• Brüder im Geiste

    Jan 29–31, 2024 in Mexico ⋅ ☀️ 23 °C

    Wir sind auf dem Weg nach Oaxaca (sprich: Oachaka), denn dort soll es archäologische Stätten, jede Menge Kunsthandwerk und Mezcal geben. Nun sind weder Jörg noch ich als Schnapsliebhaber bekannt, wenn wir aber im Land des Tequilas sind, sollten wir doch wenigstens ein bisschen darüber lernen.
    Nach der Kultur - wir besuchen zuerst Monte Albán - fahren wir einen Campingplatz an, dessen Besitzer Mezcal selbst brennt. Tony erklärt uns, dass Tequila nur aus einer einzigen Agavensorte - der Agave azul - hergestellt wird, Mezcal aus 25 verschiedenen Agaven gebrannt werden kann und Pulque nur vergorener Agavensaft ist. Also sind Pulque, Tequila und Mezcal Brüder im Geiste. Dann fragt Tony: Wisst Ihr, was "brennen" heißt? Im Nu kramt mein Hirn aus der hintersten Windung mein Wissen über Whisk(e)y-Herstellung aus einer feucht-föhlichen Fortbildung im Rathaus von Altenholz hervor. Richtig!, lobt Tony das Schulmädchen und schenkt uns jetzt von seinem Erzeugnis ein. Wir sollen nur nippen, denn das hier sei sein großartiger Brand, den dürfe man nicht einfach so herunterkippen. "Jeder nur einen wönzigen Schlock", denke ich und probiere vorsichtig bis ängstlich, denn ich mag das Brennen von Gebranntem im Hals nicht. Doch es gibt eine Überraschung: Tonys Mezcal ist eine Offenbarung! Aromenreich ohne Kratzen im Hals. Ich muss mich gar nicht schütteln! Es folgt eine zweistündige Fortbildung in Sachen Mezcal. Tony ist glühender Mezcalbrenner. Nein, er verkaufe eigentlich nichts, er brenne nur für den Eigenbedarf ... wir dürfen eine Flasche "von dem Guten" - nicht verschnittenen - erstehen. Wir fühlen uns geehrt.

    Am nächsten Tag besuchen wir Oaxacas Innenstadt mit dem Taxi - nach Empfehlung Tonys. Dies erweist sich als guter Rat, denn es gibt keine Parkplätze. Wir schlendern durch Galerien, Handwerksläden und die Kirche. Ich kämpfe mich durch eine Mole negro, das kulinarische Markenzeichen der Stadt: Eine schokoladig-braune rauchig-scharfe Soße, die über Fleisch und Reis gegossen wird. Sie macht auf jeden Fall satt.
    Zur Abrundung unseres Besuches fahren wir noch ins Valle Tlacolula, bestaunen den dicksten Baum der Welt in Tule, bewundern und kaufen Teppiche im Weberdorf Teotitlán, um schließlich nach überwinden einer Pass-Straße nach Hierve El Agua zu gelangen. In dem Ort haben mineralhaltige Quellen Gesteinsformationen geschaffen, die wie riesige gefrorene Wasserfälle aussehen. Ich bade allerdings nicht in den Pools, da mich einer von Tonys Hunden angeknabbert hat. (Wer ist auch so blöd und rennt, wenn Hunde in der Nähe sind. Das ist doch das eindeutige Zeichen für "Die Jagd ist eröffnet!")
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