• Am Geburtsort von Lord Buddha

    8. august 2023 ⋅ 🌧 29 °C

    36 Grad und es wird noch heißer....

    Ich bin nicht wählerisch, aber diemal gönne ich mir ein Zimmer mit Klimaanlage. Was ich nicht wusste: es herrscht Nebensaison im sonstigen "Meditationsmekka" Lumbini. Mein ursprünglicher Plan hier 7 Tage Vipassana und Gehmeditation zu üben, geht also nicht auf, weil die Zentren geschlossen sind.

    Was nun? Ich laufe schwitzend durch die Straßen und treffe auf ein Tor "International Buddhist Society". Ich bin neugierig und gehe auf einen Mann zu der gerade auf sein Mofa steigt. Er fragt mich ob ich den Mönch treffen will. Ich sage ja 😄.

    Er führt mich in ein Zimmer wo ein in orangefarbenen Mönchsroben gekleideeter glatzköpfiger Mann mit langgestreckten Beinen auf einem Bett sitzt. Er heißt mich willkommen. Ich habe keine Ahnung wer dieser Mensch ist, aber ich habe Lust es zu erfahren.

    Wir unterhalten uns und ich erfahre, dass er Krebs hat. Darmkrebs. Aus seiner Lebensgeschichte höre ich heraus das er - wer hätte das von einem Mönch gedacht - ein stressiges Leben hat. Anstelle von Familie und Co. Kümmert er sich nämlich um die gesellschaftliche Entwicklung, gründete Gesundheitszentren in abgelegenen Dörfern, eine Akkupunkturklinik für paralysierte Menschen, sponsort Ausbildungsplätze im medizinischen Bereich, besucht buddhistische Konferenzen und pflegt internationale Kontakte. Nebenbei bildet er selber junge Mönche aus.
    Ganz schön viel oder?

    Ich besuche ihn - sein Name ist Ven. Maitri Mahasthavir - an zwei Tagen. Einen ganzen Tag schaue ich mich in seiner Akkupunkturklinik um und spreche mit dem Arzt. Ab und zu wird hier auch Energieheilung abgewendet. Der Mönch meinte er hätte dies oft angewandt - Hand auflegen. Ich bin neugierig und frage nach... er sagt, dass man dabei einfach die Hände auf die betroffene Stelle legt und Energie schickt - positive innere Bilder entstehen lässt, von Gesundheit oder was auch immer. Reiki? Frage ich. Ja sowas, sagt er. Er fragt ob ich das kann. Ich sage vielleicht 😄. Ich denke jede*r Mensch ist dazu in der Lage. Er stimmt mir zu und ergänzt "Menschen die Vipassana üben können das". Es erfordert die Fähigkeiten sich zu zentrieren und zu konzentrieren. Er selbst wird von seinen "deciples" - Jüngern (?) - mit Massagen und alternativer Medizin zusätzlich zur modernen Medizin behandelt. Es dauert lange, sagt er. Die Chemotherapie hat seine Nervenbahnen stark beeinflusst. Es fällt ihm schwer zu laufen.

    Wir unterhalten uns über alles mögliche. Ich sitze auf dem Boden. Wir trinken Tee. Er will mir helfen einen Ort für Meditation zu finden obwohl die Zentren gerade geschlossen sind. Ich telefoniere von seinem Telefon aus mit einem Mönch der Deutsch spricht. Er empfiehlt mir seine online "Dhamma talks" und ein Meditations Selbstretreat. Ich bekomme eine Email mit Links und Empfehlungen - witzigerweise und ohne darüber gesprochen zu haben - auch zu Energieheilung.

    Wir reden über Heilung, Medizin, Mönch sein und Stress. Ich erzähle ihm, dass ich mich für Yoga und alternative Medizin interessiere. Er empfiehlt mir eine Ayurvedaklinik in Indien und einen Yoga Master hier in Lumbini - er kennt beide persönlich.

    Ich freue mich, laufe zurück zum Hotel und mache Halt auf dem Wochenmarkt, wo die einfachen Leute ihr Obst und Gemüse verkaufen. Mit Guaven, Zitronen und Mangos bepackt, verlasse ich den Markt und freue mich über den schönen Nachmittag.

    Am Morgen treffe ich den Yoga Master. Er ist 92 Jahre alt und stammt gebürtig aus Myanmar (Burma). Sein Englisch ist perfekt. Er lebt im Klosterviertel in unmittelbarer Nähe zum Vipassana Zentrum und einer Nunnery (Kloster für weibliche Mönche) in einem Kleinen Haus mit Tea Shop, den seine Frau führt. Von ihm lerne ich die nächsten 4 Tage Pranayama (yogische Atemtechniken in einer bestimmten Sequenz). Wir treffen uns morgens um kurz vor fünf und üben bis 7 Uhr. Er führt diese Übungen seit mehr als 30 jahren in dieser Form durch und ist fit. Als ich frage, wie er zum Yoga kam, antwortete er, dass sein Vater bereits Yoga übte. Mit 15 traf er dann auf einen yogischen Mönch der ihm verschiedene Techniken beibachte. In den 90ern absolvierte er dann ein Training in Haridwar Indien bei Guru Ram Dev (Patanjali) wo er verschiede Übungen als zusammenhängende Sequenzen lernte.

    Govinda ist wirklich ein interessanter Mensch (und ein wirklich guter Lehrer!). Jeden Tag steht er um 2:30 Uhr auf, wäscht sich und beginnt mit der Pranayama Sequenz. Einzelne darin enthaltene Übungen verlängert er auf jeweils eine Stunde (Für Kenner: es handelt sich dabei um Kapalabati und Analom Biom - er meint, diese hätten die größte Wirkung).

    Heute hat er mir erzählt, dass er einst 18 Monate im Dschungel als Einsiedler verbrachte. Er baute sich ein kleines Dach als Schutz vor dem Wetter - aber mehr hatte er nicht. Ich muss dazu sagen, dass es im Sommer extrem heiß sein kann aber im Winter auch ziemlich kalt (5 Grad). Er meditierte Tag und Nacht. Einmal am Tag machte er sich eine Mahlzeit. Die Zutaten dafür brachte ihm seine Frau jeweils einmal im Monat zum Vollmond an den Waldrand. Sie sahen sich die 18 Monate nicht ein einziges mal. Er sagt, er hätte viele Tiger und alle möglichen Tiere gesehen aber wenn man selber keine Angst hat und einfach meditierend dasitzt, dann sind auch diese Tiere friedlich. Sie haben ja auch Angst, sagt er.

    Wir beginnen mit einem Gebet. Er sagt, es sei wichtig sich zuerst mit der "Supreme Power" zu verbinden. Er macht mich darauf aufmerksam, dass der größte Hindu Gott "Shiva" in Meditationshaltung sitzt und seinen Atem beobachtet. Shiva gilt als die Supreme Power. Gleichzeitig ist unser Atem unsere größte Kraft - unsere eigene "Supreme Power". Durch verschiedene Techniken können wir die Produktion und Distribution unserer inneren Medizin im Körper beeinflussen.

    Ich bin zutiefst beeindruckt von dem Wesen dieses Menschen und dankbar für die gemeinsame Zeit. Sein Gesundheitsgeheimnis, die Pranayama Übungen (Atemsequenz) und ein paar andere Körperübungen habe ich von ihm gelernt und werde sie auf jeden Fall anwenden und in meinen eigenen Yoga Stunden weitergeben. Denn er ist der lebende Beweis dafür, dass es funktioniert.

    Ach so. Ansonsten gibt es in Lumbini den Maya Devi Tempel - Maya Devi ist die Mutter von Gautama Buddha gewesen und verstarb sieben Tage nach seiner Geburt. In dem neu gebauten Tempel befinden sich Ruinen und Reste des alten Palastes in dem Baby Bhudda geboren wurde. In der Mitte steht eine Glasvitrine mit einem Stein. Dieser soll angeblich der genaue Geburtsort gewesen sein 🤨😊. Im selben Komplex befinden sich auch neu gebaute Tempel aus aller Welt - es gibt auch einen deutsches buddhistisches Kloster. Allerdings erinnern mich diese Anlagen eher an Design-Museen oder sowas - mir fehlte hier der wahre Spirit der geübten und praktizierten Meditation - der authentischen Tradition. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit - keine Ahnung. Ich verbrachte viel Zeit mit Lesen und Kontemplation über Leben und Tod. Denn die vielen Buddha Abbildungen in unterschiedlichen Posen erinnern daran. Mein Highlight in Lumbini war jedenfalls die Begegnung mit Govinda 😊🙏

    International Buddhist Society
    https://ibs.org.np/

    Video-Empfehlungen zum Thema Ursachen chronischer Krankheiten:
    https://youtu.be/Rik5E7wey0w

    Die Atemübungen habe ich nun für euch aufgenommen: . https://youtu.be/1IbWqL-htxA?feature=shared . Zum Abschluss eignet sich das folgende Mantra für die Ohren: https://spotify.link/3c118OFFVCb
    WICHTIG: Bitte nur auf nüchternen Magen üben - am besten am frühen Morgen (o. mind. 4h nach letzter Nahrungsaufnahme)
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