• Khoy

    October 25, 2022 in Iran ☀️ 4 °C

    Mein Tag begann bereits 2 Uhr morgens, als ich Scheinwerferlicht bemerkte. Ich habe mich noch gefragt was los sein könnte und hoffte es seien nicht irgendwelche kriminellen oder sonst was in der Art. Ein Geländewagen stoppte auf der anderen Seite des Grabens. Mein Zelt war voll im Scheinwerferlicht. Ich schaute aus dem Zelt und sehe mehrere Männer mit Maschinenpistolen im Anschlag. Zu meiner Erleichterung trugen sie Armeeuniformen. Es machte mehrmals Klick-Klack und mir war sofort bewusst wie sehr gefährlich diese Situation im Moment für mich ist. Sie waren wohl auch ziemlich nervös und der Ton war rau. Ich musste raus aus dem Zelt und stand mit erhobenen Händen nur mit der Unterhose und einem T-Shirt barfuß neben dem Zelt. Alles war Raureif bedeckt. Es hatte Minusgrade. Das Wasser in meinen Trinkflaschen war jedenfalls gefroren.
    In dieser Situation ist die Kälte überhaupt nicht störend. Zum Glück sprach einer von den vier Soldaten ein bisschen englisch und die Situation wurde nach ein paar Anrufen vorerst geklärt. Ich konnte wieder ins Zelt, und hoffte mich wieder etwas zu erwärmen. Der Geländewagen verschwand in der Nacht.
    Nicht lange später kamen 3 Soldaten mit einem Pickup, dieses Mal sprach keiner englisch. Fragen oder diskutieren hätte eh nichts genutzt. Sie waren auch ziemlich ungeduldig. Ich musste alles zusammenpacken und auf den Pickup laden. Handy, Reisepass und Personalausweis wurden mir abgenommen. Wir fuhren noch ein Stück Richtung Osten. Einer der Soldaten stieg aus dem Wagen und ging mit Rucksack und seiner Kampfausrüstung auf einen der umliegenden Hügel. Vermutlich um irgendeine Messeinrichtung zu kontrollieren. Ich denke, dass ich auch mit einer Wärmebildkamera entdeckt wurde, die irgendwo installiert war. Später kam noch ein Geländewagen. Gendarmerie. Ich musste mein Handy entsperren und sie kontrollierten WhatsApp und Anrufliste. Zum Glück sprach einer ein paar Brocken englisch. Für den Rest half Googletranslate. Sie wollten ziemlich viel wissen: wie lange ich schon dort campierte, was ich dort wollte, meine Reiseroute durch den Iran, alles mögliche. Mir wurde erklärt, dass ich dort nicht sein dürfte. Vermutlich war ich zu nahe an der iranischen Grenze. Sie sind dann mit mir in die Stadt gefahren und haben mich an einem Picknick Park abgesetzt. Inzwischen war es halb fünf. Zum dort bleiben war es viel zu kalt. Ich packte alles zusammen und fuhr zur Grenze. Die Höhenmeter erwärmten mich ein wenig. Unterwegs einen herrlich kalten Sonnenaufgang und sehr viele Armeepatrouillen . Die Grenze hatte noch geschlossen. Eine lange Autoschlange. Zumindest war ich der erste in der Reihe bei den Fußgängern. Bedeutet aber gar nichts, weil sich nach und nach Menschen mit türkischen Pässen auf die dreisteste Art und Weise vordrängelten.
    Ich stellte schließlich mein Fahrrad schräg in den schmalen Gang so das keiner mehr durch kam. Irgendwie war ich auf iranischer Seite wieder der erste und wurde an eine Tür verwiesen. Wieder wollten die Türken vordrängeln aber die iranische Grenzpolizei verhinderte das. Kurzer Smalltalk mit einem iranischen Grenzbeamten. Der wollte wissen, was in meiner großen Gepäcktasche ist und versuchte diese gleich zu öffnen. Die Türken hinter mir waren auch sehr neugierig und halfen ihm gleich mit. Das große Durcheinander in der Tasche ließ anscheinend die Neugierde gleich versiegen.
    Passkontrolle. Einreise in den Iran. Neues Land auf meiner Reise. Es ist mit einem Mal ganz anders. Noch auf dubiose Art und Weise ein bisschen Geld getauscht.
    Mein erstes Essen im Iran war Rührei mit einem Klecks Tomatenketchup und einer rohen Zwiebel.
    Fahrt nach Khoy durch wunderschöne Gebirgslandschaft. In ein Hotel eingecheckt. Die Frau erklärte mir noch, dass es kein WhatsApp, Facebook, Instagram usw gäbe. Blockiert.
    Khoy ist sehr belebt. Ich freue mich da zu sein und bin sehr gespannt auf die nächsten Wochen.
    Read more