Der Reiseradler aus Ostberlin
3. marts, Cypern ⋅ 🌙 14 °C
Paphos
Apartment
11 km
Heute haben wir unser Zimmer in der Nähe der Strandpromenade verlassen und sind zum Municipal Bath geradelt. Richtig was los hier. Zwei Männer reparierten die Treppe ins Wasser, ließen aber jede Wasserratte durch. Am liebsten wäre ich noch viel länger in dem funkelnden Nass umher geschwommen, aber irgendwann wird einem selbst im warmen Mittelmeer kalt. Außerdem war unser neues Apartment schon fertig.
Doch zuerst düsten wir zu Lidl. Ein bepacktes Reiserad lehnte am Pfeiler. Ich betrachtete das Herkules. Stabiler Stahlrahmen, die Taschen eindeutig um die halbe Welt gereist. Und da stand auch schon der Besitzer des Stahlrosses vor mir. Er war so was von erstaunt, andere Reiseradler zu treffen. Und dann noch Landsleute. Neo radelt seit zehn Tagen auf Zypern und suchte in Paphos verzweifelt einen Zeltplatz. Ging uns auch so. Er hat nur ein einfaches Handy und Landkarten, kein Internet. "Wenn ich wenigstens ein Hostel finden würde", stöhnte er. Ich zeigte ihm bei Google Maps alle, die ich finden konnte. Doch bei diesem Wetter will er doch lieber zelten. Wir verrieten ihm unseren wilden Zeltplatz 40 km hinter Paphos, in der Nähe des Aphrodite Felsens. Da will er hin. Er fragte, ob sich die Besichtigung der Königsgräber lohnt. Klar. "Ihr könntet aus Rostock sein", meinte er und lag gar nicht so falsch. Nur 60 km daneben getippt. "Ich bin aus Ostberlin". "Dann kennst du vielleicht den Reiseradler Sven Marx? Er ist nach einer schweren Erkrankung (Hirntumor) entgegen der Meinung der Ärzte wieder in den Fahrradsattel gekommen und um die Welt geradelt. Wir sind bei Sven heute Abend wieder im Livestream." "Svenne? Klar, der ist Dachdecker wie ich. Und dass er krank war und jetzt radelt, davon habe ich gehört." Ich schrieb mir ihren gemeinsamen Bekannten und den Fußballverein auf. Neo düste schon in Indien und kam entsetzt zurück. Die Trucker weichen niemals für einen Radler aus. Der Radler muss von der Straße, um sein Leben zu retten. Von Südostasien war er begeistert. In Thailand sind die Straßen gut mit breitem Seitenstreifen, dort fühlte er sich sicher. Und von den rücksichtsvollen Zyprioten am Steuer ist er genauso angetan wie wir. Zu guter Letzt gab er uns seine Telefonnummer und drückte uns zum Abschied. Als wir an den Königsgräbern vorbei radelten, stand dort sein Rad.
Wir schickten unserem Freund Sven das gemeinsame Bild, den Bekannten und Fußballverein. Sven grübelte und vielleicht ist ihm inzwischen eingefallen, was er mit Neo mal vor vielen Jahren zusammen ausgefressen hat.
Unsere neue Unterkunft ist ein hübsches Studio im Erdgeschoss. Wieder können wir die Räder rausschieben und sofort im Sattel sitzen. Das war uns wichtig. Der nächste große Supermarkt ist zwei km entfernt, ein kleiner etwas näher. Die Umgebung werden wir morgen erkunden.
Die Welt ist ein Dorf. Hätte Neo nicht so betont, dass er aus OSTBERLIN kommt, wäre mir niemals Sven eingefallen.Læs mere


