Im Land der Heiligen - Zanskar, Indien
20 giugno 2023, India ⋅ 🌙 7 °C
Nachdem Marjerie und ich uns voneinander verabschieden, bin ich wieder auf mich alleine gestellt. Am besten suche ich mir ein Kloster - so wie ursprünglich geplant - während Marjerie nun auf dem Weg nach Belgien ist. So erstmal die Idee.
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... am nächsten Morgen steht sie vor der Tür. Einmal Delhi und zurück bitte 😄! Ihr Visum wird verlängert und nun heißt es wieder Planänderung. Sie will nach Zanskar mit dem Motorrad und ich soll mit. Mmm... ich zögere. Zanskar ist eine extrem ländliche Region mit nahezu unberührten Dörfern und in einfachen Verhältnissen lebenden Menschen - was fantastisch klingt! Das heißt aber auch, dass lange, einsame, sandige und bergige Straßen auf uns warten würden... 🤔😅
Einen Tag vor dem Abfahrtstermin entscheide ich mich für das Abenteuer. Wir treffen uns in Lamayuru - bekannt für sein altes buddhistisches Kloster und die bergige Mondlandschaft. Ich nehme den öffentlichen Bus um auch mal was alleine zu unternehmen und spare mir gleichzeitig die Strecke auf dem Motorrad, die wir bereits vor ein paar Tagen gemeinsam gefahren sind.
In Lamayuru finden wir ein Zimmer für 9€ inkl. Abendessen und Frühstück - direkt an der Monastry. Wir haben Glück: das jährliche Kloster Festival findet in den nächsten Tagen statt und wir können uns die Probetänze der Mönche ansehen. Beeindruckend!
Am nächsten Tag fahren wir ins Dorf Wangla, übernachten dort und nehmen an dem zweistündigen buddhistischen Gebet, in einem auf einem Berg gelegenen Kloster, um 5 Uhr morgens teil. Ein Mönch lebt hier oben alleine. Das Koster ist klein. Wir sind zu dritt. Er rezitiert buddhistische Texte, schlägt die Trommel und läutet Glocken, während wir vor dem Buddha des Mitgefühls sitzen und meditieren.
Danach Frühstück und los geht's. Jetzt soll es erst werden... denn ab hier endet die asphaltierte Straße. Bereits nach ein paar Minuten gibt es die erste Überraschung: eine steile, sandige Straße, die von Baggern blockiert ist. Wir fragen uns ob es dahinter genauso weitergehen wird 🤔🫣. Der Baggerfahrer glättet uns die nächsten paar Meter bevor er Platz macht. Danke 😁.
Wir erreichen das erste Dorf Hanupata ( nicht nach 5 min. wie uns ein Straßenarbeiter sagte, sondern nach einer guten Stunde!). Hier gibt es ein, zwei Familien die einen Homestay - also einen Aufenthalt bei sich zuhause - anbieten. Wir finden eine Familie mit Oma, Opa, Papa Mama und zwei Kindern. Die Oma erinnert mit ihren langen Haaren, dem von der Sonne und dem rauen Wetter gezeichnetem Gesicht an eine alte Schamanin. Tatsächlich ist Schamanismus hier verbreitet. Sie sitzt auf der Erde und sortiert das geerntete Blattgemüse gemeinsam mit ihren Mann. Ich setze mich dazu und helfe mit. Wir kommunizieren durch Blicke und ab und zu säuftst sie das buddhistische Mantra "om mane padme hum". Idyllisch. Ich erinnere mich an meine Kindheit und Jugend auf dem Dorf. Wir belieben gleich zwei Tage hier. Der Fluss, die Berge, die heiligen Stätten und die freundlichen und bodenständigen Menschen - es ist zu schön hier.
Dann gehts weiter. Wir überqueren zwei Bergpässe. Von 2 bis 7 Stunden Fahrtzeit haben wir unterschiedliche Meinungen gehört. Wir entscheiden uns früh los zu fahren. Es ist fast 10:30 Uhr bei der Abfahrt. Ich bin leicht nervös. Wir wissen ja nicht was auf uns zu kommt. Einen Rat, den wir uns von einem Mitarbeiter einer Reiseagentur eingeholt hatten, lautete: "fahrt früh los, sodass ihr nicht alleine auf der Strecke seid - falls ihr liegen bleibt."
Wir sind die einzigen. Unterwegs sehen wir ein paar Straßenbauer - sonst niemanden. Auch auf dem ersten Pass sind wir alleine - auf gut 4600m. Nachdem wir diesen gut gemeistert haben, genießen wir die Ruhe hier oben und sind etwas erleichtert. Kuschelig aussehende Murmeltiere erscheinen auf den kargen Bergen links und rechts neben uns, als wir wieder in Richtung Tal fahren.
Dann der zweiten Pass. Die Schneegipfel kommen näher und wir lassen uns Zeit. Wir spielen im Schnee und meditieren auf dem Pass. Jetzt sind auch andere Menschen in sicht. Indische Touristen, Jeeps und Motorräder. Die Straßen bis hier waren erstaunlich gut zu befahren.
Der späte Nachmittag kehrt ein. Wir sind plötzlich die einzigen auf dem Pass und merken, dass wir weiterfahren sollten um rechtzeitig in Lingshead anzukommen. Mit erschrecken stellen wir dann aber fest, dass die Straßenverhältnisse deutlich schlechter werden. Wir müssen durch Schmelzwasser Rinnsale und über lockere und mit Steinen bedeckte Wege. Es dauert ewig!
Es dämmert langsam. Ein Straßenarbeiter sagt uns, dass es bis zu unserem eigentlichen Ziel noch 27 km sind, sobald wir die Abzweigung erreichen. Nach einer weiteren halben Stunde dann die Abzweigung. Ein Schild: rechts 27 bis Lingshead, links 5km Yulchung.
Wir entscheiden uns für das uns unbekannte Dorf. Die 5 km sind äußerst lang. Von oben sieht das Dorf aus als hätte es nur drei Häuser. Wir zweifeln an der Möglichkeit hier übernachten zu können und bekommen ein mulmiges Gefühl als uns ein Mann auf der Straße dies bestätigt. Er meint allerdings wir müssten bis Padum fahren - also noch ca 50km - um eine Unterkunft zu finden 🤔. Wir bedanken uns und fahren ins Dorf, sprechen Leute an und finden eine Familie, die uns aufnimmt.
Einfache ländliche Verhältnisse... gewaschen wird sich draußen, das Klo ist eine ladakhi Komposttoilette und statt Spülung gibt es einen Spaten und Sand. Das Essen ist gut. Die Familie bemüht sich. Am nächsten Tag erkennen wir welchen Schatz wir hier entdeckt haben. Die Landschaft ist unglaublich! Ich habe noch nie so eine Landschaft gesehen. Wir bleiben wieder zwei Tage.
Am zwieten Tag entdecke ich einen kleinen Wasserfall und wir ergreifen die Chance uns endlich mal wieder richtig zu duschen 😁. Die Sonne ist heiß und oben auf den Bergen liegt Schnee - wunderbares Panorama!!! Außerdem lerne ich die Oma kennen und darf ihr zuhause betrachten. Eine dunkle Hütte. Sie zeigt mir zwei alte und etwas mitgenommene Fotos. Eins zeigt sie in jungen Jahren als buddhistische Nonne in Daramshala. Auf dem anderen ist sie in typischer ladakhi Tracht als junge Frau zu sehen. Auch heute trägt sie verschiedene Edelsteine an einer Kette - das ist der hier übliche Halsschmuck. Die 10 jährige Enkeltochter übersetzt so gut sie kann und nimmt mich an die Hand als es Zeit ist zu gehen. Es wartet tibetischer Buttertee oder Yakmilch auf uns.
Die Winter hier müssen unglaublich hart sein, denn die Zimmer sind natürlich nicht mit Heizung und warmen Wasser ausgestattet..einen Supermarkt gibt es natürlich auch nicht. Alles was die Familie braucht wird selber abgebaut oder rechtzeitig irgendwie aus der nächsten Stadt besorgt.
Wir fahren weiter zu unserem ursprünglichen Etappenziel Lingshead. Hier steht die wohl älteste Monastry in ganz Ladakh. Nach einiger Zeit in Stille, werden wir von den Mönchen zum Mittagessen eingeladen und dürfen die hier übliche Kost probieren. Sehr lecker! Dann gehts weiter. Wir verpassen das eigentliche Ziel und landen in Zangla. Hier gibt es ein recht modernes Homestay - sogar mit echtem Klo und Dusche 😁! Wir bleiben auch zwei Tage. Einen ganzen Tag verbringe ich in der Nunnery. Einem kleinen buddhistischen Nonnenkloster. Hier leben ca. 30 Frauen und Mädchen. Die Atmosphäre ist sehr angenehm, locker und heimisch. Wir trinken frischen Minztee. Meine Aufmerksamkeit fällt direkt auf eine alte Frau die unter einem Baum am Rinnsal der Wasserquelle sitzt. Sie klopft auf den Boden neben sich und bittet mich zu ihr. Sie nimmt ihr Mandala zwischen die Finger und bedeutet mir es ihr nach zu machen. Kugel für Kugel rollt sie zwischen Daumen und Zeigefinger während sie das hier bedeutsame Mantra "om mame padme hum" summt. Sie sieht, dass mein Mandala Oshos Abbild trägt und ist erstaunt. Sie sagt etwas zu mir und ich verstehe nur "Dalai Lama" (der ist hier überall hoch präsent und der Guru überhaupt) Ich frage mich ob sie mein Hindu Sannyasin Mandala erkennt. Egal. Wir sitzen nebeneinander und meditieren - jede auf ihre Weise, während um uns herum andere Nonnen das Gemüse im Flusslauf waschen. Dann klopft es auf meinem Oberschenkel: Mittagszeit. Die Kinder kommen nun aus der Schule und alle essen gemeinsam zu Mittag. Die kleinen buddhistischen Mädchen sind genauso gelangweilt von manchen Schulaufgaben wie die Kids in einer gewöhnlichen deutschen Schule 😄. Allerdings ist der Stundenplan viel lockerer... Die Lehrerin ist eine freiwillige Helferin aus Delhi. Auf dem Programm steht Erlebnispädagogik, buddhistische Lehre und Naturwissenschaften. Heute werden Steine mit dem Mantra bemalt. Einige Kids haben keine Lust 😄.
Wir ziehen weiter nach Padum. Hier soll es wieder moderner werden, sagt man. Unterwegs sehen wir spannende Dörfer auf der anderen Seite des Zanskar Flusses und nach einem missglückten Versuch dorthin zu gelangen und vielleicht doch nochmal in das ländliche und unberührte einzutauchen, landen wir in Padum. Tatsächlich erinnert das Dorf an ein Mini Städtchen. Hier gibt es mehreren Unterkünfte, Bäckereien und Restaurants. Wir schlafen in einem netten Hotel für 15 Euro das Zimmer. Am nächsten Tag ziehen wir in eine Homestay einer, wie wir später erfahren, muslimischen Familie. Die Unterkunft kostet 5€ pro Zimmer. Die Menschen sind extrem freundlich und offen. Von hier aus werden wir in den nächsten Tagen ein paar Ausflüge unternehmen bevor Marjerie wirklich nach Hause fliegt und ich ...mmm...und ich vielleicht wirklich eine Solozeit in einem abgelegenen Kloster verbringe. Bis dahin ✌️🫶Leggi altro























Viaggiatore
Im "Straßenverkehr"?😂😅
Josephin Dahlenburg🤪😃