rutschig) wieder in Turmi an. Vom Schlafen im Zelt ging es für mich zurück in die Lodge 🛖. Surma und die Suri hatte ich nun endgültig hinter mir gelassen.
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  • Rückkehr nach Turmi und zu den Hamer

    Jul 22–23, 2024 in Ethiopia ⋅ ☁️ 29 °C

    Nachdem wir uns von unserem Suri-Security-Mann verabschiedet hatten, ging die Fahrt zurück nach Turmi. Wie schon die Hinfahrt, nahm auch die Rückfahrt fast einen ganzen Tag in Anspruch. Erschwerend kam hinzu, dass starker Regen einsetzte und auf den ungepflasterten Straßen sorgte das für zusätzlich erschwerende Bedingungen. Das Auto schlitterte immer mal wieder an den linken und rechten Straßenrand. Obwohl Buchee den Wagen recht gut im Griff hatte, bekam ich es mit der Angst zu tun, vor allem einmal, als sich beidseitig ein grünliches, unheimlich anmutendes Gewässer auftat. Darin wollte ich nicht ertrinken. Nicht weit von uns entfernt kam es einen Tag vorher, aufgrund der starken Regenfälle, zu einem Erdrutsch mit über 200 Todesopfern. Da hatten wir wohl nochmal Glück, dass unsere Rutschfahrt glimpflich ausging 🙏.

    Unsere Fahrt begann sogar, richtig Spaß zu machen. Die amharischen Songs, die Buchee immer wieder laufen ließ, kannte ich allmählich auswendig und so sorgten wir im Cockpit für musikalische Unterhaltung. Amanuel war, was die Informationsvermittlung anbelangte, weiterhin sehr verhalten. Auf der Strecke wäre noch der Nyangatomtribe sehenswert gewesen, doch mein Guide schlug vor, lieber in Turmi den Montagsmarkt zu besuchen.

    Wir erreichten unser Ziel am Nachmittag gegen 16 Uhr und ich checkte diesmal in der Emerald Lodge, welche sich nahe des Stadtzentrums befindet, ein. Ich sollte nur schnell mein Gepäck ins Zimmer bringen und dann wollten wir den Markt besuchen. Buchee hielt an der Straße an, wo bereits ein lokaler Guide auf mich wartete. Eine erneute Überraschung, über die mich Amanuel nicht informiert hatte. So ging das eigentlich ständig und diesmal war es mir zu viel. Ich ließ mich von Buchee zurück zur Lodge fahren, nahm mir erst einmal ein wenig Zeit für mich und ging dann alleine zum Markt. Währenddessen diskutierte Amanuel auf dem Parkplatz der Lodge lautstark mit dem Koch, dem er angeblich weniger als abgemacht bezahlen wollte 🤷‍♀️.

    Ich wollte die ganzen Geschichten einen Moment hinter mir lassen und wünschte mir nichts mehr als Freiraum. In einem Land wie Äthiopien ist das als Alleinreisende aber eigentlich unmöglich und so hatte ich auf dem Weg ins Zentrum bereits wieder ein Dutzend hilfsbereite Afrikaner im Schlepptau, die mich bis zum Markt begleiteten. Als ich die Männerschar endlich los war, klebte das nächste männliche Wesen an mir. Ein Heranwachsender, der wohl sein Englisch etwas auf Vordermann bringen wollte. Wir gingen zusammen über den Markt und begegneten Frauen und Männern des Hamertribes, die in Turmi und umliegenden Dörfern siedeln. Besonders die Hamerfrauen fallen durch ihre roten Dreadlocks auf, die mit Ockerschlamm und tierischem Fett überzogen sind. Der Haarkult wird alle 3 Wochen erneuert. Auch die Hamer leben weitestgehend von der Viehzucht und dem, was sie selber produzieren.

    Da sich der Markttag schon recht bald dem Ende entgegen neigte, gingen mein Marktguide (leider habe ich seinen Namen vergessen) und ich in die nächstgelegenen Dorfkneipen, wo wieder auf Teufel komm raus Tella getrunken wurde. Da das lokale Bier so einen hohen Nährwert hat, trinken es angeblich bereits Kleinkinder. Mir mundete es leider nicht besonders und deshalb bestellte mein junger Freund eine Flasche Tej (Honigwein) für umgerechnet 50 Cent. Cheers.

    Als ich wieder in der Lodge ankam, meldete sich Amanuel bei mir und stand kurze Zeit später mit Buchee, beide mit betröpfelter Miene, auf meinem Balkon. Strategie ? Ich weiß es nicht. Aber ich gab den Beiden natürlich eine neue Chance. Schliesslich waren wir schon fast so etwas wie ein Team ☺️. Wir gingen gemeinsam Abendessen und ließen die letzten Tage nochmals Revue passieren.

    Als ich später wieder in der Lodge ankam, wartete man bereits auf mich und teilte mir unfreundlich mit, dass nun der Generator ausgeschaltet werde. Er brauche zu viel Benzin und wie ich ja bereits wusste, war das in Äthiopien gerade Mangelware. Kein Generator bedeute, kein Strom. Ich wollte mal wieder duschen und Haare waschen. Das konnte ich mit meiner Handytaschenlampe vergessen. Was soll’s. Noch ein weiterer Abend Katzenwäsche machte das Kraut nun auch nicht mehr fett. Ich war müde und schlief schnell ein. Amanuel wollte mir am nächsten Tag einiges zeigen. Ich war gespannt.
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  • Konso town und Konso traditional village

    Jul 23–24, 2024 in Ethiopia ⋅ ☁️ 26 °C

    Nach dem Mittag kehrten wir aus Omorate nach Turmi zurück, wo wir uns einen schnellen äthiopischen Lunch (Injera mit irgendwas) gönnten. Danach machten wir uns zur Weiterreise auf.
    Es sollte nach Konso gehen, wo mir Amanuel das traditionelle Dorf des Konso Tribes zeigen wollte. Allerdings stand diese Aktivität erst am nächsten Vormittag auf dem Programm.

    Die Fahrt von Turmi nach Konso nahm wieder einige Stunden in Anspruch. Oft musste Buchee wegen Viehgegenverkehrs auf der Hauptstraße abbremsen. Kühe, Schafe und Ziegen bewegen sich auf äthiopischen Straßen genauso selbstverständlich, wie die wenigen Fahrzeuge, die im Omo-Tal unterwegs sind. Auf etwa halber Strecke war nochmals ein Highlight geplant: die Stick Boys. Es sind Kinder, die sich für ein Touri-Fotoshooting auf riesigen Stelzen bewegen. Das Glück war mir mal wieder nicht hold. Obwohl Amanuel sicher war, dass die Jungs immer da sind und ihre Kunststücke zeigen, waren sie es heute ausgerechnet nicht 🤷‍♀️. Wir warteten eine Weile und entschieden uns zur Weiterfahrt, nachdem ein Vorbeiziehender meinte, dass die Stick Boys jetzt gerade mit dem Vieh unterwegs seien.

    Auf der Weiterreise fiel auf, dass die Umgebung immer grüner und fruchtbarer wurde und auch die Strassenverhältnisse verbesserten sich. Es galt aber weiterhin das Motto: die Straße ist für Mensch und Vieh da und Buchee musste Vorsicht walten lassen.

    Wir erreichten am frühen Abend die Stadt Konso. Ich checkte in der Kanta Lodge ein, in der wohl die meisten internationalen Gäste übernachten, die diese Gegend besuchen. Die Lodge war gut besucht. Amanuel und Buchee bekamen ebenfalls einen Schlafplatz und Frühstück für umgerechnet USD 5. Ich bezahlte das 10-fache ☹️. An dem Abend wollten wir noch zum gemeinsamen Abendessen in die Stadt. Buchee stand zur vereinbarten Zeit auf der Matte, Amanuel machte einen Rückzieher. Er fühlte sich plötzlich krank und blieb im Zimmer.

    Am nächsten Morgen trafen wir uns im Restaurant zum Frühstück und zur Tagesbesprechung. Amanuel erschien wieder mit betröpfelter Miene und meinte, dass er sich noch immer sehr unwohl fühle. Seine Vermutung war, dass er einen Malariaschub habe, denn er habe den Virus in sich und sei wohl in Surma von einer Mücke gestochen worden. Nach dem Frühstück sah er schon etwas besser aus und wir starteten ins traditionelle Dorf der Konso.

    Unterwegs nahmen wir wieder einen lokalen Guide mit und zu meiner Überraschung war es diesmal jemand, der fließend Englisch sprach und ein ausgezeichnetes Wissen über das Volk der Konso hatte. Es tat gut 😌. Zu dritt verbrachten wir einige Zeit im Dorf. Der Guide erzählte mir von der polygamen Ehe der Konso, was ich von den anderen Stämmen, die ich besucht hatte, auch schon wusste. Zudem haben die Konso ein Stammesoberhaupt, welches nach seinem Tod, während 9 Jahren aufgebahrt und gesalbt wird. Erst dann kommt der mumifizierte Leichnam unter die Erde. Ich konnte im Konso Village auch den Betagten beim Spielen des Brettspiels „Gebeta“ zuschauen. Den jungen Männern ist dies nicht erlaubt. Sie müssen auf den Feldern arbeiten oder das Vieh hüten. Eine weitere Tradition der Konso ist es, dass sich die Männer im heiratsfähigen Alter auf dem Dorfplatz versammeln, wo sie einen etwa 50kg schweren Stein aufnehmen und über dem Kopf halten müssen. Wer dies am Besten meistert, wird verheiratet. Beim Streifzug durch das Dorf hatten wir wieder viele Kinder im Schlepptau, denen Amanuel schließlich am Dorfkiosk noch etwas Süßes kaufte.

    Gegen Mittag fuhren wir weiter in Richtung der Stadt Arba Minch. Noch weit nach Konso waren Frauen und Männer des Stammes beim Schleppen von Holz, Wasserkanistern und Erntegut zu sehen. Die Konso haben in Äthiopien den Ruf, sehr stark und belastbar zu sein.

    Unterdessen hatte ich schon 4 äthiopische Stämme besucht und viel über deren Lebensweise erfahren. Ich besuchte die Suri, die Hamer, die Dassanetch und die Konso. Ich darf mich wirklich glücklich schätzen, solche besonderen Momente erleben zu dürfen 🙏.
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  • Zu den Dassanetch nach Omorate

    July 23, 2024 in Ethiopia ⋅ ☁️ 33 °C

    Der Generator der Emerald Lodge in Turmi wurde vor dem Sonnenaufgang natürlich nicht betrieben und so machte ich mich im Dunkeln zur Weiterreise bereit.

    Gegen 7 Uhr morgens trafen Amanuel und Buchee ein, um mich abzuholen. Es sollte nach Omorate, einer Stadt an der Grenze zu Kenia gehen, wo ich mir das Daily Life des Dassanetch Tribes anschauen wollte. Im Südwesten Äthiopiens leben heute schätzungsweise 48 000 Menschen dieser Ethnie. Männer und Frauen werden traditionell beschnitten. Eine nicht beschnittene Frau bezeichnet man im Stamm abwertend als Tier oder Junge, zudem ist es ihnen nicht erlaubt, Kleidung zu tragen. Die Dassanetch leben in kuppelförmigen Häusern, die aus Metall, Holz, Karton und Seilen bestehen. Die Gegend ist sehr heiß und trocken. Die Lebensgrundlage der Dassanetch ist wie bei den anderen äthiopischen Stämmen auch, die Viehzucht, sowie der Getreideanbau (Sorghum, Mais).

    Als wir nach ca. 1.5 Stunden Fahrt in der Stadt Omorate ankamen, musste ich mich wegen der Nähe zur kenianischen Grenze an einem Kontrollposten registrieren. Anschließend holten wir einen lokalen Guide ab, was wohl Vorschrift ist. Leider sprach der Mann bis auf Hello and Good Bye kaum ein Wort Englisch und so erfuhr ich Wissenswertes über den Stamm erst später via Google Recherche.

    Wir fuhren zum Omoriver, wo Amanuel, der lokale Guide und ich in einem schmalen Holzboot auf die andere Flussseite geschippert wurden. Von da aus liefen wir noch ein Stück zu Fuß, bis wir das Dorf schließlich erreichten. Amanuel blieb weit hinter uns. Ich habe ihn erst später in der Dassanetch Siedlung wiedergesehen 🤷‍♀️. Der erste Eindruck vom Dorf war kein Schöner. Es war staubig, überall lag Müll herum und die Menschen hier waren wirklich arm und litten Hunger. In vielen Kindergesichtern klebten Fliegen und aufgrund der einseitigen Ernährung mit Maisbrei und dem daraus resultierenden Eiweißmangel hatten sie einen Hungerbauch. Die wenigen Kleidungsstücke waren schmutzig und zerrissen. Ein trauriger Anblick. Traditionell kleiden sich die Dassanetch nur mit einem karierten Tuch um den Unterleib, sowie zahlreicher Ketten um den Hals. Eine Stammesfamilie war so freundlich und gewährte mir Einblick ins „Haus“, wo sich eine Feuerstelle und Schlafplätze befanden. Ausser ihrem Vieh verfügen sie über keinen Besitz.

    In direkter Nachbarschaft der Dassanetch von Omorate befindet sich eine riesige Bananenplantage, von wo Bananen nach Italien exportiert werden. Von den Dassanetch arbeitet dort allerdings niemand.

    Die kurze Zeit bei diesen Menschen hat mich sehr berührt. In meinen Augen konnten sie im Vergleich zu den Suri kaum mit etwas Besonderem punkten. Sie sind arm, die Umgebung ist staubig, trocken und schmutzig. Auf Decken bieten einige Dassanetch Frauen selbstgemachte Schmuckstücke an. Ich habe mir eine Krokodilzahnkette gekauft 😳, um ein wenig Geld in der Siedlung zu lassen.

    Nebst negativer Gefühle und schlechtem Gewissen diesen Menschen gegenüber, teilte mir Buchee zurück in Omorate mit, dass er und Amanuel kein Geld mehr hätten. Amanuel habe die Tour scheinbar vollkommen falsch kalkuliert. Sollte ich das glauben?
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  • Lake Chamo und zurück nach Addis

    Jul 24–27, 2024 in Ethiopia ⋅ ☁️ 21 °C

    Nachdem ich das traditionelle Dorf der Konso besucht hatte, ging es noch am gleichen Tag weiter bis in die Stadt Arba Minch. Geplant war dort eine Bootstour auf dem Lake Chamo und der Besuch des Crocodile markets, was Amanuel aber wohl wieder vergessen hatte 🤷‍♀️.

    Wir erreichten die Stadt am frühen Nachmittag und nahmen mehrere Hotels in Augenschein. Ich entschied mich letztlich für ein gut ausgestattetes Hotel im Zentrum, namens Wubeté.
    Für die Bootstour auf dem See verabredeten wir uns um 15 Uhr. Ich hatte noch etwa 1.5 Stunden Zeit, um meine morgige Rückreise nach Addis Abeba zu organisieren. Ich muss zugeben, dass ich etwas knapp dran war, aber die schlechte Internetverbindung in Äthiopien schränkte wirklich ein.
    Ok, die Flüge in die Hauptstadt waren schonmal vergriffen, so dass ich die Fahrt mit dem Bus abchecken musste. Ein TukTuk brachte mich zum Fahrkartenbüro, wo ich mir für etwa USD 12, die noch verfügbare Fahrkarte kaufen konnte. Es sollte am nächsten Morgen um 5 Uhr losgehen. Die Ankunft in Addis war auf etwa 15.30 Uhr nachmittags terminiert. Wie es der Zufall wollte, traf ich im Ticketoffice einen Tourguide, der in der Hauptstadt und in Arba Minch wohnte. Er bot mir an, im Bus die Plätze nebeneinander zu haben. Ich willigte ein.

    Das TukTuk fuhr mich wieder zurück zum Hotel, wo Amanuel und Buchee etwa 30 Minuten nach der vereinbarten Zeit auftauchten. Um 15.30 Uhr starteten wir zum Lake Chamo, der für seine reiche Tierwelt bekannt ist. Davon konnten wir uns im wahrsten Sinne des Wortes überzeugen. Auf dem Weg zum See kreuzte zuerst eine Pavianfamilie unseren Weg. Im See selber waren 2 abtauchende Nilpferde zu erspähen, später zeigte sich dann der äthiopische Seeadler voller Stolz, auf einem aus dem See ragenden Baum und schließlich steuerte der Bootsmann noch auf riesige Krokodile zu, die sich am Ufer in der Sonne aalten. Der Lake Chamo ist mit seinen
    317 Quadratkilometern einer der größten Seen Äthiopiens. Die Ruhe, die der See ausstrahlte, hatte eine beruhigende Wirkung. Sogar Amanuel schien sich wieder etwas besser zu fühlen, denn als wir starten wollten, ging es ihm gar nicht gut.

    Nachdem wir wieder am Ufer angekommen waren, schlug ich den Beiden vor, dass wir in der Stadt zusammen Abendessen könnten. Es war unser letzter gemeinsamer Abend. Gesagt, getan und zu meiner Überraschung übernahm Amanuel schliesslich auch noch die Rechnung. Anschließend fuhr mich Buchee zum Hotel und wir nahmen Abschied voneinander. Irgendwie war es emotional 🥲. Die letzten 6 Tage hatten uns doch recht zusammengeschweißt. Ich ging aufs Zimmer und wurde bereits um 3.30 Uhr nachts aus dem Schlaf gerissen, als jemand von der Busgesellschaft anrief und an die Abfahrt um 5 Uhr erinnerte.

    Um 4.45 Uhr stand der TukTuk Fahrer wie abgemacht vor dem Hotel und fuhr mich zum Busterminal. Das Schlitzohr wollte mir Unsummen aus der Tasche ziehen. Tipp: kläre in Afrika immer !!! vorher ab, wieviel etwas kosten wird. Ich konnte ihn schließlich um die Hälfte runterhandeln, fand es aber noch immer unverschämt. Ich gab mein Gepäck ab und stieg in den recht modernen Reisebus ein. Solomon, der Tourguide, den ich am Tag zuvor im Ticketshop getroffen hatte, stieg kurze Zeit darauf hinzu. Die Fahrt verlief recht unspektakulär. An einigen Checkpoints musste der Bus halten, alle Insassen wurden zum Aussteigen aufgefordert und dann wurde auf Waffenschmuggel kontrolliert. 1x hielt der Bus auch unterwegs für eine WC-Pause. Die Frauen liefen alle an den gleichen Ort und urinierten nebeneinander, die Männer suchten sich einen anderen Platz im Gebüsch. Irgendwie funktionierte es. Nachdem dann noch die Mittagspause in einem Restaurant vorüber war, sollte es bis nach Addis Abeba weitergehen. Allerdings fuhr der Bus plötzlich nicht mehr 🤷‍♀️. Solomon fragte mich, ob wir spontan auf einen lokalen Bus wechseln sollen, denn er musste am frühen Abend russische Gäste in der Hauptstadt empfangen. Ich willigte ein, da bei unserem Bus Stillstand herrschte. Das Gepäck wurde umgeladen und dann ging es im überfüllten local Bus weiter. Gute Unterhaltung war hier auf jeden Fall garantiert 🎶. Am übernächsten Checkpoint hatte uns der komfortable Bus wieder eingeholt und wir wechselten nochmals, da dieser zentral in Addis Abeba hielt. Ich meldete mich um ca. 14.45 Uhr bei Yeshi, einer Taxifahrerin, mit der ich bereits mehrmals in Addis unterwegs war und teilte ihr unsere ungefähre Ankunftszeit mit. Sie ließ uns noch etwa 10 Minuten am Busstopp warten. Nach ihrer Ankunft gingen wir gemeinsam etwas Essen und Trinken und dann fuhr uns Yeshi nach Bole, einem „besseren“ Stadtteil von Addis, ganz in der Nähe des Flughafens. Da ich am nächsten Mittag den Flieger nach Lalībela nehmen wollte, buchte ich ein Zimmer in einem Hostel in Bole. Das Mad Vervet Hostel ist das einzige Hostel Äthiopiens. Das Privatzimmer kostet hier gerade mal USD 15 und das Schöne ist, dass man im Mad Vervet sehr schnell mit anderen Reisenden in Kontakt kommt. Ich habe am nächsten Morgen Jazz, einen Alleinreisenden aus dem Vereinten Königreich kennengelernt, mit dem ich später noch richtig coole Momente erlebte.

    Für den nächsten Tag hatte ich mit Yeshi um 10.45 Uhr die Taxifahrt zum Domestic Terminal abgemacht. Ich wollte 2 Tage 700km nördlich der Hauptstadt, in Lalibela verbringen. Yeshi kam und kam nicht und vertröstete mich via WhatsApp immer damit, dass sie in 2 Minuten da sei. Es wurde langsam spät, wenn nicht sogar zu spät. Um 11.15 Uhr stieg ich in ein anderes Taxi. Die Fahrt zum Flughafen dauert von hier gewöhnlich nur 10 Minuten, doch der Taxifahrer musste eine Baustelle umfahren und steckte im Stau. So ein Mist. Ich stürmte um 11.50 Uhr in das Flughafengebäude und rannte zum Check In Schalter. Es war zu spät und Tränen und Betteln halfen nichts. Ich hatte den Flug verpasst. Ich war stinkwütend und enttäuscht und Yeshis Unzuverlässigkeit regte mich auf. Ich ging erstmal zum Schalter von Ethiopian Airlines, wo man mir sagte, dass ich sowieso kein gültiges Ticket hatte, sondern nur eine Reservierung. Ok, die hatte ich nie bezahlt, aber auch dieser Typ regte mich jetzt auf, da er sich nicht mehr bei mir gemeldet hatte, aber zum Glück auch kein Geld von mir bekommen hatte. Ich kaufte mir am Schalter ein gültiges Flugticket für den nächsten Tag, bekam aber mitgeteilt, dass es für den übernächsten Tag, also Sonntag, keine Rückflugtickets gab. Und nun? Sollte ich es wagen? Meinen Flug auf die Seychellen am Montag wollte ich nicht verpassen. Ich ließ mich erstmal zurück zum Mad Vervet Hostel fahren, wo ich mit Jazz Pro‘s und Kontra‘s bezüglich Lalibela besprach. Ich buchte noch eine weitere Nacht im Hostel und traf erst am nächsten Morgen eine Entscheidung. Die Felsenkirchen von Lalibela wollte ich unbedingt sehen und ich gab die Hoffnung noch nicht ganz auf. Im Hintergrund wurden unterdessen Fäden gesponnen, wie die „Europäerin“ letztendlich doch noch zu einem Rückflugticket kommen sollte. This is Africa 🌍.
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  • Lalibela_a World Heritage Site

    Jul 27–28, 2024 in Ethiopia ⋅ ☁️ 20 °C

    Im Verlaufe des Morgens chattete ich mit verschiedenen Personen (Flughafenpersonal, Guide etc.) in Lalibela wegen des Rückflugs nach Addis Abeba. Nachdem man mir versicherte, dass ich das Ticket nach meiner Ankunft am Schalter abholen könne, galt es schnell zu packen und rechtzeitig ein verlässliches Taxi zum Flughafen zu nehmen. Der Fahrer holte mich um 10.45 Uhr ab und da an diesem Samstag wenig Verkehr auf den Strassen der Hauptstadt herrschte, kam ich bereits 15 Minuten später an. Nach dem gestrigen Chaos war mir „zu früh“ viel lieber als „zu spät.“ Ich checkte ein und musste einige Zeit warten, bis das Boarding begann. Die Maschine startete mit etwa 30 minütiger Verspätung.

    Nach meiner Ankunft in Lalibela marschierte ich umgehend ins Flughafen Office von Ethiopian Airlines zu Habtemariam, der mir mein Rückflugticket verkaufte und sich über ein Trinkgeld in Form von ein paar USD freute. Im letzten Moment erwischte ich den Shuttle in die Stadt, welche sich in etwa 25km Entfernung befindet.

    Die Fahrt führte durch eine wundervolle Landschaft. Lalibela liegt im zentralen äthiopischen Hochland auf einer Höhe von 2500m und ist eine heilige Stadt und Wallfahrtsort für äthiopisch-orthodoxe Christen.

    Die Felsenkirchen von Lalibela sind sicher eines der Highlights jedes Äthiopien Besuchers. Die elf Kirchen wurden um das Jahr 1250 aus den Felsen herausgeschält. Die Kirchengebäude sind seit 1978 als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen und werden als ein Weltwunder gehandelt.

    Es war ein regnerischer Samstag und die Temperaturen bewegten sich auf dieser Höhe unter der 20 Grad Marke. Das Shuttle Taxi stoppte mitten im Zentrum der 9000 Einwohner Stadt vor meinem Hotel „Bete Serkie.“ Da Lalibela momentan alles andere als ein sicheres Reiseziel ist, hält sich der Tourismus stark in Grenzen. Im Hotel war ich der einzige Gast. Nach dem Check In hatte ich noch etwa 10 Minuten Zeit, bevor mich mein Guide Shambel zu den Kirchen brachte.

    Wir starteten unsere Tour um 14.45 Uhr und ein TukTuk brachte uns zum Eingang des Weltkulturerbes. Dass der Eintrittspreis USD 100 betrug wusste ich bereits, sonst wäre ich wegen des horrenden Preises vermutlich in eine Schockstarre verfallen. Shambel und ich hatten noch gute 2 Stunden Zeit, um zwei der drei Kirchengruppen zu besuchen. Ich sah die nördliche und westliche Gruppe mit dem Highlight der „Bet Giyorgis“ (St. George Church), deren Verarbeitung am vollendetsten und die am besten erhalten sein soll. Shambel ist ein sehr gläubiger Mensch und ein versierter Guide. Er konnte mir viel Wissenswertes über die Felsenkirchen erzählen. Nachdem der Pilgerort um 17 Uhr für den Tourismus geschlossen wurde, ging es zurück zum Hotel. Ich verabredete mich mit Shambel für den nächsten Morgen um 7 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass am Sonntag besonders viele Gläubige zu den Felsenkirchen pilgern, um zu beten und um sich den Segen zu holen. Am frühen Abend brachte mich der Mitarbeiter vom Hotel zu einem Restaurant in der Stadt und holte mich dort wieder ab. Aufgrund der geringen Sicherheitslage galt ab 19 Uhr abends eine Ausgangssperre in Lalibela.

    Es wurde schnell Sonntagmorgen und nach einem einfachen Frühstück traf ich mich mit Shambel an der „Hotelrezeption.“ Auf dem Weg zu den Kirchen war bereits viel los, denn die einheimische, fast vollständig christlich orthodoxe Bevölkerung war ebenfalls unterwegs. Die Sonntagsprozession fand rund um die „Bet Maryam“ (St. Mary Church) statt, die wohl älteste Kirche der 3 Gruppen. Es versammelten sich Tausende von Gläubigen zum Gebet. Eine sehr eindrückliche und intensive Erfahrung für mich. Nachdem ich der Prozession lange Zeit beigewohnt hatte, brachte mich Shambel noch zur 3. Kirchengruppe. In jeder Kirche wurde an diesem Sonntagmorgen der heiligen Maria gedacht, welche als Hauptfigur des christlich orthodoxen Glaubens gilt.
    Wie schon so oft in Äthiopien war ich berührt. Ich hatte wieder das Gefühl, dass ich in einem Kino sitze und ein spannender Film gezeigt wird. Doch all das war Realität und ich befand mich mitten im Geschehen.

    Die Zeit verging schnell und schließlich war ich gegen 11.30 Uhr zurück im Hotel. Ich verabschiedete mich von Shambel und ein freundlicher TukTuk Fahrer brachte mich zum Flughafen. Es ging zurück nach Addis.

    Die Maschine der Ethiopian Airlines landete pünktlich um 15.30 Uhr in der Hauptstadt und ich war um 17 Uhr wieder im Mad Vervet Hostel, wo mir Jazz von den Ereignissen der vergangenen 1.5 Tage berichtete 😮. Am Abend hatten wir abgemacht, irgendwo ums Eck äthiopisch essen zu gehen und dann noch in einer Kneipe einzukehren. Aus einer wurden zwei Lokalitäten und natürlich wurden wieder ganz viele „Freundschaften“ mit nicht mehr ganz nüchternen Einheimischen geschlossen 🍺🥃🥂.

    An diesem Tag überschlugen sich die Ereignisse: Sonntagsprozession in Lalibela, Rückflug nach Addis, Check In im Hostel und Kneipentour in Bole. Ich sollte langsam an den kommenden Morgen denken, denn um 9.30 Uhr startete mein Flieger auf die Seychellen. Ich war vollkommen unvorbereitet und dafür sollte ich noch bezahlen 💰.
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  • Mahé Island Seychellen

    Jul 29–Aug 1, 2024 on the Seychelles ⋅ ⛅ 27 °C

    An diesem Montagmorgen war ich bereits um 7.30 Uhr am Internationalen Flughafen Bole in Addis Abeba. Mein Flug nach Mahé, der Hauptinsel der Seychellen startete 2 Stunden später. Wieder war es Ethiopian Airlines, welche mich ans nächste Ziel bringen sollte. Beim Check In wurde ich nach einem Formular für die Seychellen gefragt. Ein solches hatte ich nicht, es schien aber auch nicht so wichtig zu sein. Nachdem ich die Gelbfieberimpfung in meinem Impfausweis gezeigt hatte, die man benötigt, um von Äthiopien auf die Seychellen einzureisen, war der Check In erledigt. Die Maschine startete pünktlich und landete nach etwa 3 Stunden Flugzeit. Die Zeitverschiebung betrug nochmals eine Stunde. Ich wunderte mich, dass die meisten Fluggäste Zettel herausholten, die sie an der Immigration vorzeigten. Waren das die Formulare, nach denen ich in Addis gefragt wurde? Ja. Und ebendiese „Authorisation“ hatte ich nicht. Ich wurde wieder zurückgeschickt, wo mir jemand vom Flughafenpersonal bei der Beantragung half und mir für die Dienstleitung €72 abkassierte. Erst später erfuhr ich, dass sich der Preis für die „Seychelles Authorisation“ auf gerade mal €10 beläuft, wenn man sie spätestens 48h vor Abflug online beantragt. Ok, das hatte ich verpasst. Der nette Mann wollte auch jede meiner Unterkünfte wissen, vom ersten bis zum letzten Tag meines Aufenthalts im Inselstaat. Ein ähnliches Interview habe ich bisher nur bei der Einreise in die Vereinigten Staaten erlebt. Ich hoffte, dass meine Zeit auf den Seychellen nicht derart kontrolliert weitergehen würde.

    In der Flughafenhalle kaufte ich mir eine SIM Card für stolze USD 45 für 2 Wochen und ein Busticket, welches recht günstig war. Für eine Taxifahrt legte man hier gut und gerne mal USD 50-60 pro Fahrt hin, der Bus kostete nur USD 10 für 3 Tage und er fuhr über die ganze Hauptinsel. Ich marschierte mit meinem Rucksack (wieder zu groß und zu schwer 😰) in Richtung Bushaltestelle. Ich musste mich erstmal orientieren, denn auf den Seychellen herrscht Linksverkehr. Der Bus ließ nicht lange auf sich warten und ich buckelte meinen Rucksack zur Freude vieler einheimischer Passagiere mühevoll die Stufen hinauf. Die Zeiten der helfenden Hände, wie ich sie in Äthiopien erfahren habe, waren definitiv vorbei. Trotzdem muss ich sagen, dass die lokale Bevölkerung auf Mahé für mich die freundlichste auf den 3 Inseln war, die ich besucht habe. Ein nettes Gespräch entstand immer und überall.
    Ich stieg am Busbahnhof in Victoria, der Inselhauptstadt um und der zweite Bus brachte mich zu meinem Guesthouse, nahe des bekannten Strandes Beau Vallon. Beau Vallon ist ein etwa 3km langer, breiter Sandstrand, der vor allem bei Gästen aus Osteuropa sehr beliebt ist. Ich checkte erst einmal in „Jessies Guesthouse“ ein, in dem ich für 3 Nächte der einzige Gast war. COVID und der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat auch dem Tourismus auf den Seychellen zugesetzt, zudem war gerade Windy Season, also nicht die perfekte Jahreszeit. Den Abend nach der Anreise ließ ich ruhig ausklingen. Ich ging noch etwas essen und hielt mich anschließend häuslich.

    Am nächsten Morgen fuhr ich nach einem guten Frühstück bei Jessie, ich war mir diesen Luxus gar nicht mehr gewohnt, mit dem Bus zum Anse Royal. Auf den Seychellen heißen die meisten Strände übrigens Anse, was übersetzt Bucht heißt. Die offizielle Landessprache ist Kreol, eine melodische, auf dem Französischen basierende Mundart. Englisch und Französisch sind weitere offizielle Sprachen auf den Inseln. Ich war den ganzen Tag unterwegs. Da die Busse mal fuhren und mal nicht, musste ich meist lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Zum Glück war ich nicht in Eile und die Entschleunigung fühlte sich richtig gut an. Das Meer war kristallklar und türkisblau und riesige Felsformationen, sowie, sich ins Wasser neigende Palmen machten das Strandbild aus. Einfach schön. Und das Besondere an den Stränden auf den Seychellen ist, dass sie öffentlich sind. Zu guter Letzt kehrte ich an diesem Nachmittag noch auf ein Seybrew (lokales Bier auf den Seychellen) in einer chilligen Beachbar ein und machte mich anschließend auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle. Es wurde schon langsam dämmerig, als ich zurück zum Beau Vallon kam. Am Strand aß ich ein Fischcurry in einem sogenannten Take Away, womit die günstigsten Restaurants auf den Seychellen bezeichnet werden. Das Essen bekommt man zum Mitnehmen in einer Box, kann es aber auch direkt vor Ort verspeisen. Die Preise bewegen sich zwischen USD 10-15 für ein einfaches Gericht.

    Am nächsten Tag wollte ich noch einmal an einen anderen Strand, nämlich an die Südspitze der Insel. Angekommen bin ich dort jedoch nicht 🙈. Der Bus fuhr anstatt in den Süden in die entgegengesetzte Richtung, aber ich nahm es wie es kam. Irgendwann stieg ich aus und lief ein paar hundert Meter hinab zum Top Soleil Beach. Wie wundervoll. Es war kurz vor dem Mittag und ich denke, dass etwa 4 Leute an diesem Vormittag am Strand waren. Etwa eine Stunde später ging das kleine Strandrestaurant auf und ich kam in den Genuss eines hausgemachten kreolischen Thunfischcurries. Thunfisch ist übrigens der „Bodenschatz“ der Seychellen. Was für ein entspannter und friedlicher Ort, an den ich da gekommen bin. Im Vergleich zu meinen Tagen in Äthiopien ging es hier wirklich sehr gechillt zu.

    Die 3 Tage auf der Hauptinsel Mahé vergingen wie im Fluge. Ich stimmte mich allmählich auf die Weiterreise ein. Am Donnerstagvormittag nahm ich für den stolzen Preis von €74 die Catcocos Fähre von Mahé nach La Digue. Eine Backpacker-Destination mit günstigen Preisen sind die Seychellen wahrlich nicht 💸.
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  • La Digue, Seychellen

    Aug 1–5, 2024 on the Seychelles ⋅ ⛅ 27 °C

    Die Fähre benötigte etwa 90 Minuten von Mahé nach La Digue, inklusive eines kurzen Zwischenstopps auf der Insel Praslin. Der Wellengang war nicht angenehm und schlug auf den Magen. Ich hatte zum Glück etwas gegen Seekrankheit eingenommen, viele andere Leute litten erbärmlich und entleerten ihren Mageninhalt in Papiertüten. Immer wieder brachte die Crew an Seekrankheit Leidende aufs Aussendeck.

    Nach Ankunft am Fährhafen in La Digue wurde ich von einem Sammeltransport abgeholt und zu Lucy’s Guesthouse, meiner Unterkunft für die kommenden
    4 Tage und Nächte, gebracht. Dieser Service wurde offeriert. Ich schätzte es sehr, denn eine Taxifahrt, egal wohin, kostete auf dem Inselchen stolze USD 10. Motorfahrzeuge gibt es auf dem Eiland nur wenige, denn das Fortbewegungsmittel Nr. 1 ist auf La Digue das Fahrrad. Leider ist hier die Zeit auch nicht stehen geblieben und der Wechsel aufs e-bike allgegenwärtig. Das brauchte ich nicht, denn mein Hauptgrund für den Besuch der Seychellen war das Ent- und nicht das Beschleunigen. Ich lieh mir also einen ganz gewöhnlichen Drahtesel, mit dem ich in den nächsten Tagen die kleine Insel erkunden wollte. Nach dem Check-In ging es erst einmal zum nahegelegenen Supermarkt, wo ich mir die Frühstücksverpflegung für die nächsten Tage besorgte. In der Inselbäckerei kehrte ich noch auf ein erfrischendes Kokoseis ein und radelte weiter zu Trek Divers, denn ein Mal wollte ich auf den Seychellen sicher tauchen gehen. Am nächsten Morgen sollte es soweit sein: 2 Tauchgänge im Indischen Ozean waren reserviert. Nachdem die Einkäufe erledigt und eingeräumt waren und das Tauchen organisiert war, machte ich mich mit dem Fahrrad nochmals auf, um einen Strand zu suchen, an dem ich etwas entspannen konnte. Es dauerte nicht lange und ich erreichte ein traumhaft schönes Fleckchen Erde. Eine paradiesische Bucht, die Anse Patates. Ich begann mich richtig in diesen Strand mit den hohen Granitfelsen und den schattenspendenden Palmen zu verlieben und kam in den nächsten Tagen immer wieder hierhin zurück. Am Abend holte ich mir ein Fischcurry bei einem Take away und genoss 1-2 Seybrew auf meinem tollen Balkon. Die Ruhe war magisch und mein Schlaf himmlisch.

    Am nächsten Morgen radelte ich gegen 8.30 zum Tauchshop. Wir waren 7 Taucher, eine 5 Jährige und eine Schwangere, die nebst der Tauchcrew an diesem Vormittag auf dem Boot weilten. Das Wetter zeigte sich von einer eher unbeständigen Seite und das Meer war unruhig. Da ich nichts eingenommen hatte, kämpfte ich gegen meine Übelkeit an. Als der Tauchlehrer dann die Advanced Diver bat, ins Wasser zu springen und abzutauchen, bekam ich wegen des hohen Wellengangs Panik und wurde zurück zum Boot gebracht. Dort waren noch 2 Taucher aus Frankreich, die mit der Engländerin Aisha unter Wasser wollten. Ich nutzte meine zweite Chance und diesmal gelang mir der Abstieg problemlos. Bei beiden Tauchgängen mit der englischen Tauchlehrerin war einiges zu sehen, wie Schildkröten, ein Marmor- Zitterrochen, eine Muräne, ein Hai, ein Büffelkopf-Papageienfisch, viele Red Snapper und Schwärme tropischer Fische. Trotz nicht optimaler Sichtverhältnisse waren es 2 lohnenswerte Tauchgänge. Die Rückfahrt an Land erfolgte gegen
    13 Uhr. Im Tauchshop durfte ich für den Tauchausflug €145 bezahlen und entschied mich, es dabei zu belassen. Nachdem ich mich vom Vormittag etwas erholt hatte, radelte ich nochmals zur kleinen Traumbucht und verbrachte dort den Rest des Tages.

    Den Samstag nutzte ich für den Besuch der Anse Cocos, ein weiterer hinreißender Ort auf La Digue. Die Anreise mit dem Drahtesel ohne Gangschaltung war etwas beschwerlich, aber machbar. Ich parkte das Fahrrad an der Grand Anse, denn von hier musste man zu Fuß weiter. Da es noch recht früh war, war ich eine der ersten Besucherinnen, die um ca. 10.30 Uhr bei bewölktem Himmel und etwas Niederschlag den Traumstrand erreichte. Das Wetter änderte sich im Verlauf des Tages glücklicherweise noch zum Positiven ☀️. Ich spazierte am Strand entlang und schaffte es nach weiteren 20 Minuten schließlich zur Anse Caiman, wo ich mich fast alleine in den landschaftlich einzigartigen, natürlichen Pools abkühlen konnte. Wundervoll. Nun blieb mir nur noch der Sonntag auf diesem traumhaften Eiland. Ich wurde langsam etwas wehmütig, denn die Tage im Paradies waren bald vorbei.

    An Tag 4, einem Sonntag, hatte ich mir das Highlight auf La Digue vorgenommen: die Anse Source d’Argent, ein Traumstrand wie er im Buche steht. Der Mix aus flachem, türkisblauem Meer, weißem Sandstrand und eindrucksvollen Granitfelsen machen ihn zu einem der fotogensten Strände auf den Seychellen. Leider war mir das Wetter wieder nicht hold und bereits nach Eintritt in den Nationalpark, Eintrittsgebühr ca. USD 10 für 24h, begann es zu regnen. Ich blieb längere Zeit bei den Landschildkröten, die man hier in einem Steingehege untergebracht hat. Als der Himmel nach dem Mittag endlich aufklarte, fuhr ich weiter zum Strand. Mir war er ehrlich gesagt zu stark besucht. Ich kehrte in einer netten Strandbar ein, gönnte mir für viel Geld einen tropischen Cocktail 🍹 und spazierte dann vor allem, um ein paar Fotos von der Szenerie zu machen, die Source d‘Argent entlang. Man kann sich am Strandeingang auch Kanus mit Klarsichtboden ausleihen, aber dazu konnte ich mich nicht hinreißen lassen.

    Obwohl die Zeit auf La Digue gefühlt langsamer zu vergehen scheint, als andernorts, verging sie doch viel zu schnell. Es war der Montagmorgen des 5. August und ich checkte um 10 Uhr in Lucy’s Guesthouse aus. Mein Fahrrad konnte ich glücklicherweise noch behalten, bis ich auf die Fähre musste, denn das war erst um 14 Uhr. Ich radelte nochmals zu meiner kleinen Traumbucht, der Anse Patates und verbrachte die wenige Zeit, die mir noch blieb, dort. Um 13.30 Uhr kam ich am Hafen an und konnte alsbald auf die Fähre, welche mich in nur 15 Minuten auf die zweitgrößte der
    3 Hauptinseln, nach Praslin bringen sollte. Ich war schon gespannt, wie ich meine letzten Urlaubstage dort verbringen würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass es an einem Strand sein würde, war hoch.
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  • Die letzten Ferientage auf Praslin

    Aug 5–8, 2024 on the Seychelles ⋅ ☁️ 27 °C

    Die Catcocos Fähre brachte mich am frühen Montagnachmittag nach etwa 15 minütiger Überfahrt von La Digue nach Praslin. Obwohl die Insel als das zweitgrößte Eiland der Seychellen gilt, ist sie mit ihren 38 Quadratkilometern doch recht überschaubar. Auch auf Praslin verzichtete ich auf das Ausleihen eines Fahrzeugs und nahm stattdessen, wann immer möglich, den Bus.

    Vom Fährhafen zu meiner Unterkunft im Anse Volbert Village gönnte ich mir ein Taxi. Den Preis handelte ich soweit es ging herunter. Der Kauf eines neuen Bustickets für die nächsten Tage stand auf meiner To Do Liste. Nach etwa
    10 Minuten erreichte ich meine Unterkunft „Villa Bedier“, die ich für 2 Nächte gebucht hatte. Ich war Mieterin eines Appartements, was für mich alleine eigentlich viel zu groß war und als recht unpersönlich empfand ich es hier auch. Das Positive an der Bleibe war, dass sie sich im Ortszentrum, nur einen Steinwurf vom Strand Côte D‘Or befand. Bei offenem Fenster konnte man das Meeresrauschen hören. An diesem Strand war allerdings Vorsicht geboten, denn hier wimmelte es vor Sandfliegen und die Stiche waren wirklich unangenehm. Auch mich verschonten die Plagegeister nicht. Eigentlich kam ich hier nur vorbei, um mit 2 sehr netten Einheimischen zu plaudern, die tagein, tagaus Früchte an Touristen verkaufen. Abgesehen davon, dass ich Howard und seine Mutter Monica sehr mochte, fand ich Côte D‘Or nicht sehr attraktiv, denn es roch hier fast überall nach den Abwässern der Hotelanlagen. Wohin diese wohl rannen 🌊 ?

    An meinem zweiten Tag auf Praslin wollte ich zum Anse Lazio, der als einer der schönsten Strände auf den Seychellen bezeichnet wird. Ich begab mich zur nahegelegenen Bushaltestelle, wartete aber leider auf der falschen Straßenseite und verpasste den Bus. Ich durfte eine geschlagene Stunde auf den nächsten warten. Ärgerlich. Unterdessen war es schon fast Mittag und der Anse Lazio entsprechend gefüllt. Es störte mich nicht weiter, da man an den Stränden auf den Seychellen immer ein gutes Plätzchen fand, an dem man genügend Platz für sich hatte. Zum Fotografieren konnten zu viele Leute jedoch eher hinderlich sein. Ich genoss ein paar Stunden am Strand und widmete mich am späten Nachmittag wieder dem mühevollen Aufstieg, um den Bus zurück ins Anse Volbert Village zu erreichen. Am Abend kehrte ich über der Straße bei „Theos Take Away“ ein, wo man frischen Thunfisch mit Pommes für USD 7.50 bekam. Ein wahres Schnäppchen und seeehr lecker.

    Der Mittwoch war der vorletzte Tag vor meiner Rückreise. In der Villa Bedier konnte ich nicht mehr bleiben und musste nochmals für eine Nacht die Unterkunft wechseln. Ich hatte einen Bungalow in der etwa 500m entfernten Villa Rafia gebucht. Die Besitzerin ist eine wundervolle Person und ich fühlte mich vom ersten Moment an wohl. Schade, dass ich nicht während meines gesamten Aufenthalts auf der Insel hier Gast sein konnte. Nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, denn für den Check In war es zu früh, wollte ich zum nächsten Strand aufbrechen, der Anse Georgette. Um an diesen Traumstrand zu gelangen, muss man ein 5-Sterne-Golfresort, das „Constance Lemuria“ passieren. Die Mitarbeiterin der Villa Rafia meldete mich am Checkpoint des Hotels an, so dass ich problemlos durch das Gelände zum Strand spazieren konnte. Da sich mein Ziel an der nördlichen Spitze der Insel befand, dauerte die Busfahrt mit etwa 40 Minuten länger. Der Bus hielt auch am Nationalpark Vallée de Mai, in dem der Besucher die Coco de Mer, die größte Nuss der Welt, bestaunen kann. Es gibt sie nur auf der Insel Praslin und sie ist übrigens auch auf dem Stempel abgebildet, den man am Migrationsschalter bei der Einreise auf die Seychellen erhält. Das Vallée de Mai wurde 1983 von der UNESCO in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen. Leider fehlte mir für den Besuch des Nationalparks die Zeit, was ich sehr bedaure. Ich fuhr also mit dem Bus weiter bis zum „Constance Lemuria“ und spazierte nochmals etwa 20 Minuten bis zur Anse Georgette. Die lange Anreise hatte sich gelohnt: ein absoluter Traumstrand mit exzellenter Fotokulisse tat sich vor meinen Augen auf. Und auch diese Naturschönheit war der Öffentlichkeit zugänglich. Ich genoss die Nachmittagsstunden in vollen Zügen. Für mich ist die Anse Georgette einer der schönsten Strände, die ich auf meinen Reisen bisher gesehen habe. Die Rückreise nach Anse Volbert Village verlief etwas anders als geplant. Der Bus ließ auf sich warten und so entschied ich, einen Van anzuhalten und zu fragen, ob mich der Fahrer zu meiner Unterkunft fahren könne. Joshua, ein Automechaniker mit eigener Werkstatt auf der Insel, brachte mich zu einem fairen Preis zurück und ich machte gleich für den nächsten Morgen mit ihm ab, mich zum Fährhafen zu fahren. Am Abend ging es noch einmal zu Theo‘s Foodtruck, wo ich einen in Düsseldorf lebenden Seychellois kennenlernte, der das Anwesen seiner Eltern auf Praslin geerbt hatte und nun zwischen Deutschland und dem Inselstaat pendelt. Angelo wollte mir seine Ländereien gerne zeigen, aber weil es schon recht spät war und ich in der Villa noch nicht eingecheckt hatte, musste ich das absagen bzw. verschieben 😉.

    Es war eine kurze Nacht. Da ich am Donnerstagmorgen bereits um 7.30 Uhr am Fährhafen sein musste, stand ich zeitig auf. Joshua kam wie abgemacht, um mich zu fahren. Die Überfahrt nach Mahé verlief recht unspektakulär und schlug merklich weniger auf den Magen, als sie es in die entgegengesetzte Richtung tat. Ich war froh, denn ich hatte unwissentlich einen Sitzplatz im Innenbereich gebucht und diese Buchung musste laut Bordpersonal eingehalten werden. Nach etwa einer Stunde erreichte die Fähre den Hafen in Victoria auf der Hauptinsel Mahé. Mit meinem Gepäck marschierte ich die etwa 800 Meter bis zum Busbahnhof, wo ich den Bus zum Beau Vallon nahm. Da ich einen Teil meines Gepäcks bei meiner ersten Gastgeberin Jessie deponiert hatte, ging es nochmal an diesen Ort zurück. Ich hatte etwa 3 Stunden Zeit, in denen ich am Beau Vallon entlangschlenderte, mir ein absolut fantastisches Kokoseis gönnte und schließlich im Guesthouse nochmal duschen durfte 🙏. Um ca. 14 Uhr nahm ich den Bus zurück nach Victoria und von da zum Internationalen Flughafen. Ich kam überpünktlich an und hatte noch Zeit für die letzten Einkäufe. Die Maschine von Ethiopian Airlines startete pünktlich um 17.20 Uhr und erreichte den Flughafen in Addis Abeba um 19.30 Uhr Ortszeit. Ich hatte einen 4stündigen Zwischenaufenthalt, der sich gefühlt etwas in die Länge zog. Kurz vor Mitternacht war das hektische Boarding abgeschlossen und der Flieger flog 7 Stunden durch die Nacht nach Frankfurt. Am frühen Freitagmorgen des 9. August kam ich von meiner „Anderen Welt Reise“ mit einem Rucksack voller neuer Abenteuer und Erfahrungen zurück. Afrika hat mich in seinen Bann gezogen und ich hoffe, diesen faszinierenden Kontinent wieder bereisen zu können.

    Ameseginalew Äthiopien und Mersi Seychellen 🙏.
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    Trip end
    August 9, 2024