• Wem gehören die Kartons?

    12. marts, Tyskland ⋅ ⛅ 8 °C

    Berlin
    Flughafen BER

    Das Taxi kam pünktlich, dem Fahrer verging allerdings die gute Laune als er unser Gepäck sah. Angeblich wusste er nichts von Radkartons. Ich hielt ihm den WhatsApp Chat mit seinem Chef unter die Nase. Es war alles haarklein aufgeführt, auch die Maße der Kartons. Daraufhin telefonierte er aufgebracht und gestikulierend. Schließlich wollte er mehr als die vereinbarten 50 €. Etwas zerknirscht willigten wir ein. Denn wenn der jetzt einfach abhaut, ist unser Problem größer als seins. Wir sind auf den Typen angewiesen. Für 15 € mehr klappte er dann endlich die Sitze runter und wir konnten unsere Sieben Sachen einladen. Er betonte noch, dass die Mitnahme des Handgepäcks 5 € kostet. Ich konnte nur noch drüber lachen. Schweigend spulten wir die 15 km zum Flughafen ab. Unseren Abschied von Zypern hatten wir uns wahrlich anders vorgestellt.

    Wir hingen noch ein bisschen im Flughafen rum. Endlich wurden wir unser Gepäck los. Die nette, fließend deutsch sprechende Mitarbeiterin von Ryanair ließ tatsächlich unsere Räder trotz Übergewicht ohne Nachzahlung durchgehen. Dann schickte sie uns nicht nur mit den Rädern, sondern auch mit den drei großen Taschen zum Sperrgepäck. Der junge Mann dort war genauso gut drauf. Er war neugierig, wo wir schon überall radelten. Wir quatschen eine ganze Weile. Schließlich passte alles durch den Scanner, nichts war verdächtig, keine Tasche musste geöffnet werden. Der unfreundliche Taxifahrer, der vielleicht private Probleme an uns ausgelassen hatte, war längst vergessen.

    Berlin empfing uns mit einem rasanten Sonnenuntergang und deutlich kühlerer Luft, als wir es gewohnt waren. Als wir das Gepäckband erspähten, drehten unsere drei Taschen darauf ihre Runden. Und am Sperrgepäck warteten zwei unbeschädigte Radkartons auf uns.

    Wir suchten uns eine ruhige Ecke und bauten die Räder zusammen. Ein junges Paar mit zwei kleinen aufgeweckten Jungs sprach uns an. Bevor sie Eltern wurden, radelten sie unter anderem durch Thailand. Etwas wehmütig schauten sie auf unsere Räder. Mit den beiden Rackern trauen sie sich keine Radreise zu.

    Ein Securitymann hatte uns schon mehrfach erklärt, wo wir die Radkartons entsorgen sollen. Dahin brachte Werner die Boxen und kam zurück, um endlich etwas zu essen. Was für ein Fauxpas. Plötzlich stand eine Polizistin vor uns. Ob in den Kartons unsere Räder befördert wurden. Klar, wir entsorgen sie auch noch. Sie rümpfte zwar die Nase, ging aber wieder. Nach ein paar Minuten war sie wieder da. Ihr Vorgesetzter hat von unbewachtem Gepäck Wind bekommen. Wenn wir nicht augenblicklich in ihrer Gegenwart die Kartons entsorgen, übernimmt das der Flughafen und schickt uns eine Rechnung. Ich fragte, ob wir noch runterkauen dürfen. Drei Minuten gab sie uns. Wir schnappten uns unser ganzes Zeug, denn in die Ankunftshalle konnten wir nicht wieder zurück. Zusammen mit ihrem jungen Kollegen führte uns die Polizistin zu den beiden Steinen des Anstoßes, den Kartons mit Bläschenfolie und anderem harmlosen Füllmaterial innen drin. Doch dann drehten sich die beiden um und verschwanden wieder in der Ankunftshalle. Gerade sollten wir noch in ihrer Gegenwart den Kartons zu Leibe rücken, und nun?

    Werner zückte das Messer und zerlegte die Boxen. Was gar nicht so einfach war. Mega stabil, hätten sie noch einige Räder sicher befördern können. Alle erreichbaren Abfallbehälter für Pappe und Papier stopften wir bis zum Anschlag voll. Schade drum. Wir haben einen Tipp: Jeder Flughafen sollte ein Depot für noch gut erhaltene Radkartons haben, einsehbar mit Größenangaben auf der Website. Dann könnten wir Radler unsere Räder auf dem Flughafen verpacken und müssten uns nicht von teuren Taxis (und genervten Fahrern) durch die Gegend kutschen lassen. (Natürlich nicht ohne rechtzeitig zu testen, ob sich auch der Lenker drehen, die Sattelstütze rausziehen lässt und die Pedalen nicht fest gerostet sind.) Nachhaltig wäre es auch noch.

    Wir fanden ein paar Bänke zum Schlafen. Zwei junge Männer wollten hier auch nächtigen. Wir quatschten bis nach Mitternacht, dann fielen uns die Augen zu. Einer streckte sich auf dem Fußboden aus, Werner schlief recht und schlecht im Sitzen, ich lag auf der harten Bank. Irgendwie ging die Nacht vorbei. Geweckt wurden wir von der Durchsage: Achten Sie auf unbewachtes Gepäck und melden Sie es dem Flughafenpersonal. Da wusste ich, wovon ich gerade geträumt hatte. Von leeren Kartons und aufgebrachten Polizisten...
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