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  • Day39

    Etappe 35: Santiago - A Pena

    October 6, 2021 in Spain ⋅ ⛅ 16 °C

    Frühstück im bisher schönsten Café des Camino. Der Rucksack steht gepackt neben mir, die Stöcke warten auf den nächsten Einsatz.

    82 Kilometer sind es bis zum Cap Fisterra, bis ans Ende der Welt. Diese 3 oder 4 Etappen sind wichtig, vielleicht wichtiger als Santiago selbst. Am Atlantik ankommen, dass Wasser im Westen um Unterstützung bitten für die Integration des Erlebten.

    Der Camino ist der stärkste Katalysator, den ich kenne. Er bringt ans Licht, er verstärkt und lindert, er umarmt und fordert heraus. Er hilft in aller Liebe beim Bewusstwerden, beim Verarbeiten, beim Haut-Abstreifen, beim Integrieren. Er ist voller Liebe und Fürsorge für jede/n, der ihn geht.

    Ich bin berührt heute und sehr nah am Wasser gebaut, zart und verletzlich, fast roh im Inneren. Gestern gab es einige Abschiede von lieben Menschen, die mich auf dem Camino begleitet haben.

    Gestern war ich in der Pilgermesse. Wenn genügend Menschen Geld geben, wird dort der Botafumeiro geschwungen, ein großer Köcher, in dem Weihrauch durch die Kathedrale geschwungen wird. Ich wusste, dass mich das tief berühren würde und so ging es auch den drei PilgerfreundInnen, die mit mir dort waren. Wie haben alle geweint vor lauter Rührung und Dankbarkeit und es war, als würde sich etwas in uns erinnern an dieses alte Ritual (dessen Ursprung wenig romantisch ist: man sagt, die Pilger hätten in früheren Zeiten so grausig gestunken, dass die Kirche sich für die Messe etwas überlegen musste...).

    Während der Messe hörte ich die ganz Zeit eine Stimme in mir. Gib den Widerstand auf. Release. Let go. Surrender. Und das ist es, was ich tue. Immer und immer wieder. Raus aus der vermeintlichen Kontrolle, der Sicherheit, die es nicht gibt. Hin zu dem, was es jetzt, in diesem Moment zu leben gibt.

    Danke, Leben. Danke, Camino. Danke, großes Geheimnis.

    ❤️
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