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  • Day6

    Ankommen | erste Eindrücke

    September 13, 2017 in Peru ⋅ ☁️ 17 °C

    Eindrücke, so viel Neues für mich. Besser geht's nicht. Nachdem Beweisfotos unserer Ankunft gemacht werden, geht es mit zwei Autos, einem für die Koffer und einem mit drei anderen Freiwilligen, unserer sympathischen Koordinatorin und mir durch das um sechs Uhr abends schon sehr dunkle Lima. Dunkel ist aber relativ, denn auf der großen Avenida gibt es unzählige Lichter von verschiedenster Reklame. Genaueres kann ich kaum wahrnehmen, denn mein Spanisch-Niveau verlangt auch von mir, dass ich meine volle Aufmerksamkeit Mónica schenke, während sie spricht und uns Tipps für das Leben in Lima gibt und ihre Rolle erläutert. Glücklicherweise schnappe ich in jedem Satz zumindest so viel auf, dass ich grob weiß, um was es geht. Meine Unterkunft ist die erste auf dem Weg, davor bekommt jeder von uns noch aus dem Supermarkt nebenan eine große Wasserflasche für den ersten Tag. Mein Gastbruder Mario holt mich von unten ab und ich verabschiede mich von der Gruppe. Ich begrüße ihn mit "Hola Hermano" und wir fahren mit dem Aufzug in den sechsten Stock. Im Wohnzimmer erwarten mich fünf Jungs, die sich zusammen gerade ein Lima-Fußball-Derby ansehen. Wie angenehm, das kenne ich doch von daheim. Trotzdem gehe ich erstmal die Treppen nach oben, wo sich die drei Schlafzimmer und das Bad befinden. Mario erklärt mir, dass meine Gastmama morgen erst zurückkommt und ich mir so viel Zeit wie nötig nehmen soll, um mich einzurichten. Das habe ich schon immer geliebt, nach der Ankunft alle Sachen aus dem Koffer zu verräumen. Nach getaner Arbeit setze ich mich unten zu den Jungs. Im Spiel gibt es einige lustige Szenen, sodass wir reichlich zu lachen haben. Nacho, einer der jüngeren Cousins, gibt den anderen schmunzelnd zu verstehen, dass ich jetzt bestimmt denke, dass alle peruanischen Spiele so ablaufen. Ich verstehe es und lache mit.

    Nach dem Spiel verabschiede ich mich ins Bett, viel geschlafen habe ich im Flieger nicht. Ich schlafe sehr gut und fest in meinem neuen Bett. Nichtsdestotrotz erinnere ich mich schon an die Stille in Pullach zurück, denn wir wohnen an einer viel befahrenen Straße. Sirenen und Hupen sind Standard - kenne ich aber zum Glück auch schon aus meiner Zeit in New York.

    Die nächsten beiden Tage lerne ich sehr viele Familienmitglieder kennen, alles ist sehr harmonisch und ich werde herzlich begrüßt. Die Großmutter der Familie hat am zweiten Tag Geburtstag und es gibt ein festliches Frühstück. Alles was ich esse, schmeckt mir unglaublich gut. So viele neue Geschmäcker.

    Mit meinem Gastbruder Mario habe ich die ersten Tage auch schon sehr spannende Gespräche. Im allgemeinen bin ich schon auch sehr viel am Grinsen und Kopfnicken, aber mit ihm kann ich mich schon gut verständigen. Wir reden darüber, was meine Erwartungen an das Jahr sind. Ich sage, dass ich keine habe, da ich denke, dass Erwartungen einen ein stückweit einschränken. Ich möchte einfach neue Sichtweisen aufs Leben und neue Menschen kennenlernen. Ihm gefällt das, denn er hat miterlebt, dass viele Freiwillige mit dem klaren Ziel herkommen, zu sich selber zu finden oder auch zu wissen, was sie danach studieren oder arbeiten wollen. Ihm ist es außerdem wichtig, dass ich alle Seiten von Lima und von Peru kennenlerne. Er findet es schade, wenn Leute ein simplifiziertes Bild von seiner Heimat bekommen, der tolle Machu Picchu eben. Denn Peru ist eben alles: Sowohl die schönen Berge, Küsten und Regenwälder, als auch die Armut und der "tráfico de mierda" in Lima. Das finde ich sehr wichtig und genau das liegt mir auch am Herzen. Bei einer Stadtrundfahrt zeigt er mir die schönen Plätze ebenso wie die armen Viertel ohne Straßenlichter.

    Lima ist wirklich eine riesige Stadt, zum Glück erklärt er mir von Anfang an die Zusammenhänge und sagt mir welche großen Straßennamen ich mir merken sollte.

    Grade ist er von der Arbeit nach Hause gekommen, deswegen mache ich an dieser Stelle mal Schluss. Morgen geht's das erste Mal in die Arbeit, freue mich schon sehr. Die Jungenheim-Leiterin holt mich netterweise ab.

    Bis bald, peace.
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