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  • Day46

    Khao Sok-Wir werden niemals vergessen!

    November 17, 2018 in Thailand ⋅ 🌧 30 °C

    Es ist heiß und schwül. Und wir spüren alle vier, dass uns etwas besonderes erwarten wird. Ich habe mich nicht wirklich informiert. Ich weiß nicht wirklich, wo es hingeht. Aber eines weiß ich: es geht in den Nationalpark und wir werden in schwimmenden Häusern schlafen. Die anderen drei wissen mehr. Ich möchte loslassen. Nicht planen. Nicht koordinieren. Ich lasse alles auf mich zukommen.
    Wir steigen gegen 11 Uhr mittags auf ein Longtail-Boot was uns in den Park bringt. Schon in den ersten 5 Minuten werde ich von meinen Gefühlen überwältigt. Mit 'Coldplay' im Ohr, schwimmen wir an riesige bewachsenen Felsformationen vorbei. So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Dschungel, der uns umgibt, ist ineinander verschlungen. Es gibt keine freien Flächen. Als wäre das Grün eine große, weiche Masse, die sich von Fels zu Fels hangelt. Ralf und ich versuchen alles aufzusaugen. Die Farben, die Luft, den Wind, das Tempo des Boots, das Wasser. Jeder mit seiner Musik im Ohr, damit wir die lauten Motorengeräusche nicht hören. Ralf greift meine Hand und ich weiß, dass er sieht was ich sehe. Es gibt so viel zu entdecken auf dieser Welt. Unsere Zeit ist so kostbar. Und ich bin einfach nur dankbar, dass ich leben darf.
    Eine Stunde dauert die Fahrt über das Gewässer vom Nationalpark. Wir kommen bei den Hütten an und können es nicht glauben. Sie schwimmen wirklich. Es gibt keinen Steg der zum Land führt. Alles ist aus Bambus und Holz. Verschraubt. Vernagelt. Und es schwimmt. In die Hütten passen eine Matratze und unsere 2 Drybags. Immer zwei Person mit direkten Zugang zum Wasser. Naja, wir sind ja auch direkt auf dem Wasser.
    Platsch. Es dauert nur Sekunden. Ralf zieht sein T-Shirt aus und springt mit Arschbombe ins Wasser. Die anderen sind kurz vorher noch verunsichert. Krokodile? Fische? Und dann ziehen sie nach und springen. Das Wasser ist so klar, dass ich Ralfs Füße sehen kann. Unser Guide wünscht uns viel Spaß. Aber wir sollen aufpassen. Das Wasser ist 40 Meter tief. Was reinfällt ist weg. Dann gibt es Essen ...
    Die Gruppe geht auf eine Wanderung in den Dschungel. Ralf und ich bleiben zurück. Ich will Kajak fahren. Die Ruhe genießen. Auf dem Wasser sein.
    Wir tauchen mit dem Kajak in die Natur ein. Um uns herum nur Dschungelgeräusche. Jedes Tier nimmt sich mit seinem Geschrei und Gesang seinen Platz. Es ist nicht wie Musik. Es ist lebendig. Der Dschungel lebt.
    Eine Stunde Kajak fahren ist super anstrengend. Ich muss immer wieder pausieren, weil mein linker Arm zu schwach ist. Wir kommen erschöpft und super glücklich wieder bei unserer schwimmenden Villa an. Jetzt sind wir ganz allein. Es ist so entspannend, dass Ralf auf einem Stamm auf dem Wasser liegend einschläft.
    Am Abend machen wir mit dem Boot noch eine Wassersafari, die etwas unentspannt ist, weil der Motor sehr laut arbeitet. Trotzdem genieße ich jede Minute auf dem Wasser. Dann gibt es essen und wir versacken mit 'Uno' - Karten im Gemeinschaftsbereich. Alles wippt leicht mit jeder Welle. Mir macht das komischerweise nichts aus.
    Von Weiten sehen wir das Gewitter kommen. Uns wird erst einen Tag später erzählt werden, dass es das schlimmste Gewitter seit langem war.
    Um 22.50 geht der Stromgenerator aus. Alle sind mit Kopflampen ausgestattet. Und als wir im Bett liegen fängt es zu regnen an. Es ist ein Monsun. Es regnet so stark, dass der Regen durch unser Dach drückt. Wir versuchen uns zu entspannen und dann... muss ich pinkeln. Na toll. Also gehen wir vor die Hütte. Es tröpfelt gerade nur. Und ich treffe die Entscheidung zum Klohhäuschen zu laufen. Wir kommen nur drei Häuser weiter. Der Regen ist nun monsunartig und ich kann nichts mehr sehen außer Ralfs Lampe. "Wir müssen sofort zurück zum Haus." sage ich. Zum Klo würden wir niemals kommen und wahrscheinlich noch in Wasser fallen. Die Wege hier sind auch nur 3 Bretter schwimmend auf dem Wasser. Als wir am Haus ankommen, sind wir so nass als wären wir uns Wasser gefallen.
    Ruuuuuuuuaammmm. Donner. Ralf guckt mich an: "Jetzt sind wir im Auge." und ich muss plötzlich an den Film 'the day after tomorrow' denken. Ich bin total aufgeregt. Abenteuerlustig aufgeregt. Ruuuuuuuuaaaammm. Und dann wird alles hell. Die Blitze Peitsche nur so über uns vom Himmel. Der Donner erschüttert uns bis in die Knochen. Wir kuscheln uns auf die Matratze. Ich versuche nicht an das undichte Dach zu denken. Hoffentlich schlafe ich wenigstens etwas. Und dann fühle ich mich plötzlich ganz sicher. Ich schlafe 6 Stunden ohne wirklich wach zu werden. 2 Minuten vor 6 wachen wir auf. Marvin und Lisa sitzen bereits draußen. Sie haben ab 5 Uhr verfolgt wie der Dschungel aufwacht. Ein tiefer Nebel liegt über dem Wasser und die Stimmung ist ruhig. Entspannt. Das Gewitter hat sich verzogen.
    Wir verlassen den Nationalpark nach einer weiteren Wassersafari. Und wir verabschieden uns von dieser Natur. Und ich weiß, ich war nicht das letzte Mal hier.
    Zurück in unserer Unterkunft "Monkey Mansion" haben wir eine Stunde Zeit. Wir werden um 15 Uhr abgeholt. Denn sie wartet bereits auf uns. Ich bin schon seit Stunden aufgeregt. Die Zeit zieht sich bis wir bei ihr sind. Und ich weiß bevor ich sie sehe, dass es mich überwältigen wird.
    Und dann sitzen wir da. In unseren Badesachen. Und sie kommt langsam und bedacht um die Ecke. Wenn sie sich bewegt schwinkt alles. Im lateinischen wird sie "fetter Hügel" genannt. Wir kennen sie als 'Elefant'. Aus dem Zoo. Und dann steht sie vor uns. Wir sind in einem Elefanten Camp. Hier leben vier Elefanten. Sie leben hier frei und sicher. Und reiten ist verboten. Es gibt einen vierteiligen Elefanten Spa Bereich. Keine Menschenmassen. Kein Missbrauch. Nur wir vier, unsere Elefantendame und der Mahout.
    Zu Beginn dürfen wir sie streicheln. Wir dürfen uns annähern und schauen, wie sie auf uns reagiert. Und dann steht sie neben mir.
    Ich berühre ihren Kopf und sie schaut mir tief in die Augen. Sie sieht mich und ich sehe sie. Ich schluchze und weine. Ich berühre einen Elefanten. Und sie schaut mir in die Augen und plötzlich weint sie auch. Ich kann es nicht glauben. Sie schaut mir in die Augen und ihr laufen Tränen über die Wange. Ich bin absolut berührt und kann mich nur kurz danach wieder ordnen. Der Mahout lächelt mir zu. Es ist nicht unangenehm. Er versteht.
    Dann gehen wir mit ihr ins Schlammbad. Sie macht sich einen Spaß und spritzt uns mit Schlamm voll, während wir sie einreiben und massieren. Sie schaut uns immer wieder in die Augen. Wir bewegen uns langsam und bedacht. Auch weil sie so gigantisch ist und uns mit einem Schritt alle Knochen brechen könnte. Unglaubliche Kraft. Unglaublicher Sanftmut.
    Danach laufen wir mit ihr zum Fluss. Wir waschen und schruppen sie. Sie liegt im Wasser und genießt ihren Spa-Ausflug. Maximal 3 dieser Aktionen macht sie am Tag. Es dauert nicht länger als eine Stunde. Sie wirkt entspannt. Danach läuft sie ins Feld und isst Gras. Obwohl wir sie mit Bananen und Bananen-Haferbrei-Bällen gefüttert haben. Aber sie isst scheinbar den ganzen Tag. In diesen Körper geht viel rein und viel raus.
    Dann verabschieden wir uns. Als wir uns nochmal umdrehen gesellt sich ein weiterer Elefant zu ihr. Unglaublich. So wunderschöne Tiere.
    Der Abend endet mit viel lachen. Es ist der letzte Abend mit Lisa und Marvin. Und der Abschluss war perfekt. Wir werden das niemals vergessen.
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