• Grafenried (Lučina)

    April 10 in Czech Republic ⋅ ☁️ 5 °C

    Grafenried (Lučina) ein Erinnerungsort und Mahnmal mit einer besonderen Geschichte.
    Bis 1945 war es ein gewöhnliches Dorf voller Leben, so wie jedes andere auch an der Grenze.1946 mussten fast 3 Millionen Deutsche die Tschechoslowakei verlassen. Die Sudetendeutschen aus dem benachbarten Landkreis Bischefteinitz wurden im Rahmen der organisierten Vertreibung nach der Aussiedlung in Flüchtlingslager Furth im Wald interniert Dies betraf auch die Bewohner der Ortschaft Grafenried. Wie uns ein alter Mann aus dem Nachbardorf berichtete, bekamen die Einwohner den Befehl ihre Häuser zu verlassen und sich am nächsten Tag in Domazliče am Bahnhof einzufinden. Jeder Person wurden 20 kg an persönlichem Gepäck eingeräumt. Von Domazliče aus wurden sie in Viehwagons über die Grenze in die BRD gebracht. Grafenried wurde umbenannt zu Lučina. Der Ort wurde das Opfer seiner Lage an der Grenze zwischen Ost und West, die fortan durch den Eisernen Vorhang getrennt waren. Das Dorf lag plötzlich in der verbotenen Sperrzone", die von der Zivilbevölkerung nicht betreten werden konnte und durch die tschechoslowakischen Grenzsoldaten bewacht wurde. Die Häuser wurden meist abgerissen.Während der Zeit des Eisernen Vorhangs war Grafemied sich selbst überlassen. Die Natur eroberte sich nach und nach das Dorf zurück und deckte dabei die Spuren des örtlichen Lebens zu. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1990 betraten Deutsche und Tschechen diesen vergessenen Ort voller Neugier und Grafenried erwachte aus einem langen Schlaf. Entscheidend dabei war, dass sich die ehemaligen Gegner von da an als wohlgesonnene friedliche Partner und Nachbarn begegneten.
    Eine Dorf mit Geschichte, das uns dazu mahnt, Grenzen zu niederzureißen statt sie zu errichten und Menschen auf der Flucht zu helfen statt sie auszugrenzen und abzuschieben .
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