• Letzter Versuch

    6–8 Nis, Arjantin ⋅ 🌧 28 °C

    Auf dem Weg nach Uruguay kommen wir automatisch an einer Ortschaft vorbei, die für viele Argentinier eine besondere Bedeutung hat: Mercedes. Hier wurde Gauchito Gil geboren, eine Art Robin Hood, der - obwohl nicht anerkannt von der katholischen Kirche - den Status eines Volksheiligen hat. Der Legende nach soll Gil kurz vor seinem Tod zum Scharfrichter gesagt haben, dass der Henker, um seinen Sohn von einer Krankheit zu befreien, zu ihm, Gauchito Gil, beten müsse. Zuerst soll der Henker daraufhin Gil ins Jenseits befördert und anschließend zu ihm gebetet haben, woraufhin der Sohn genaß.
    Heutzutage findet man vor allem im Norden Argentiniens am Straßenrand Schreine mit Gauchitofiguren und roten Fähnchen. Kraftfahrer beten oder hupen, wenn sie vorüber fahren und erhoffen sich dadurch eine unfallfreie Fahrt. In Mercedes ist dem berühmten Sohn ein hässliches Gebäude errichtet worden, in dem sich mehrere Gilfiguren in Nischen befinden. Mittig steht ein rot angestrichener Baum. Auf dem Boden stehen überall billige Rotweinflaschen, damit Gauchito auch ein bisschen Freude hat. Mir kommt das Ganze eher lächerlich vor.

    Von Mercedes aus wollen wir einen weiteren Nationalpark besuchen, in dem wir noch einmal Wasserschweine, ein letztes Mal Kaimane und vielleicht auch Aras zu Gesicht bekommen. Da ich nicht laufen kann, planen wir eine Bootsfahrt durch das sumpfige Gebiet. Doch wir kommen nicht weit: Als die Nacht hereinbricht, beginnt es heftig zu regnen. Wir parken Grobi am Straßenrand hinter ein paar Büschen. Auch am nächsten Morgen hält das Unwetter weiter an, Grobi steht 15 cm tief im Wasser. Der Wetterbericht verspricht unausgesetzt Regen für die nächsten 3 Tage. Als Jörg das Dach herunterlässt, um den Wagen abfahrbereit zu machen, verzieht er sich den Rücken. Damit ist es entschieden: Wir machen keine Ausflüge, Besuche oder ähnliches mehr. Wir begeben uns direkt nach Atlantida in Uruguay, um in Ruhe den Wagen für die Rückverschiffung vorzubereiten. Ich fahre. Solange ich nicht kuppeln muss, tut es nicht weh.
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