Sprung ins pralle Leben
October 16, 2025 in Venezuela ⋅ ☀️ 29 °C
El Valle, 7:05 Uhr.
Ich setze Elias an der UniMar ab; Rucksack aus dem Topcase raus, verschwitzte Luft. Die Straße glüht schon, obwohl der Tag kaum begonnen hat. Der Alltag ist bei uns eingekehrt – zumindest ein bisschen. Ich nehme die Autopista zurück in Richtung Nordküste.
7:33 Uhr. Puerto Fermín / El Tirano.
Der Strand liegt noch still, aber die Boote sind wach. In Reih und Glied parken sie am Ufer – rot, blau, gelb, weiß, grün, einige ziemlich verschlissen, andere frisch gestrichen, als wollten sie sich gegenseitig überbieten in maritimer Schönheit. Ein Fischer lacht mir zu – keine Zähne, aber ein Charisma wie Jack Sparrow auf Valium. Die Luft riecht nach Diesel, Salz und dem Fischfang vom Vortag, dessen Reste wohl irgendwo rumgammeln. Ich nehme Platz auf einem Palmenstumpf, schaue den Fischern bei ihrem Tagewerk zu, dem Atlantik beim Blinken. Der Wind trägt Gesprächsfetzen, Möwengeschrei und irgendwo weiter hinten probt ein Hahn seine zweite Karriere als Tenor.
08:11 Uhr. Playa del Agua.
Ich halte kurz an und gehe ein paar Schritte ans Wasser. Der Strand: riesig, fast endlos – vier Kilometer feiner Sand, begleitet von einer parallel verlaufenden Promenade, die sich mittlerweile richtig gemacht hat. Viel hat sich verändert, seit ich das letzte Mal hier war – wobei ich mit „viel“ nicht nur die neue Tourist Information am Anfang des Boulevards meine. Alles wirkt aufgeräumter, sauberer, vorzeigbarer. Und dazu, wie bisher: offene Horizonte, Palmen, die sich im Wind wiegen und ein Meer, das klingt, als hätte es Zeit. Ich mache ein kurzes Video – der Blick schweift, der Moment bleibt.
11:17 Uhr. Playa Parguito.
Und da stehen sie. Zwei Margariteñas – vielleicht zwanzig, vielleicht fünfundzwanzig, wer weiß das hier schon so genau. Bikini knapp, Bewegungsdrang groß. Fürs Foto reißen sie die Arme in die Luft und springen hoch und für einen Moment stehen beide in der Luft wie zwei gebräunte Gottheiten im Kurzurlaub vom Olymp. Haare wie aus der Werbung, Lachen wie aus der Kehle einer Salsa-Queen und ihre Schatten auf dem Sand sehen aus wie Tropfen aus Licht. Diese Art von Schönheit lebt nicht fürs Bild, sondern für den Moment – das ist Karibik-Lebensfreude pur!
Margarita zeigt sich mal wieder von der besten Seite: postkartenschön und lebendig, zwar verschwitzt und immer auch ein bisschen verrückt – aber genau deshalb so faszinierend. Und während ich dies hier noch mit leicht salzigen Fingern auf meinem Notebook schreibe, denke ich: der Alltag kann warten; ich bin beschäftigt – mit Staunen!Read more








