• Das Museum von Tsumeb

    October 15 in Namibia ☀️ 33 °C

    Unser erster Stopp heute ist die kleine Stadt Tsumeb, die schon seit vorkolonialen Zeiten bekannt ist für ihre Kupferlagerstätte. Die deutsche Kolonialmacht begann hier mit planmäßigem Bergbau und ließ die Otavibahn errichten, die das Kupfer von Tsumeb nach Swakopmund brachte.
    In Tsumeb besuchen wir das kleine von Deutschnamibiern betriebene Museum, das eine Art Gegenstück zum Independence Museum in Windhoek darstellt. Während das Windhoeker Museum namibische Geschichte einseitig aus der Sicht der SWAPO zeichnet, zeigt das Museum Tsumeb die Geschichte einseitig aus deutschnamibischer Perspektive. Ein ganzer Raum zeigt die deutsche Kolonialgeschichte und wird dominiert von liebevoll restaurierten Kanonen und einem Maschinengewehr, die die Deutschen vor ihrer Kapitulation 1915 noch schnell im Otjikoto-See versenkt hatten. Außerdem finden sich deutsche Orden, Flaggen und Fotos vom Völkermörder Lothar von Trotha. Doch jeglichen Hinweis auf den Völkermord, auf Kriegsverbrechen oder die Konzentrationslager suchen wir vergebens. Der Raum zur Kolonialgeschichte wirkt, als habe es überhaupt keine schwarzen Menschen in Südwestafrika gegeben; als sei Südwestafrika „rein“ deutsch gewesen. Im Nachbarraum werden demgegenüber die afrikanischen Völker exotisierend in einer ethnografischen Form dargestellt, die direkt den Völkerschauen unseliger Zeiten entnommen sein könnte. Das Museum hilft, eine deutschnamibische Perspektive zu sehen, doch freue ich mich in zahlreichen Nachgesprächen sehr darüber, dass meine Gruppe durch die bisherige Reise und unser Vorbereitungsseminar hinreichend sensibilisiert ist, um die „Leerstellen“ der Ausstellung zu erkennen!
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