• Lykischer Weg - Tag 20: Göynük - Hisarcandir

    May 16 in Turkey ⋅ ☀️ 19 °C

    24,9 km; 1.750 m aufwärts; 790 m abwärts
    Was für eine entspannte Nacht. Allerdings ging einer der üblichen Wecker um 5:40, der Hahn in der Nachbarschaft. Nach dem Frühstück geht es noch kurz zum Bäcker und dann wieder zurück Richtung Canyon. Noch im Ort begegnen wir einem Igel. Die restlichen 4 Kilometer zum Canyon kennen wir ja schon von gestern und diese sind auch nicht wirklich spannend. Allerdings genießen wir die Ruhe im Vergleich zu gestern.
    Doch dann trennt sich der Weg und wir biegen ab in den Aufstieg zwischen den Bergen. Die nächsten Stunden laufen wir Meter um Meter nach oben. Viel sehen tun wir hierbei nicht. Zuerst bewegen wir uns an einem hübschen Bach entlang, doch diesen lassen wir bald hinter uns und marschieren durch hübschesten Nadelwald. Der Weg lässt sich gut gehen, es geht meist nicht zu steil aufwärts. Die Nadeln unter den Füßen federn unsere Schritte. Es riecht nach frischen Kiefern. Wir begegnen niemandem. Keine Ahnung, ob diese Etappe einfach wenig begangen wird. Am Rande können wir die Bergflanken erahnen. Nach den ersten 1.000 Höhenmetern flacht der Weg erst mal ab.
    Plötzlich steht ein fressendes Pferd vor uns. Es lässt sich nicht wirklich stören, macht kurz Platz und frisst einfach weiter. Dann ändert sich das Panorama, an den Berggipfeln vorbei können wir Antalya sehen. In zwei Tagen werden wir dort sein. Auch der Weg ändert sich. Die letzten 400 Höhenmeter zum Hidacik Pass gehen sehr steil nach oben. Je höher wir kommen, desto mehr sehen wir von Antalyas Küste und desto beeindruckender werden die Berge. Doch wir spüren die Beine vom langen Anstieg. Unsere Oberschenkel brennen bei jedem Schritt. Jetzt ist Willenskraft gefragt. Irgendwann erreichen wir den Pass. Das Panorama ist traumhaft und wir sind stolz, hier oben zu stehen.
    Es geht noch etwas weiter hinauf bis zu einer kleinen Siedlung. Ein alter Mann sitzt vor seinem Haus, welches auf meiner Karte mit Yusufs Café markiert war. Hang hat Hunger und wir schauen vorbei. Auf Türkisch begrüßt er uns, deutet an, dass wir uns setzen sollen. Ich verstehe, Ekmek (= Brot) und Cai (= Tee). Nach kurzer Zeit bringt er eine große Platte mit Orangen, Bohnensuppe, Salat und Brot. Wir freuen uns. Wir besprechen, dass wir zum Dank 1.000 Lira geben wollen. Aber Yusuf schreibt seine Rechnung auf: 1.800 Lira, fast 40€. 😳
    Gut gestärkt machen wir uns noch ein wenig auf den Weg. Jetzt geht es leicht abwärts Richtung Hisarcandir. Immer wieder erhasche ich Blicke auf die umwerfende Bergwelt um diesen Ort herum. Nach einem guten Stück kommen wir an einen schönen Bach und erblicken einen kleinen Pool. Eh ich mich versah, war Hang zur Abkühlung in diesem kleinen Becken. So motiviert geht es weiter. In ungefähr 5 km wollen wir unser Zelt aufschlagen. Der kleine Bach gräbt sich immer tiefer in eine Schlucht. In diese Schlucht steigen wir auch hinab. Und was sehen wir einen noch schöneren Pool mit hellblauem Wasser. Und der Bach plätschert so schön vor sich hin. Da können wir nicht anders und schlagen an dieser Stelle unser Zelt auf. Ratet mal, wo wir uns heute gewaschen haben!
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