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Ein bisschen Asien und Europa

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    🇨🇾 Bafra, Zypern

    Der besondere Zeltplatz

    Yesterday in Cyprus ⋅ ⛅ 17 °C

    Tatlisu - Bafra
    Zeltplatz neben der Moschee
    42 km

    Letzte Nacht schien der Mond so hell, dass wir keine Stirnlampen brauchten und Schatten warfen. Mystische Stimmung an diesem einmalig schönen Platz

    Ohne zu frühstücken radelten wir zehn km bis Kaplica. Das Beach Resort hier empfahl uns gestern der Brite. Wir allerdings hatten einen 1000 Sterne Camp Spot for free. Weil am Resort ein Market ausgeschildert war, radelten wir dorthin und fanden nur ein Restaurant. Doch erstmal frühstückten wir auf dem Hotelparkplatz. Kaffee tranken wir im Restaurant, denn wir brauchten Toiletten.

    Heute kam der Wind aus Osten. Also Gegenwind, und nicht zu knapp. Und es sind nicht nur Hügel zu bewältigen. Keine gute Kombination. Sollen wir voll im Wind die Küstenstraße der langgestreckten Halbinsel weiterfahren? Oder das Küstengebirge überqueren und zur anderen Seite der Halbinsel radeln? Wind ist überall, aber an der Küste am meisten.

    Wir entschieden uns den Berg übers Gebirge in Angriff zu nehmen. Um an den Abzweig zu gelangen, ging es entweder 10 km auf der Küstenstraße weiter oder parallel dazu eine Nebenstraße nahe der Felsenküste. Komoot wusste nicht, dass die Nebenstrecke immer rauf und runter geht. Komoot zeigte eine fast ebene Strecke. Wir wissen es jetzt besser. Schließlich hatten wir fantastische Aussichten und schon ordentlich Höhenmeter in den Beinen, als es übers Gebirge teils 12 % hoch ging.

    Die Steigung war nicht mein Problem, mein Feind war der Gegenwind. Eine ganze Weile schob ich mein Rad, ich kam nach einer Pause nicht wieder in den Sattel. Nach einer Kurve war der Wind fast weg und das steilste Stück kurbelte ich doch noch. Dann kam die rasante Abfahrt bis Büyükkonuk.

    Ohne Autos und Kartenzahlung wäre hier die Zeit vor fünfzig Jahren stehen geblieben. Im kleinen Laden gab es kein Obst und Gemüse, ansonsten von jedem etwas. In der Bäckerei gegenüber erstand ich zwei Brötchen. Abends merkten wir, dass sie ganz lecker mit Fleisch gefüllt waren. Wir hatten Hunger aber es gab kein Restaurant. Nur eine Moschee natürlich, eine geschlossene Kirche am kleinen Marktplatz und eine orthodoxe Kirche, ebenfalls zu. Hier flossen 2015 sogar EU-Gelder rein. Als wir das lasen und davor ein Reisebus stand, vermuteten wir eine Reisegruppe in der Kapelle. Träume weiter....

    Fünf km weiter das nächste Dorf, fast das gleiche Bild. Eine riesige orthodoxe Kirche dem Verfall preisgegeben, gegenüber eine schmucke Moschee. Auch hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein.

    Das nächste Dorf war hergerichtet, der Supermarkt größer und gut bestückt. Alle Restaurants hatten Samstag Nachmittag bereits geschlossen. Ein netter Mann sprach gut englisch und verhandelte mit dem Fischhändler. Der sollte uns einen Fisch braten. Doch wir kamen langsam in Zeitdruck und mussten weiter. Ein Schlafplatz musste her. Wir kurbelten weiter, aber kein Camp Spot in Sicht. Hier in Bafra fiel uns am Ortseingang der Friedhof auf. Hinter der Mauer war nur lehmiger Acker. Wir kurbelten weiter, in einer Kurve war die Moschee. Ein Mann werkelte an einer Bank, sah uns, riss die Arme auseinander und rief "Welcome". Wir rollten vor die Moschee und wurden überschwänglich begrüßt. Der Mann konnte ganz gut englisch und Werner fragte gleich, ob wir hier unser Zelt aufstellen können. Natürlich. "One God" betonte der Nette immer wieder. Und dass alle Menschen gleich sind, egal welche Religion. Mit einem jungen Helfer, der sich als Mustafa vorstellte, pinselte er die Bänke. Er zeigte Werner das Toilettenhaus. Sauber mit Papier und Seife. Außen sind Seifenbehälter und Wasserhähne für die Fußwaschung.

    Der Nette verschwand recht schnell mit seinem Helfer und kam mit seinem Cousin Erkan wieder. Der wohnt in der Nähe und hilft uns bei Problemen. Ob wir Hunger haben. Nein, wir haben gerade unsere ganzen Vorräte verdrückt. Die beiden zogen ab und wir bauten das Zelt auf. Kaum stand es, rief der Muezzin über uns. Der Nette war wieder da mit noch ein paar anderen Männern. Sie standen um unser Zelt und redeten aufgeregt durcheinander. Sie sahen das erste Mal so eine Stoffhütte und wollten alle reinsehen. Einer meinte, wir könnten auch in der Moschee schlafen, im Vorraum auf den Teppichen. Und wieder wollten sie uns zum Essen einladen, wir lehnten höflich ab. Ich kam erst im Dunkeln dazu, die Matten und Schlafsäcke auszupacken. Die Männer gingen endlich beten.

    Der Nette kam wieder. Zusammen mit Werner stellte er eine Bank hinter unser Zelt. Weil manche Leute den Weg abkürzen und gegen unser Zelt laufen oder radeln könnten.

    Später kam er nochmal und brachte uns kleine Getränkepackungen.

    Mal sehen, wie oft der Muezzin noch ruft. Genau unterm Minarett ist man wie vom Donner, oder besser Allah, gerührt.
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  • Ein Tisch aus Colaflaschen

    January 30 in Cyprus ⋅ ☁️ 16 °C

    Girne - Tatlisu
    48 km
    wilder Zeltplatz

    Heute morgen gab es im Hotel noch Frühstück. Dann trug Werner die Räder runter und wir kurbelten endlich los. Stoppten noch kurz beim Supermarkt und dann ab in den Linksverkehr.

    Etwa 10 km brauchten wir um aus Girne rauszukommen. Baustellen, schmale Straße, viel Verkehr. Die Straße wurde besser, nicht mehr so holprig und breiter. Erst jetzt bemerkten wir, dass die Berge im Dunst fast verschwanden. Staubregen sagte die WetterApp. Als wir an einem kleinen Laden hielten und uns auf eine Bank setzten, hatten wir diese mit unseren Hinterteilen vom Staub befreit. Es war warm wie im deutschen Sommer. 20 Grad. Werner radelte im T-Shirt, ich hatte nur noch die Windjacke an.

    Die Steigungen waren heute zum Glück fast nur langgezogene Hügel. Und der Wind schob uns auch noch hoch.

    Unglaublich, wie viele Apartmenthäuser hier gerade gebaut werden. Bauarbeiter lachten aus ihrem Fahrzeug heraus und hoben für uns die Daumen. Sie oder ihre Vorfahren stammen aus Afrika, Indien, Pakistan oder vom anderen Ende der Welt.

    In einem Supermarkt gab es leckeres Essen. Wir setzten uns auf eine Kiste am Getränkelager und futterten. Ein junger Mitarbeiter, vermutlich Inder, brachte uns eine Großpackung Colaflaschen als Tisch und wollte wissen, wo wir herkommen. Was für eine nette Geste!

    Ein paar Hügel weiter fanden wir ein Restaurant für indisches und europäisches Essen. "All what we need is coffee" erklärte ich dem jungen Mann. Wir setzten uns zu dem einzigen Gast, einem Briten, der uns freundlich zu sich bat. Der türkische Kaffee kam und der Kellner, vermutlich auch Inder, besah sich unsere Räder. Der Brite plauderte drauflos. Er konnte sogar etwas deutsch, war Soldat in Frankreich, Düsseldorf und Limassol. Jetzt ist er Mitte siebzig und lebt schon über zwanzig Jahre hier in seiner Villa mit Pool und drei Schlafzimmern. Er empfahl uns ein Hotel in Kaplica, 15 km weiter. Denn es soll morgen wieder regnen. Muss aber nicht stimmen, meinte er. Das ist Zypern. Warum hier so viel gebaut wird, wusste er auch nicht. Nur dass es sich meist um kleine Ein-Zimmer-Apartments handelt, die verkauft werden sollen. Nur an wen? Als er von Politik anfing, hatten wir zum Glück unseren Kaffee auf und konnten uns verabschieden. Wenn der wüsste, dass wir viel lieber zelten als ins nächste Hotel zu ziehen.

    Wir kurbelten ein paar km weiter und hielten für eine Pinkelpause. Eigentlich noch zu früh, aber hier waren tatsächlich keine Häuser und keine Baustelle. Dafür alles grün. Werner machte einen kleinen Rundgang und kam mit erhobenen Daumen zurück. Er hatte den perfekten Zeltplatz gefunden. In der Nähe einer kleinen Kapelle. Neben ein paar Mauerresten stellten wir unsere Stoffhütte auf. Schneller als gedacht kam die Dämmerung. Also doch nicht zu früh angehalten. Jetzt liegen wir im Zelt und hören der Brandung und den Grillen zu.

    Plötzlich kurz laute Musik. Wo kam die denn her? Von dem Weg, der zur Kapelle führt? Ich mache sofort das Handy aus. Da wir nichts verdächtiges mehr hören, schreibe ich weiter.
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  • Das andere Hotelzimmer

    January 29 in Cyprus ⋅ ☁️ 14 °C

    Girne
    3 km
    Hotel Del Mare Park

    In der Türkei war booking.com nicht verfügbar. Doch hier funktioniert es wieder. Also suchten wir uns gestern ein Zimmer und radelten ohne zu buchen dorthin. Wie schon so oft zeigten wir an der Rezeption das Angebot von booking und baten um einen sicheren Platz für die Räder. Man erklärte uns, dass die Preise angepasst wurden und verlangte 13 € mehr. Das Zimmer war bei booking plötzlich nicht mehr buchbar. Nur weil wir so müde waren ließen wir uns darauf ein. Doch für heute war ein größeres Zimmer zum niedrigen Preis bei booking verfügbar. Außerdem gibt es einen Grund, warum wir unbedingt noch eine Nacht hier bleiben wollen. Ganz einfach, wir buchten das große Zimmer zum angemessenen Preis über booking.

    Heute abend sind wir auf YouTube beim Reiseradler Sven-Globetrotter im Live Chat. Genau deshalb brauchen wir gutes Internet und ein beleuchtetes Zimmer. Ja, das WLAN ist hier gut. Also checkten wir aus, radelten zum Wasser und checkten wieder ein. Der Rezeptionist war etwas überrumpelt und fühlte sich ertappt. Gestern war das Zimmer unten und wir nahmen die Räder mit rein. Wir hätten sie auch in der Rezeption lassen können, die ständig besetzt und mit Kameras überwacht ist. Heute sollten wir die Räder jedoch draußen lassen. An einer Stelle, wo von der Straße aus jeder unsere Stahlrösser sehen kann. Wir lehnten es ab, was den Sicherheitsdienst auf den Plan rief. Nach ein paar Diskussionen und einer eindeutigen Ansage unsererseits schnappte sich Werner die Räder und trug sie in unser großes Zimmer.

    Wir liefen nur noch zum Supermarkt und ein bisschen in der Nähe umher. Es war bewölkt und angenehm warm. Überall blüht es und die Bananenstauden sind voller Früchte. Eine Katze und ein Hund folgten uns.

    Auffällig ist, dass in dem großen Supermarkt wenig türkische aber sehr viel europäische Produkte angeboten werden. Zum Glück fand ich den leckeren türkischen Joghurt. Doch den guten Schokoladenpudding suchte ich vergebens. Genauso vermisse ich den puren Granatapfelsaft. Ich bekam nur eine Sorte, die wässrig schmeckt.

    Wir sahen nur einen alten Renault 12, doch viele Mercedes, BMW und Audi. Und Dacia scheint hier nicht so angesagt zu sein wie in der Türkei.

    Jetzt sind wir gespannt auf den Life Chat heute Abend. Wir berichten morgen.
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  • Wieder auf Zypern nach 422 Tagen

    January 28 in Cyprus ⋅ ☁️ 12 °C

    Taşucu - Girne
    gestern 3 km zum Fährhafen
    heute 6 km zum Hotel Del Mare Park

    Wir sind das zweite Mal auf Zypern. Unsere Wanderung 2024 scheiterte am Wassermangel und Schmerzen in meinem Fuß. Trotzdem verbrachten wir hier eine schöne Zeit.

    Tatsächlich kamen wir gestern trocken zur Fähre. Passkontrolle, Ausreisestempel. In der Gepäckkontrolle wurden wir durchgewunken. Dann hieß es warten. Irgendwann fuhr ein Bus die Fußgänger zur Fähre und wir reihten uns bei den Autos ein.
    Ein Araber stieg aus einem Auto mit niederländischem Kennzeichen. Er hörte uns reden und war neugierig. Er pendelt zwischen Breda in den Niederlanden und Zypern und spricht mehrere Sprachen. Nach einer gefühlten Stunde ging es endlich aufs Schiff. Neu waren einzig die Sitze. Über uns lose Deckenplatten und die Tür war zugebunden. Es gab Tee, Kaffee und Toasts zu kaufen. Erst um 2 Uhr ratterte der alte Kahn los. Außer uns Ausländer war ein junges niederländisches Pärchen an Bord. Sie studierte in Istanbul. Jetzt unternehmen sie gemeinsam einen Roadtrip. Die Türken und Zyprioten waren sehr nett. Eine junge Frau stand mit ihrem Baby neben uns und freute sich dass wir mit der Kleinen schäkerten.

    Wir schliefen erstaunlich gut, aber viel zu kurz. Kurz vor Girne merkte ich, dass mein Handy kein Signal bekam. Alle anderen schickten schon eifrig Nachrichten. Also funktioniert meine türkische esim hier nicht. So ein Mist. Ich griff mir einen jungen Motorradfahrer, er riet mir zu einer lokalen sim card, zeigte mir den Anbieter auf seinem Handy. Doch zuerst wieder Passkontrolle und Einreisestempel. Werner wurde angewiesen, seine Radtaschen zum Röntgen abzunehmen. Gleich darauf kam eine Beamtin, winkte ab und meinte wir sollen fahren. Zum Glück wurden am Fährhafen sim cards vekauft. Ich bekam auch die, die der Motorradfahrer hatte. Und im Handumdrehen war ich wieder im Netz.

    Jetzt wurde es erst richtig interessant, denn wir rollten in den Linksverkehr. Werner das erste Mal, ich radelte schon mal in England. Die Hauptstraße zum Zentrum war schmal, verstopft und löchrig. Doch wir überstanden die ersten km gut. Da wir sehr müde waren und der Linksverkehr unsere volle Aufmerksamkeit forderte, entschieden wir uns für ein Hotel. Und fanden auch schnell ein Zimmer, wo wir unkompliziert die Räder mit reinnehmen konnten. In der Nähe ist ein großer Supermarkt mit Heißtheke. Wir holten uns Essen und schliefen ein paar Stunden. Alles andere entscheiden wir morgen.
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  • Gewitter und Stromausfall

    January 27 in Turkey ⋅ 🌧 11 °C

    Taşucu
    Warmshower Bayram

    Bayram hat uns gestern sehr freundlich aufgenommen. Er muss nochmal weg und wir richten uns in seinem Gästezimmer ein. Später essen wir zusammen und erzählen. Bayram ist auch Couchsurfer und fährt gar nicht viel Rad. Er liebt es aber Besuch aus der ganzen Welt zu haben. Zum Glück bietet er uns gleich seine Waschmaschine an, eine Laundry fanden wir nämlich nicht.

    Heute ist Bayram arbeiten. Er vertraut uns seinen einzigen Schlüssel an und bittet uns hier zu sein, wenn er zurück kommt. Wir laufen inzwischen im Regen zum Fährhafen. Schon in der Nacht donnerte und blitzte es, und heute früh fiel der Strom aus. Um Mitternacht geht eine Fähre nach Zypern. Die Tickets bekommen wir aber nur im Office der Fährgesellschaft. Also laufen wir dort hin. Kurz scheint die Sonne, dann schüttet, donnert und blitzt es erneut. Unsere Regenjacken halten uns einigermaßen trocken.

    Im Office spricht ein junger Mann englisch und verkauft uns Tickets. Die Räder werden gratis befördert. Wir sollen rechtzeitig am Fährhafen sein, vielleicht werden auch wir gründlich kontrolliert.

    Ziemlich nass erreichen wir wieder Bayrams Wohnung. Um 18 Uhr kommt auch er. Inzwischen war wieder mal der Strom weg. Jetzt essen wir Pelmeni und eine leckere türkische Süßspeise aus der Pfanne. Mal sehen, ob wir trocken zur Fähre kommen.
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  • Bei Gegenwind nach Taşucu

    January 26 in Turkey ⋅ ⛅ 15 °C

    Yesilovacik - Taşucu
    Warmshower Bairam
    32 km

    Dass der Wind unser Zelt heute früh trocknete, war prima. Dass uns der Wind voll ins Gesicht blies, ziemlich blöd. Schließlich dauerte es nicht lange und die Straße stieg wieder an. Zum Glück nur moderat und nicht so steil wie gestern. Trotzdem eierte ich nur mit 6 bis 7 km/h umher. Viel langsamer ging es gestern auch nicht die Berge hoch.

    Wir trauten unseren Augen kaum, als auf der anderen Straßenseite drei Reiseradler auftauchten, die ersten in der Türkei. Wir wollten sowieso an einer Tankstelle halten. Ich ließ mein Rad an der Straße stehen und rannte rüber. Die Straßenseiten waren gerade nicht durch eine Balustrade getrennt. Die drei jungen Radler sind aus Frankreich. Alles habe ich nicht verstanden, aber dass sie mit der Fähre von Zypern kamen und einer seekrank war. Sie wollen nach Hause kurbeln und sind insgesamt sieben Monate unterwegs.

    Wir näherten uns des ersten Tunnels und tatsächlich kam uns wieder ein Radler entgegen. Diesmal konnten wir nicht halten, nur winken. Die beiden Tunnel waren zum Glück ohne Steigungen. Wir sausten durch, doch dann ging es im Gegenwind weiter.

    Komoot zeigt hier die Routen für Radfahrer über die Bergstraßen und nicht durch Tunnel. Wären wir nach Komoot gefahren, hätten wir im Gegenwind die Berge bezwingen müssen. Tunnel sind nicht das Schlechteste für uns.

    In Taşucu haben wir uns zuerst ein kleines Restaurant gesucht, ordentlich gefuttert und Tee getrunken.

    Jetzt warten wir auf Bairam, unserem Warmshower Host für diese Nacht. Warmshower ist eine Internet Community von Reiseradlern auf der ganzen Welt. Man nimmt Radfahrer auf für eine oder zwei Nächte, bietet eine warme Dusche und eventuell Essen. Das gleiche kann man unterwegs in Anspruch nehmen.
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  • Zeltplatz mit Aussicht

    January 25 in Turkey ⋅ 🌙 10 °C

    Aydincik - Yesilovacik
    36 km
    wilder Zeltplatz

    Der Mann vom Hotel machte uns ein ordentliches Frühstück. Er erklärte den Preis, vielleicht hatte er auch ein schlechtes Gewissen. Eine Gurke kostete vor vier Wochen noch 20 Cent, heute 2 €. Viele Menschen treibt die Inflation in die Armut. Für uns war schließlich alles in Ordnung. Wir starteten die nächste Bergtour.

    Die 36 km waren ganz schön hart. Zum Glück war es windstill und nicht zu warm. Nach drei km begannen 7 km Anstieg, die wir in gut zwei Stunden mit vielen Pausen meisterten. 10 % Steigung stand auf einem Schild, genauso zeigte es die Komoot Karte. Zum Glück war die Straße vierspurig mit gutem Asphalt. Viele Autofahrer winkten und hupten. Ein Auto hielt extra für uns. Der junge Mann schenkte und zwei Riegel und Gummibärchen. Oben angekommen zogen wir Jacken an und sausten 6 km runter. Die ganzen erkämpften Höhenmeter waren futsch.

    Es dauerte nicht lange, da kam der nächste harte Anstieg. Nur 4 km lang aber deutlich steiler. Die letzten Meter bis zur Abfahrt schoben wir die Räder. Nun waren es nur noch 3 km bergab bis zu einem Ort, wo Google 5 Campingplätze zeigt. Wir fanden nicht einen einzigen. Hier wird Obst und Gemüse angebaut. Es handelte sich vermutlich um Camps für die Arbeiter. Der ganze Ort war voller Busse und Männer in Arbeitskleidung. Die Aktion brachte uns außer zusätzlicher Anstiege nichts ein. Denn wenn man die Hauptstraße verlässt, saust man runter und muss wieder hoch.

    Wir mussten weiter, was blieb uns anderes. Es ging durch zwei Tunnel, zum Glück mehr bergab als bergan. Den nächsten Berg hätte ich nicht mehr geschafft. Wie durch ein Wunder tauchte ein riesiger freier Platz auf. Und das in den Bergen! Wir hielten, ich musste essen. Leider von der Straße einsehbar. Doch dahinter verbarg sich ein paar Meter tiefer eine Terrasse, genau richtig für unser Zelt. Etwas steinig und vermüllt, aber wir sind nicht wählerisch. Aber mit Meerblick.

    Als wir das Zelt aufstellen, kam ein Ziegenhirte mit seiner Herde vorbei. Später kam er mit seinen Tieren zurück. Und er war völlig unbeeindruckt, dass wir uns hier breit machten.
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  • Zimmer mit Aussicht

    January 24 in Turkey ⋅ 🌙 10 °C

    Anamur - Aydincik
    Hotel Dudum
    55 km

    Endlich wieder im Fahrradsattel. Gestartet sind wir im Regen und angekommen auch. Dazwischen schien sogar mal die Sonne...

    Heute stimmte der Wetterbericht. Um zehn kurbelten wir los, um elf war es endlich trocken. Die erste ordentliche Steigung ließ nicht lange auf sich warten. Die letzten Meter schob ich mein Rad hoch. Den nächsten Anstieg schaffte ich gut. Von kurz und knackig bis lang und moderat war alles dabei. Zum Glück war die Straße (bis auf die letzten km) vierspurig. Die Berge sind gewaltig, die Küste zerklüftet. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Besonders bei Sonnenschein.

    Nach 40 km ging es in einen 2,2 km langen Tunnel, immer schön bergan. Mit 7 km/h schlichen wir durch die Röhre. Um gleich durch den nächsten Tunnel zu kriechen. Insgesamt waren es fünf. In den
    beiden letzten ging es endlich bergab. Der nächste Tunnel ist noch im Bau und wir mussten auf eine schmale Straße. Es fing wieder an zu regnen und wurde kalt. Erstmal ging es 10 % bergab, dann kurz und knackig hoch und runter. Leider mit viel Verkehr und nicht immer rücksichtsvollen Autofahrern. Der Seitenstreifen war, wenn vorhanden, holprig und voller Dreck.

    In Aydincik gibt es zwei Hotels. Wir waren froh, das erste zu erreichen. Aus dem Fenster schaute ein Mann und winkte. Er ließ uns samt Räder sofort rein. Er ist pensionierter Französischlehrer, spricht gut englisch, radelt, taucht und kümmert sich um verletzte Seehunde. Rasch putzte er das Zimmer mit Meerblick und trank mit uns Tee. Nur sein angesagter Preis stellte sich beim Bezahlen für nur eine Person heraus.

    Morgen gibt es wieder ordentlich Höhenmeter und laut Google einige Campingplätze (was nicht stimmen muss). Das Wetter soll gut sein und wir wollen soooo gern wieder zelten.
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  • Am Strand in Anamur

    January 23 in Turkey ⋅ ☁️ 10 °C

    Anamur
    Yagmur Hotel

    Gestern Abend beschlossen wir, heute noch in Anamur zu bleiben. Der Regen verzog sich früher als vorhergesagt. Mittags konnten wir zum Strand laufen. Wir mussten vielen großen Pfützen ausweichen.

    Doch erstmal gab es ein üppiges Frühstücksbuffet. Der Koch bot uns Omelette an. Wir sollten uns dafür Käse aussuchen und überließen ihm die Wahl. Werner hielt sich an Wurst und Tintenfischringe, ich bevorzugte gebratenes Gemüse und Salat. Wie die Einheimischen zapften wir aus einem großen Behälter Tee. Schmeckt uns besser als Nescafé.

    Aufs Mittagessen konnten wir verzichten. Erst nach unserem Strandlauf hatten wir wieder Appetit und verputzten, was die Radtaschen hergaben. Wir hatten noch drei Orangen, die Leila für uns von ihrem Baum gepflückt hatte. Und Brot, Käse und Eier. Heute hatte ich Joghurt gekauft, für mich gibt es keinen besseren als den türkischen. Einfach nur lecker. Und die dunkle Schokolade! Zergeht wie Butter auf der Zunge und der Geschmack ist köstlich. Schokolade pur.

    Auffällig ist, dass hier sehr viele Renault 12 fahren. Ziemlich alt aber gut in Schuss (trotz Beulen und Schrammen). Dacia ist hier anscheinend die angesagte Automarke. Wir sahen viele neue und alte Modelle. Doch Mercedes eher weniger. Wir dachten es wäre genau andersrum.
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  • Im Regen nach Anamur

    January 22 in Turkey

    Gazipasa - Anamur
    Hotel Yagmur
    8 km geradelt, 80 km im Bus

    Vielleicht hätten wir das Ding mit dem Bus auch alleine gedreht, aber dank Leilas Hilfe war es wirklich einfach. Heute Vormittag telefonierte sie nochmal mit Herrn Ahmet vom Busunternehmen. Wir wussten also, wen wir ansprechen sollten.

    Sehr rechtzeitig - also typisch deutsch - radelten wir im Regen zur Busstation. Herr Ahmet erwartete uns schon. Wir bezahlten den vereinbarten Preis und bekamen als Ticket einen handgeschriebenen Zettel. Unser Bus hält aber an der Hauptstraße. Zum Glück hatten wir noch genug Zeit um Tee zu trinken, uns leckeres Essen zu besorgen und die richtige Haltestelle zu finden.

    Yilmas wartete auch auf den Bus. Er wollte nicht mitfahren, sondern seine Gäste abholen. Sollten wir zurück kommen, sind wir bei ihm eingeladen. Er kocht gern und will uns mit Kebab bewirten. Ich habe seine Telefon Nummer. Er liebt Deutschland, denn sein Sohn ist seit drei Jahren dort und kommt bald zurück.

    Der Reisebus kam pünktlich. Zuerst wurden jede Menge Gemüsekisten eingeladen. Ich fragte mich, ob noch Platz für unsere Räder bleibt, aber ein Fach war fast frei. Die Männer wollten die Räder gewaltsam rein schieben und unser Gepäck einfach oben rauf donnern. Wir mussten sie ausbremsen und verluden unser Zeug selbst.

    Was für eine gute Entscheidung, diese Strecke nicht zu radeln. Die Straße ist schmal, kurvig, viel befahren, die Steigungen und Abfahrten heftig. Es regnete, doch der angekündigte Sturm blieb aus. Auch bei gutem Wetter ist diese Strecke für Radfahrer gefährlich. Die vielen LKWs kamen gerade so aneinander vorbei. Wohin soll man sich als Radfahrer flüchten? Kriecht man die Steigungen hoch, verursacht man einen Stau. Drängeln sich Autos vorbei, wird's so richtig brenzlig.

    Erleichtert holten wir Räder und Taschen in Anamur aus dem Bus. Im Regen düsten wir zu einem Hotel in der Nähe. Geschlossen wegen Renovierung. Wann auch, natürlich im Winter. Beim nächsten haben wir Glück. Außer uns sind ein paar nette Männer hier, die bei einem Institut in Adana beschäftigt sind. Einer hat sogar als Kind in Lübeck gelebt, sein Vater arbeitete auf einer Werft. Natürlich brachte man uns Tee. Und niemand regte sich auf, als wir die dreckigen Räder durchs frisch geputzte Restaurant in die Lobby schoben.

    Jetzt machen wir es uns in unserem netten Zimmer gemütlich. Der Regen peitscht an die Fenster. Wenn der Wetterbericht stimmt, radeln wir morgen noch nicht wieder los...
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  • Frühstück bei Leila

    January 21 in Turkey ⋅ ☁️ 10 °C

    Gazipasa
    Pasa Apart Hotel bei Leila

    Gestern Abend lud uns Leila zum Frühstück ein. Wir wollen weiter, aber wir haben auch Zeit. Warum also nicht? Wie besprochen brachte uns ein Taxi um 10.30 Uhr zu Leilas Apartment. Sie wohnt in einem der vielen neuen Häuser, die seit zwei Jahren hier gebaut werden.

    Der Tisch ist voller türkischer Spezialitäten. Verschiedene Käsesorten, Joghurt, Quark, Honig, Rührei, Spiegelei, Aufstriche, Wurst, Gurken, Tomaten und natürlich Brot. Alles sehr lecker und gesund. Laila hat einen Spagat zwischen den Kulturen hinter sich. In Deutschland geboren, kam sie als Baby zu ihren Großeltern in die Türkei. Für die Schulzeit ging es zurück zu den Eltern nach München. Sie sprach kein Wort deutsch und hatte es in der Schule zuerst sehr schwer. Der Vater starb früh und Leila wurde zu ihrem Onkel nach Kiel gebracht, wo es ihr nicht gut ging. Nach ein paar Jahren holte die Mutter sie zurück. Leider konnte sie das Gymnasium in München nicht abschließen, denn die Familie ging zurück in die Türkei. Aus der Traum vom Studium und freiem Leben. Ab und zu fliegt sie nach Deutschland, sie braucht die andere Kultur. Versöhnt ist sie mit ihrem Schicksal bis heute nicht.

    Erst gegen 15 Uhr laufen wir mehr als gesättigt wieder los. Bitte kein Taxi, liebe Leila, wir müssen uns jetzt dringend bewegen. Wir stiefeln gleich noch zu den Ruinen der antiken Stadt Selinus. Auf dem Rückweg bekommen wir an einem Picknickplatz von einer netten Familie zwei frisch gegrillte Hähnchenkeulen in die Hand gedrückt. Die Tochter spricht englisch und erzählt, dass ihr Nachbar aus Deutschland kommt.

    Im Hotel presst Leila für uns frisch gepflückte Orangen aus. Sie ruft die Busstation an. Morgen sind die Aussichten gut, dass wir mit den Rädern nach Anamur mitgenommen werden. Die Sonne zeigte sich heute nicht und in der Nacht und morgen werden Sturm und Regen erwartet. Sollte es mit der Busfahrt nicht klappen, hat Leila wieder ein Zimmer für uns.
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  • Zwangspause in Gazipasa

    January 20 in Turkey ⋅ ☀️ 11 °C

    Gazipasa
    Pasa Apart Hotel bei Leila

    Heute bleiben wir in Gazipasa und werden mit Leila einen Plan schmieden, wie es weitergeht. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm. Der starke Wind von gestern Abend hat sich gelegt. Doch der Wetterbericht sagt jetzt noch stärkeren Sturm in den Bergen für übermorgen voraus.

    Wir sind zur Mall gelaufen. Schließlich möchte ich sie mir auch von innen ansehen. Bei Starbucks ist nicht viel los. Burger King gibt es auch, nur wo ist McDonald's? Es gibt ein Geschäft von Yves Rocher. Soviel ich weiß, werden diese Läden in Deutschland geschlossen. Uns wundert, dass die Mall weihnachtlich geschmückt ist. Aber man muss nicht alles verstehen. Die oberste Etage ist höchstens zur Hälfte vermietet. Subway will noch eröffnen, Deichmann auch.

    Wir essen dort, wo Werner gestern Köfte geholt hat. Mit Blick auf die schneebedeckten Berge. Eine junge Frau kümmert sich rührend um uns. Allerdings spricht sie wie hier kaum jemand Englisch. Vor und nach dem Essen gibt es Tee. Einige Frauen verpacken Essen und Taxifahrer warten darauf es auszufahren. Uns sind die Paket Taxi Mopeds schon aufgefallen.

    Wir laufen zurück und Leila zeigt uns auf der Karte, wo der Busbahnhof ist. Jede Stunde fährt ein Bus nach Anamur. Sie will anrufen und uns für morgen mit den Rädern ankündigen. Ein bisschen Geld für den Busfahrer hilft meist, meint sie. Sollte es nicht klappen, kommen wir zurück. Sie hat auf jeden Fall ein Zimmer für uns.

    Uns fiel auf, dass in Gazipasa viele Apartmenthäuser gebaut werden. Dazwischen stehen Bauruinen und Gewächshäuser. Es liegt erstaunlich wenig Müll rum, im Vergleich zu Mexiko zum Beispiel. Wir gingen auf einen Friedhof. Dort gab es ein Gebäude mit Trinkwasserspender und Toiletten. Eine Frau bot uns Tee an, wir lehnten höflich ab. Unter einen großen Schleppdach stehen viele Bänke. Die Grabstätten sind klein und eng beieinander.

    Ältere Frauen tragen meist Kopftuch. Eine hielt sich die Hand vor den Mund und drehte sich weg, als sie Werner sah. Mich lächelte sie an. Eine Frau mit Niqab sahen wir auch. Die jüngeren Frauen sind oft geschminkt und verstecken ihre Haare nicht.

    Alkohol gibt es nur in zugelassenen Geschäften. Nichts mit Bier im Laden um die Ecke wie in den touristischen Gebieten.

    In den letzten Tagen sahen wir viele Rennradfahrer. Auch heute wieder eine Gruppe mit Begleitfahrzeug. Mehrmals sausten auf der viel befahrenen Hauptstraße Rennradfahrer hinter einem Moped her. Übrigens auch einige Frauen.
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  • Leila hilft uns aus der Patsche

    January 19 in Turkey ⋅ 🌙 7 °C

    Alanya - Gazipasa
    Pasa Apart Hotel bei Leila
    49 km

    Auch Alanya überraschte uns mit einem guten Radweg raus aus der Stadt. Wir standen an keiner Ampel, die Autos neben uns immerzu.

    Die Hauptstraße führte meist direkt am Wasser entlang. Am Strand waren jede Menge überdachte Picknickplätze, oft gut besucht. Auch wir hielten an und genossen den Ausblick.

    Irgendwann führte die Hauptstraße in die Berge und wir nutzten eine Nebenstrecke auf der Steilküste. Der Asphalt war etwas grob und holprig. Tatsächlich hatte man an einer Seite einen Radweg aufgemalt, der jedoch völlig verdreckt war. Durch Schrauben und Glas wollten wir nun wirklich nicht rollen. Kein Autofahrer wies uns auf die Radspur hin, nicht mal die Jandarmerie. Die Ausblicke waren fantastisch. Wir hielten an einem kleinen Restaurant und bekamen den ersten richtigen türkischen Kaffee. Die Touristen Gebiete endeten hinter Alanya, hier ist die echte Türkei. Der Gegenwind nahm zu und war lausig kalt.

    Gazipasa liegt in einer Ebene. Als wir diese erreichten, waren wir dem Wind schutzlos ausgeliefert. Zum Glück tauchte - wieder eine Überraschung - ein supermodernes Einkaufszentrum auf. Wir platzierten die Räder windgeschützt am Eingang und wurden sofort von einer Frau vom Sicherheitsdienst zu dem Parkplätzen im Wind verwiesen. Schöne neue Welt, das passte nicht zur Türkei, aber zur Mall. Der Chef sprintete heran und kommandierte uns wieder zum Eingang. Die Dame bekam anscheinend einen Rüffel.

    Werner ließ seine Bauchtasche röntgen, sonst wäre er nicht reingekommen. Sicherheitskontrolle wie auf dem Flughafen. Durch die ganze Mall trabte er bis er die Restaurants fand. Er besorgte Köfte und war die Attraktion des Tages. Gleich zwei Frauen tippten zeitgleich den Betrag in ihre Kassen, jede wollte kassieren. Und Tee bekam er, diese Tradition klappt sogar in der hochmodernen Mall.

    Ich hatte mir inzwischen draußen meine dicke Jacke angezogen. Wir setzten uns auf eine kleine Mauer - leider voll im kalten Wind - und futterten Köfte. Den Salat nahmen wir mit, den hätte uns der Wind von der Gabel geweht.

    Da zelten am Strand bei dem Wind keine gute Idee war, suchten wir wieder ein Zimmer. Nicht so einfach ohne Touristenhotels. Das erste Hotel war eine Baustelle. Das zweite fanden wir, aber niemand war da. Beim dritten hatten wir Glück, denn es gehört Leila. Sie hat lange in München und Kiel gelebt und war begeistert wieder deutsch zu hören. Für 30 € bekamen wir ein Zimmer. Total abgerockt aber ok. Draußen wackeln die Palmen und die Klimaanlage heizt unsere Bude. Der Herd hat allerdings keine Gasflasche. Aber wir haben ja unseren Campingkocher und ausreichend Gas.

    Gerade versprach uns Leila, dass wir länger bleiben können. Das wird nötig sein. Der Wind nimmt zu und kommt aus Osten. Morgen wollten wir durch die Berge fahren, einen anderen Weg gibt es nicht zur nächsten größeren Stadt Anamur. Das heißt Gegenwind und ordentliche Steigungen, teils 17 %. Mindestens drei Tage brauchen wir und es gibt nur ein Hotel auf dem Weg. Nachts müssen wir mit Frost rechnen und ob wir einen ebenen Platz für unser Zelt finden steht in den Sternen. Wir sind nicht lebensmüde und werden morgen mit Leila eine Lösung finden. Ich habe mit Sturm ganz schlechte Erfahrungen, brauche nur an Mexiko denken. Und schon mal krachte unser Zelt in Kroatien beim Bora Sturm zusammen. Brauchen wir das nochmal? Dann doch lieber Leilas abgerockte Bude.

    Fast vergessen. Heute früh klebten wir türkische Flaggen an unsere Räder.
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  • Der Wind hat gedreht...

    January 18 in Turkey ⋅ 🌙 5 °C

    Kizilot - Alanya
    Park Hotel
    47 km

    ...und damit wird sich bald das Wetter ändern. Behauptet zumindest die Wetter App. Letzte Nacht war es ziemlich kalt, aber trocken. Auch im Zelt war keine Feuchtigkeit. Wir schliefen schön warm und gut in unseren Schlafsäcken.

    Kaum auf der Hauptstraße hatte ein kleiner Laden geöffnet. Nur die größeren Märkte sind sonntags geschlossen. Werner holte frisches Weißbrot und Feigenmarmelade. Wir setzten uns vor den Laden und futterten. "Do you want coffee?" Klar, mit Kaffee schmeckt es noch besser. Die nette Verkäuferin wollte kein Geld, der Kaffee ging aufs Haus.

    Heute, am Sonntag, war weniger Verkehr. Natürlich mussten wir wieder überwiegend auf der Hauptstraße unterwegs sein. Einmal führte Komoot uns ein paar km durch einen Ort, Bananenstauden links und rechts. Hier entdeckten wir eine öffentliche Trinkwasserstelle und füllten unsere Flaschen. Leitungswasser sollte man hier besser nicht trinken.

    Die Ausblicke waren traumhaft. Rechts das Meer, links das Gebirge. Kurz vor Alanya waren die Berge direkt an der Straße. Der Blick auf Alanya: WOW. Erinnerte ein bisschen an Gibraltar. Und da tauchte er auf, der Schriftzug ALANYA. Wir stoppten für ein paar Bilder. Ein anderer Radfahrer schaute sich unsere bepackten Stahlrösser am. Er ist Russe, lebt zur Zeit hier und schüttelte über uns lachend den Kopf. Wir schauten uns sein gutes KTM Rad an, mit gut eingesessenen Brooks Sattel.

    Gegen 15 Uhr waren wir am Ziel. Und brauchten noch eine Unterkunft. Der Campingplatz gestern kostete 20 €, ein kleines Bier 4 €. Viel zu teuer in dieser Saison. Bei booking.com fanden wir Hotelzimmer unwesentlich teurer. Und genau in so einem Zimmer sind wir nun. Gefragt, den Preis von booking gezeigt und bekommen. 32 € mit Frühstück. Die Räder dürfen mit ins Zimmer und stehen auf dem Balkon. Besser geht es nicht. Wo sollten wir sonst auch hin? Hier gibt es keinen Campingplatz und überall wild zu zelten ist eine Illusion.
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  • Hügel und etwas Rückenwind

    January 17 in Turkey ⋅ ⛅ 10 °C

    Denizkent - Kizilot
    Campingplatz
    44 km

    Gestern Abend fing es noch an zu regnen. Das hatte die Wetter App verschwiegen. Und es war garantiert kälter als die angekündigten 6 Grad. Leider trocknete die Morgensonne das Zelt nicht. Sogar unsere Schlafsäcke waren im Zelt oben feucht. Uns blieb nichts weiter als unseren Kram feucht einzupacken.

    Bevor wir starteten, stand plötzlich ein Ziegenhirte mit seinen Tieren auf dem Weg. Er fragte, woher wir kommen und wechselte sofort in unsere Sprache. Vier Jahre hat er an einer Hotelfachschule deutsch gelernt und lange im Restaurant an der Bar gearbeitet. Jetzt ist er Rentner und die Ziegen sind sein Hobby. Wir hätten noch stundenlang mit ihm reden können, doch wir mussten uns warm radeln. Sollten wir zurück kommen, freut er sich uns wiederzusehen.

    Im Dorf holten wir Brot. Die Verkäuferin konnte sogar etwas Englisch. Auf hügeligen Nebenstraßen ging es mit etwas Rückenwind Richtung Hauptstraße. Wir hielten an, um zu frühstücken. Mit Blick auf die Berge und viele Bienenkörbe. Frisches Brot mit Honig, lecker. Die Strecke zog sich, teils kurbelten wir im leichtesten Gang die Hügel hoch. Aber jeder km auf der ruhigen Nebenstrecke ersparte uns einen km auf der lauten Hauptstraße, die nur moderate Steigungen aufwies.

    In Manavgat suchten wir uns ein kleines Restaurant. Diesmal gab es für mich keine Linsen-, aber schmackhafte Bohnensuppe. Und Salat und Tee natürlich.

    Noch ein paar km auf der Hauptstraße und wir waren rechtzeitig am Campingplatz. Schließlich mussten wir noch Zelt und Schlafsäcke trocknen. Nichts los hier in der Nebensaison. Erstaunlich, dass der Campingplatz überhaupt geöffnet hat. Tatsächlich war die Rezeption besetzt und wir sind die einzigen Camper. Toiletten und Duschen sind akzeptabel und der Strand ist hier sauber.
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  • Endlich auf der Piste

    January 16 in Turkey ⋅ ⛅ 11 °C

    Antalya - Denizkent
    Campspot dicht am Strand
    67 km

    Natürlich waren wir wieder in der Bäckerei zum Frühstück Spiegelei essen, wo uns der nette Deutschsprachige sofort entdeckte.

    Tatsächlich brachte uns ein gut ausgebauter Radweg zügig aus Antalya raus. Das hatten wir nun gar nicht erwartet. Wir wurden von einem Friseur zum Tee eingeladen. Obwohl wir seine Dienste gar nicht in Anspruch nahmen. Einfach so, er hatte gerade keine Kunden. In Belek sprach uns ein Reiseleiter an, der fließend deutsch spricht. Belek wäre das Monaco der Türkei, meinte er. Vor ein paar Jahren konnte man durch den Wald zum Strand laufen, heute wohnen dort Reiche in noblen Hotels. Trotzdem fanden wir hier gutes Essen zum angemessenen Preis.

    Die Hauptstraßen waren gut ausgebaut und die Autofahrer rücksichtsvoll. Wir fühlten uns sicher. An einer Tankstelle holte Werner Kaffee, 2 kleine Becher für insgesamt 60 Cent. Es war löslicher Jacobskaffee aus einer kleinen Tüte und schmeckte besser als erwartet. Der Verkäufer zeigte Werner draußen den Behälter mit heißem Wasser und ließ es sich nicht nehmen, den Kaffee aufzugießen. Richtig guter Service. Viele Leute grüßten freundlich oder fragten gleich mal wo wir herkommen.

    Nach gut 50 km bogen wir von der Hauptstraße Richtung Küste ab. Ab hier gab es ein paar Löcher im Asphalt, doch wir haben schon viel schlechtere Pisten unter die Reifen genommen. Plötzlich war ein Rennradfahrer neben Werner, drahtig und nicht mehr jung. Die Männer unterhielten sich kurz, dann trat er in die Pedalen und war verschwunden. Die Nebenstraße führte durch Orangenplantagen und Gewächshäuser. Hier lag erstaunlich wenig Müll und es stank nicht nach Gift, wie wir es in Spanien erlebt hatten.

    An einer kleinen Moschee bogen wir ab zum Strand. Der Weg war unbefestigt und wurde sandig. Ein Mann verbrannte etwas, der nächste kam mit seinen Ziegen aus einem alten Haus. Uns war etwas mulmig. Kann man überhaupt am Strand zelten? Plötzlich war ein Womo hinter uns, ein ausgebautes Feuerwehrauto, Kennzeichen HL für Lübeck. Es hielt neben uns. Ihr seid bestimmt aus Deutschland, lachte der junge Mann. Obwohl wir diesmal gar keine deutsche Flagge am Rad haben.

    Jetzt stehen die Lübecker ganz in unserer Nähe. Ein paar Angler sind auch hier. Außerdem zwei kleine Wohnwagen und noch mehr schmucke Wohnmobile. Hatten wir also den richtigen Riecher für einen guten Campspot am (leider vermüllten) Strand.
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  • Sonne satt und kein Wind mehr

    January 15 in Turkey ⋅ ☀️ 14 °C

    Heute frühstückten wir in einer kleinen Bäckerei. Abseits von der Altstadt unter Einheimischen. Einer der Mitarbeiter arbeitete vor 15 Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff und spricht deutsch. Er übersetzte uns die Speisekarte und bediente uns unglaublich höflich. Als wir die Bäckerei verließen kam er hinterher. Ehrlich interessiert fragte er uns aus. Sein Bruder wohnt in Hamburg und kommt bald zurück. Er vermisst die südliche Sonne. Ursprünglich wollte er selbst auch nach Hamburg. Den Plan hat er längst aufgegeben. Wir verabredeten uns gleich mal für morgen früh.

    Mannomann, heute hätten wir Sonnencreme gebraucht. Wir liefen zum Wasser und trauten unseren Augen nicht. Gestern sah das Taurusgebirge im Abendlicht wie ein schwarzer Scherenschnitt aus. Heute sieht man Schnee auf einigen Bergspitzen und die Berge scheinen im Morgenlicht viel näher zu sein. Bloß gut, dass wir das Staunen nicht verlernt haben. Der Ausblick ist traumhaft. Am liebsten würden wir den ganzen Tag hier bleiben und die spiegelblanke Wasserfläche und Berge betrachten.

    Doch wir müssen noch unsere Sachen sortieren und so einpacken wie bei jeder anderen Radreise auch. Um blind in die Taschen zu greifen und alles notwendige augenblicklich zu finden. Die Fliegerei verlangt ja alles entsprechend der (Handgepäck)regeln zu verstauen.

    Ein paar Stunden später: Die Taschen sind jetzt ordentlich gepackt. Wir sind nochmal zum Wasser gelaufen und die Berge sahen wieder anders aus. Was für eine Kulisse!
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  • Auf der Suche nach Messer und Gas

    January 14 in Turkey ⋅ ☀️ 16 °C

    Gaskartuschen dürfen nicht ins Flugzeug. In die Türkei darf man auch keine Messer mitnehmen. Nein, auch nicht im Aufgabegepäck. Daran haben wir uns gehalten. Nun musste ein neues Messer her.

    In Antalya gibt es Decathlon, vier Mal sogar. Wir liefen zum nächstgelegenen. Es gab nur wenige Messer, wir entschieden uns für das kleinste Klappmesser. Und einzelne Gaskartuschen? Ausverkauft. Nur als Set zu haben mit einem Kocher. Aber wir haben schon zwei dabei: zum Schrauben und Stechen. Der nette Verkäufer nannte uns ganz in der Nähe ein Geschäft, wo wir Kartuschen bekommen können. Es war nicht zu finden. Wir suchten ohne Erfolg weiter.

    Also zum nächsten Decathlon. Morgen mit der Tram, beschlossen wir. Wir fragten den jungen Mann an der Rezeption, ob wir in der Tram mit Kreditkarte bezahlen können und erzählten, warum wir zu Decathlon wollen. Er hatte eine Idee. Wir sind hier nicht die ersten Camper. Er schaute nach, ob andere Camper Gaskartuschen hinterlassen haben, fand aber keine. Doch ein Freund von ihm arbeitet in einem nahegelegenen Hostel. Den rief er an und hatte Glück. Wir konnten uns im Hostel Kartuschen aus einer ganzen Sammlung aussuchen. Auch wir ließen unsere angebrochenen Kartuschen oft auf Campingplätzen, in Hostels oder Flughäfen zurück. In der Hoffnung, dass andere Camper sie noch nutzen werden. Und jetzt bekamen wir welche zurück! Was sind wir froh. Der Morgenkaffee ist gesichert.

    Erleichtert schlenderten wir durch die Altstadt, wo man uns an jedem Restaurant zum Essen animieren wollte. Wir landeten am Hidirlikturm, direkt am Wasser. Der Blick zum Taurusgebirge ist fantastisch. In einer Eckkneipe holte ich mir eine köstliche Linsensuppe. Und an einem Obststand schenkte man mir einen Granatapfel.

    Und wenn wir hier nochmal essen gehen, dann im kleinen Restaurant um die Ecke. Wo uns der Wirt drei Gerichte nennt und uns als erstes frisch geröstete Maroni vor die Nase stellt.
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  • Antalya: sonnig, windig, kühl

    January 13 in Turkey ⋅ 🌙 8 °C

    Proseken - Hamburg - Antalya
    17 km geradelt

    Alles gut gelaufen heute. Der Shuttlebus brachte uns pünktlich zum Flughafen. Wir konnten ruckzuck bei Pegasus einchecken. Nicht nur die Räder, auch unsere großen Taschen mussten zum Sperrgepäck. Noch nie wurden unsere Taschen kontrolliert, aber heute war es soweit. Werner musste eine große Tasche öffnen. Auffällig war unsere Flüssigseife zum Abwaschen. Die Radkartons waren zu groß für den Scanner. Also auf damit. Es gab nichts zu meckern. Als nächstes war mein Handgepäck dran. Man wollte nur die Powerbanks genauer ansehen. Das alles dauerte ziemlich lange. Als wir meinten noch viel Zeit zu haben gab es eine lange Schlange an der Passkontrolle. Zum Glück blieb noch Zeit für unser mitgebrachtes Frühstück.

    Antalya begrüßt uns mit Sonnenschein und kühlem Wind. Zum Glück kam das ganze Gepäck mit uns an. Ziemlich schnell waren die Räder startklar. Es war dunkel, als wir nach 17 km an unserer Unterkunft ankamen. Zuerst ging es entlang der Hauptstraße, dann durch Viertel wo niemand reich ist. Auch unser kleines Apartment liegt nicht in einer schicken Gegend, dafür gibt es aber ein uriges kleines Restaurant in der Nähe, wo sich anscheinend überwiegend Einheimische treffen. Das Essen war vorzüglich.
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  • Endlich alles gepackt

    January 12 in Germany ⋅ ☁️ -3 °C

    Wir können es nicht bestreiten. Ziemlich aufwendig ist es schon mit Rädern im Flugzeug zu reisen. Zum Glück fingen wir eine Woche vorher mit dem Packen an. Der Lenker an Werners Fahrrad ließ sich nicht drehen. Das Rad musste noch einmal in die Werkstatt, bevor wir es im Karton versenken konnten. Die nächste Herausforderung: Unser Shuttleservice musste absagen. Der Transporter hatte einen Unfall und ist nicht einsatzbereit. So ein Mist, wie kommen wir jetzt mit dem ganzen Geraffel zum Flughafen nach Hamburg? Beim zweiten Versuch bekamen wir von einem Taxiunternehmen sofort eine Zusage. Wir müssen rechtzeitig da sein, denn der Online-Check-in funktioniert nicht. Wir fliegen das erste Mal mit der türkischen Airline Pegasus. Ich habe zwei Vornamen und das System erkennt meine Namen nicht richtig. Eine ganze Stunde habe ich mit Pegasus gechattet und sie erklärten mir, meine Vornamen wäre mein Nachname. Doch auch wenn ich mit meinen Vornamen einchecken will erscheint Error. Wenn das Winterwetter uns jetzt nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht, hebt morgen um 11.35 Uhr der Flieger mit uns und unsere Sieben Sachen nach Antalya ab.Read more

    Trip start
    January 12, 2026