• Renntag

    March 8 in Switzerland ⋅ ☀️ -5 °C

    Heute ist also der Tag der Tage. Mein Wecker beendet meinen Schlaf um 05:30h. Schnell kocht das Wasser, mit welchen ich meine beiden Quicklunches anrühre - Spaghetti, natürlich. Vermutlich nicht ganz so nahrhaft, wie richtige, aber immerhin.... Das Frühstücksbuffet des Hotels steht heute bereits ab 06:00h zur Verfügung. Also baue ich mir dort noch ein Müesli zusammen und achte darauf, drei Stunden vor dem Start wieder zurück auf dem Zimmer zu sein. Um frühestens 08:00h solle ich mich beim Start einfinden. Die Fahrt dorthin dauert ca. 45Minuten. Also dürfte der 07:10h-Bus der passende für mich sein. Was ich aber bei der vielen Rechnerei ausser Acht lasse, ist die perfekte Organisation dieses Anlasses. Bereits um 07:05h fährt der Bus los und ist, da er direkt fährt, schon rund 30Min später beim Startgelände in Maloja - also viel zu früh für mich. Ich halte mich noch etwas im Wärmezelt auf und simple fach mit anderen Teilnehmenden. Ab Pascal staune ich. War sein Knöchel bis vor kurzem noch derart geschwollen, dass er nicht auftreten konnte. Trotzdem wagt er heute seinen ersten Start. Ich wünsche ihm für den Lauf gutes Gelingen und suche die vielen ToiTois, welche ich am Donnerstag noch gesehen habe - bin mir inzwischen aber nicht mehr sicher, ob ich mir das nur eingebildet habe... Weil ich diese aber nicht finde, stelle ich mich zu den anderen und versuche, meinen Namen in den Schnee zu schreiben. Offenbar war das ganze Unterfangen mehr der Aufregung, als der vollen Blase geschuldet. Denn für mehr, als den Anfangsbuchstaben reicht es nicht.
    Kurz nach 9Uhr packe ich meine überflüssigen Utensilien in den zur Verfügung gestellten Sack und gebe diesen beim Truck 26 ab. Der Weg zu meiner Startbox ist sehr gut ausgeschildert. Falsch Abgebogenen oder Kurzsichtigen wird der richtige Weg durch Volunteers gezeigt. Und schon geht der Countdown los. Punk 09:13h öffnet sich der Pferch und gibt den Weg über die beiden gefrorenen Gewässer frei. Bis zum Aufstieg bei der Olympiaschanze zähle ich fünf Stürze in meinem Umfeld. Der sechste geht dann auf mich. Aufgrund eines unvorsichtigen Spurwechsels knalle ich unversehen mit beiden Knien auf die harte Oberfläche und sehe kurz ein paar Sterne. Ich rapple mich aber auf und warte kurz, bis ich auch hinauf träppelen darf. Mit einer um vier Zähler höheren Startnummer als ich, nimmt auch Michelle an diesem Lauf teil. Ebenfalls zum ersten Mal, wie ich später erfahre. Ich sei mit einem, für sie guten, Tempo unterwegs. Sie werde sich an mich halten. So bringen wir die weiteren Kilometer gemeinsam hinter uns. Im Gegensatz zu mir, bringt sie die Abfahrt aus dem Stazerwald sturzfrei hinter sich. Kurze Zeit später trennen sich unsere Wege und ich habe sie nie mehr gesehen. Einerseits stöckelt mich ein Mitläufer derart, dass ich plötzlich ohne Skis auf der Loipe liege. Neben mir Splitter meiner Bindung. Ich befürchte das Schlimmste. Doch die Bindung hält. Andererseits liegt dann ein paar Meter weiter Walter mit schmerzverzerrtem Gesicht neben der Piste. Er habe es knacken gehört und könne nun kaum atmen. Vermutlich habe er eine Rippe gebrochen. Ich beschliesse, ihn nicht alleine zu lassen und verständige die 144. Nach gefühlten 30min (Es waren wohl weniger) stapft uns ein dreiköpfiges Rettungsteam entgegen und kümmert sich weiter um Walter. Ich nehme den Rest der Strecke in Angriff und mache keine weiteren Bekanntschaften. Vielleicht mit Ausnahme eines weiteren Schneekontakts im Ziel-S. Zuvor käpfte ich mich aber die Golanhöhen, welche ich bis anhin eher im nahen Osten verortete, empor. Das sind so fiese, seitlich abfallende, eigentlich eher kleine, Hügel. Und dann ist es also da: Das Ziel. Die Teilnehmenden werden vom berühmtesten - und stillsten, wenn es nicht gerade um sein Ableben geht - Zürcher empfangen. Meine Laufzeit bleibt bei etwas über vier Stunden stehen. Wenn ich bis zum Schluss mit Michelle hätte mithalten können, wäre die Uhr bei ca. 3:36 stehen geblieben. Aber auch so habe ich eine reine Laufzeit von unter vier Stunden erreicht. Eine Zeit, welche ich bis vor Kurzen nicht für möglich gehalten hätte.
    Beim Ausgang aus dem Zielgelände gibt's einen Stempel auf die Startnummer und eine Erinnerungsplakette oder -medaille. Dann noch schnell beim Lastwagen den zweitletzten Effektensack abholen - alle anderen waren ganz offensichtlich schneller hier - und eine Karte für den Zug behändigt. So, wie bereits die Anreise, ist auch die Abreise perfekt organisiert. Nur wer im Besitz einer Karte mit der entsprechenden Farbe ist, kann auf das provisorische Perron gelangen. Die Haltestelle heisst S-chanf Marathon, wird aber nur an diesem bedient.
    Für den Rest des Tages widme ich mich der Regeneration und gönne mir etwas später Aas mit Pommes, bevor ich mich zeitig zu Bett begebe.

    Hier noch ein Link zur Belustigung:
    https://youtu.be/Za4QIC3eAr0?is=MhLJr7R8sVDwsmdZ
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