Jens Hasper

Joined November 2018Living in: Erlangen, Deutschland
  • Day83

    Kia Ora from Kaikoura

    March 21 in New Zealand ⋅ ⛅ 17 °C

    Kaikoura heißt uns willkommen („Kia Ora“ ist übrigens der maorische Ausdruck für „Herzlich Willkommen“). Hier schlagen wir für die nächsten Tage in dem Hostel „Seaside View Lodges“ unser Lager auf. Gemeinschaftsbäder und große Gemeinschaftsküche gehören ja inzwischen praktisch schon zu unserem Standard, um den auf Dauer unbezahlbaren Hotelzimmern zu entgehen. Und wir können uns mit unserer Auswahl auch wenig beschweren. Die Unterkunft hält was der Name bereits verspricht: Aus einem großen Panoramafenster blicken wir auf die weite steinige Bucht, das blaue Wasser und die hohen dahinterliegenden teilweise wolkenverhangenen Berge der Kaikoura Ranges. Ein toller Ausblick. „Dolphins often come into this bay, mainly in the morning“ prahlt unser Host außerdem und hat sich damit sofort unsere volle Aufmerksamkeit gesichert. Unser Host ist ein Maori (Ureinwohner Neuseelands) wie aus dem Bilderbuch: sonnengebräunte, dunkle Haut, langes lockiges Haar, gestutzter Vollbart, Arme (und wahrscheinlich auch noch weitere Körperteile) durch großflächige Tatoos verziert, wahrscheinlich vom Alter so Ende 40. Er stellt sich uns mit „Storm“ vor, wobei wir beide nicht ganz sicher bin, ob er sich diesen einprägsamen und coolen Namen vielleicht einfach selber gegeben hat 😉 Storm ist sehr offen, locker, kontaktfreudig und hilfsbereit und wird uns in den nächsten Tagen noch häufiger unseren Aufenthalt versüßen (es wird mir wohl noch länger in Erinnerung bleiben, wie er uns abends heroische Lagerfeuer-Geschichten seiner Online-Spiele-Vergangenheit erzählt hat und seine Heldentaten von einem fiesen höhnischen Lachen begleitet wurden...). Auf die versprochenen Delfine in der Bucht warten Susi und ich dann aber leider vergebens, auch wenn wir jeden Morgen erwartungsvoll aus unserem Fenster gestarrt haben... Macht aber nichts, da wir ohnehin in Kaikoura eine Tour zum Delfine-Beobachten gebucht haben, aber dazu unten mehr.

    Kaikoura befindet sich auf einer weiten fingerförmigen Halbinsel, die in den pazifischen Ozean ragt. Es liegt direkt am pazifischen Feuerring und so wurde 2016 das Dorf leider durch ein schweres Erdbeben der Stärke 7.8 schwer beschädigt und selbst heute noch sieht man Überbleibsel der Schäden und die sicherlich noch viele weitere Jahre andauernden Aufräum- und Reparaturarbeiten. Besonders charakteristisch ist, dass sich durch das Erdbeben der Meeresgrund bis zu 4 Metern angehoben und das komplette Küstenbild verändert hat. Wo vor einigen Jahren noch lange Kiesstrände in den Ozean liefen, erstrecken sich inzwischen schroffe, weit ins Meer vorgelagerte Korallenplatten, die das Erdbeben zum Vorschein gebracht hat. Kaikoura zählt als einer der besten Orte Neuseeland, um Robben, Delfine und Wale zu beobachten. Und so nutzen Susi und ich unseren Aufenthalt, um uns beiden jeweils einen Traum zu erfüllen, der schon lange in unserem Kopf rumschwirrt. Ich möchte unbedingt einmal in meinem Leben mit Delfinen schwimmen, während Susi es kaum erwarten kann, einmal einen großen Wal in freier Natur zu beobachten. Und so haben wir für den ersten Tag unseres Aufenthalts eine Dolphin Swimming Tour (Susi wird das Spektakel als Zuschauer beobachten) gebucht, während uns am darauffolgenden Tag als weiteres Highlight eine Whale Watching Tour erwartet 🙂

    Tag 1: Aufgeregt stehe ich am frühen Morgen auf und blicke aus dem Fenster. Das Wetter scheint mit uns zu sein, denn nach den teilweise trüben und regnerischen vergangenen Tagen lacht uns heute Morgen die Sonnen entgegen. Wir haben extra eine frühe Tour am Morgen gebucht, da das Meer dann in der Regel etwas ruhiger sein soll und wir nicht in die Gefahr von Seekrankheit laufen. Denn die Tour ist eine „Open Water Experience“, was bedeutet, dass wir relativ weit vor die Küste mit dem Boot hinausfahren und dann im offenen Ozean schwimmen werden. Habe ich bisher auch nicht gemacht und ich gestehe, dass die Vorstellung hunderte Meter Wasser unter sich zu haben auch ein klein wenig Unbehagen hervorruft. Am Tour-Stützpunkt angekommen, schlüpfe ich in meinen Wetsuit (inzwischen bin ich die zweite Haut ja schon gewohnt), höre noch eine Sicherheitsbelehrung und einige Hinweise, wie man am besten die Aufmerksamkeit der Delfine auf sich zieht, und dann geht‘s auch schon los aufs Boot. Die Suche nach Delfinen beginnt. Die Tour vor uns soll bereits gut verlaufen sein, gutes Wetter und viele Delfine. Meine Erwartungshaltung steigt... Nach ca. 30 Minuten Bootstour entlang der Küste Kaikouras stoßen wir dann auch bereits auf den ersten Schwarm von Delfinen. Unbeschreiblich viele Delfine (es müssen bestimmt 100 oder mehr sein) gleiten durch das Wasser, neben und unter dem Boot entlang, oder zeigen mit kühnen Sprüngen und Saltos ihr akrobatisches Geschick. Wahnsinn! Wunderschöne Tiere und mit einer solchen Anzahl hätten wir nicht gerechnet. Der Kapitän gibt mit einer lauten Sirene das Zeichen, dass wir ins Wasser können und in voller Montour mit Schnorchel und Flossen gerüstet springe ich dann ins kühle Nass. Tatsächlich ist das Meer kühler als erwartet und ich bin froh, dass mich der Neopren-Anzug schön warm hält. Wie von unseren Guides empfohlen, machen wir mit animalischen Lauten so gut es geht auf uns aufmerksam. Ich selbst beginne unter Wasser eine Melodie zu summen, was sich gar nicht mal als so einfach herausstellt, da ich ja nebenbei auch noch Luft holen muss. Meine Melodie ist somit sicherlich alles andere als bühnenreif, aber die Delfine scheinen zum Glück nicht allzu wählerisch zu sein (oder aber noch schlimmeres gewohnt zu sein 😉). Denn sie schwimmen neugierig um uns und unter uns. Aber wie flink sie sind. Und das Wasser ist trüber als ich dachte, unter Wasser wirkt alles wie ein dichter Nebel. Trotzdem kann ich einige Male beobachten, wie dicht neben oder unter mir eine Gruppe Delfine vorbeizieht. Mit einem der Delfine versuche ich ein sogar ein kleines Tänzchen zu machen und beginne mich zu drehen, während ich von ihm umkreist werde. Ein tolles Gefühl, ihm in greifbarer Nähe in die Augen schauen zu können. Susi scheint das Erlebnis ebenfalls von Bord aus bestens genießen zu können, hat sie doch einen wunderbaren Blick auf das Gewusel im Wasser. Wie wir später erfahren, haben wir heute sogar drei verschiedene Spezies von Delfinen gesehen: die Dusky Dolphins (die häufigsten Delfine Neuseelands), die Common Dolphins (die häufigsten Delfine weltweit) und die Hector Dolphins (eine sehr seltene Rasse, die nur in Neuseeland existiert). Voller Erfolg also und ein wirklich einmaliges Erlebnis, was jeden Euro wert gewesen ist und was ich mit einem zufriedenen Lächeln von meiner Bucket List streichen kann 🙂

    Tag 2: Wir machen uns erneut am Morgen auf den Weg zum Hafen. Heute sollen wir einer weiteren majestätischen Spezies des Ozeans begegnen: Pottwale. Die Männchen dieser riesigen Meeressäuger halten sich praktisch das ganze Jahr über vor der Küste Neuseelands auf und sind außer in dieser Region ansonsten nur noch im hohen Norden Norwegens zu beobachten. Heute müssen wir auch noch ein Stückchen weiter aufs Meer hinaus als gestern zur Delfinbeobachtung, so dass wir mit einem flotten Schnellboot über das Meer flitzen. Die Kabine schaukelt ganz ordentlich als wir über die zum Glück relativ niedrigen Wellen springen und wir sind beide ganz froh, provisorisch ein paar Tabletten gegen Seekrankheit genommen zu haben (so dass wir nicht von den tollen Spuckbeuteln Gebrauch machen müssen). Während der Fahrt bekommen wir von unserem Guide an Bord noch einige Fakten über das Boot, Kaikoura und dessen Meereswelt vermittelt. Wir merken allerdings beide, dass der Guide seinen Text mehrmals täglich runterrasseln muss und daher die wirkliche Begeisterung in seinen Augen vergeblich zu suchen war. Ist aber nicht weiter schlimm, denn wir sind ja auch nicht wegen des Guides hier, sondern wegen der Wale. Nach ca. 30 Minuten macht das Boot einen kurzen Stop und eine der Angestellten versucht mit einem Unterwassermikrofon Wallaute zu orten. Und tatsächlich empfangen wir nur eine knappe Meile vor uns ein Signal. Der Kapitän heizt den Motor wieder an und rast zum vermuteten Aufenthaltsort des Meeresgiganten. Und tatsächlich, wenige Minuten später gleitet er in naher Entfernung vor uns, wie ein großer schwimmender Felsen ragt ein Bruchteil des steingrauen Oberkörpers und die verhältnismäßig kleine Flosse aus dem Wasser. In Abständen von ca. 10 Sekunden wird eine Wasserfontäne von dem grauen Riesen hoch in die Luft geprustet. Die Sonnenstrahlen erzeugen bei jedem Atemzug einen kleinen Regenbogen in dem dadurch zerstäubten Wasserdunst. Wunderschön anzusehen!!! Pottwale befinden sich meist nur wenige Minuten an der Wasseroberfläche, dann tauchen sie wieder für 45 Minuten bis zu mehrere hundert Meter unter. Ein stetiger und vorhersagbarer Rhythmus. Auch unser Exemplar macht hier keine Ausnahme und so setzt er nur kurze Zeit später zu seinem nächsten Tauchgang an. Ein kurzer magischer Moment, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Der Oberkörper wölbt sich elegant und geschmeidig ins Wasser, begleitet vom charakteristischen Aufrichten der monströsen Schwanzflosse, die so viele Postkarten und Urlaubsfotos ziert. Und dann ist er auch schon wieder spurlos verschwunden.... Ein kurzer Augenblick, aber einzigartig und mit Sicherheit unvergesslich.

    Anmerkung: Der Name Kaikoura stammt übrigens von den maorischen Worten „Kai“ (= Essen) und „Koura“ (= Flusskrebs) ab und ist berühmt für seine vorzüglichen „Crayfishs“. Auch wenn Susi und ich zunächst etwas skeptisch gegenüber diesem kulinarischen Genuss sind, wollen wir uns den Leckerbissen nicht entgehen lassen. Und so teilen wir uns zum Mittag einen der nicht ganz günstigen Krebse, zubereitet so wie es sein muss: frisch gefangen, noch lebend aus dem Becken und dann mit etwas Knoblauchbutter auf den Grill. Schmeckt wirklich ganz gut, von der Konsistenz etwas wie Hühnchen, aber mit dem typischen Geschmack von Meer 🙂 Trotz der kulinarischen Freude haben wir anschließend aber auch ein etwas schlechtes Gewissen hinsichtlich der armen Meerestiere, die die makabere Zubereitung über sich ergehen lassen müssen und sind uns beide einig, dass dieses Gericht zukünftig sicherlich nicht auf unserer Standard-Menükarte erscheinen wird...
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day79

    Zwei gemeinsam auf einsamen Wegen

    March 17 in New Zealand ⋅ ⛅ 16 °C

    Seit Freitag sind wir wieder vereint... die Ereignisse in Christchurch haben uns bereits einen Tag früher als geplant wieder zusammengebracht und so ist das Wiedersehen doch nicht erst wie ursprünglich verabredet am Bahnhof von Kaikoura erfolgt. Hat aber auch etwas Gutes, denn auf diese Weise können wir beide es uns gemeinsam im Bistro des Scenic Pacific Coast Train gemütlich machen, der uns von Christchurch nach Kaikoura befördert, und bei einem schönen heißen Cappuccino die tolle Landschaft der Pazifikküste Neuseelands aus den riesigen Panorama-Fenstern des Zuges genießen. Als wir in langsamen Tempo direkt am Wasser entlangfahren und in der Ferne einen großen Schwarm von Delfinen im Wasser springen sehen, ist der aufregende letzte Tag in Christchurch bereits fast vergessen 🙂

    Die nächsten drei Tage werden wir abseits von jeglicher Hektik und aufwühlenden Ereignissen im Hinterland von Kaikoura verbringen und den dreitägigen Kaikoura Coastal Track durchwandern. Dieser Track wurde vor knapp 20 Jahren von einigen ansässigen Farmern ins Leben gerufen, die gegen eine Gebühr ihr äußerst weitläufiges Land und Unterkünfte für eine Wanderung durch wilde einsame Natur zur Verfügung stellen. Maximal zehn Personen starten ihren Marsch pro Tag, so dass man die schöne Landschaft zum größten Teil ganz für sich alleine hat und ungestört die Natur auf sich wirken lassen kann. Genächtigt wird mit den anderen Wanderern gemeinsam in gemütlichen kleinen Cottages mit kleiner Küche, Gemeinschaftsraum und einem warmen Kaminofen. Der Track führt uns entlang der endlos wirkenden grauen Strände von Kaikoura, vorbei an schroffen hohen Felsklippen, über weite Schafs- und Kuhweiden bis hinauf auf die Gipfel des hügeligen Hinterlandes, von denen man einen wundervollen Panoramablick über das türkisblaue Meer, die flachen vorgelagerten Felder, grasbewachsene Hügellandschaften bis hin zu den steilen Bergen der Kaikoura Ranges (eine alpenähnliche Bergkette) hat. Auf dem Weg erwarten uns unter anderem einsame Robben, die sich faul im kiesigen Sand suhlen und uns mit neugierigen Blicken begutachten als wir ihr Revier kreuzen, feige neuseeländische Schafe, die bereits Reißaus nehmen, sobald wir uns auch nur auf 50 Meter nähern (Susi und ich vermuten, dass sie wahrscheinlich befürchten, dass wir sie zu der flauschigen Merinowolle verarbeiten wollen), süße kleine zutrauliche Vögel mit einem auffälligen fächerartigen Schwanz (so genannte „Faintails“), die uns wie Schmetterlinge über große Strecken treu durch ihren Wald begleiten, das dickste und auch hässlichste Schwein, welches uns in unserem Leben bisher untergekommen ist (fast hat es einem für seine außerordentlich unschöne Fratze schon Leid getan und eigentlich war es auch ganz lieb...) und ein ganzes Beet von märchenhaften Fliegenpilzen (zum Glück haben wir im Kindergarten gut aufgepasst, dass wir hiervon lieber die Finger lassen sollten). Außer uns sind die Tage auch nur echte Kiwis aus Christchurch auf dem Track unterwegs, darunter vier Damen, die sich selbst als „Real New Zealand‘s Chicks“ bezeichnen und ihre Männer und Kinder daheim gelassen haben, um am Wochenende mal so richtig die Sau rauslassen zu können (bei Wein und Bier wird dann auch nicht gespart 😀). Die Mädels sind auf jede Fall gut drauf, locker und aufgeschlossen und es tut gut, einfach mal nur unter Einheimischen zu sein statt sich die üblichen Traveller-Geschichten anzuhören. Wir spüren, dass die Kiwis ihr Land wirklich lieben und die schlimmen Ereignisse von Christchurch sie wirklich tief bewegt haben. Schließlich ist es ihr Land, welches doch bisher immer als absolut sicheres Schlaraffenland für ihre Kinder und Familien galt...

    Wir verbringen auf jeden Fall tolle drei Tage auf dem Track, die uns wunderbar entschleunigen hat, und nehmen neben schönen Eindrücken auch einen angenehmen Muskelkater mit auf unsere Weiterreise in die Küstenstadt Kaikoura, in der uns hoffentlich bereits Wale und Delfine sehnsüchtig erwarten 😀
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  • Day77

    My memories of Christchurch

    March 15 in New Zealand ⋅ 🌧 16 °C

    Leider hätte ich mir meinen letzten Tag in Christchurch etwas anders gewünscht und wer von den Anschlägen gehört hat weiß warum. Wirklich ein schwarzer Tag für Christchurch... Dennoch bin ich sehr froh, dass Jens und ich nicht davon betroffen waren und es uns gut geht!

    Ich möchte meinen Fokus auf die Tage davor richten und blicke somit gerne auf die letzten zwei Wochen in Christchurch zurück. An meinem vorletzten Tag mache ich nochmal einen kleinen Spaziergang durch die Innenstadt, verabschiede mich von allen Asiaten, die ich kennen lernen durfte und bin gespannt ob ich mit manchen noch den Kontakt halten werde.
    Wenn ich es zusammenfassen müsste, wie Christchurch ist, würde ich sagen, dass es auf jeden Fall eine sehr grüne Stadt ist, die immer wieder Plätze zum Abschalten bietet. In der Innenstadt selbst gibt es doch immer wieder neue Dinge zu entdecken. Multikulti ist es auch, die Leute sind sehr hilfsbereit und freundlich. Das Bussystem ist trotz meist langer Fahrt ( auch wenn man mal eben nur gefühlt um die Ecke muss ) sehr gut und günstig, ich hab kein Auto vermisst.
    Ob der Englischkurs mir was gebracht hat kann ich nicht wirklich sicher sagen, die Zeit war ja jetzt auch recht kurz. Nichts ist umsonst und allein schon die Erfahrung war es wert. Ausserdem habe ich einen kleinen Einblick ins alleine reisen beziehungsweise alleine auf reisen zu sein bekommen.

    Hier ein kleines Video von den besten Eindrücken der Stadt mit einem eingespielten Klavierstück von mir!
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  • Day76

    Take a closer look....!!

    March 14 in New Zealand ⋅ ☁️ 17 °C

    So langsam kann ich die chinesischen Gesichter von den japanischen und von den taiwanischen unterscheiden. Ich glaube ich war noch nie mit so vielen Asiaten zusammen wie jetzt. Erst gestern wurde von allen, die diese Woche ihre letzte Sprachkurs Woche haben, ein Bild gemacht. Ich möchte nicht wissen wie das aussieht, ich in mitten von Asiaten, wirklich nur Asiaten und davon 20 Stück.Und immer schöne lächeln ;-)

    Auch in meiner zweiten Unterkunft habe ich es mit Asiaten zu tun. Ein junges chinesisches Paar. Super nett und gastfreundlich.Das Haus in dem sie wohnen ist schön hell und mein Zimmer hat große Fenster. Mein Blick aus dem Fenster ist in ihren Garten. Eine Amerikanerin ist auch hier, denn das chinesische Paar Wynston und Joice vermietet auch noch ein zweites Zimmer. Also quasi wieder eine WG! Leider bekomme ich nicht sehr viel von der Amerikanerin mit, halte nur anfangs ein kurzes Gespräch mit ihr somit weiß ich nur das sie ein Auslandssemester hier in Christchurch macht.Ansonsten verschwindet sie immer recht schnell in ihrem Zimmer.

    In dieser Woche merke ich, dass es wichtig ist mal etwas genauer hin zu gucken und selbst wenn man länger an einem Ort bleibt, gibt es viele Dinge zu entdecken auch wenn es nur kleine sin
    Die Woche startet mit vielen kleinen Schmetterlingen, die morgens nach dem Aufstehen mit Blick aus meinem Fenster zu entdecken sind. Einfach schön so aufzuwachen...Viele kleine schwarze gemusterte Schmetterlinge die sich um eine Blume, die direkt an meinem Fenster liegt, herumtummeln. Ich muss meine Augen kurz schließen und wieder öffnen um auch wirklich zu schauen das ich nicht mehr träume. Aber dem ist nicht so.So kann der Tag starten denke ich mir...

    An diesem Tag (nach meinem täglichen Sprachkurs) entdecke ich einen noch existierenden Waldabschnitt von Christchurch ,der mir empfohlen worden ist. Eine kleine Oase der Ruhe mitten in der Stadt mit vielem Vogelgezwitscher wartet auf mich. Diese Bäume sind hunderte von Jahre alt und als ich diesen kleinen Abschnitt spazieren gehe,fühle ich mich komplett in einer anderen Welt. Die Wurzeln der Bäume winden sich in die verschiedensten Richtungen.Kleine Vögel ziehen an mir vorbei und ich fühle mich ein wenig wie im Regenwald. Dieser sogenannte podocarp Wald besteht vor allem aus Kahikatea Bäumen, die sonst an allen anderen Stellen der Stadt nicht mehr existieren. Eine schöne Stelle und etwas besonderes von Christchurch.

    Ich habe mir unter anderem auch vorgenommen abends zu einer kleinen Meditation und Lehrstunde zu gehen.Das Ganze wird von einem buddhistischem Institut angeboten. Ich fahre also wieder gefühlt eine halbe Ewigkeit mit dem Bus zu meinem Ziel und bin gespannt was mich erwartet. Insgesamt muss ich mich natürlich sehr konzentrieren, weil alles auf englisch ist.
    Der Abend hat immer ein bestimmtes Thema und heute geht es darum wie unser Geist funktioniert bzw. was uns glücklich macht, wie wir den inneren Frieden halten können und wie wir versuchen können möglichst wenig negative Gedanken zu zulassen. Am Anfang und am Ende wird noch eine Meditation gemacht und alles in allem hat es mir schon etwas mitgegeben, was ich auch versuchen will ein wenig um zusetzen.

    Diese Woche hatte ich mir auch fest vorgenommen, mich nochmal auf die Suche nach einem Klavier zu machen. Ich wusste, dass an der Uni neben der Bücherei, ein Raum ist, indem ein Klavier drin steht. Ich versuche erneut mein Glück, da beim ersten Mal der Raum zu war und siehe da nun war er auf und ich konnte meinen Fingern freien Lauf lassen. Viele Leute saßen außen herum und haben gegessen, es war mir erst ein wenig unangenehm, da das Klavier total verstimmt war.Ich konnte quasi keine Oktave spielen die normal harmonisch klang. Kurz hatte ich überlegt das ganze abzubrechen, doch dann dachte ich mir: "ach es kennt mich ja eh keiner und ich möchte das jetzt machen, die werden sich schon beschweren"Somit habe ich mein Repatoire gespielt und am Ende hatte sich sogar die Dame hinter der Theke bedankt, sodass ich doch mit ein wenig stolz hinaus gegangen bin...

    Ich wusste das auch in Lyttleton, eine kleine Hafenstadt in der Nähe von Christchurch, ein Street Piano ist.Somit war das noch ein weiteres Ziel dieser Woche.
    Knapp eine Stunde Busfahrt sowohl hin als auch zurück, dennoch wollte ich dies unbedingt nach dem Kurs machen.
    Es hatte sich gelohnt, denn das Street Piano,welches direkt vor einem Supermarkt steht war in bester Verfassung, dennoch gab es keinen Stuhl und ich musste im Stehen spielen. Das hat mich aber natürlich nicht daran gehindert, dennoch war es dann doch nach ner gewissen Zeit etwas anstrengend, sodass ich dann noch eine kleine Tour durch Lyttelton gemacht habe, die geprägt war von schönen Blicken aufs Wasser und der Insel Quail.
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  • Day74

    Let's go surfing with Fur Seals

    March 12 in New Zealand ⋅ ☀️ 19 °C

    Es schüttet in Strömen. Ich würde mal sagen, ideale Vorraussetzungen, um meine Surfambitionen fortzusetzen, die ich in Australien begonnen habe. Die schlechten Witterungsbedingungen bin ich ja bereits gewohnt... Und um ehrlich zu sei, könnte ich den regnerischen Tag ja gar nicht besser nutzen. Im Meer werde ich ganz andere Sorgen haben als mich um ein paar Regentropfen zu scheren und die Strände werden schön leer sein, so dass niemand Gefahr laufen wird meinen wackeligen unkontrollierten Surfschwüngen zum Opfer zu fallen 😊 Ich habe also für heute Morgen einen dreistündigen Surfkurs in der Gruppe gebucht. Wie hat mal ein Kollege an der Uni zu mir gesagt: „Du musst immer zu den Besten gehen“. Er bezog seine Aussage damals auf die Auswahl der Professoren, aber ich nehme mir den Rat heute auch bei meinem Surftraining zu Herzen. Und so habe ich heute die Ehre, eine Surfstunde bei einer Surfikone Neuseelands zu erhalten: Mark Perana surft seit 44 Jahren, war selbst schon Landesmeister, hat die Nationalmannschaft Neuseelands trainiert und sitzt heute in der Jury zahlreicher internationaler Wettbewerbe. Ich denke, einen besseren hätte ich kaum auswählen können.

    Um 10 Uhr komme ich also am ausgeschriebenen Treffpunkt am Strand von Tauranga Bay an. Noch immer regnet es heftig und ich parke auf einem verlassenen Parkplatz. Einige Minuten später fährt auch ein kleiner Van mit der Aufschrift „West Coast Surfing“ vor. Dass muss Mark sein. Ich steige frohen Mutes aus und begrüße Mark freundlich, er Anfang 60, gut gebräunt und in Topform, so dass man ihm das Alter kaum ansieht. Er scheint allerdings zunächst sichtlich überrascht: „Good morning, what can I do for you?“. Ich erkläre ihm, dass ich für heute eine Surfstunde gebucht hätte und nach kurzem Hin- und Her muss er sich eingestehen, meine Buchung übersehen zu haben. Aber kein Problem, er verbringt sowieso den Großteil seines Tages am Meer und steht natürlich auch spontan für den Unterricht zur Verfügung. Da niemand weiteres für heute gebucht hat, komme ich auch in den Genuss eines ganz persönlichen Coachings. Könnte kaum besser laufen... 😊 Ich spüre schnell, dass Mark Trainer aus Leidenschaft ist und Surfen seine Berufung darstellt. Er nimmt sich viel Zeit mir alle Tricks ganz genau zu erklären, gibt mir sorgfältige Sicherheitsunterweisungen und beantwortet geduldig meine Fragen. Dann geht es auch schon los in die Wellen, ich bekomme die Lage der Strömungen gut gezeigt und erfahre, in welchem Bereich ich gefahrlos surfen kann. Ein absoluter Unterschied zum lausigen Surfunterricht der Sunny Boys am Bondi Beach in Australien.

    Schließlich wird es ernst. Immer und immer wieder lege ich mich aufs Brett, beobachte die heranrauschende Welle, fange an mit den Armen zu paddeln, nehme Fahrt auf, versuche mich aufzurichten und... kippe vom Bord und schlucke salziges Meerwaser. Dabei mache ich wohl die lustigsten Verrenkungen und meine Beine und Hüfte wackeln wie eine watschelnde Ente. Mark hat sichtbar Spaß, meine unbeholfenen Bewegungen zu beobachten und muss immer wieder laut lachen. Aber er hat gleichzeitig auch immer den richtigen Blick für meine Fehler und gibt mir wertvolle Tipps, die ich so gut es geht versuche direkt umzusetzen. Dabei ist er unglaublich motivierend, lobt mich für jede Sekunde, die ich mich auf dem Surfbrett halte und gibt mir nie das Gefühl, dass ich wahrscheinlich ein hoffnungsloser Fall bin... Und tatsächlich schaffe ich es das ein oder andere Mal tatsächlich aufrecht auf dem Brett zu stehen und einige Meter über die Wellen zu surfen. Ich klopfe mir stolz auf die Brust 😉 Mark und ich haben eine Menge Spaß zusammen und die Zeit vergeht wie im Fluge. Nach drei Stunden lässt mich Mark dann alleine und gibt mir noch etwas Zeit, selbst in den einsamen Wellen zu üben. Komisches Gefühl so alleine am Strand und in den tosenden Wellen. Dennoch bin ich motiviert und verdränge meine Bedenken. „Einmal noch raus, einmal noch aufs Brett legen, einmal schaffe ich es noch aufzustehen“ denke ich. Doch meine Kräfte schwinden allmählich, bereits jetzt spüre ich den Muskelkater in Schultern und Rücken (am nächsten Tag macht er sich dann so richtig bemerkbar 😩).

    Ich bringe meinen Wetsuit und Surfbrett zurück zum Surfer Van und Mark und ich plaudern noch eine Weile. Er erzählt mir, wie er im Alter von 16 Jahren mit dem surfen begonnen hat, in einer Phase seines Lebens, in denen er in einer Gang zu Hause war und die Zeit größtenteils damit verbrachte, um die Häuser zu ziehen, sich zu schlagen und Alkohol zu trinken. Surfen hat ihm in dieser Phase einen Sinn gegeben und Struktur in sein Leben gebracht. Eine echte Erfolgsstory also. Und die Frauen hätten vielmehr Augen für die gutaussehenden Surfer gekappt als für die schlagende, saufende Bande... 😉 Heute verbringt er jeden Tag mit dem was er liebt... die Wellen an der Westküste schlagen 365 Tage im Jahr. Für ihn somit der ideale Ort zu leben auch wenn er an der Ostküste deutlich mehr Geschäft machen könnte. Aber „Business“ ist halt nicht das einzige was im Leben zählt und er wirkt sichtlich ausgeglichen und zufrieden.

    Beiläufig erwähnt Mark dann am Schluss noch, dass hier an der Küste auch einige Haie unterwegs seien. Allerdings habe er in den 21 Jahren, die er nun hier lebt, nur ein einziges Mal eine Naherfahrung mit einem Hai machen müssen. Denn glücklicherweise befindet sich am Kliff am Ende des langen Strandes eine Seelöwen-Kolonie. Die Haie wüßten das und ziehen daher in der Regel zielstrebig am Strand vorbei, vorbei an mageren Surfern und hin zu deutlich schmackhafteren und fetteren Leckerbissen. Ich verabschiede mich von Mark und nutze die Gelegenheit meinen „Lebensrettern“ einen kleinen Besuch abzustatten. Wie es der Zufall so will, ist die Seelöwen Kolonie am Tarangau Bay eine der besten Möglichkeiten in Neuseeland, um ohne großen Aufwand Seelöwen zu beobachten. Das lasse ich mir doch nicht entgehen, schließlich hatten wir selbst in Australien nicht die Gelegenheit bekommen, Seelöwen zu sehen. Hinauf auf die Anhöhe des Kliffs erreiche ich ein paar Minuten später eine Aussichtsplattform von der man direkt ans steinige Ufer blicken kann, an der die Seelöwen ihren Alltag verbringen. Einige von ihnen liegen faul und vollkommen relaxed auf den Steinen, andere genießen die Abkühlung in den rauhen Wellen und zeigen sich sichtlich verspielt. Ein paar Seelöwenbabys watscheln unbeholfen über die Felsen, um schließlich bei ihrer Mama ihre Nahrungsaufnahme zu beginnen. Wie immer, ist es ein besonderes Erlebnis, dieses Treiben in der freien Natur und nicht in einem heimischen Zoo zu erleben. Und zum Glück scheinen am heutigen Tage die Seelöwen auch von Haiattacken verschont zu bleiben... 🙂
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  • Day73

    Wir brauchen viel mehr Farbe ...!

    March 11 in New Zealand ⋅ ⛅ 18 °C

    Hier eine kleine Street Art Gallery die ich letzte Woche entdeckt habe. Christchurch hat nach dem Erdbeben 2011 vieles wieder neu aufbauen müssen und unter anderem wurden auch viele neue Dinge von Künsterln erschaffen, wie das Monument der weißen Stühle im vorherigen Blog, wo jeder Stuhl ein Unikat ist um zu zeigen das jeder Mensch der durch das Erdbeben gestorben ist individuell und einzigartig war.
    Des weiteren wurde auch dieser kleine Street Art Walk von einheimischen Künstlern erschaffen.Auch über Christchurch hinweg sind immer wieder viele große Graffitis zu sehen....
    Ich finde einfach den Gedanken schön, dass man versucht nach etwas schrecklichem, wie dem Erdbeben wieder etwas neues zu schaffen, Veränderungen zu schaffen. Durch die vielen Graffitis wirkt auch alles etwas bunter und lebendiger. Vor allem wenn es mal regnet sind die Bilder einfach ein toller "Eyecatcher"!
    Ich finde daran sollten sich manche Städte mal ein Beispiel nehmen!
    Hier nur ein kleiner Ausschnitt , da ich nicht so viele Bilder hochladen kann.
    Manche Bilder sind Panoramas da die Bilder so groß waren...
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  • Day73

    Untertage schuften mit Panoramablick

    March 11 in New Zealand ⋅ ☁️ 14 °C

    Der Tag ist noch jung. Nachdem ich die abenteuerliche Fahrt zum Operara Basin erfolgreich überstanden habe, setze ich gegen Mittag bereits wieder meine Rückreise Richtung Westport an, wo ich eine weitere Nacht verbringen möchte. Der restliche Tag soll eher entspannt verlaufen, die Seele braucht auch mal etwas Ruhe, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten, und der Adrenalinspiegel muss etwas Zeit finden, sich wieder in den Normalbereich zu senken. Für die heutige Nacht gönne ich mir daher auch mal wieder einen Stellplatz in einem luxuriösen Camperpark, anscheinend einer der Top 10 Camperparks Neuseelands. Die knapp 50 $ Gebühr finde ich zwar inakzeptabel hoch, aber ich brauche einfach mal wieder halbwegs zivilisierte Infrastruktur: eine gute heiße Dusche, normale Toiletten, Frischwasser und Strom, um die Batterien meines Campers aufzuladen 🙂 Zudem verliert Pasta mit Tomatensauce auch so langsam seinen Reiz und so gönne ich mir zur Feier des Tages zwei schöne neuseeländische Rindersteaks, die ich mir am Abend gemütlich in meiner kleinen Küche zubereiten und dann bei einem kühlen Bierchen genießen werde. Ein besonderer Genuss, den man erst richtig zu schätzen weiß, wenn man eine Zeit lang auch mal auf den im Alltag schon fast selbstverständlichen Luxus verzichtet 😀

    Noch ist es aber nicht Abend. Auf dem Rückweg mache ich zunächst noch einen kurzen Zwischenstopp an einer Lagune kurz hinter Karamera, um auf Vogelbeobachtung zu gehen. Es herrscht gerade Ebbe und so ist die Lagune trocken gelegt und lädt zu einem Spaziergang in der weiten Sandlandschaft ein. Mein kühner Entdeckungstrieb wird jedoch bestraft. Unerfahren wie ich bin, werde ich jedoch von den Gezeiten überrascht und die schnell zurückkehrende Flut schneidet mir den Rückweg ab und beschert mir nasse Füsse. Auf sicherer Anhöhe angelangt lasse ich mich auf einem Stein nieder, um meine Füße trocknen zu lassen, und beobachte, wie die Flut zügig die Lagune füllt und Vögel nahrungssuchend durch das seichte Wasser stolzieren. Ich nehme mir Zeit und genieße die Ruhe. Lediglich einige Sandfliegen, die mich hungrig umgarnen, mindern ein wenig die schönen Eindrücke. (Zur Erklärung: Sandfliegen haben etwa die Größe unserer heimischen Fluchtfliegen und schwirren absolut lautlos durch die Lüfte. Allerdings haben sie ein sägeartiges Werkzeug, mit dem sie die Haut aufreißen können und sich dann am Blut ihres Opfers laben. Dabei injizieren sie ein blutverdünnendes Mittel, welches nach ihrer Attacke ein nerviges Jucken verursacht. Leider bemerkt man die Sandfliegen erst, wenn sie bereits eine kleine Wunde in die Haut gerissen haben 😩).

    Wieder auf der Rückfahrt nach Westport entdecke ich zufällig ein Straßenschild mit der Aufschrift „Denniston Coal Mining Historic Area“. Ich meine mich wage zu erinnern, dass es sich hier um ein verlassenes Dorf der Kohle-Minen-Industire handelt. Das könnte interessant sein und so biege ich spontan in eine Nebenstraße ein, die mich schließlich einige Kilometer lang über sehr steile Serpentinen auf eine ca. 600 m hohe Anhöhe bringen wird (Road Runner wird hier ein weiteres Mal ordentlich gefordert, diesmal aber auf einer gewöhnlichen Straße 🙂). Auf der Anhöhe angelangt erwartet mich ein exzellent ausgebautes Freilichtmuseum: ein Rundweg führt mich entlang der Ruinen des einstigen Dorfes, alte Maschinen und schwere Stahlwerkzeuge befinden sich noch immer auf dem verlassenen Gelände, die Überreste des Schienensystem mit den schweren Transportwagons schaffen eine besonders eindrucksvolle Szenerie. Zahlreiche Stationen mit alten Fotos, Geschichten von ehemaligen Kumpels und technische Erklärungen lassen einen für einen kurzen Moment zurück in die Vergangenheit versetzen. Vom frühen 19. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert wurde ihr mit schweren Maschinen Knochenarbeit verrichtet. Einzigartig und von den damaligen Einwohnern als „Achtes Weltwunder“ bezeichnet, war das Schienensystem, welches die tonnenschwere Kohle über eine extrem steile Route vom 600 m hohen Gipfel bis zum Hafen beförderte. Leicht vorstellbar, dass hier auch einige Kumpels ihr Leben lassen mussten, wenn Maschinen oder Material versagten und ein tonnenschweren Wagon ins Tal raste. Denniston war ein kleines Dorf, welches eine komplette Infrastruktur fürs alltägliche Leben bietete: Wohnkasernen, eine Schule, ein Arzt, Werkstätten, eine Kapelle, Gemischtwarenladen und natürlich als Lebensmittelpunkt die Kneipe, die nach einem harten Arbeitstag den Kumpels einen warmen Zufluchtsort bot. Jeder kannte hier jeden, eine besonders feste Gemeinschaft. Bei all dem harten Arbeitstag wurden die Kumpels allerdings auch mit einem besonders schönen Panoramablick belohnt, wenn sie abends die Minen verließen und in die Ferne blickten. Von Denniston aus hat man einen tollen Ausblick über die Westküste und die Tasmanische See. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass hier am Abend einige kühle Bierchen beim Sonnenuntergang genossen wurden (ähnlich wie bei mir 😊).
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  • Day73

    Road Runner auf Hochtouren

    March 11 in New Zealand ⋅ ⛅ 14 °C

    Zentimeter für Zentimeter setze ich meinen Campervan (der übrigens in großer Beschriftung den Namen Road Runner trägt) vorwärts, schaue immer wieder aus dem Fenster nach oben, halte an, steige aus, begutachte die Lage. Ich bin dabei, meinen Campervan sorgsam unter einem Stahlbarren hindurchzuschieben, der als Höhenbegrenzung für Fahrzeuge auf den Weg zum „Oparara Basin“ fungiert und ungeeignete Fahrzeuge für die Strecke ausmustern soll. Nicht ganz einfach für mich, Fahrer und Beobachter gleichzeitig zu sein. Schließlich kann ich die Situation gut überblicken; „Hat noch eine daumenbreite Luft, passt perfekt!“ murmel ich zufrieden vor mich hin und setze unter der Barriere ohne Kontakteinwirkung hindurch. Vor mir liegt eine enge, holprige Schotterpiste, häufig nicht mehr als einspurig, maximal eineinhalb spurig, Steigungen bis zu 15%, kurvig, die Fahrbahnränder überwiegend stark zugewachsen oder leicht abschüssig, keinerlei Wendemöglichkeiten entlang des Weges. Ein gelbes Warnschild signalisiert unverständlich „Not suitable for campervans!!!“. „Gut, nun ist so ein Warnschild ja kein Verbotsschild“ denke ich. Außerdem bin ich ja nur ein „kleiner“ Campervan und habe die Messlatte doch sichtbar unterschritten. Vielleicht hätte ich an diesem Punkt tatsächlich umgedreht, wenn ich nicht am Tag vorher mit dem netten Kollegen des Infocenters gesprochen hätte. Er war zuversichtlich, dass ich es mit meinem Campervan schaffe. Ist ja nicht viel breiter als ein normales Auto, ich müsse halt schön vorsichtig fahren und keine ruckartigen Ausweichmanöver starten. Seine Worte noch in meinem Ohr beginne ich also mit gemischten Gefühlen die abenteuerlich Weiterfahrt. Ich bin extra früh aufgestanden und habe das Frühstück ausfallen lassen, um der erste mutige Fahrer an diesem Morgen zu sein und mir Zeit lassen zu können. Die Strecke schüttelt mich ordentlich durch, das Geschirr im Rückraum klimpert ordentlich, die Fahrerkabine gerät in den engen Kurven ordentlich in Seitenlage, so dass ich mich instinktiv in die Mitte lehne um Gegengewicht zu schaffen, und der Motor läuft auf Hochtouren, sobald ich mich im ersten Gang einen steilen Anstieg emporkämpfe. „Geht eigentlich, hätte schlimmer sein können!“ beruhige ich mich selbst. Allerdings ist mir im gleichen Moment auch bewusst, dass ich momentan die Strecke für mich alleine habe, keinem Gegenverkehr begegne, dem ich ausweichen muss. Das wird auf der Rückfahrt leider anders sein. An einigen Stellen graut mir die Vorstellung, hier einem anderen Fahrzeug auf der Rückfahrt zu begegnen und ich spiele bereits in meinem Kopf das Disaster durch, sollte ich an einem steilen kurvigen Anstieg zurücksetzen müssen um einem Hindernis auszuweichen. Aber soweit ist es ja noch nicht und nach etwa 30 Minuten Fahrzeit erreiche ich erstmal sicher den großzügigen Parkplatz des Oparara Basins, der trotz seiner Abgelegenheit offensichtlich für eine große Zahl von Besuchern ausgelegt ist. Jetzt gerade, gegen 8:20 Uhr morgens, steht neben mir nur ein weiteres Fahrzeug auf dem verlassenen Gelände. Sehr schön, somit kann ich also in aller Ruhe diese Natursehenswürdigkeit entdecken. Das Oparara Basin ist letztlich ein kleines Flussbecken innerhalb eines dichtbewachsenen Regenwalds. Zur Touristenattraktion ist es allerdings durch seine monströsen Gesteinsbögen geworden, die der Fluss in unermüdlicher Arbeit geformt hat. Der größte unter Ihnen, der sogenannte Oparara Arch, überspannt den Fluss in einer Breite von knapp 50 Metern mit einer Höhe von knapp 40 Meter. Beeindruckende Maße.

    Ich verbringe meinen Vormittag mit ein paar kleineren Wanderungen, die mich zu den verschiedenen Highlights bringen werden. Neben den berühmten Archs führt mich der Weg entlang eines Mirror Tarn, einem seichten kleinen See, in dem ich sich der umliegende Regenwald in unglaublicher Weise spiegelt und den Augen ein mehr als surreales Bild liefert. Für mich das wirkliche Highlight des Oparara Basins. Am Schluss meiner Entdeckungstour wage ich noch einen kurzen Ausflug in eine dunkle Höhle. Mit Stirnlampe bewaffnet begebe ich mich die steilen Stufen ins lichtlose Gewölbe hinab. Laut Infotafel erwarten einen tierische Höhlenbewohner wie zum Beispiel eine seltene Spinnenart. Ich selbst entdecke nur Leere und bin um die ausbleibende Begegnung mit den Mehrbeinern auch nicht wirklich traurig. Trotzdem war der kleine Ausflug in das dunkle verlassene Höhlensystem ein spannendes Abenteuer, weil ich nicht wirklich wusste, was mich erwarten würde.

    Die Wanderwege sind sehr schön, extrem grün umwachsen, die Temperatur belebend frisch und feucht und die Stimmung im Morgengrauen wunderbar ruhig. Trotzdem fühle ich eine innere Unruhe und hetze die Strecke schnellen Schrittes entlang. In meinem Hinterkopf kreist ständig noch die bevorstehende Rückfahrt. Ich habe mir ausgerechnet, dass die meisten Besucher sich etwa gegen 11 Uhr auf den schottrigen Weg zum Oparara Basin begeben werden. Das heißt für mich bis 10:30 Uhr die Rückfahrt antreten, um die Rush Hour und damit zu viele Begegnungen auf der Rückfahrt zu vermeiden. „Zügig, zügig“ schallt es in mir innerlich und ich gönne mir daher selbst an den Sehenswürdigkeiten nicht allzu lange Verschnaufspausen. Mein Plan geht aber wenigstens auf, ich verlasse rechtzeitig das Gelände und begegne auf der gesamten Rückfahrt an glücklicherweise gutmütigen Stellen nur einer Handvoll von Fahrzeugen, so dass ich wenig später erleichtert und ohne Zwischenfälle wieder auf der großzügigen gutbefestigten Hauptstraße einbiegen kann. Rückblickend bin mir nicht sicher, ob ich den Weg für das Oparara Basin ein zweites Mal auf mich nehmen würde, aber insgesamt gesehen war die Tour ein spannendes Abenteuer, welches ich bestimmt in Erinnerung behalten werde...

    Meinem Road Runner bin ich jedenfalls dankbar, dass er der Zerreißprobe Stand gehalten hat. Immer wieder bemerke ich beim Aussteigen, dass der Gute ganz schön schnauft und der Motor ordentlich heiß gelaufen ist. Als meine Augen zufällig auf den Kilometerstand schweifen, wird mir noch viel mehr klar, dass der alte Greis eine rollende Zeitbombe ist und am Ende seines Lebenszyklus angekommen ist: 250000 km sind für einen Benziner ein gutes Alter. Ich bin mir sicher, er hat bisher ein spannendes Leben hinter sich... 😄
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  • Day72

    Bis ans Ende der Welt

    March 10 in New Zealand ⋅ ☁️ 16 °C

    Nachdem ich Hokitika verlassen habe, setze ich meinen Weg weiter in Richtung Norden fort. Einen genauen Plan habe ich noch nicht. Ich weiß nicht genau was mich erwarten wird und irgendwie fühlt sich das gut an. Denn dadurch kann ich mein kleines Abenteuer ohne jegliche Erwartungen genießen. Ich fahre entlang der Westküste, immer weiter und weiter, der Weg wechselt regelmäßig zwischen langen schnurgeraden und schlangenlinienähnlicher Straßen, die Landschaft zeigt sich mal in flachen weiten Wiesen, dann wieder in dichten subtropischen Wälder, gen Osten in Richtung Inland ragen hohe grüne Berge empor, gen Westen stets die rauche Tasmanische See im Blick. Kurzum, die Strecke ist alles andere als eintönig. Ich folge der Straße schließlich so weit bis ich nach etwa 250 km am Ende angelangt bin, zunächst geht es noch ein paar letzte Kilometer auf Schotterpiste weiter, dann ist endgültig Schluss. Ich scheine das Ende der Welt endgültig erreicht zu haben 😊 Am Kohaihai River hört die Straße endgültig auf und mündet in einem schönen wilden malerischen Campingplatz direkt zwischen Flussmündung und weitem Strand. Hier werde ich mein Lager aufschlagen, von meinem Bettchen aus mit Blick auf die unermüdlichen Wellen des Ozeans. Ein tolles Plätzchen Erde, welches ich nur mit einer Handvoll anderer Camper teilen muss. Ich mache mir heute Abend ein schönes Omlett, öffne mir das obligatorische Bierchen des Tages und genieße mein Abendmahl bei untergehender Sonne und Meeresrauschen. Einfach unbezahlbar und für mich von keinem Luxushotel dieser Welt zu toppen.

    Kohaihai ist letztlich nur das Sahnehäubchen einer großartigen Fahrt entlang der Westküste. Der wilde Westen hat mich voll gepackt, die Natur wirkt hier an vielen Stellen noch verlassen und unberührt, die dunklen Strände (teils Kies, teils Sand) erstrecken sich weiter als das Auge reicht, der ununterbrochene starke Wellengang wirbelt Wasserdampf auf und erzeugt entlang der gesamten Küste einen sanften Nebel, der eine mystische Atmosphäre erzeugt und ein angenehmes Gefühl von Leere und Einsamkeit schafft. Immer wieder mache ich einen kurzen Halt an einem Ausblickspunkt oder vertrete mir die Beine an eine, der schönen Strände.

    Die Westküste ist insgesamt nur schwach besiedelt, die wenigen Städte und Dörfer wirken teilweise wie aus dem letzten Jahrhundert. In der Regel gibt es in jedem Dorf entlang der Hauptstraße stets eine Tankstelle, einen General Store (Gemischtwarenladen) und eine Kneipe. Halt alles, was man so zum Leben braucht 😉 An ausgewählten Tagen findet ein Markt statt. An einem solchen lege ich spontan einen kleinen Stop ein, gönne mir einen Cappuccino und beobachte das Treiben der Locals. Jeder scheint hier jeden zu kennen. Auf einer kleinen Bühne wird der Markt musikalisch von einem rüstigen Cowboy mit Countrymusik untermalt. Eine schöne entspannte Stimmung, bei der ich Kraft für die Weiterfahrt sammeln kann.

    Gefühlt scheinen in dieser Region auch deutlich weniger Reisende und Touristen unterwegs zu sein als noch auf meiner Route von Queenstown. Ich passiere letztlich nur eine große offenkundige Touristenattraktion, die auch als solche mit sich anschließenden Busparkplätzen, Kiosken und Cafés entsprechend ausgebaut ist. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Pancake Rocks des Ortes Punakaiki, skurrile Gesteinskulpturen, die durch Wind und tosende Wellen über Jahrmillionen geformt wurden. Besonders charakteristisch hierbei sind ist die schichtartige Steinformation, die aufeinanderliegenden Pfannkuchen gleicht und somit den entsprechenden Namen geprägt hat. Ich erreiche zum Glück das Gelände am frühen Morgen und kann dieses Naturwunder noch in aller Ruhe genießen, bevor die Ausflugsbusse in Scharen anrollen und bin sichtlich dankbar, mit dem eigenen Camper vollkommene Freiheit und Unabhängigkeit erleben zu können.
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  • Day71

    Auf zu neuen Ufern

    March 9 in New Zealand ⋅ ⛅ 13 °C

    Jetzt bin ich auch mal dran ;-) !

    Hello , my name is..., I am from China, I am from Taiwan and I am from Japan. Ich bin doch in Neuseeland oder? Denke ich mir innerlich...doch gefühlt sind nur Asiaten um mich herum , also nicht nur gefühlt sondern es ist so!

    Aber erstens einen Gang zurück!
    Ich hatte mich dazu entschieden einen Sprachkurs für zwei Wochen in Christchurch zu machen. Ich möchte einfach noch besser kommunizieren und ich möchte noch mehr Kontakt zu anderen Leuten haben und auch herausfinden wie es sich anfühlt alleine unterwegs zu sein. Was macht das mit einem selbst.

    Also hatte ich für Sonntag einen Wagen von Queenstown nach Christchurch gemietet,den ich dann am Flughafen dort abgeben sollte. Eine lange Fahrt, ungefähr 5-6 Stunden, aber eine tolle Landschaft die mich begleitet. Es ist natürlich ungewohnt alleine zu fahren und es ist nach einer gewissen Zeit natürlich auch anstrengend.Trotz alle dem, hat sich die Fahrt gelohnt. Einsame Straßen mit Blick auf Berge , grüne Wiesen und Schafe. Vorbei am Lake Tekapo, der mit seinem fantastischen türkisblau es garnicht zu lässt, dass man nicht anhält! Nur leider hab ich nicht ganz so viel Zeit wie Jens, denn ich muss das Auto schließlich zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder abgeben. Dennoch lasse ich mir eine kleine Pause dort nicht entgehen!

    Nun bin ich angekommen. Momentan bin ich noch in einer Unterkunft, die in der Nähe vom Englisch College liegt und ich bequem zum Unterricht gehen kann.Mein Zimmer ist ein Wintergarten, der zu einem gewöhnlichen Zimmer umfunktioniert wurde. Natürlich ist es in den nächsten Tagen so heiß, das ich einfach nur Abends wieder in diese Unterkunft will, da es tagsüber leider absolut nicht wegen der Hitze auszuhalten ist. Der Wintergarten gehört zu einem Haus, welches einer malaysischen Frau gehört. In diesem Haus wohnen momentan noch zwei andere Studenten. Eine aus Japan und eine aus Malaysa. Wir sind sozusagen eine vierer Frauen WG.Der Wintergarten ist nur mein Schlafquatier und im Haus hab ich Zugang zum Bad und zur Küche.
    Was soll ich sagen, es ist ganz gut und die anderen Frauen sind wirklich super nett, dennoch habe ich mir für die zweite Woche eine andere Unterkunft gesucht, in der ich mich vielleicht noch ein Quäntchen wohler fühle!
    Erst vor ein paar Tagen haben wir im English College über Feng Shui geredet und das man sich den Platz im Raum aussuchen sollte an dem sich wohl fühlt.
    Es ist okay mit der Unterkunft aber wirklich wohl fühlen tu ich mich nicht. Also das Feng Shui passt nicht so ...;-)

    Bei mir heißt es momentan wieder ein bisschen mehr Alltag! Jeden Tag früh aufstehen und jeden Tag um die gleiche Zeit Unterricht.Ich muss sagen so ein bisschen Regelmässigkeit fühlt sich nicht so schlecht an. Dennoch habe ich genügend Zeit um auch das zu machen was ich möchte.

    Die erste Woche vergeht ziemlich schnell. Geprägt ist sie unterem von vielen neuen Leuten, die ich kennen gelernt habe und den ersten Eindrücken von Christchurch unter anderem Botanischer Garten, ein kleiner Street Art Walk, von der Schule organisiertes Fussballspiel ( zwei Frauen unter anderem ich und ansonsten Männer gefühlt 15 Asiaten, ein Brasilianer und ein Kolumbianer) und eine Wanderung entlang des Taylors Mistake.
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