Nolf Around The World

Ist die Welt bereit Nori und Ralf kennenzulernen? Wir glauben schon! Kommt mit auf unsere Weltreise!
Living in: Berlin, Deutschland
  • Day383

    Nepal - ACAP die Entscheidung

    October 20, 2019 in Nepal ⋅ ☁️ 3 °C

    Ich drehe mich zu Ralf um und sehe ganz leicht meinen Atem. Es ist kalt und diesig. Ralf schläft mit Hand auf der Stirn. Kein gutes Zeichen.
    Er hat eine Migräneattacke. Mist. Er ist sich ziemlich sicher, dass es nicht die Höhe ist. Wir haben am Tag zuvor zu viel Sonne abbekommen. Ich merke es auch etwas. Mein Husten drückt sich aber mehr in den Vordergrund.
    Wir entscheiden uns einen Tag in Upper Pisang zu pausieren. Ich freue mich darüber. Der Ort ist nicht sehr spektakulär, die Umgebung und die Sicht aber umso mehr. Außerdem ist unsere Unterkunft wirklich sehr gemütlich und die Besitzerin freundlich.
    Sie bringt mir Reispudding und MarsalaTee - typischer nepalesischer Tee mit Milch, Gewürzen und viel Zucker. Ich frage sie, ob wir einen anderen Raum bekommen könnten. Es ist teilweise sehr laut, wenn viele Gäste im Gemeinschaftsraum sind. Wir hören jeden Schritt und jedes Stuhlrücken.
    Kein Problem. Wir können uns eines der Premiumzimmer aussuchen. Premium, weil sie ein eigenes Klo haben. Ich bin begeistert. Alle anderen Wanderer sind bereits los.
    Größeres Zimmer, weiterhin toller Blick, zusätzliches Bett um uns auzusbreiten und eigene Klokabine. Super!
    Es ist kälter heute. Die Sonne versteckt sich hinter den Wolken und auch der Annapurna ll ist nicht wirklich zu sichten. Unwichtig. Wir kuscheln ins Bett mit Schlafsäcken, die wärmen bis -12 Grad, und zwei dicken Wolldecken. Hörbuchzeit. Und so dösen wir. Ralf geht es Stunde um Stunde besser. Ich fühle mich krank. Sage aber nichts. Ist vielleicht nur die Kälte. Mein Hals schmerzt und auch meine Brustmuskeln, die vom ganzen Husten verkrampfen.
    Um die Mittagszeit möchte Ralf zum Kloster, welches auf dem obersten Punkt des Dorfes thront. Etwa 60 Meter Anstieg. Kurz davor kann ich nicht mehr. Meine Lunge streikt. Ich habe das Gefühl keine Luft zu bekommen. Ich fühle mich elend und unwohl. Was ist denn nur los? Ist die Krankheit zurück? Ich fühle mich ausgetrocknet. Unsere Lippen bestätigen die Trockenheit um uns herum.
    Noch 10 Meter und weitere Stufen. Eigentlich schwebe ich, weil ich keinen Rucksack trage. Aber ich fühle mich als würde ich Reisszwecke einatmen und bleibe auf der Treppe bockig stehen. Das kann jetzt echt nicht sein! Was ist denn nur los. Ich kann kaum sprechen durch den Husten. Ralf versucht mich zu beruhigen. Alles nur Kopfsache, meint er. "Achjaaaa..." und ich durchbohre ihn mit einem Laserblick. Ich glaube ich bin ruhig, aber mein Körper arbeitet als würde ich nen Marathon laufen. Ich spüre mein Herz am Hals. Das ist mir zu viel. Mein Körper ist mir fremd. Also steige ich ab. Ich fühle mich so krank, wie seit Tagen nicht. Ralf geht's wieder super. Und plötzlich der erste schwere Gedanke: "Ich will nicht mehr. Nicht so."
    Das es schwer wird wusste ich. Ich bin bereit für weitere 1000 Meter Anstieg und Abstieg. Aber ich wollte das alles nicht mit dem Gefühl, dass mein Körper krank ist. Mit einem Husten der mir die Ruhe raubt. "Ich glaube ich möchte umkehren. Ich will nicht mehr hier sein. Das ist mir alles zu viel." Und dann muss ich weinen. Ich weine, weil ich enttäuscht bin. Und dann wütend. Und dann spüre ich die Erschöpfung. Der Schalter wird umgelegt. Mein Geist hat sich entschieden. Ralf weiß es auch. Er liest mich, wie ein offenes Buch.
    "Ich wollte mit dir bei den Fahnen am Pass ein Foto machen.", sage ich und bin traurig. Wir haben uns ein Versprechen gegeben, dass wir nicht auf Kosten unserer Gesundheit laufen. Also entscheiden wir schweren Herzens umzukehren. 70 Kilometer zurück laufen. Das kommt mir plötzlich unglaublich weit vor. Ich bin total entmutigt. Aber die Entscheidung steht und wir werden später noch feststellen, dass es die richtige für uns war.
    Am Abend lernen wir zwei deutsche Schwestern kennen und am nächsten Morgen ein deutsches Pärchen. Sie wären die perfekte Wanderpartner gewesen. Das macht mich kurz traurig.

    Wir haben aber nochmal einige tolle Gespräche zum Frühstück. Christian ist auch Tischler und seine Freundin ist 6 Jahre durch die Welt gereist bevor sie sich kennengelernt haben. Jetzt ist sie mehr oder weniger gebunden an Deutschland, was nicht so einfach für sie zu sein scheint. Wir überlassen ihnen unseren Reiseführer und in dem Moment steht es absolut fest. Wir kehren um. Ich schlucke die Tränen runter. Wow, warum geht mir das so nah?
    Lachend verabschieden wir uns von Christian und seiner Freundin, die uns ihre Rechnung zeigen auf der groß als vierter Punkt, unter Porridge und Suppe, "Ganja" steht. Klar, das gekaufte Marihuana wird hier einfach auf der Rechnung vermerkt. Christians Steuerberater wird sich freuen. Das perfekte Wanderpärchen, ach Mist.
    Und so gehen wir getrennte Wege. Für uns beginnt ein 70km langer Abstieg. Wir kennen den Weg. Die beiden sind gerade erst gestartet vor 10km und wir drücken ihnen die Daumen, dass sie es schaffen.
    Der Weg nach Chame verläuft recht gut. Wir sind sehr schnell. Mich und meinen Körper reizt die trockene Luft. Trotzdem kehrt unser Lächeln zurück und wir genießen das Laufen in der Natur.
    Ich gönne mir einen riesigen Apfeldonut und wir bleiben fast eine Stunde bei der Apfelfarm. Dabei donnern viele Jeeps an uns vorbei mit Leuten die umkehren. Auch der Hubschrauber ist heute wieder im Höchsteinsatz. Die letzten 2 Kilometer werden etwas anstrengend. Ich bin kaputt und spüre die Müdigkeit in den Muskeln.
    Im "Royal Garden" nehmen wir uns ein Zimmer mit Toilette. Wir werden mit einem Strahlen empfangen. Normalerweise laufen die Wanderer nicht zurück. Sie lassen sich mit dem Jeep nach unten fahren.
    Es ist alles gleich und doch irgendwie neu.
    Und die Nacht wird unruhig...
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  • Day381

    Nepal - ACAP siebte Etappe

    October 18, 2019 in Nepal ⋅ ☁️ 6 °C

    Von Chame (2700) nach Upper Pisang (3300)
    (Hinweis: Auf der Karte kannst du unsere Route betrachten und sehen, wo wir uns aktuell befinden.)

    Die Nacht war unruhig. Wir schlafen erstaunlicherweise sehr gut seit dem wir unterwegs sind. Und im Schnitt 10-11 Stunden. Doch in dieser Nacht waren wir gefühlt ständig im Halbschlaf. Liegt an der Höhe, sagt Ralf. Schon vor 6 Jahren hatte er hier erste Symptome und eine viel schlechtere Nacht.
    Aber ich freue mich auf die nächsten Etappe. Meine Beine wollen laufen. Mein Geist entdecken. Und jetzt befinden wir uns komplett zwischen den 8000ern.
    Nach Reis und Reispudding, bestückt mit 4 Eiern und den Datteln, die wir in Jagat gekauft haben, machen wir uns auf den Weg. 14 km und 500 m Anstieg und diesmal ist der Anstieg fast auf die komplette Strecke verteilt. Nur kurz vor Upper Pisang müssen wir unsere Kräfte nochmal bündeln. Bis dahin vergehen 6h und wir schlagen uns im schnellen Tempo voran.
    Wir und ungefähr 200 weitere Wanderer. Das wir nicht mehr allein sind, merken wir hier erst richtig. Wenn wir den Blick zurück wenden, mutet es wie eine Szene aus 'Walking Dead' an, wo die Zombies sich im Abstand voneinander schleppend voran bewegen. 3 Stunden Straße und sehr staubige Luft. Und ich muss pinkeln. Leider ist das hier nicht sehr einfach, weil wir ständig von Wanderern und Trägern umzingelt sind. Ich verpasse eine gute Möglichkeit und halte durch. Geht nicht anders. In den Höhen wird das nun öfter vorkommen. Der Körper spürt es. Erhöhter Harndrang. Tiefere Atmung. Und ich fange wieder an zu Husten. Die trockne Luft macht mir zu schaffen.
    Ich sehe den ersten Apfelbaum.
    Jippi!
    Eine Toilette. Unsere erste Pause. Und plötzlich sind wir in der Schweiz. Irgendein Reicher hat hier zwischen den Bergen eine riesige Apfelfarm errichtet. Natürlich mit importierten Bäumen aus Italien. Was sonst. Es gibt ein Kaffeehaus im Schweden-Stil und eine Hotel, wo die Nacht 40 Euro kostet. Eine andere Welt. Und die Äpfel schmecken köstlich. Ralf genießt einen Espresso und wir teilen uns einen frisch gepressten Apfelsaft ungesüsst, Natur pur! Außerdem gibt es Eier. Wie jeden Tag und das genieße ich. Und mit uns noch ungefähr 80 weitere Wanderer, Wanderführer und Träger.
    Und es geht weiter. Wieder Straße, nur diesmal reingeschlagen in den Felsen. Mir gefällt das garnicht. Je näher wir kommen desto mehr erkennen wir das der Weg recht schmal ist. Der Weg wurde hier in den Felsen gesprengt. Ralf schaut am Anhang runter. "Dort ist ein Jeep."
    Oh my Buddha. Ich reiße die Augen auf. Ein Jeep liegt im Flussbett. Er muss mindestens 150m gefallen sein. Hat wahrscheinlich die Kurve nicht bekommen. Er ist leer. Kein Mensch zu sehen. Wir glauben nicht, dass das jemand überlebt hat. Es muss aber schon einige Tage her sein. Der Jeep liegt verkeielt zwischen den Steinen und die Fahrertür wird von der starken Strömung
    auf uns zu geschlagen.
    Mir gefällt das garnicht. Aber wir gehen weiter. Und machen auf uns aufmerksam, wenn die Jeeps vorbeirasen. Wir weichen auf der Seite der Wand aus. Niemals am Abhang ausweichen. Regel Nummer 1.
    Dieser Teil ist nicht sehr lang und so wird die Straße bald breiter und verläuft serpentinenartig nach oben.
    Nach einer Stunde kommen wir an einer Brücke an und ich bin nervlich total durch.
    Ich fühle mich krank. Und meine Lunge will sich nicht beruhigen. Auch das tiefe Einatmen macht mich nervös. Mein Körper fühlt sich fremd an. Nach einer kurzen Pause und Diskussion, atme ich einmal durch und huste: "Reiß dich zusammen.", denke ich. Und wir überqueren die Brücke. Nach ihr folgt ein kurzer, sehr steiler Anstieg und wir durchqueren einen Wald. Das fühlt sich schon besser an.
    Wir haben vom Wald aus einen Ausblick auf den Berg gegenüber. Er sieht aus wie eine Schüssel. Dadurch, dass die Außenseite hier so steil abfällt, wächst überhaupt garnichts darauf. Die Buddhisten glauben, wenn man es dort hoch schafft, ist man im Himmel. Deswegen lassen sich viele mit Blick auf die Schüssel im Wald begraben. Es ist der Weg der Seele in den Himmel.
    Ein schöner Gedanke und der Wald hat etwas märchenhaftes, wie Ralf findet.
    Wir machen einige Pausen und Ralf massregelt uns, dass wir zu schnell laufen. Mit unserem Gewicht sollten wir uns mehr Zeit nehmen. Ich verstehe was er meint, kann mein Tempo aber schwer einschätzen. Woran soll ich es festmachen? Ich laufe bergauf gerne etwas zügiger und ansonsten ist es fast noch anstrengender sich zu zwingen langsamer zu laufen. Also machen wir mehr Pausen. Wir haben noch 6 Kilometer vor uns.
    Um etwa 13 Uhr sind wir in dem ersten Dorf "Dikhur Pukhari" seit "Chame" .
    Perfekt. Ich bin total durch und wir machen eine Mittagspause. Meine Muskeln sind nicht das Problem. Meine Beine und Arme sind nicht müde. Nochmal ein Hoch auf das Training in Vietnam.
    Aber ich fühle mich elend. So als wäre ich seit Stunden auf einem schwankenden Schiff. Seekrank auf 3000 Meter. Erklär das mal jemanden. Es gibt Ingwertee und Reis, außerdem ein Snikers, was ich gequält runterwürge. Ich lege mich auf die Bank. "Mach die Augen zu.", sagt Ralf. Geht natürlich nicht. Hallo, ich bin seekrank.
    Nach knapp 90 Minuten Pause geht es mir besser. Der Körper regeneriert und nutzt den Zucker. Auch meine Lunge beruhigt sich. Also machen wir weiter. Und nutzen auf 300 Metern Weg noch zweimal die Möglichkeit einer Toilette. Die Höhe und Erschöpfung ist spürbar... Die Blase wehrt sich und will uns nicht weitergehen lassen.
    Nur noch 2 Kilometer. Komm das schaffen wir!
    Wir laufen jetzt durch eine Art Tal mit spärlich verteilten Nadelbäumen. Fern von der Straße und den Jeeps, quer durch die Natur. Mir geht es besser. Ralf kämpft etwas mit dem Gewicht. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil er seit meiner Krankheit noch mindestens 2 Kilo von mir trägt. Es mache ihm nichts aus. Aber jetzt in diesem Moment habe ich Mitleid. Aber nur kurz. Nach einer weiteren Pinkelpause geht es jetzt stark bergauf, einen Trampelpfad entlang den Berg hinauf. Die äußerste und oberste Kante ist unser Ziel. Dahinter liegt bisher nicht sichtbar angeblich "Upper Pisang" . Und wir beißen die Zähne und kneifen den Po zusammen. Der Anstieg hat es in sich. Ich kämpfe mit der Höhenangst, Ralf mit dem Gewicht. Eine Alte um die 70 läuft wie ein Bulldozer, bepackt bis einen Meter über ihren Kopf mit Stroh an uns vorbei. Ich huste ein "Namaste". Sie raunt ein tiefes zurück. Raucherin, wie ich an der Wolke, die sie hinter sich herzieht wahrnehme. Sie trägt den Strohballen, wie gewohnt mit der Stirn.
    Ich darf nicht stehen bleiben. Die Höhenangst nebelt meine Sinne sonst ein. Also drehe ich mich zu Ralf, gebe ihm ein Zeichen und peitsche den steilen, schmalen Weg entlang. Hochkonzentriert auf meine Füße guckend, damit ich nicht stolper oder den steilen Abhang neben mir sehe. Ralf kennt das und lässt mich ziehen. Und ich komme mit einem Lächeln am Ortseingang an.
    Dicht gefolgt von Ralf finden wir unsere Unterkunft, wo für uns ein Zimmer reserviert wurde. Ralf sieht erschöpft aus also übernehme ich das Ruder. Und winke der Besitzerin zu. Sie sagt auf englisch: "Nein wir sind komplett ausgebucht. Wir haben kein Zimmer mehr." Mein Herz rutscht in die Hose: "Aber der Royal Garden hat gestern für uns angerufen." Sie zuckt mit den Schultern und ruft jemanden auf nepalesisch etwas zu. Ich denke: "Das kann nicht wahr sein. Heute, wo wir so fertig sind. Ich will keinen Schritt mehr gehen.... " Und sie unterbricht meine Gedanken, lächelt und bittet uns ihr zu folgen.
    Sie führt uns zu unserem Zimmer. Wir atmen beide laut aus. Das Zimmer ist perfekt. Wunderschön. Aus Holz. Direkt am Hang mit Blick auf das untere Dorf.
    Die Tür geht zu und ich breche in Tränen aus. Ralf tut es mir gleich. Und wir fallen uns in die Arme mit Blick auf den gefährlichsten Berg der Welt, der Annapurna ll.
    Wir haben absolute, klare Sicht und die Sonne bricht durch unser Fenster. Schnell alle Schlüpfer und Socken zum Trocknen in die Sonne legen und dann runterkommen. Nichts mehr tun. Doch. Heute Dusche ich heiß. Heiß und lange. Und packe mich dick ein. Wir haben jetzt um 16 Uhr um die 3-5 Grad. Das Zimmer wird kurzzeitig etwas wärmer, weil die Sonne lächelt. Wir gehen in den Gemeinschaftsraum, der mich an eine Skihütte in Österreich erinnert und gönnen uns Popcorn und Ingwer-Tee. Hier wird der Kanonenofen schon angefeuert und Ralf und ich genießen das Ankommen und unseren Sieg.
    Abends gibt es, wie gewohnt "Dhal Bat", natürlich... bei 'all you can eat' kann man nichts falsch machen.
    Und wir treffen die Gruppen aus Chame wieder. Ein Teil ist auch bei uns untergebracht. Es wird laut und lustig. Bis wir merken, dass unser Raum direkt unter dem Gemeinschaftsraum liegt. Also bis 22 Uhr durchhalten. Dann ist auch der letzte müde und fällt ins Bett. Wir sinken in den Schlaf. Diesmal noch unruhiger als die Nacht zuvor.
    Und am nächsten Tag wartet eine schwere Entscheidung auf uns....
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  • Day380

    Nepal - ACAP sechste Etappe

    October 17, 2019 in Nepal ⋅ ☀️ 7 °C

    Von DANAQU (2200 Höhenmeter) nach Chame (2700 Höhenmeter)

    Der Tag startet mit kühlen 10 Grad und unserem Frühstück. Ich kämpfe mich aus dem warmen Bett, flitze ins Freie um zum Waschbecken zu gelangen. Typische Wohnzimmer, Bäder und Küchen, so wie wir sie heute kennen gibt es hier nicht.
    Neben der geschlossenen Hock-Klo-Kabine liegt meist ein Stein-Waschbecken, welches Wasser aus dem See gibt. Alles spielt sich im Freien ab. Die Küche ist oft nur abends warm, wenn für alle gekocht wird. Und auch der Ofen im Gemeinschaftsraum wird nur am Abend angefeuert, wenn genug Gäste da sind. So essen wir trockenen Reis und den Reispudding mit Ingwertee im Freien. Es ist ein offenes Gefühl. Als wäre man immer und überall mit der Natur verbunden. Doch es ist auch kalt. Und daran muss ich mich erstmal gewöhnen.
    Ralf hat für sich herausgefunden, dass er die meiste Energie am Morgen über Reis bekommt. Alles andere (außer Eier) birgt die Gefahr mit Gluten zu sein. Also gibt es trockenen Reis und er ist glücklich darüber. Außerdem lassen wir uns seit Jagat immer 4 Eier kochen. Sie sind unser Snack für unterwegs.
    Während wir frühstücken laufen schon die ersten Wanderer an uns vorbei. Manchmal irritiert mich das etwas. Sind wir zu spät dran? Und dann mache ich mir klar, dass wir unser Tempo selbst bestimmen. Wer weiß, vielleicht wollen diese Wanderer heute 20 Kilometer laufen.
    Für uns geht es gegen 8 Uhr Richtung Chame. 14 Kilometer und 500 Meter Anstieg auf kurzer Strecke am Anfang und Ende warten auf uns. Ich habe mich mental auf Höhe vorbereitet.
    Der Ort verabschiedet uns wieder mit Gebetsmühlen und fordert uns direkt heraus.
    Die Straße ist hier auch von einem Wasserfall (Siehe Bild) überspült und noch reißender als am Tag zuvor. Also heißt es wieder Steinchen hüpfen. Ich bin gestresst, weil sich große Gruppen von Wanderer hinter uns sammeln und anfangen mich zu überholen. Mitten auf dem Wasserfall. Mitten auf den rutschigen Steinen. Ich verstehe, dass ich langsamer bin, aber immerhin trage ich auch 8 Kilo und sie nur einen kleinen Tagesrucksack, weil sie einen Träger engagiert haben. Was ich im übrigen vollkommen okay finde. Vor allem, weil wir viele ältere Wanderer treffen, die eben durch die Hilfe der Träger, den Annapurna auch erkunden können. In dem Moment bin ich aber genervt und gestresst. Wenn ich hier ausrutsche wird das aufjedenfall wehtun und zudem haben wir keine warmen Wechselsachen. Und meine guten Socken, die bisher keine Blasen verursacht haben werden nass. Bei der Kälte.... Ich sag ja, ich bin gestresst. Und anstatt mich zu konzentrieren, denke ich an all den Wust. Dann sehe ich Ralf vor mir: "Stell den Kopf aus und fokussiere dich." scheiße er hat mich erwischt. Wahrscheinlich hat mich mein verkrampftes Gesicht verraten. Und mein fluchen.
    Am Ende überholt mich noch ein Sechsig-Jähriger mit einem weitem Sprung, aber ich komme auf der anderen Seite an. Das war wirklich nicht leicht. Und in diesem Moment weiß ich noch nicht, dass sich diese Herausforderung nochmal wiederholen wird.
    Direkt nach dem Wasserfall startet der Anstieg ins Grüne. 300 Meter direkt nach oben. Und so beginnen wir den Anstieg und ich liebe es. Meine Königsdiziplin. Wenn die Höhe nicht wäre, wäre ich nicht zu Bremsen. Aber bergauf laufen kann ich. Und so überhole ich einige Wanderer und erklimme den Weg in meinem Takt. Ralf ist immer etwas hinter mir. Er mag den Aufstieg langsamer angehen und so hat jeder seinen eigenen Rhythmus.
    Es schieben sich mit uns ungefähr 5 weitere Reisegruppen den schmalen Anstieg entlang. Wir überholen uns immer wieder, wenn jemand eine kurze Pause machen muss. So entsteht eine sehr dynamische Kette von ungefähr 50 Menschen. Und nach und nach werden die lächelnde Gesichter von hochroten Köpfen abgelöst. Und anstatt eines Kommentars bringt jeder nur noch ein Schnaufen hervor. Dieser Anstieg hat es wirklich in sich. Jeder spürt den Kampf seines Körpers. Und ich freue mich über die anderer um mich herum. Von ungefähr 25 Jahre bis ungefähr 65 Jahre ist alles dabei. Und jeder kämpft den Kampf mit sich. Wir durchqueren ein kleines Dorf namens Timang und nach einer kurzen Pause geht der Anstieg weiter. 2 Stunden kämpfen wir uns hinauf und am Ende applaudieren alle für jeden der am Rand des Aufstiegs auftaucht. Was für ein Gefühl.
    Wir haben uns behauptet und einen Weg der für 3 Stunden eingestuft wurde mit unseren Rucksäcken in 2 geschafft. Ich kann erst garnicht stolz darauf sein, bis Ralf mir alles nochmal vorrechnet und mich umarmt und abklatscht. Das wird ein Ritual für uns. Und jedesmal, wenn wir unsere Hände abklatschen verstehe ich, dass wir etwas gemeistert haben. Ich würde sonst vergessen auf mich stolz zu sein. Geht doch, dass was wir meistern und jeden Tag schaffen schnell in der Routine und im Rhythmus aller unter.
    Dann machen wir eine kurze Pause und setzen unsere Rucksäcke ab. Ralf kauft in einem kleinen Holzverschlag Äpfel und ich nehme zum ersten Mal unsere neue Umgebung war. Und ich sehe ihn! Den ersten 8000er mit Schneekuppel, "Manaslu". Um uns herum sind nur noch Nadelbäume und die Vegetation hat sich komplett geändert. Bananen wurden von Äpfel abgelöst. Und die Luft ist kalt, windig und trockener. Noch spüre ich die Höhe nicht und meine Lunge hat den Aufstieg sehr gut gemeistert.
    Wir laufen ins nächste Dorf und entscheiden uns für eine längere Mittagspause. Die Reisegruppen um uns entzerren sich mehr und mehr. Aber ihnen hat der Anstieg teilweise mehr zugesetzt. Wir vermuten, dass es daran liegt, dass die meisten sich nach Tal oder Darapanie mit dem Jeep fahren lassen. Sie sind also erst wenige Kilometer unterwegs. Wir haben an dieser Stelle schon knapp 60 Kilometer hinter uns.
    In Tanchok gibt es für uns Gemüsereis und eine große Kanne Ingwertee.
    Ab jetzt laufen wir nur noch Straße. 4km Straße und immer wieder donnern die Jeeps an uns vorbei. Nach Chame, unser heutiges Ziel, lassen sich ebenfalls viele fahren. Der Weg vom Start bis nach Chame ist 65 Kilometer am Abhang entlang und dauert bis zu 8 Stunden. Man sieht es den Gesichtern in den Jeeps an. Diese Tour ist keine Kaffeefahrt und zehrt sehr an den Nerven. Wir werden nur bestätigt: niemals Jeep fahren.
    Einige Wanderer, die wir in den Orten treffen, haben noch eine sehr aufgedrehte Energie. Man erkennt, wer noch nicht lange unterwegs ist. Wir spüren, dass die Tage in der Natur und die Anstrengungen mehr und mehr Spuren in uns hinterlassen. Und manchmal sind wir verwundert, wie positiv manche Wanderer über den Pass sprechen. Ich lasse mich davon einschüchtern und denke, dass sie mehr Erfahrung haben und wahrscheinlich wissen, wie hart der Anstieg wird. Wir werden viel später auf dieser Reise noch eines besseren belehrt und es zeigt sich, dass vieles Naivität und Hochmut war.
    Chame begrüßt uns in Grautönen. Es ist die Gebietshauptstadt. In Deutschland wäre es ein etwas größeres Dorf. Es gibt eine Bank, ein Krankenhaus, eine Polizei. Und ich tue mich schwer eine passende Unterkunft zu finden. Unsere Intuition und ein Tipp bringen uns bis zum Ende der "Stadt" und wir landen im "Royal Garden" und bezahlen für die Unterkunft 1,5 Euro (kein Tippfehler). Die Unterkunft ist etwas nobler. Und dadurch lässt der Besitzer nicht mit sich reden, ob wir die Übernachtung kostenlos bekommen. Natürlich kein Problem. Der Preis ist vollkommen okay. Das Verhandeln gehört hier einfach dazu. Und mir gefällt unser kleines Häuschen.
    Die Duschen sind wie immer einfach und hier auch direkt über dem Hockklo installiert. Wie praktisch.
    Ich freue mich auf eine heiße Dusche, werde aber enttäuscht und muss zum ersten Mal mit 12 Grad kaltem Wasser duschen. Woher ich das weiß? Die Dusche hat eine Temperaturanzeige und verhöhnt mich demonstrativ. Am Ende ist es meine Unwissenheit, die mich verhöhnt. Denn die Dusche hat nur Startschwierigkeiten und wenn ich Ralf daran rumbasteln lassen hätte, hätte ich heißes Wasser gehabt.
    Nagut. Dann eben wieder was gelernt.
    Mit kalten Füßen sitzen wir diesmal im gefüllten Gemeinschaftsraum. Hier knistert das Feuer und die Dhal Bats werden aufgetischt.
    Wir treffen alle wieder, die mit uns den Aufstieg gemeistert haben. Und wir erfahren, dass sich in Chame derzeit 400 Wanderer befinden.
    Was für ein Schock.
    Bei unserem nächsten Ziel gab es vor 6 Jahren als Ralf den Trek lief, noch nicht so viele Unterkünfte. Und generell haben alle an jetzt die gleichen Ziele. Durch die Höhe müssen wir nun die Etappen verkürzen.
    Ralf spricht mit dem Besitzer, der für uns in einer Unterkunft bei unserem nächsten Ziel reserviert. Das nächste Bett ist also gesichert und so fallen wir in Chame bei etwa 5 Grad in einen unruhigen Schlaf...
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  • Day379

    Nepal - ACAP fünfte Etappe

    October 16, 2019 in Nepal ⋅ ☀️ 8 °C

    TAL nach DANAQU (von 1700 auf 2200 Höhenmeter)

    Der Morgen startet direkt am Rand des Tals. Es läuft am Ende wieder spitz zusammen, sodass wir wie gewohnt parallel zum Fluss laufen.
    Was ich bisher nicht erwähnt habe: der komplette Annapurna Trek läuft am Fluss ' Marasyangdi' entlang. Er trennt die massiven Berge voneinander, sodass auf der einen Seite immer die Jeeps ihren Weg erkämpfen und wir auf der anderen Seite unseren Weg an den Klippen finden.
    Oft müssen wir Brücken überqueren und laufen auf der Jeep-Straße. Das macht den Weg etwas mühselig, da durch die Jeeps extrem viel Staub aufgewühlt wird und uns nichts anderes übrig bleibt total vermummt, mit Schal vor dem Mund, unsere Route zu finden.
    Der Weg nach Danaque startet bereits mit einer Herausforderung. Wir müssen einen etwas steileren, schmalen Weg nach unten abfallend antreten. Da auf dem Massiv hier das Wasser von einem Wasserfall rausbricht, ist der komplette Weg nass und mosig. Eine sehr komplizierte Kombination. Moos, Wasser, unebener Weg und Abstieg. Ich trage etwa 8 Kilo und Ralf etwa 15 Kilo. Damit auszurutschen ist keine gute Idee. Also müssen wir uns stark konzentrieren. Ich befolge die wichtigsten Regeln, die Ralf von seinem Vater gelernt hat:
    1. Mit der Spitze auftreten und wenn ich rutsche mit der vollen Fussfläche abbremsen
    2. Die Wanderstöcker dienen als zusätzliche 'Beine'. Von vier Beinen darf immer nur eines in der Luft sein! Die anderen stabilisieren den Abstieg.
    3. Niemals auf Moos oder nasse Blatthaufen treten.
    4. Die Steine mit einem Stock kontrollieren, ob sie lose sind.
    Sobald man das verinnerlicht hat, nimmt man ziemlich schnell an Geschwindigkeit zu. Teilweise springen wir die Wege entlang. Ich liebe es, wenn es technisch anspruchsvoller wird, solange die Höhe nicht noch dazu kommt.
    Mein Adrenalin steigt als wir den Abstieg machen. Für Ralf kein Problem, bei mir spielt die Höhe wieder etwas mit rein. Wir kommen aber gut an der Brücke an und wechseln die Seite zu den Jeeps. Ich gewöhne mich immer mehr an die Brücken. Kontrolliere aber jedes Mal, ob Esel in der Nähe sind. Um die Brücke zu überqueren habe ich einen Trick. Ich singe im Takt, wie die Brücke schwingt: "We will, we will rock you."
    Keine Ahnung warum dieser Song, aber es war der erste der mir in den Sinn kam und so werde ich zu Freddie Mercury und trete jedesmal mit geschwellter Brust und ausgebreiteten Armen auf die Brücke. Wie eine Königin, aber froh, dass mich durch den Wind niemand hört: "We will, we will rock you. Schritt. Schritt. We will, we will rock you. Schritt. Schritt."
    Auf der Seite der Jeeps wartet eine weitere Herausforderung: Etwa 50 Meter der Straße werden überspült von einem Wasserfall. Für die Autos kein Problem, da das Wasser nur etwa 10 Zentimeter hoch ist. Für uns schwierig, weil das Wasser von oben in die Schuhe läuft, auch wenn die Schuhe wasserdicht sind. Einzige Möglichkeit: genau am Rand der Straße mit Blick auf den Fluss und Aussicht auf den stark abfallend Abhang von Stein zu Stein hüpfen. Na klar.
    Ich fluche. Wer denkt sich 'son Scheiß' aus.
    Einmal tief durchgeatmet und mit Laserblick auf die Steinchen gerichtet überquere ich den Wasserfall. Die Frustration ist besonders groß, wenn Ralf mit einem Schritt zum nächsten Stein findet und ich durch meine kürzeren Beine einen zwischen Schritt machen muss. Wer denkt sich son scheiß aus...
    Danach fressen wir Staub und erreichen nach 6km Daraphani. Ich erinnere dich: hierher wollte die junge Inderin von vor zwei Tagen laufen. Jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass sie es nicht geschafft hat. Ihr Schildkröten-Stil war nicht der effektivste.
    In Daraphani zeigen wir beim Checkpoint unsere Wandererlaubnis und machen in einem schönen Homestay&Restaurant eine lange Mittagspause. Es gibt Ingwertee, den ich immer noch literweise trinke und unseren ersten Reis-Pudding. Und er schmeckt großartig. Ähnlich wie Grießbrei mit einer Zimt-Vanille-Note, nur eben aus Reis.
    Von weiten beobachte ich unsere nächste Brücke, die gerade von zehn Esel überquert wird. "Nicht mit mir...", denke ich.
    Wir treten unsere letzten 4 Kilometer an.
    Der Weg verläuft durch ein kleines süßes Dorf. Hier drehe ich das erste Mal an Gebetsmühlen und verliebe mich in das Ritual. Jetzt lösen sich die Hindus durch die Buddhisten ab. Welche immer am Ortseingang und -Ausgang Gebetsmühlen errichtet haben und uns mit heiligen Worten begrüßen und verabschieden. Außerdem ist das Land nun übersät von fluffigen Farn, der sich weich im Wind bewegt. Wir verabschieden die letzte Palme und kaufen die letzten beiden Bananen von einem sehr armen Paar, die direkt an der staubigen Straße in einer Wellblechhütte leben. Sie leben davon Bananen und Äpfel zu verkaufen. Ihr derzeitiger Besitz: 8 Bananen und 6 Äpfel. Sie betteln nicht und sind nicht aufdringlich. Wir reden kurz mit dem Mann, während seine Frau in einer Schüssel ihre Wäsche mit kaltem Flusswasser reinigt. Die Bananen sind köstlich und wir bedanken uns bei den beiden für den schönen Moment und ihre Freundlichkeit.
    Kurz bevor wir Danaque erreichen durchqueren wir noch ein Dorf. Ralf erklärt mir, dass wir hier nicht schlafen sollten, da dieses Dorf in den letzten Jahren oft von Erdrutsche zerstört wurde. Das erklärt warum das Dorf sehr ärmlich wirkt und fast keine Unterkünfte zu finden sind.
    In Danaque landen wir durch eine Empfehlung im Tibitan Guesthouse. Wir bleiben die einzigen Gäste, haben ein tolles Zimmer mit weichen Betten und dürfen am Abend in der Küche essen. Ralf spielt in den letzten Sonnenstrahlen mit dem Sohn der Familie Fussball.
    Jetzt wird es langsam sehr kalt sobald die Sonne untergegangen ist. Bei 8 Grad schlottern Ralf und ich, und wir sind sehr froh, dass wir uns in der Küche am Ofen aufwärmen dürfen. Ich vermute, dass die Hausherrin aus Tibet kommt. Sie hat eine andere Ausstrahlung und ich fühle mich sehr wohl in ihrer Nähe, irgendwie beschützt. Eine ruhige Aura umgibt sie. Und wie sich herausstellt, kann sie unglaublich gut kochen.
    Für einen kurzen Moment sind wir Teil ihrer Familie und ich eine Attraktion durch meine blonden Haare. Keiner versucht zu starren, aber dann können sie nicht anders, während wir unser 'Dhal Bat' verschlingen. Köstlich.
    Und so fallen wir, wie fast jeden Tag um 19 Uhr ins Bett, schlafen um 20 Uhr ein und wachen um 6.30 Uhr am nächsten Morgen in unseren Schlafsäcken und Decken bei aufgehender Sonne auf.
    Heute geht es nach Chame. Es warten 14km auf uns...
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  • Day378

    Nepal - ACAP vierte Etappe

    October 15, 2019 in Nepal ⋅ ☀️ 10 °C

    VON JAGAT NACH TAL (1700 Höhenmeter) :
    Wir sind gut gestärkt und brechen nach Tal auf.
    Mich beschleicht ein leises Gefühl, dass mich die Höhenangst heute nochmal fordern wird.
    Ich versuche den Gedanken zu verdrängen und mache es wie Ralf. "Kopf aus und laufen."
    Mein Husten ist noch sehr stark, also versuchen wir regelmäßig Pausen zu machen. Ich unterschätze mich hier oft und merke zu spät, dass ich eine Pause brauche. Außerdem fangen wir an mehr zu trinken. Mit jedem Meter den wir aufsteigen, braucht unser Körper mehr Wasser um den Sauerstoff zu transportieren. Noch sind wir nicht hoch, aber die Wärme führt dazu, dass wir extrem viel schwitzen. Also heißt es trinken, trinken, trinken.
    Wir laufen viel durch den Dschungel an der Klippe entlang. In der Mitte verläuft der Fluss und wir sehen wie auf der anderen Seite die Jeeps aufheulen. Für uns ist klar: hier fahren wir niemals mit dem Jeep.
    Meine Höhenangst trickse ich etwas aus in dem ich meinen Blick nur auf meine Füße oder Richtung Klippenwand drehe. Da wir uns auch sehr stark fühlen, schaffen wir die 10 Kilometer ohne Probleme. Ein Highlight ist ein kleines Restaurant direkt am Hang.
    Von dort haben wir nochmal einen starken Anstieg. Bis wir in das nächste Tal und den gleichnamigen Ort laufen. Jetzt erkenne ich was Ralf meinte: "die Vegetation wird sich in den nächsten Tagen ändern." So langsam werden Palmen von Farn abgelöst und in wenigen Tagen werden wir uns nur noch zwischen Tannenwäldern bewegen.
    In Tal haben wir unseren ersten kälteren Abend und unsere Daunenjacken kommen zum Einsatz.
    Der Ort wirkt recht ruhig. Man erzählt uns, dass einen Abend zuvor die Unterkünfte fast ausgebucht waren. Wir laufen also hinter den Massen. Noch...
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  • Day377

    Nepal - Annapurna Circuit dritte Etappe

    October 14, 2019 in Nepal ⋅ ☀️ 15 °C

    Durch die Zeit beim Lehrer und seiner Familie konnten wir 7 Tage in das Leben der Nepalesen, die in den Bergen leben, eintauchen.
    Die Zeit richtet sich hier nach der Sonne. Sobald sie aufgeht, sind auch die Nepalesen wach und sobald sie untergeht, taucht sich das Dorf in Nachtruhe.
    Die Männer und Frauen verrichten ähnliche Arbeiten. Sie bestellen das Feld und tragen riesige Körbe voll mit Holz zu ihren Häusern. Getragen wird hier immer mit einem Korb auf dem Rücken, welcher mit einer Art Spanngurt über die Stirn gebunden wird. Die Last wird mit Kopf, Hals, Schultern und Rücken getragen.
    Es gibt auch Lastenträger, sogenannte Porter, für die Wanderer. Jeder der seinen Rucksack nicht selbst tragen will, kann sich einen Porter für die Strecke buchen. Er läuft sein eigenes Tempo und trägt meist drei Rucksäcke, die er zusammengebunden, im traditionellen Stil über seiner Stirn hält. Der absolute Wahnsinn! Denn jeder Porter trägt im Schnitt 30 Kilo und mehr.
    Der Job des Porters ist sehr angesehen. Trotzdem haben wir Mitleid, wenn wir ärmere Träger sehen, die mit Badelatschen bei knapp über Null Grad laufen.
    Darauf sollte wirklich geachtet werden! Anstelle diesen Porter nur zu engagieren, sollten die Touris dem Porter richtige Schuhe kaufen. Wanderschuhe sind nicht teuer in Nepal und Träger sollten mit Respekt behandelt werden.

    In den Bergen geht es den Nepalesen viel besser. Sie leben einfach, aber verdienen gutes Geld an den Wanderern. Für die sieben Tage müssen wir nichts für die Unterkunft zahlen. Die Nepalesen verdienen am Essen und meist wird auch nur das berechnet. Voraussetzung ist man isst nur in der Unterkunft, wo man auch übernachtet.

    Wir entscheiden uns für eine kurze Etappe nach meiner siebentägigen Krankheit. So laufen wir nur 3 Kilometer, die es aber insich haben.
    Direkt am Anfang müssen wir nochmal über die Hängebrücke, die wir schon einen Tag vorher überquert haben.
    Als wir mitten auf der Brücke stehen, sehe ich einen Esel am anderen Ende. Und noch einen. Und noch einen. "Der wird seine Esel doch nicht jetzt hier rüber treiben, wenn wir mitten drauf stehen!?" sage ich zu Ralf und genau in diesem Moment setzen sich die Esel in Bewegung. In meine Richtung. Und die Brücke beginnt zu vibrieren und zu schwingen. Ich frage mich noch wie wir aneinander vorbei kommen sollen, als mich ein Esel in die Seite drückt. Ich kann nicht anders als aufzuschreien. Es ist viel zu hoch für mich und ich hänge mit 6 Eseln in den Seilen. Der Bauer macht sich einen Scherz daraus. Hilft mir aber indem er meinen Körper so ausrichtet, dass ich an den Eseln vorbei komme. Für mich mit Höhenangst total der Horror und ich schwöre mir, dass ich nie wieder eine nepalesische Brücke betrete, wenn Esel in der Nähe sind.
    Danach beginnt ein Anstieg. Meine Lunge kämpft mit der Anstrengung und als wir an einer sehr steilen Treppe ankommen, kann ich nicht mehr. Meine Höhenangst meldet sich und mein Körper fühlt sich schwach an. So sitze ich am Ende der Treppe und fange an zu heulen als ein Wandererpärchen an uns vorbeigleitet und ohne Probleme die Treppe überwindet.
    Nach 20 Minuten sehe ich nur noch rot und peitsche schreiend die steile Treppe hoch. Theatralisch kann mir wohl niemand in diesem Moment etwas vormachen und auch mein Wanderstock muss herhalten als ich all meine Wut rausbrülle. Danach geht es mir besser und ich stehe am oberen Ende der Treppe. Geschafft und emotional ausgelaugt laufen wir weiter. Wir unterhalten uns mit einer Inderin, die schon kurz vorher unseren Weg gekreuzt hat und sich mit ihrem riesigen Rucksack, wie eine Schildkröte den Weg hochschleift. Wir machen zusammen eine Wasserpause in der sie uns erzählt, dass ihr Freund schon vorgelaufen wäre. Er ist Vlogger (Video-Blogger) und läuft den Circuit um einen Beitrag zu verfassen "Wie man als Inder ohne Geld den Annapurna Circuit läuft." ob er darin auch berichtet, dass seine Freundin, alle Sachen hinter ihm hergetragen hat? Ihr macht das nichts aus. Sie wirkt frei und glücklich. Ohne Karte und Ahnung, wo sie sich befindet, sendet sie eine SMS mit meinem Handy an ihren Freund. Sie treffen sich in Daraphani. Und Ralf zieht die Augenbrauen hoch. In Daraphani werden wir erst in 3 Tagen sein. Sie will heute noch 20km laufen. Eigentlich unmöglich. Aber sie scheint sehr motiviert. Wir drücken ihr die Daumen und verabschieden uns. Und die Schildkröte geht ihren Weg.
    Wir erreichen Jagat nach 2,5h und ich bin froh, dass unsere Etappe eine kürzere war. Außerdem landen wir in einer sehr netten Unterkunft. Der Besitzer "zwingt" mich eine Suppe zu essen um meinen Husten zu lindern. Außerdem lernen wir Landa und Lukas kennen. Landa hatte die gleichen Symptome wie ich. Sie ist aber schon in
    Kathmandu krank geworden und musste ihre Hochphase der Krankheit in der Stadt auskurieren. Leider laufen die beiden einen anderen Trek der sich in der nächsten Etappe von dem Circuit abzweigt und so müssen wir uns schon am Abend verabschieden.
    Wir schlafen in einem gemütlichen Doppelbett und mit Landas Husten im Ohr ein.
    Die Nacht wird gut und so können wir gestärkt und mit einem Lächeln in die nächste Etappe starten.
    Jetzt warten 10km auf uns...
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  • Day370

    Nepal - Der Annapurna Circuit beginnt.

    October 7, 2019 in Nepal ⋅ ⛅ 26 °C

    Die Fahrt mit dem privaten Fahrer ist entspannt, auch wenn du Straßen in Deutschland gesperrt wären. Unser Glück: der Fahrer liebt sein Auto und donnert nicht, wie ein Wilder am Abhang entlang.
    Und so erreichen wir Beshisahar 5 Stunden nach Abfahrt aus Kathmandu. Um uns herum breitet sich eine Berglandschaft aus und wir bekommen das erste Mal ein Gefühl dafür, was uns erwarten wird.

    Start Beshisahar 820 Höhenmeter:
    Wir wandern am ersten Tag 13km. Ich bin erstaunt, wie leicht uns der Start gelingt. Das Training in Vietnam hat vielleicht etwas gebracht.
    Auch wenn ich nach 4,5h froh bin endlich in
    Ngadi anzukommen. Die Unterkunft ist süß und liegt direkt am reißenden Fluss. Ich bin begeistert von der Gastfreundschaft und dem guten Essen. Natürlich gibt es 'Dal Bhat'. Es ist DAS Essen bei den Wanderern. Ralf sagt "Dal Bhat Power" am Abend gibt dir die nötige Energie zurück. Ich liebe das Gericht. Eine Zusammenstellung aus Reis, Linsensuppe, Kartoffel-Curry, Spinat und eingelegte Chilis. Und das beste: man kann so oft nachholen, wie man essen kann. Perfekt für den ausgelaugten Wanderkörper.
    Die Nacht wird der Horror. Ich schlafe kaum. Alle neuen Sachen sind so stark imprägniert, dass ich kaum Luft bekomme im Schlafsack. Ob es am Ende die Imprägnierung ist oder etwas was ich auf Kathmandu mitgebracht habe werden wir nie erfahren.

    2. Tag: Nagdi nach Ghermu 1130 Höhenmeter
    Der Weg nach Ghermu geht über Straßen und am Fluss entlang. Teilweise ist er beschwerlich wegen den Jeeps, die an uns vorbei donnern. Teilweise ist es beschwerlich weil wir in kurzer Zeit 500 Höhenmeter überwinden. Aber ich spüre noch etwas anderes. Ich fühle mich unwohl und kränklig und so langsam drückt sich eine Erkältung durch, die sich in Kathmandu schon angekündigt hat.
    Wir werden dann noch erfahren, dass es auch anderen ähnlich ergeht, wie mir und es sehr schwer ist nicht eine Krankheit aus Kathmandu mitzunehmen.
    Als wir um 16 Uhr in Germu ankommen bin ich am Ende meiner Kräfte und kann mich kaum noch ausziehen. Die warme Dusche rettet mich. Obwohl ich kaum die Brause halten kann. Unsere Unterkunft ist einfach und die Familie sehr nett.
    Sie werden sich noch wundern, denn wir werden 7 Tage hier bleiben. Und unser Zimmer wird zum Krankenzimmer umfunktioniert.
    Am Abend nach dem Essen sacke ich zusammen.
    Nasennebenhöhlen und alles was dazu gehört verklebt langsam. Am nächsten Morgen wache ich mit Fieber und Gliederschmerzen auf. Ich kann mich ehrlich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so krank war. Wahrscheinlich als Kind.
    Ich schaffe es nur mit Hilfe von Ralf aus dem Bett.
    Wir haben zum Glück alle nötigen Medikamente dabei. Also verschlinge ich Halstabletten und Ibu um das Fieber zu senken. Außerdem wird mir literweise Ingwertee gebraut. Es ist der schönste Ort den ich mir vorstellen kann um gesund zu werden.
    Die Unterkunft liegt mitten im Reisfeld mit Blick auf einen riesigen Wasserfall. Wunderschön.
    Und nach 4 Tagen habe ich genug. Genug vom krank sein. Genug vom Wasserfall. Genug von Nepal. Wieso bin ich eigentlich auf die dumme Idee gekommen hierher zu gehen?
    Ralf muntert mich auf, aber trotzdem vermisst er Vietnam auch. Oder Wärme. Oder eine einsame Insel. Wieso sind wir nicht auf die Malediven oder so? Tag 5 und Tag 6 verlaufen nun draußen. Wir beobachten die Natur und hören Hörbücher. Die Zeit verfliegt und ich werde von Tag zu Tag gesünder. Ralf überredet mich einen weiteren Tag zu warten, damit mein Husten noch mehr abklingt.
    Wir beobachten die Älteste der Familie beim Ernten des Reisfeldes. Die Frau ist über 80 und robbt den ganzen Tag auf allen Vieren und schneidet mit den Händen sowie einem Messer den Reis runter.
    Außerdem laufen wir zum nächsten Dorf und ich überquere die erste hohe Hängebrücke.
    Der Ort ist traumhaft und wir sind uns zum ersten Mal nicht mehr sicher, ob wir den Annapurna noch laufen werden. "Eine Etappe." sage ich. Eine Etappe und wir entscheiden dann.
    Also machen wir uns am achten Tag im Annapurna Gebiet auf den Weg nach Jagat...
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  • Day366

    Kathmandu - perfektes Timing und Smog

    October 3, 2019 in Nepal ⋅ ⛅ 25 °C

    Kathmandu ist auf der einen Seite eine schwarze Wolke, die alles und jeden verschlingt. Und auf der anderer Seite eine bunte Welt voller Religion, Kultur, Yoga, Hippies, Dachterrassen und Menschen. So viele Menschen. Als wir den Flughafen verlassen, bin ich überwältigt. Ich liebe Kathmandu vom ersten Moment. Die Frauen tragen bunte Gewänder und überall wuselt es. Hunderte Autos zwängen sich durch die Straßen. Es ist anders als Hanoi. Wo man von der Wucht der Mopeds erschlagen wird. In Kathmandu ist einfach alles zu viel. Die Menschen quetschen sich über die Straßen und schützen ihr Gesicht vor den Abgasen, während die Autos sich einen Weg an ihnen vorbei bahnen. Es dauert nur wenige Minuten bis ich es auch merke. Ein altes Auto pustet gerade eine dicke schwarze Wolke heraus, als ich einen tiefen Atemzug nehme und im nächsten Moment einen Hustenanfall bekomme. Ein Willkommensgruß von Kathmandu und ich werde diesen Gruß nicht mehr los. Die Stadt liegt unter einer dicken schwarzen Wolke. Erst drei Tage später, wenn wir Kathmandu verlassen, werden wir sehen, dass es keine natürlichen Wolken sind, die über der Stadt hängen. Bisdahin finde ich heraus, dass die Stadt auf Platz 3 der versmogtesten Städte der Welt gehört. Außerdem bin ich nach drei Tagen nicht mehr so sicher, ob ich wirklich mal nach Indien gehen möchte. Kathmandu ist wohl ein seichter Vorgeschmack auf Indien.
    Die Stadt ist Chaos. Die Stadt ist laut. Hier spürt man das Leben. Aber auf einer sehr erschreckenden und rohen Weise.
    Als ich aus dem Taxi schaue, erblicke ich einen Hund. Er liegt quer über den Gehweg, sein Kopf fällt mit offenen Mund und Zunge auf die Straße. Er ist riesig. Er sieht stark aus. Und er ist tod. Er liegt da und die Menschen steigen einfach über ihn hinweg. Niemand außer mir nimmt Kenntnis von ihm.
    Wenige Minuten dauert es nur und man versteht, dass jeder hier das Leben überlebt.
    Und wir wissen sofort, dass wir hier aufjedenfall abgezockt werden. Zum ersten Mal seit einem Jahr bewegen wir uns vorsichtiger und behalten unsere Wertsachen genau im Blick. Sogar Ralf ist misstrauisch.
    Die Armut in der Stadt ist allgegenwärtig. Die Kluft zwischen den reichen West-Menschen und den Nepalesen riesig. Sie ist so riesig, dass ich anfangs nicht sicher bin, ob wir uns überhaupt die "Hand geben" können. Schon durch mein blondes Auftreten fühle ich mich protzig. Und in der Gegend rumlächeln deutet immer an, dass man etwas kaufen will. Also wird meine Miene frostig und mein Gang hart. Das hilft. Ich werde in Ruhe gelassen. Ralf wird alles angedreht. Vor allem Drogen. Ich drehe mich oft um und sage mit festem Ton: "No, we dont need it." Und wunderlicher Weise funktioniert dieser Ablauf gut. So durchqueren wir 'Tamel', der Touribezirk von Kathmandu, der liebevoll das "Touristen-Ghetto" genannt wird. Hier verbringen wir 3 Tage und kaufen unsere komplette Rüstung ein. Von Zeh bis Scheitel brauchen wir alles für den Trek. Und in Tamel gibt es alles inkl. Wanderschein. Am Ende sind wir 800 Euro leichter und komplett gerüstet für den Annapurna Circuit.
    Nach diesen drei Tagen bin ich komplett durch. Ralf ist ebenfalls am Ende seiner Kräfte.
    Wir wollen einfach nur weg. Auch wenn wir die Atmosphäre lieben und die Dachterrassen und das guter Essen genießen, sind wir komplett Reiz überflutet. Zu allem Überfluss erfahren wir, dass wir genau zum größten und wichtigsten Fest der Hindus angereist sind. Wir schaffen es aber auch immer wieder.
    Der Bus, den wir genau einen Tag vor dem großen Fest nehmen wollen, ist seit Tagen ausgebucht. Aber wie die Zufälle so wollen, bekommen wir einen Privatfahrer für knapp 100 Euro, der uns innerhalb von 5h ins Annapurna Gebiet bringt. Ich bin insgeheim sehr froh darüber. Denn die einheimischen Busse sollen ein Abenteuer für sich sein und ich spüre, dass Kathmandu mir jede Kraft geraubt hat. Am Ende rennen Ralf und ich nur noch mit gesenkten Kopf durch die Stadt. Ausgelöst durch die vielen Hindu-Segnungen. Die erste Segnung geht so schnell, dass ich nicht weiß, wie mir geschieht. Vor mir bleibt plötzlich ein Hindu-Gott stehen. Schon seine Erscheinung lässt mich ehrfürchtig erzittern. Um im nächsten Moment seine Finger in rote Kreide getaucht zu haben um mich an der Stirn zu markieren. Umgerechnet 2 Euro will dafür haben. Wir geben ihm 1 Euro und ernten böse Blicke. Und aufeinmal sieht der Hindu-Gott garnicht mehr so göttlich aus.
    Der Zweite hält mir seine Schlange ins Gesicht, wo ich nur noch aufschreie und panisch die Flucht ergreife.
    Am letzten Tag, wechseln Ralf und ich jedes Mal die Seite, wenn rote Kreidefinger auf uns zu rasen. Und ernten verwirrte Blicke, wenn wir plötzlich hinter den Autos auf der anderen Seite auftauchen. Wir werden richtig gut darin. Ein Zeichen die Stadt nun endlich zu verlassen.
    Wir wechseln noch einmal die Unterkunft um in einem etwas besseren Hotel unsere Sachen zu deponieren, die wir nicht brauchen für den Trek.
    Wir verabschieden uns von dem grummeligen Bären an der Rezeption mit einem Lächeln und atmen einmal tief durch als wir mit unserem Fahrer aus der Smog-Wolke brechen. Vorbei an der Armut. Babys und Kinder sitzen dreckig auf den Straßen und treiben mir Tränen in die Augen.
    Und ich bin nicht traurig. Nur dankbar.
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  • Day366

    365 Tage - Rückblick Hoi An

    October 3, 2019 in Vietnam ⋅ ⛅ 33 °C

    Heute vor genau einem Jahr, sind wir in den Flieger gestiegen. 365 Tage sind wir durch Südostasien gereist und heute landen wir in Nepal. Genau am Dach der Welt werde wir uns einer neuen Herausforderung stellen. Wie herausfordernd das werden wird, erzähle ich dir später.

    Doch bevor ich dich mit nach Nepal nehme, möchte ich noch über die letzten drei Monate in Hoi An berichten.

    Mit Hoi An haben wir einen Ort entdeckt, der uns zur richtigen Zeit genau das gibt, was wir sehnlichst suchen: Routine.
    Auch wenn Malaysia abenteuerlich war, musste ich feststellen, dass mich diese Zeit sehr gestresst hat. Ich hatte das Gefühl nicht mehr zur Ruhe zu kommen.
    Für Ralf gibt es hierfür nur eine Lösung: Hoi An.
    Und ich vertraue seiner Intuition. Und wie so oft hat er recht. Ich machte mir noch Gedanken, ob wir schon wieder nach Hoi An gehen konnten. Doch als wir dort ankamen, war es wie nach Hause zu kommen. Wir mussten uns nicht mehr zurecht finden. Denn wenn man an einen Ort kommt, den man noch nicht kennt, muss man sich immer erst orientieren und eingewöhnen:
    1. Wo gibt es gute Restaurants?
    2. Wo können wir frühstücken oder etwas kaufen um es selbst zu machen?
    3. Wo ist die nächste Wäscherei?
    4. Wie kommt man zum Strand?
    5. Wo gibt es ein Moped?
    6. Wie ist das Internet?
    7. Kann ich von der Unterkunft arbeiten oder muss ich ein Café finden?
    Etc...
    All das war nicht nötig.

    Wir ziehen zu Mike und Hanh. Mike, ein Brite verheiratet mit Hanh, einer Vietnamesin. Sie selbst hatte einige Jahre in London gelebt und liebt Großbritannien sehr. Es ist toll für drei Monate ein Teil ihrer Familie zu werden. Wir werden dadurch noch intensiver mit den Gewohnheiten der Vietnamesen in Verbindung kommen.

    Die beiden entscheiden sich in der Zeit als wir da sind, eine Woche Urlaub in Bangkok zu machen (mir ist immer noch schleierhaft, wie man es überhaupt aushält dort Urlaub zu machen).
    Für diese eine Woche zieht der Vater von Hanh ein. Ich vermute er ist Mitte sechsig. Er ist sehr fit, hört aber nicht mehr sehr gut. Seine Aufgabe ist es die vier Hunde rauszulassen und sie zu füttern. Und wir werden feststellen, dass er nicht mehr als diese beiden Aufträge als seine Aufgaben ansehen wird.
    In weniger als 24h sieht das Haus aus wie ein Saustall. Ihn scheint es nicht zu stören. Überall sind Essensreste verteilt, die hunderte Ameisen anziehen. Der Boden ist gefliest. Und wir bleiben mit jedem Schritt daran kleben.
    Für mich die Hölle. Bei meinen Füßen hört der Spaß bei mir auf. Am zweiten Tag kommt die Rettung. Hanhs Mutter putzt das ganze Haus und scheint ihrem Mann einen Einlauf zu verpassen. Die Tage danach versucht er immer mal wieder seinen Dreck wegzumachen. Tut sich aber schwer damit. Denn das ist Aufgabe der Frauen.
    Der Höhepunkt wird am vierten Morgen erreicht. Ich möchte zum Frühstück einen Obstsalat zubereiten. Genau in dem Moment, wo ich die Küche betrete, die direkt am Wohnzimmer anschließt, wo der Vater jeden Tag auf Coach Wrestling schaut und nachts schläft, macht er den Musikkanal an. Modern Talking & Madonna.
    Ich erinnere dich: er ist schwerhörig.
    Ein und das selbe Lied von Modern Talking und Madonna um 9 Uhr morgens. Mich wundert, dass er immer näher an den riesigen Fernseher rutscht und beide Lieder auf Dauerschleife stellt. Und Ralf lüftet das Geheimnis: "In den Videos sind 'sexy' Frauen." Zurück im Zimmer und nach dem Frühstück mit Vollbeschallung & sexy Frauen bekommen wir einen Lachanfall, der nicht zu einem Heulkrampf wechselt. Aber ich bin kurz davor. Entscheide mich aber zu lachen. Nach 7 Tagen kommt die Erlösung. Mike und Hanh kommen aus Bangkok zurück und die Tage gehen wieder ihren gewohnten Gang.
    Mike arbeitet beim Schneider als Kundenberater. Hanh kümmert sich um die Buchungen in ihrer Unterkunft und empfängt die neuen Gäste. Ihre Schwester Julia putzt das Haus und macht uns jeden Morgen Frühstück.
    Außerdem hängt Hanh jeden Tag stundenlang über ihrem Smartphone und spielt ein virtuelles Rollenspiel. Ich bin fasziniert sie dabei zu beobachten, wie sie in ihre Scheinwelt verschwindet.
    In den hinteren Apartments lebt Peter. Er ist kurz vor uns eingezogen und lebt seit drei Jahren in Vietnam. Er ist ein angesehener Fotograf. Und macht Fotos für den National Geografic. Manche Tage starten bei ihm bereits mit einem Bier. Ist ja hier alles nur Wasser, versucht er uns zu erklären. Es gibt so viele verschiedene Lebenskonzepte.

    Unsere Tage starten im Fitnessstudio oder im Pool. Danach macht uns Julia um 9 Uhr Frühstück. Um 10 sind wir CoWorking Space. Um 13 Uhr gehen wir in einen unserer drei Lieblings-Mittag-Restaurants essen. Danach arbeiten wir bis nachmittags. Und gehen dann wieder in den Pool, zum Strand oder in die Altstadt, wo ich mir weitere Sachen schneidern lasse. Abends gehen wir in eines unserer fünf Lieblings-Restaurants oder probieren ein neues oder bestellen Essen.
    Obwohl ich früher gerne gekocht habe, habe ich hier einfach nicht das Verlangen danach. Die Bequemlichkeit und das gute Essen siegt. Es gibt indisch, vegan, Salate, glutenfreie Sandwiches und vietnamesische Spezialitäten. In Hoi An gibt es alles.
    Einmal die Woche wird unser Zimmer geputzt. Einmal die Woche wird unsere Wäsche gewaschen, gebügelt und akkurat perfekt zusammen gelegt.
    Wir sind im Luxus-Himmel und für immer versaut.
    All das gibt es hier für einen Bruchteil des Geldes. Wir leben wie die Könige. Unsere Ausgaben liegen etwa bei 1.500-2.000 Euro im Monat. Und wir könnten es noch günstiger haben. Unsere Freundin Sarah lebt in einem Luxus-Apartment für 300 Euro im Monat inkl. allem. Sie durfte sogar mitentscheiden welche Möbel für das Apartment gebaut werden und welche Zimmer, welche Funktion haben. Kosten dafür 0 Euro. Bekommt sie alles dazu. Ihre Vermieterin ist dankbar für ihre Wünsche und lernt dadurch was die Westler wollen und "brauchen".
    Wir versuchen nicht zu sehr eine Co-Existenz neben den Vietnamesen aufzubauen. Denn das passiert hier schnell. Es gibt die Vietnamesen und es gibt die Westler. Uns ist es immer noch wichtig, die Einheimischen kennenzulernen. Uns mit ihnen zu unterhalten. Auch wenn das nicht immer so leicht ist, denn anders als in Malaysia, wo die Kinder früh englisch lernen, sprechen die Vietnamesen fast kein Englisch und tun sich mit der Sprache sehr schwer. Wenn dann mein mittelmäßiges Englisch auf vietnamesisches Englisch trifft, können die Gespräche sehr lustig werden.
    Die Tage sausen dahin. Routine hat einen eigenen Motor. Eine eigene Geschwindigkeit.
    Wir gehen komplett in unserer Arbeit auf. Ich bediene 7 Kundinnen parallel und muss mich erstmal daran gewöhnen. Und plötzlich ist er wieder da, der Druck.
    Also entscheiden wir eine Woche Urlaub zu machen. Wir wollen nirgends hin. Nur Hoi An genießen und einige Workshops machen. Mit den Händen arbeiten und den Geist etwas ausruhen.
    Die Organisation ist kein Problem. Seit dem ich selbstständig bin schiebe ich mir die Termine wie ich sie brauche. Auch wenn meine Kundinnen und ihre Projekte sehr wichtig für mich sind. Es sind tolle Frauen mit großen Visionen und Ideen.
    In den 7 Tagen frei (obwohl ich natürlich trotzdem immer mal wieder einige Dinge checke) starten wir mit einem Leder-Workshop. Eine kleine Werkstatt, geführt von einem Vietnamesen Anfang 30, der zwei Dalmatiner hat und mit einem Vogel auf der Schulter rumläuft.
    3h messen, skizzieren, schneiden und falten wir Leder. Ralf macht es sich besonders schwer und wählt ein Design bei dem er das Leder nähen muss. Die perfekte Arbeit um sich komplett zu fokussieren. Am Ende habe ich zwei Portemonnaies und Ralf ein Ausweis-Booklet. Es war der perfekte Start.
    In der Urlaubs-Woche gehen wir zum Strand, zur Massage und lesen viel. Außerdem gehen wir mit Hanh, Mike und ihrer Familie aus. Was wir in den drei Monaten öfter machen werden. Und jedesmal ist es ein Erlebnis. Hanh und Mike sind toll. Sie versuchen uns zu integrieren und zeigen uns ihr vietnamesisches Lieblingsrestaurant. Es wird viel gegessen und noch mehr getrunken. Nicht viel geredet aber umso mehr Späße gemacht. Hier läuft viel über Körpersprache ab. Mike zum Beispiel ist sehr eng mit dem Mann von Julia. Die beiden unterhalten sich kaum. Denn Mike kann nicht so viel Vietnamesisch und der Schwager garkein Britisch. Für die beiden passt das. Eine echte Männerfreundschaft. Und sie sehen sich fast jeden Tag.
    In dem Restaurant geht es richtig rund. Die Tische sind lange Tafeln und überall sitzen Männergruppen. Generell sieht man in solcher Restaurants wenig vietnamesische Frauen. Als Einstimmung wird ein Kasten Bier direkt neben den Tisch gestellt und ein riesiger Eimer Eiswürfel.
    Der deutsche Biertrinker schlägt die Hände vors Gesicht. Bier und Eiswürfel gehören hier aber zusammen. Und dann wird alle 3 Minuten angestoßen. Was dazu führt das der Kasten in wenigen Minuten geleert ist. Ralf und ich trinken Cola und Wasser. Keiner stört sich daran. Jeder prostet uns trotzdem zu. Das Essen wird über 2 Stunden nach und nach gebracht. Viel Seafood. Eingelegte Beef. Saure Suppe. Und Pommes für die Kids. Wenn du jetzt denkst, dass es geordnet abläuft, irrst du dich. Denn mit jedem Gericht kommt mehr Dynamik ins Schauspiel. Teller werden gerückt, die noch nicht leer sind. Bier Dosen über den Tisch geworfen. Die Kids rennen umher und picken sich die schärfsten und fischigsten Dinge aus dem Essen. Ohne mit der Wimper zu zucken zerkauen sie die Chilis. Der kleine, er wird etwa 5 sein, reguliert die Schärfe in dem er Luft seitlich in die Wange zieht. Am Ende noch Pommes mit Chilisoße und Mayo und er ist glücklich.
    Alle Reste und Abfälle sowie Dosen landen unterm Tisch. So wirds gemacht. Am Ende wird alles weggefeckt und mit dem Wasserkärcher gesäubert.
    Hanh regelt alles. Ihre Essensauswahl ist super. Ralf und ich hätten das niemals bestellt. Die Beschreibungen sind oft kryptisch und die Bilder sehen aus wie die klebrigen Eier aus Alien.
    Am Ende sind es tolle Gerichte und wir gehen noch dreimal mit Hanhs Familie hier her.

    Unsere Urlaubswoche endet mit einem Bambus-Workshop. Als wir in der Werkstatt, die im Dschungel am Fluss liegt, ankommen, bin ich total begeistert vom Grundstück. Alles ist aus Bambus. Die Atmosphäre ist warm und einladend.
    Und dann dämmert es mir. Mein Blick auf Ralf gerichtet, der eine Säge hält: "Oh nein. Wir müssen sägen." Wenn ich eines nicht mag, dann das.
    Als ich den Workshop gebucht habe, habe ich irgendwie nicht darüber nachgedacht. Bambus ist eine Art Holz und natürlich muss man es sägen um daraus etwas zu machen. Es ist ja ein Bambus-Workshop. Ralf ist im Himmel. Als Tischler glänzen seine Augen und natürlich muss er auch erklären, wie man die Säge richtig hält. Glücklicherweise nicht mir, sondern einer anderen Frau, die davon weniger begeistert zu sein scheint. Nach 5 Minuten ist mir klar: das ist nichts für mich. Also Beine hoch und Ralf machen lassen. Der Tag endet mit einem glücklichen Ralf und ich bin stolz, wie Bolle, dass ich am Ende noch ein Muster in "unsere" Kunstwerke eingebrannt habe.

    Die drei Monate in Hoi An vergehen schnell. Wir leben uns richtig ein. Unsere Stammplätze kennen uns und freuen sich, wenn wir vorbei kommen.
    Zwischendurch haben noch Hanh und Mike Geburtstag. Auch hier sind wir dabei. Der Abend endet mit Karaoke. Natürlich. Und 10 total verrückten vietnamesischen Freundinnen von Hanh. Eine Torte in Form einer Bikinifigur mit riesigen Brüsten aus Buttercreme darf da natürlich nicht fehlen. Sie sind alle verrückt. Sie sind alle herzlich und echt.

    Am Ende verabschieden wir uns bei einem Frühstück von Sarah, der Coworking Space Besitzerin, und ihrer Schwester Johanna. Mit den beiden hatten wir tolle Abende. Keiner spricht es aus, aber wir sind alle etwas traurig.
    Der Abschied von Pirat, der kleinen Hündin, die frisch geboren wurde kurz bevor wir kamen, fällt am schwersten. Sie hängt an uns. Wir an sie. Sie sitzt neben mir auf der Stufe und wartet mit mir aufs Taxi. Vielleicht erinnert sie sich irgendwann an uns. Ralf, der mit ihr durchs Haus gerannt ist und ihr alles durchgehen hat lassen und an mich mit der sie immer kuscheln wollte.

    Doch es ist Zeit. Alles ist vorbereitet. Wir haben 3 Monate im Studio trainiert. Der Annapurna Circuit wartet. Und so brechen wir nach Nepal auf....
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  • Day354

    Mein erster Geburtstag - ich lebe.

    September 21, 2019 in Vietnam ⋅ 🌧 30 °C

    Aber wie unfair es sich auch anfühlte, um mich herum war das pulsierende Leben.
    Es ist Magie, überall. 
    Ich habe überlebt.

    Genau vor einem Jahr verschluckte mich ein LKW frontal. Er trug mich mehrere Meter mit sich bis er von einem Fußgänger gestoppt wurde. All das habe ich bewusst wahrgenommen.

    In diesem Moment zog sich meine Seele in mir zurück. Ich habe dem Tod in die Augen geblickt und das werde ich niemals vergessen. Ich dachte: „Nein, heute werde ich nicht sterben. Nein, heute ist es noch nicht soweit.“

    In diesem Moment schenkte mir das Leben pure Ehrlichkeit und ihre Wahrheit.

    Es ließ mich meinen Kampf miterleben.

    Ich habe um mein Leben gekämpft. Mich durschoss so viel Adrenalin, dass ich nur noch geschrien habe. So wie ich noch nie in meinem Leben geschrien habe. Ab der Hüfte war ich mit dem LKW unter mir verkeilt. Ich drehte meinen Oberkörper und schlug mit den Händen mit voller Kraft zwischen die Lampen. In meinem Kopf schossen Bilder, wie er den dritten Gang einlegt. Wenn er das getan hätte, wäre mein Fahrrad, welches mich trug, wahrscheinlich verrutscht und hätte mich unter ihm begraben.

    10 Tage bevor unser Flug nach Bali ging, hat mich das Leben geküsst.

    Leidenschaftlich und schmerzhaft.
    Und ich habe überlebt.

    Ich habe überlebt, weil

    -ein unbekannter Mann auf die Straße rannte und sich selbst in Gefahr brachte, um den LKW zu stoppen

    -eine unbekannte Frau mir ihre Liebe und Wärme schenkte, indem sie mich minutenlang auf dem Boden sitzend von hinten umarmte

    -ein unbekannter Arzt, der zufällig gerade bei Aldi einkaufen war, mich durchcheckte und mir die Sicherheit gab nicht gelähmt zu sein

    -ein Notfallteam mich zum Lachen brachte und meine Seele aus der Dunkelheit zog

    -ein Krankenhausteam mit mir Witze riss und mir den Raum gab, um zu weinen

    -eine Schwester Verständnis zeigte und meinen Freund zu mir brachte

    -ein Oberarzt einmal mehr bei mir war, um mich schnell zu entlassen damit ich in mein eigenes Bett konnte

    -ein weiser Unfallchirurg mich im Nachgang unterstützte, damit ich meine Reise antreten konnte

    -ein Physiotherapeut es innerhalb von 7 Tagen schaffte, dass ich meinen gebrochenen Arm wieder bewegen konnte, um meinen Rucksack zu tragen

    -und weil meine wundervolle Körpertherapeutin Susanne Kohl, mir das Jahr zuvor half wieder eine Verbindung zu mir zu bekommen

    Ich spürte die Dunkelheit in mir hochkriechen. Sie nahm mir den Atem.

    Aber wie unfair es sich auch anfühlte, um mich herum war das pulsierende Leben.

    Es lächelte mich an mit einem Strahlen, wie die Sonne.

    Und ich konnte nur an meinen Traum denken, die Welt zu entdecken. Es war das erste was ich das Notfallteam fragte. „Kann ich in 10 Tagen in ein Flugzeug steigen?“

    Ein Notfallarzt sagte zu mir:
    „Es sieht ganz danach aus.“

    Er lächelte. Und ich bin 10 Tage danach in das Flugzeug gestiegen.

    Seitdem reise ich mit Ralf 355 Tage durch Südostasien.

    Warum ich dir das erzähle: Ich bin im Nachgang sehr offen mit meinem erlebten Trauma umgegangen und habe erfahren, dass es viele Menschen gibt, die ähnliches erlebt haben. Sie vergraben ihre Ängste und trauen sie sich nicht darüber zu reden. Sie verschließen es tief in sich. Aber ich habe gespürt, dass diese Angst sehr dunkel ist. Sie lähmt uns und nimmt uns unsere Leichtigkeit. Sie ist wie ein dunkler Mantel, der sich über unsere Schultern legt.

    Ich habe mich entschieden offen damit umzugehen und das werde ich auch hier tun.

    Du darfst um Hilfe bitten! Es wird einfacher, auch wenn es dich geprägt hat.

    Als ich 10 Tage später in mein ortsunabhängiges Leben startete, wusste ich nicht, was Asien für mich bereithielt. Und ich hatte Angst. So viel Angst. Ich hatte doch gerade alle Menschen zurückgewonnen, als mir das Leben einen Kuss schenkte.

    Und auch ein Jahr später habe ich noch Angst. Mein Freund muss meine Hand nehmen, um mit mir über die Straße zu gehen. Weil ich auf der Straße erstarre, wie ein Reh.
    Und im nächsten Moment fahre ich mit dem Fahrrad über die Reisfelder von Hoi An und bin genau hier. Am Leben. Mit der Sonne im Gesicht.

    Ich möchte „Danke“ sagen. An all die Menschen da draußen, die ihre Arme zum Wärmen für andere öffnen. Die ihre Hand reichen, um anderen über die Straße zu helfen. Die ein Lächeln in die Welt tragen.
    Und danke an alle Ärzte, Krankenschwestern, Notfallretter, Feuerwehrleute, Physiotherapeuten und Körpertherapeuten.
    Danke alle die Menschen, die Leben in die Welt bringen und es begleiten, wenn es endet. Danke für euren Mut und eure Kraft.

    Und zum Abschluss: Denke immer daran, dass ein Lächeln, welches du jemand anderen schenkst, alles ändern kann. Mich hat es gerettet. Das Lächeln eines Menschen hat mich spüren lassen, dass ich am Leben bin.

    Also schenke dem Leben und den Menschen ein Lächeln.

    Es wird retten. Es wird heilen. Es wird den dunklen Mantel wegnehmen.

    Fühl dich fest umarmt, deine Nora

    Und ich werde meinen Tag heute mit einer Massage starten und richtig abfeiern! Auf das Leben. Das einzige was wir haben.
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