• Independence Museum

    October 3 in Namibia ☁️ 23 °C

    Es gibt nichts zu beschönigen an der kolonialen Vergangenheit Namibias, das sei vorab gesagt. Weder die deutsche Kolonialzeit mit dem Völkermord noch die südafrikanische Besatzung mit der Durchsetzung der Apartheid verdienen irgendeine Rechtfertigung! Und doch hinterlässt das namibische Unabhängigkeitsmuseum einen mehr als schalen Beigeschmack: auf zwei Stockwerken feiert sich hier die ehemalige Befreiungsbewegung und heutige Regierungspartei SWAPO selbst. Oft im Stile und mit der Ästhetik des sozialistischen Realismus wird hier der Eindruck einer geraden Linie vom heroischen Kampf der OvaHerero und der Nama gegen die deutsche Kolonialmacht zum militärischen Kampf der SWAPO gezogen. Vieles riecht nach Klitterung, manches ist schlicht gelogen, etwa, wenn in einem großformatigen Spruchband die vorkoloniale Zeit als „peaceful coexistence“ der Völker bezeichnet wird - dabei führten Nama und OvaHerero Krieg gegeneinander, und die San und Damara wurden unterdrückt. Und doch lässt der Raum zur deutschen Kolonialzeit uns entsetzt und demütig zurück. Die unzähligen Schwarzweißfotos zeigen weiße, meist uniformierte Herrenmenschen, die Schwarze Menschen demütigen, ihre Rechte verletzen und oft ihr Leben nehmen. Auch im Namen der Wissenschaft werden Schwarzen Menschen die Köpfe abgeschnitten, in Kisten verpackt und zur „Rassenkunde“ missbraucht.
    Das Problem der Ausstellung ist nicht ihr Inhalt, das wird deutlich. Es ist die politische Ästhetisierung, die politisch-bildnerische und emotionale Überwältigung, die Geschichtsklitterung in propagandistischer Absicht. Immer wieder lächelt ein gütiger Sam Nujoma, SWAPO-Chef und erster Präsident Namibias, die Besucher:innen an. Die gesamte Ausstellung ist auf ihn zugeschnitten, der auch mit hocherhobener Verfassung überlebensgroß als Statue vor dem Museum steht. Kein Witz: Beides, Museum und Denkmal, wurden von Nordkorea errichtet. Und der Eindruck, auch die Ausstellung sei von Nordkorea geprägt, drängt sich unweigerlich auf.
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