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  • Day49

    Zwischen den Wanderungen

    May 18, 2019 in Nepal ⋅ ☀️ 29 °C

    Mit unserer ersten Wanderung in Nepal (Ghandruk-Trek, s. letzter Footprint) wollten wir uns die Sporen abverdienen und genügend Zuversicht aufbauen, um eine Wanderung zu wagen, die eine Nummer grösser ist. Nun, da wir wissen, wie der Wanderhase in Nepal läuft, machten wir uns auch sogleich an Planung und Vorbereitung unserer nächsten Wanderung, der 6-Tage-Wanderung durch das Langtang-Tal an der Grenze zu Tibet.

    Erster Schritt: Nach Kathmandu zurückgelangen. Am Samstag nahmen wir dazu den selben Bus zurück nach Kathmandu, mit dem wir gekommen waren. Die Fahrt nach Kathmandu zog sich dabei allerdings etwas länger hin, weil die Strasse zwischen Pokhara und Kathmandu (wohl die meistbefahrene Überlandstrasse in Nepal) auf einem Stück von 10 Metern nur einspringen befahrbar war und sich der Verkehr vor diesem neuralgischen Punkt kilometerweit zurückstaute. Irgendwann kamen wir doch noch in Kathmandu an, wo wir uns mittlerweile schon so gut auskennen, dass fast schon ein bisschen Heimatgefühl aufkommt.

    Zweiter Schritt: Wanderzulassung TIMS einholen. Da für jede einzelne Wanderung in Nepal eine separate Bewilligung nötig ist, mussten wir gestern einen zweiten Ausflug zum Tourismusministerium in Kathmandu unternehmen. Auch hier wissen wir mittlerweile, wie der Laden läuft (und dass es beispielsweise gar nicht so wichtig ist, was man auf das Formular schreibt, solange man die 20$ abdrückt. Aber natürlich, die Bewilligung ist zu unserer eigenen Sicherheit!). Nebenbei genossen wir an unserem Rasttag in Kathmandu die Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation. So überredete mich Ines etwa zu einem Besuch beim Barbier, sodass ich zumindest bartmässig nicht zu Reinhold Messner werde, auch wenn ich bezüglich Erklimmungskünste schon gewisse Ähnlichkeiten aufweise...

    Dritter Schritt: Zum Ausgangspunkt der Langtang-Wanderung kommen. Dazu mussten wir frühmorgens einen Bus erwischen, der uns in voraussichtlich 7 Stunden ins Dorf Syabrubesi bringen sollte. Unsere anfängliche Begeisterung nach dem Ticketkauf, einen sogenannten Deluxe-Bus erwischt zu haben, liess rapide nach, als wir uns daran erinnerten, dass jeder Bus, in dem man aufrecht stehen kann und der nicht gerade vor Rost auseinanderfällt, in Nepal ein "Deluxe-Bus" ist. Bald erkannten wir auch, dass eine anständige Federung nicht zum Luxus eines Deluxe-Busses gehört: Kurz nach Kathmandu wurde die Strasse von einer staubigen Schotterpiste abgelöst, die sich bis nach Syabrubesi durchziehen sollte.

    Und diese Fahrt zog sich so dahin, dass sie uns wie die nepalesische Version der "unendlichen Geschichte" vorkam: Jedem Stein der Schotterpiste, der uns einen Schlag auf Steissbein verpasste, folgte noch einer, jeder Kurve rund um den Berghang folgte noch eine und jedem zu überquerenden Bergkamm folgte noch einer. Ganz zu schweigen davon, dass unsere Mittagspause anderthalb Stunden dauerte, weil unsere Buscrew partout erst weiterfahren wollte, wenn der Bus wieder gefüllt war, nachdem sich manche Fahrgäste bis dahin schon verabschiedet hatten. Die wirklich schöne Landschaft würdigten wohl nur unzureichend; die stille Bitte gen Himmel, uns von unserem Leiden zu erlösen, wog stärker.

    Schliesslich, nach 9 Stunden für 49 Kilometer kamen wir in Syabrubesi an. Ines war so erschöpft von der Fahrt, dass sie beim Abendessen kurzerhand einschlief. Glücklicherweise haben wir nun 6 Tage Zeit, um uns bei einer Bergwanderung von der Busfahrt zu erholen!
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