März - Mai 2019
  • Day56

    Kathmandu: Rückkehr & Bhaktapur

    May 25 in Nepal ⋅ ⛅ 32 °C

    Die letzten Tage waren von Rückkehr und Erholung von unserer etwas zu kurz geratenen Langtang-Wanderung geprägt. Am Samstag mussten wir dazu einmal mehr die als Busfahrt verkaufte Schütteltherapie von Syabrubesi nach Kathmandu durchstehen. Nach unserer Erfahrung von der Hinfahrt, bei der wir anderthalb Stunden in einem Zwischenort warten mussten, pochten wir dieses Mal auf einen Non-Stop-Bus, den wir dem Namen nach auch tatsächlich buchen konnten. Wie wir auf der Fahrt erfuhren, war die Non-Stop-Eigenschaft allerdings nicht allzu wörtlich zu verstehen: Statt dass der Bus an einem Zwischenort lange hielt, liess er überall auf der Strecke Leute zu- und aussteigen, sogar wenn die Leute schon gedrängt im Mittelgang standen und auf der kurvenreichen Schotterpiste wie wild hin- und herwankten. Nach 8.5 Stunden, musikalisch untermalt von einer Endlosschleife der nepalesischen Charts, dem Klappern des Busses und Ines' Husten, kamen wir in Kathmandu an.

    Die positive Seite unserer zu kurz geratenen Wanderung ist, dass wir nun nochmal zwei ganze Tage länger als geplant in Kathmandu sein konnten, wohl fast unserer Lieblingsstadt auf dieser Reise. Den ersten Tag dieser nun drei Tage verbrachten wir auch mehrheitlich in unserem schönen Hotelzimmer und genossen die Annehmlichkeiten der Zivilisation: ein Bett ohne Schlafsack, ein helles, sauberes Badezimmer und zuverlässiges Internet. Aus unserem Zimmer lockten uns nur die schönen Cafés und der leckere Kaffee in unserem Quartier. Dies auch mit dem Hintergedanken, Ines wieder vor dem Rückflug auf den Damm zu bringen. Das klappt so halb: Von Ines' starkem Halsweh ist mittlerweile nur noch eine starke Erkältung übrig. Von den zwei Terroranschlägen in der Stadt mit vier Toten (als Drahtzieher wird eine kommunistische Splittergruppe vermutet) bekamen wir nichts mit. Nach Sri Lanka also noch einmal ein Land, in dem Bombenstimmung herrscht, wenn wir da sind...

    Gestern schliesslich kehrten wir wieder aus unserer Höhle in die Welt zurück und besuchten die Stadt Bhaktapur eine Stunde östlich von Kathmandu. Diese alte Stadt ist mit ihren Gässlein und Pagoden noch sehr gut erhalten, auch wenn sie durch das Erdbeben von 2015 arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Für die Rekonstruktion bezahlt man deshalb auch einen saftigen Eintrittspreis von etwa 12 Euro, um durch die Altstadt zu schlendern. Wir genossen unseren Tagesausflug mit einem feinen Mittagessen und Spaziergängen durch das "alte Nepal". Nun bleibt uns noch ein ganzer Tag, um von Kathmandu und Nepal Abschied zu nehmen, bevor es auf den Heimweg via Delhi geht...
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  • Day55

    Langtang-Trek: Rimche - Syabrubesi

    May 24 in Nepal ⋅ ☀️ 14 °C

    Gestern hatten wir Rechtsumkehrt gemacht, heute galt es, ins Tal nach Syabrubesi zurückzukommen, wo wir morgen den Bus nach Kathmandu zurücknehmen können. Wir beide konnten es kaum erwarten, die Schlussetappe dieser Wanderung anzutreten, insbesondere Ines, die wegen raschelnder Mäuse und bellenden Hunden in der Nacht fast kein Auge zugemacht hatte.

    Wir nahmen ein schnelles Frühstück zu uns (hoffentlich die letzte Nudelsuppe für einige Zeit!) und begannen unseren Abstieg um 7 Uhr früh. Angetrieben von einem Cocktail aus Cola und Schmerztabletten schlug Ines trotz ihrer Krankheit ein überraschend hohes Tempo an und so verloren wir rasch an Höhe. Nach 2 Stunden waren wir schon 500 der 1'000 Höhenmeter hinabgestiegen, die uns zu unserem Ziel fehlten. Der grüne, mit Bambussprossen durchsetzte Wald erschien ausserdem in der Morgensonne so leuchtend grün, dass uns der Abstieg nochmals die Schönheit des Langtang-Tals vor Augen führte.

    Nach 5.5 Stunden Wanderung dem Fluss entlang kamen wir schliesslich um kurz nach 12 Uhr in Syabrubesi an. Mit der Devise, das schickste Gasthaus im Ort zu finden, wählten wir schliesslich eine Unterkunft, die unsere Ansprüche halbwegs befriedigte. Wir entspannten uns mit einer (einwandfrei) warmen Dusche und einer ausgedehnten Zimmerstunde. Da wir auf unserer Wanderung nie Internet gehabt hatten, nutzten wir die Zeit auch, um unser Reisetagebuch auf den aktuellsten Stand zu bringen und ein Lebenszeichen von uns zu geben. Das Aufschnaufen der besorgten Verwandten und Bekannten war bis ins abgelegene Langtang-Tal zu hören!
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  • Day54

    Langtang-Trek: Kyanjin Gompa & Umkehr

    May 23 in Nepal ⋅ ☀️ 5 °C

    Manche Dinge sollen nicht sein und anscheinend gehören unsere Pläne für die Langtang-Wanderung dazu. Gestern Abend hatte sich Ines schon krank gefühlt, heute fühlte sie sich nicht besser. Es gab nichts zu rütteln daran, dass es nun keinen Wert mehr hatte, das Tal weiter hochzusteigen und mehr Nächte als unbedingt nötig in notdürftig zusammengezimmerten Hütten auf über 3'000 Metern über Meer zu verbringen. Gleichzeitig wollte ich aber nicht wirklich wahrhaben, dass wir nun ernsthaft die Tortur einer zehnstündigen Busfahrt über uns ergehen lassen mussten und zwei Tage das Tal hochgewandert waren, nur um jetzt auf halber Strecke umzukehren - ohne die beiden Dörfer Langtang und Kyanjin Gompa gesehen zu haben, welche die Wanderung erst wandernswert machen.

    Ich kramte also um 6 Uhr morgens meine Wanderkarte und meinen Routenbeschrieb hervor und versuchte herauszufinden, ob ich mit vertretbarem Zeitaufwand wenigstens eins der beiden Dörfer erreichen und wieder umkehren konnte, um mit Ines dann noch so weit wie möglich abzusteigen. Kyanjin Gompa, das letzte Dorf im Tal und gleichzeitig dessen Juwel, schien vom Tisch zu sein: 4 Stunden 10 Minuten würde eine "fitte Person" gemäss Routeninformation mindestens dahin brauchen. Das Dorf Langtang hingegen war eine Option: 2 Stunden und 10 Minuten sollte ich dahin brauchen. Wenn ich mich also etwas sputete und für den Abstieg noch etwas kürzer bräuchte, könnte ich Langtang noch sehen, bevor meine Patientin richtig wach war. Ich packte also meinen Rucksack so leicht wie möglich, hoffte auf die verbliebenen Bergvolk-Gene in meinem Erbgut und marschierte um 6:40 talaufwärts.

    Nach etwa einer Stunde (oder auf circa 3'300 m.ü.M.) wurde der Wald schliesslich von einem breiten Tal mit grünen Wiesen und eisgrauem Fluss abgelöst. Ich hatte den kulturell tibetischen Teil des Langtang-Tals erreicht! Meine Begleitung Doggydog hatte ich inzwischen schon verloren, nachdem drei Kühe auf ihn zugerannt waren und er panisch flüchtete. Anscheinend war seine Treue uns gegenüber doch nicht so unerschütterlich, wie wir das gedacht hatten...

    Bei der aufgehenden Sonne kam ich schneller voran als gedacht. Zu meiner Überraschung kam ich bereits nach 1 Stunde 20 Minuten (statt 2 Stunden 10 Minuten) in Langtang an, nachdem ich die riesige Geröllhalde überquert hatte, mit der ein gewaltiger Erdrutsch nach einem Erdbeben 2015 das ursprüngliche Dorf Langtang, dessen Bewohner und Touristen unter sich begraben hatte. Wenn ich in dem Tempo weiterlaufen könnte, rechnete ich, könnte ich Kyanjin Gompa doch noch erreichen, damit den Langtang-Trek fertigwandern und doch noch rechtzeitig zurück sein. Die schneeweisse Bergkette bei Kyanjin Gompa lockte bereits in der Ferne und so ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf.

    Der Weg führte an weidenden Yakherden, Steintafeln mit tibetischen Inschriften, ewigen Schneefeldern und buddhistischen Tempeln vorbei, bis nach einem Geröllhügel endlich das Dorf Kyanjin Gompa erschien. Zeit: 2 Stunden 45 Minuten statt 4 Stunden 10 Minuten! Erschöpft, aber auch vom sich bietenden Panorama erschlagen betrachtete ich erst einige Minuten das Dorf: eine bunte und wild zusammengewürfelte Ansammlung von Häusern, auf 3'830 Metern über Meer gelegen, mit bestem Blick auf eine blitzblankweisse Bergfront aus Himalaya-Riesen. Die Anstrengung hatte sich definitiv gelohnt!

    Ich stärkte mich mit einer Nudelsuppe und machte mich dann sogleich wieder an den Abstieg. Auf dem Weg begegnete ich Doggydog, der sich allerdings inzwischen ein neues Rudel gefunden hatte. Diesen Verrat nahmen wir dem Hund gar nicht so übel, hatten wir (beides keine Hundeliebhaber) doch nach 2 Tagen mittlerweile sehr genug von unserer vierbeinigen Begleitung... Gegen Mittag erreichte ich schliesslich unser Gasthaus in Ghode Tabela, wo Ines im Schlafsack eingepackt auf mich wartete. Gemeinsam stiegen wir weitere 4 Stunden ab zum Ort Rimche. Von dort aus steigen wir morgen in den Anfangsort Syabrubesi hinab - vorausgesetzt, unsere nun doch etwas müden Beine spielen mit!
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  • Day53

    Langtang-Trek: Sherpagaon - Ghode Tabela

    May 22 in Nepal ⋅ ☀️ 12 °C

    Im Mittelalter sollen die Menschen ins Bett gegangen sein, sobald es dunkel wurde, und aufgestanden sein, sobald der Tag anbrach. Das beschreibt auch unser Leben mittlerweile ziemlich gut: Gestern um 19 Uhr ins Bett, heute früh um 6 Uhr Tagwache. Als wir unsere Zimmertür öffneten, begrüssten uns nicht nur die ersten Sonnenstrahlen, sondern auch unser treuer Begleiter Doggydog, der sichtlich euphorisch war, dass sein Rudel wieder dort auftauchte, wo es ihn am Vorabend zurückgelassen hatte. Wir hatten halb damit gerechnet, dass sich unser vierbeiniger Guide in der Nacht andere Gesellschaft oder zumindest ein entferntes warmes Plätzchen suchen wird, aber nichts da - ein Alphamännchen wie mich verlässt man wohl nicht einfach so leichtfertig!

    Wir genossen ein Frühstück mit Aussicht auf das Tal, das sich langsam mit Sonnenlicht füllte, und brachen dann zu unserer zweiten Tagesetappe auf. Nach zwei Stunden Abstieg zu einem Ort namens Lama Hotel (Lama ist gemeint wie in "Dalai Lama" , nicht wie in "Ein Königreich für ein Lama") machten wir eine Teepause, da sich seit letzter Nacht ein Halsweh zu Ines' Muskelkater gesellt hat. Zwei Amerikaner, die im selben Gasthaus rasteten, versuchten in uns ein religiöses Feuer zu entfachen und per Gebet Ines' Halsweh zu heilen. Beiden Vorhaben war allerdings nur mässiger Erfolg beschieden. Unserem eigenen Vorhaben, im Hinblick auf kalte Bergnächte Doggydog talwärts zu schicken, war ebenfalls nur geringer Erfolg zuteil: Obwohl der Guide der beiden Amerikaner den Hund anfütterte und ihn ein Stück weit mit sich führte, war Doggydog kurz darauf wieder an unserer Seite. Offensichtlich behagte auch Doggydog das religiöse Geschwätz nicht... Ausserdem scheint er schon einen Glauben zu haben, in dem wir die Götter sind!

    Von Lama Hotel aus folgte der Weg dem Fluss, der die Talsohle bildet, und stieg langsam an. Nach 300 Höhenmetern kamen wir in einem Ort namens Riverside an, wo Ines ein Mittagsschläfchen einlegte, um ihre Gesundheit zu schonen, während ich versuchte, mich leise an nahestehende Yaks anzuschleichen, was aber an knackendem Unterholz, meinem klobigen Wanderschuhwerk und der sehr indiskreten Begleitung Doggydogs scheiterte.

    Frisch ausgeschlafen, beziehungsweise von der Yakjagd ernüchtert nahmen wir das letzte Teilstück der heutigen Route in Angriff, nämlich den Aufstieg von 300 Höhenmetern nach Ghode Tabela. Zwar hätten wir heute weiter gewollt, aber um Ines' Gesundheit zu schonen, hatten wir uns für eine kürzere Distanz entschieden. Auch auf diesem Teilstück ging es in dichtem Wald dem Fluss entlang bergauf, bis das Gelände endlich etwas flacher und die Bewaldung etwas kärglicher wurde. Von einer Lichtung aus hatten wir das erste Mal einen guten Blick auf den Langtang II, der etwa 6'500 Meter hoch ist. Wir selbst kamen schliesslich auf 3'008 Metern über Meer in Ghode Tabela an, wo wir uns mit einer nepalesischen warmen Dusche (ein Eimer heisses Wasser und ein Becher) und warmen Suppen für die zugigen Nächte hier oben wappneten.
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  • Day52

    Langtang-Trek: Syabrubesi - Sherpagaon

    May 21 in Nepal ⋅ ☀️ 15 °C

    Heute früh ging es los mit dem letzten, aber auch grössten Abenteuer unserer Reise, dem Langtang-Trek. Der Anfang dieser 6-Tage-Wanderung war auf jeden Fall schon abenteuerlich - oder doch eher verwirrend, denn wir fanden den Anfang des Wanderwege nicht und erhielten widersprüchliche bis falsche Hinweise der Anwohner. Aller Anfang ist schwer, auch in Langtang!

    Schliesslich aber fanden wir den Wanderweg, der gleich einmal nett mit einem steilen Aufstieg von 800 Höhenmetern begann. Ein streunender Hund (in der Folge nur noch Doggydog genannt - Dank an Ines an dieser Stelle für die originelle Benennung!) erkannte anscheinend unser Bedürfnis nach moralischer Unterstützung und wich uns von diesem Punkt an nicht mehr von der Stelle. Doggydog bewies auch gleich mit einer tollkühnen Jagd eines (beunruhigend grossen!) Affen über steile Berghänge, dass er seines neuen Rudels würdig war. Bodyguard und Guide in einem!

    Der anstrengende Aufstieg ins Bergdorf Bhenjyang wurde versüsst durch Ausflüge von Doggydog in Berghanf-Felder, eine beeindruckende Vielfalt an Schmetterlingen und Vögeln und der menschenleeren Idylle des Nadelwaldes. Im Bergdorf gönnten wir uns ein Mittagessen auf 2'200 Metern und machten uns dann an den restlichen Aufstieg von 350 Höhenmetern. Auf 2'550 Metern hatten wir dann schliesslich unsere Höhe für den Tag erreicht und wanderten noch einige Stunden einem Höhenweg entlang. Die mittlerweile schon fast hochalpine, kärgliche Vegetation liess auch immer bessere Blicke auf das Langtang-Tal mit seinen gewaltigen Dimensionen und steilen, hunderten von Metern hohen Talseiten zu.

    Nachdem wir Doggydog erfolgreich an Eselkarawanen und aggressiven Mutterkühen vorbeigeschleust hatten, kamen wir nach 7 Stunden totaler Wanderzeit in Sherpagaon an. Zwar wäre unser Wanderziel das eine Stunde entfernte Rimche gewesen, aber die verlockenden Gasthäuser, Ines' Muskelkater und meine dahinschwindende Freude am Sherpa-Dasein bewogen uns dann, doch in Sherpagaon unser Lager aufzuschlagen. Wir belohnten uns mit einer heissen Dusche (aka Eimer mit heissem Wasser, den man sich mit einem Becher überschütten konnte) und gehen nun mit müden Beinen ins Bett!
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  • Day49

    Zwischen den Wanderungen

    May 18 in Nepal ⋅ ☀️ 29 °C

    Mit unserer ersten Wanderung in Nepal (Ghandruk-Trek, s. letzter Footprint) wollten wir uns die Sporen abverdienen und genügend Zuversicht aufbauen, um eine Wanderung zu wagen, die eine Nummer grösser ist. Nun, da wir wissen, wie der Wanderhase in Nepal läuft, machten wir uns auch sogleich an Planung und Vorbereitung unserer nächsten Wanderung, der 6-Tage-Wanderung durch das Langtang-Tal an der Grenze zu Tibet.

    Erster Schritt: Nach Kathmandu zurückgelangen. Am Samstag nahmen wir dazu den selben Bus zurück nach Kathmandu, mit dem wir gekommen waren. Die Fahrt nach Kathmandu zog sich dabei allerdings etwas länger hin, weil die Strasse zwischen Pokhara und Kathmandu (wohl die meistbefahrene Überlandstrasse in Nepal) auf einem Stück von 10 Metern nur einspringen befahrbar war und sich der Verkehr vor diesem neuralgischen Punkt kilometerweit zurückstaute. Irgendwann kamen wir doch noch in Kathmandu an, wo wir uns mittlerweile schon so gut auskennen, dass fast schon ein bisschen Heimatgefühl aufkommt.

    Zweiter Schritt: Wanderzulassung TIMS einholen. Da für jede einzelne Wanderung in Nepal eine separate Bewilligung nötig ist, mussten wir gestern einen zweiten Ausflug zum Tourismusministerium in Kathmandu unternehmen. Auch hier wissen wir mittlerweile, wie der Laden läuft (und dass es beispielsweise gar nicht so wichtig ist, was man auf das Formular schreibt, solange man die 20$ abdrückt. Aber natürlich, die Bewilligung ist zu unserer eigenen Sicherheit!). Nebenbei genossen wir an unserem Rasttag in Kathmandu die Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation. So überredete mich Ines etwa zu einem Besuch beim Barbier, sodass ich zumindest bartmässig nicht zu Reinhold Messner werde, auch wenn ich bezüglich Erklimmungskünste schon gewisse Ähnlichkeiten aufweise...

    Dritter Schritt: Zum Ausgangspunkt der Langtang-Wanderung kommen. Dazu mussten wir frühmorgens einen Bus erwischen, der uns in voraussichtlich 7 Stunden ins Dorf Syabrubesi bringen sollte. Unsere anfängliche Begeisterung nach dem Ticketkauf, einen sogenannten Deluxe-Bus erwischt zu haben, liess rapide nach, als wir uns daran erinnerten, dass jeder Bus, in dem man aufrecht stehen kann und der nicht gerade vor Rost auseinanderfällt, in Nepal ein "Deluxe-Bus" ist. Bald erkannten wir auch, dass eine anständige Federung nicht zum Luxus eines Deluxe-Busses gehört: Kurz nach Kathmandu wurde die Strasse von einer staubigen Schotterpiste abgelöst, die sich bis nach Syabrubesi durchziehen sollte.

    Und diese Fahrt zog sich so dahin, dass sie uns wie die nepalesische Version der "unendlichen Geschichte" vorkam: Jedem Stein der Schotterpiste, der uns einen Schlag auf Steissbein verpasste, folgte noch einer, jeder Kurve rund um den Berghang folgte noch eine und jedem zu überquerenden Bergkamm folgte noch einer. Ganz zu schweigen davon, dass unsere Mittagspause anderthalb Stunden dauerte, weil unsere Buscrew partout erst weiterfahren wollte, wenn der Bus wieder gefüllt war, nachdem sich manche Fahrgäste bis dahin schon verabschiedet hatten. Die wirklich schöne Landschaft würdigten wohl nur unzureichend; die stille Bitte gen Himmel, uns von unserem Leiden zu erlösen, wog stärker.

    Schliesslich, nach 9 Stunden für 49 Kilometer kamen wir in Syabrubesi an. Ines war so erschöpft von der Fahrt, dass sie beim Abendessen kurzerhand einschlief. Glücklicherweise haben wir nun 6 Tage Zeit, um uns bei einer Bergwanderung von der Busfahrt zu erholen!
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  • Day48

    Ghandruk-Trek: Ghandruk nach Pokhara

    May 17 in Nepal ⋅ ☀️ 11 °C

    Heute früh wurden wir in Ghandruk von einer wunderschönen Überraschung geweckt: Die ersten Sonnenstrahlen, die in unser Zimmer drangen, waren dermassen hell, dass wir unser gutes Wetterglück sofort ahnten. Wir stürmten gleich nach draussen, um zu prüfen, ob Wetterglück auch Aussichtsglück bedeutet - und tatsächlich, da war er, der Annapurna Dakshin, der uns in den letzten Tagen stets verwehrt geblieben war. Wir beide hatten uns einen 7000er zwar grösser vorgestellt, aber man sollte nicht klagen, wenn man einen Himalaya-Schneeberg unter besten Verhältnissen vom Hotelbalkon aus beobachten kann.

    Wir frühstückten mit Aussicht auf den Berg, putzten Zähne mit Aussicht auf den Berg und rissen uns schliesslich von der Aussicht auf den Berg los, um die letzte Etappe unserer Dreitageswanderung anzutreten. Diese Etappe zum Zielort Birethanti bestand nur aus einem Abstieg von 800 Höhenmetern. Die starke Sonneneinstrahlung und der steinige Weg sorgten allerdings trotzdem dafür, dass unsere Schlussetappe alles andere als ein Zuckerschlecken wurde. Nicht nur anstrengungsmässig, sondern auch landschaftlich fügte sich das Routenstück nahtlos an die Vorgänger an: Grüne Wälder, Reisterrassen und eine tiefe Schlucht mit reissendem Fluss boten ein wunderschönes Panorama.

    Nach Ankunft in Birethanti nahmen wir einen öffentlichen Bus nach Pokhara zurück. Die Fahrt auf dem nepalesischen Holper-Highway rüttelte uns intensiv durch (Muskelkatervermeidungsmassage?) und badete uns so in Strassenstaub, dass die warme Dusche in unserem Hotel in Pokhara nicht besser hätte anfühlen können.

    Fazit: Erste Mehrtageswanderung in Nepal mit Bravour überstanden - bereit zu Grösserem
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  • Day47

    Ghandruk-Trek: Pothana nach Ghandruk

    May 16 in Nepal ⋅ ☀️ 14 °C

    Nachdem wir heute Morgen zu Gesängen unserer Zimmernachbarn erwacht waren, uns aus den (einwandfreien!) Schlafsäcken geschält hatten uns uns mit einem zünftigen Bergfrühstück aus tibetischen Brot gestärkt hatten, stand heute die zweite Etappe unserer Dreitageswanderung an. Um 8 Uhr früh war Abmarsch zum Tagesziel Ghandruk-Dorf, das der Wanderung den Namen gibt.

    Kurz nach dem Frühstück gab es gleich einmal 200 Höhenmeter zu erklimmen: Das Ghandruk-Tal ist von Pothana über den Pass Piman Deurali zugänglich, der auf 2100 Metern über Meter liegt. Vom Pass aus sollte man eine gute Sicht auf den über 7000 Meter hohen Annapurna-Süd haben, seines Zeichen 101. höchster Berg der Welt. Der omnipräsente Dunst des Annapurna-Gebiets erlaubte uns allerdings nur einen getrübten Blick auf den Bergriesen. Das mit den Aussichten ist auf dieser Reise wohl einfach nicht unser Ding!

    Das so zu sagen wäre allerdings auch nicht fair, denn wir konnten wunderschöne Aussichten auf das Ghandruk-Tal geniessen, als wir vom Pass über einen Höhenweg ins Dorf Landruk abstiegen. In Landruk wäre unsere heutige Route gemäss Online-Routenempfehlung eigentlich zu Ende gewesen, aber weil wir den Ghandruk-Trek in drei statt vier Tagen machen wollen, hatten wir geplant, die Route von Landruk nach Ghandruk gleich anzuhängen.

    Dieses Routenstück hatte es allerdings in sich: Erst ging es von Landruk 400 Höhenmeter steil durch Reisterrassen runter, bis wir mit zitternden Knien unten im Talboden standen, wo so tropische Luftfeuchtigkeit herrschte, dass uns der Schweiss übers Gesicht strömte. Gemächlich, aber entschlossen machten wir uns an den Aufstieg von 800 Höhenmetern nach Ghandruk. Auf dem Weg erhielten wir moralische Unterstützung von einer Art nepalesischem Sennenhund, der uns treu die ganze Strecke bis nach Ghandruk begleitete. Ines stellte ausserdem einen Sherpa an, der eigens aus der Schweiz eingeflogen worden war...

    Durchgeschwitzt und erschöpft, aber stolz auf unsere Leistung kamen wir nach einer Gesamtheit von 7.5 Stunden schliesslich in Ghandruk an. Dort geht es nun - wie überall hier in den Bergen - wegen früher Tagwache und mangelnden Ablenkungsmöglichkeiten früh ins Bett - um 20 Uhr!
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  • Day46

    Ghandruk-Trek: Pokhara nach Pothana

    May 15 in Nepal ⋅ ☀️ 22 °C

    Lange haben wir uns darauf gefreut, lange haben wir uns darauf vorbereitet, nun galt es heute ernst: Unsere erste Mehrtageswanderung in Nepal begann heute! Um erst einmal Erfahrungen zu sammeln, haben wir uns für den eher leichten, dreitägigen Ghandruk Circuit Trek entschieden. Drei Tage lang wandern wir nun durch das grüne Vorgebirge des sogenannten Annapurna-Gebiets.

    Weil wir gestern beim Wein am Phewa-See die Zeit vergessen hatten, mussten wir heute jedoch erst einmal Schlafsäcke organisieren. Wie wir hier erfahren haben, sind die Betten in den Berghütten Nepals alles andere als frisch angezogen, weswegen sich ein Schlafsack aufdrängt. Wir machten einen Kompromiss zwischen den qualitativ sehr guten, aber sehr teuren Daunenschlafsäcken etablierter Marken (Z. B. Northface) und den qualitativ zweifelhaften, aber günstigen Fälschungen und kauften zwei Schlafsäcke einer nepalesischen Marke. Mit Schlafsack im Gepäck fühlt man sich doch gleich wie ein Wanderprofi!

    Nachdem wir unser grosses Gepäck im Hotel deponiert hatten, in dem wir bei Rückkehr nach Pokhara logieren werden, nahmen wir ein Taxi zum Ausgangspunkt der Wanderung, dem Dorf Phedi. Bereits die Anfahrt war abenteuerlich: Schotterpisten, die so staubig waren, dass man keinen Meter mehr sah, und Schlammbahnen, in denen unser Kleinwagen-Taxi fast versank, wechselten sich ab. In Phedi angekommen, hatten wir schliesslich alles andere als einen sanften Start vor uns: Sofort ging es steil den Berg hoch, mittels - wie könnte es auch anders sein - Treppenstufen. Da die Uhrzeit mit 11 Uhr zu diesem Zeitpunkt schon fortgeschritten war, gestaltete sich der Aufstieg heiss und schweisstreibend. Entschädigt wurden wir aber mit der stetig besser werdenden Aussicht über den Talboden und die Reisterrassen auf beiden Seiten des Tals.

    Als wir 500 der heutigen 800 Höhenmeter geschafft hatten, erreichten wir das Dorf Dhampus und der Wanderweg flachte etwas ab. Statt Treppen und Steinwegen über Reisfelder wanderten wir nun über einen Höhenweg am Hang entlang, in dschungelartigem, tiefgrünem Wald. Zur Dschungelatmosphäre trugen auch die gelegentlichen Regenschauer und die hohe Luftfeuchtigkeit bei, auf die wir uns aber bestens mit Regenjacken gewappnet hatten. Wir lernen dazu!

    Nach etwas mehr als 4 Stunden, in denen wir alte Kinderlieder aus dem Gedächtnis hervorkramten, um unsere eigene Begleitmusik zu erzeugen, hatten wir das Lied "Das alte Haus von Rocky Docky" endlich gemeistert und kamen an unserem heutigen Zielort Pothana an. Dort bezogen wir unsere Zimmer in einer einfachen Lodge, wärmten uns mit einer heissen Linsensuppe und einer lauwarmen Dusche und liessen unseren Wandertag schliesslich mit einer Qualitätsprobe unserer neuen Schlafsäcke ausklingen. Fazit: Die Schlafsäcke müssen sich in den kalten Bergnächten hier erst noch beweisen!
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  • Day45

    Pokhara

    May 14 in Nepal ⋅ ☀️ 26 °C

    Der heutige Tag diente der Vorbereitung unserer Wanderung im Annapurna-Gebiet: Wir errangen endlich unseren Sieg über die Bürokratie und bekamen unsere Wanderzulassung, kauften für Ines regenfeste Kleidung und genehmigten uns eine Flasche Wein, mit bestem Blick auf den Phewa-See in Pokhara und das darüber tobende Gewitter. Hoffentlich werden uns die zuverlässig eintretenden Abendstürme in den kommenden Tagen nicht allzu oft in die Quere kommen!Read more