• Chaitén

    Jan 20–22 in Chile ⋅ ☀️ 22 °C

    Kann sich noch irgendjemand von Euch an den Ausbruch des Vulkans Chaitén im Jahr 2008 erinnern? Das, was für die Bevölkerung hier eine Katastrophe mit existentiellen Folgen bis heute ist, war für uns in Europa nur eine Randnotiz. Wahrscheinlich war für uns die Weltwirtschaftskrise und der Zusammenbruch der Großbank Lehman Brothers wichtiger ... .
    Der Vulkan Chaitén, nur 10 Kilometer vom gleichnamigen Ort entfernt, galt als erloschen, sein letzter Ausbruch lag ca. 9000 Jahre zurück. 2008 erwachte er und stieß eine bis zu 20 km hohe Aschewolke aus, die den Ort Chaitén und das Umland innerhalb eines Tages mit einer 20cm dicken Ascheschicht bedeckte. Die Bevölkerung wurde evakuiert, das Vieh verendete auf den Feldern. Es begann sintflutartig zu regnen, worauf der Rio Blanco über die Ufer trat und große Teile der Stadt mit Schlamm und Geröll überschwemmte. Trinkwasser- und Stromversorgung waren komplett zerstört. Obwohl von Regierungsseiten keinerlei Unterstützung kam, der Wiederaufbau der Infrastruktur an gleicher Stelle mit Hinweis auf den Vulkan sogar verweigert wurde, kehrten viele Bewohner nach einigen Monaten zurück und begannen die Straßen vom Schutt zu befreien und ihre Häuser wieder in Stand zu setzen. Heute zeugt ein Museum vom damaligen Grauen. Der alte Hafen ist stillgelegt, denn die Vulkansedimente verhindern den Zugang zum Meer. Die ehemalige Uferpromenade liegt jetzt einige hundert Meter im Landesinneren. Der Rio Blanco verläuft in seinem neuen Bett quer durch die Stadt.

    Wir suchen uns einen Campingplatz am Meer und untersuchen unseren dicken Blauen: Die Offroadstrecken und das Wellblech der Schotterstraßen haben ihm sichtlich zugesetzt: Das Frontlicht funktioniert nicht mehr, dafür riecht es nach verschmortem Plastik im Innenraum, wenn wir es anschalten. Das Radlager lässt von sich hören. Der Dieselzusatztank hat ein neues Leck. Die Reifen laufen unter der Bezeichnung "Slick". Die Frontscheibe verzeichnet 4 Einschläge, 2 davon mit größeren Sprüngen. Der letzte Motorölwechsel ist 15000km her, ganz zu schweigen vom Getriebeöl. Wir reparieren, was wir können und entscheiden in der nächsten größeren Stadt, Puerto Montt, einen Wellnessstopp für unseren Reisegefährten einzulegen. Bis dahin muss er noch durchhalten. Da Grobi willig ist, gönnen wir uns noch 2 Wanderungen, bevor wir die letzte Etappe nach Puerto Montt angehen:
    Wir besteigen den Kraterrand des oben geschilderten Vulkans, um die immer noch rauchenden Dome in seinem Inneren zu erleben, und wir durchstreifen einen Wald, um die letzten der bis zu 4000 Jahre alten Alercen zu bestaunen.
    Read more