Der Zauberwald Brocéliande
2.–5. mar., Frankrig ⋅ ⛅ 16 °C
Wir kommen endlich in der Bretagne an, die mit ihren alten Steinhäusern gleich viel mehr Atmosphäre ausstrahlt. Hier haben wir vor 16 Jahren unseren ersten gemeinsamen Urlaub verbracht, der uns nachhaltig beeindruckt hat. Denn in der Bretagne gibt es zahlreiche jahrtausende alte Megalithanlagen mit meist riesigen in Reihen oder Kreisen aufgestellten Steinen (Menhire), Dolmen oder Hügelgräbern, die als Kult- oder Totenstätten gedient haben sollen. Über die Jahre sind solche Anlagen ein wenig zu Robs Hobby geworden, bei dem ich gerne mitgehe. So ist unser erstes Ziel ein ursprünglich 420 Menhire großes Gebiet im Wald bei Monteneuf, das ca. 6.500 v. Chr. entstanden sein soll. 42 von den bis über 4 Meter hohen prähistorischen Steinen wurden von Forschern an ihrem ursprünglichen Standort wieder aufgestellt. Allein sie beeindrucken schon inmitten der Heide- und Moorlandschaft. Die Menhire sind dabei nicht zufällig aufgestellt worden, sondern folgen bestimmten Mustern und Ausrichtungen, die mit astronomischen Ereignissen wie Sonnenwenden und Mondzyklen in Verbindung stehen sollen.
Unser nächstes Ziel ist der angrenzende Wald Brocéliande, der als mystischster Ort der Bretagne gilt, da er eng mit der Artus-Sage und der keltischen Mythologie verbunden ist. In den Legenden wird Brocéliande oft als verzauberter Wald beschrieben, der Schauplatz vieler Geschichten rund um König Artus, die Ritter der Tafelrunde und den Zauberer Merlin ist.
Wir machen für einen Tag und eine Nacht Halt in dem beschaulichen Ort Tréhorenteuc und besichtigen zunächst die alte kleine Gralskirche aus dem 16. Jahrhundert, die in ihrem Inneren die keltische Mythologie und die Artus-Sage mit christlicher Symbolik verbindet. Deutsche Kriegsgefangene halfen in den 1940er und 50er Jahren bei der Gestaltung. Von hier geht es dann für eine Rundwanderung in den Wald. Vorbei an einem Wasserfall, dem goldenen Baum "L'Abre d'Or" und dem See "Feenspiegel" geht es die Felsen hinauf. Oben hat man einen tollen Ausblick über den Wald. Auf dem Weg nach unten ist der Weg auf einmal durch ein Flatterband abgesperrt. Vielleicht ist irgendwo ein Baum umgestürzt? Wir überlegen kurz und entscheiden durch die Absperrung zu gehen. Unten geht es über den Bachlauf durch das sogenannte Tal ohne Wiederkehr. Wir können problemlos weiterlaufen und wollen bis zum Grab des Riesen und dem Haus der Vivienne, zwei "Steinkisten" aus prähistorischen großen Steinen. Zuvor hatten wir von Weitem bereits ungewöhnliches Hundegejaule gehört. Kaum sind wir am letzten Punkt angekommen, laufen zwei Jagdhunde auf uns zu. Von Besitzern weit und breit keine Spur. Rob fordert die beiden auf mitzukommen und so folgen sie ihm. In ihrem Fell ist ein großes "B" für Bretagne rasiert, auf dem Halsband eine Nummer und der Hinweis "Bretagne Rallye". Auf der Suche nach Besitzern laufen wir auf ein Auto mit einem älteren Paar und drei jungen Mädchen zu. Auf die Frage, ob das ihre Hunde sind antwortet der Mann "Ja, aber wir suchen insgesamt 15 Hunde". Was? 15? Ach du Schreck, damit haben wir jetzt nicht gerechnet. Es ist Dienstag und die Hunde irren und jagen wahrscheinlich seit dem Wochenende im Wald umher. Diese beiden lieben wirken ziemlich mager und k.o. und scheinen keinerlei Bezug zu dem Pärchen zu haben, so dass einer der beiden gleich wieder abhaut. Rob folgt ihm und versucht ihn nochmal heranzurufen, leider ohne Erfolg. Der Franzose telefoniert zwischendurch wohl mit anderen Jägern und bläst immer wieder in sein ohrenbetäubendes Horn. Aber kein Hund in Sicht. Wir verabschieden uns und gehen weiter, aber ein paar hundert Meter später kommen uns direkt zwei weitere Hunde entgegen, die wir einfangen und zu dem Auto bringen. Dabei kommt noch ein weiterer angerannt. Insgesamt sind so also fünf Hunde aufgetaucht. Immerhin. Mir war die Situation mit den Jagdhunden gar nicht soo genau bewusst, auch wenn ich schon einiges über spanische Podencos gelesen hatte. Zurück im Fahrzeug denke ich noch viel an die Hunde. Erst später lesen wir in einer Broschüre, dass der abgesperrte Weg bis Ende März wegen der Jagd gesperrt ist. Eigentlich hätten wir also gar nicht da lang gedurft, aber vor Ort gab es keinen Hinweis. Zumindest haben wir so geholfen, dass ein paar der Hunde gesichert werden konnten. Was ein aufregender Tag, der bei schönem Mondlicht auf dem Parkplatz hinter dem kleinen Rathaus des Dorfes endet. In den nächsten beiden Tagen fahren wir noch zum "Grab des Merlin" und zum See Témeric, an dem symbolisch für das Schwert Excalibur ein Schwert in einem Fels steckt. So schließt sich für uns hier der Kreis der Artus Sage. Dabei übernachten wir in Paimpont, einem kleinen Ort, der als Tor zum Zauberwald von Brocéliande gilt.Læs mere

























Rejsende
🥰🥰🥰