To be continued
October 7, 2022 in Costa Rica
🌧 21 °C
Hätte uns vor einem halben Jahr jemand gesagt, dass wir mal an der honduranischen Grenze auf einer Holzbank übernachten - wir hätten sie/ihn für verrückt erklärt.
Nun sitzen wir am Flughafen in Costa Rica und warten auf unseren Edelweiss-Flug nach Zürich. Der Grund ist leider ein trauriger. Simi’s Vater geht es gesundheitlich nicht gut, weshalb wir uns entschieden haben, unsere Reise zu unterbrechen. Die Geschichte, wie wir es rechtzeitig hierher geschafft haben, werden wir jedoch noch unseren Ur-Nichten erzählen.
Im Herzen Honduras, am Lago Yojoa, haben wir einen Tag damit verbracht, einen schnellen und einigermassen bezahlbaren Weg nach Zürich ausfindig zu machen. Der Plan war perfekt: 11 Stunden mit dem Shuttle nach Léon (Nicaragua) - 1 Übernachtung - 2 Stunden Taxifahrt nach Managua (Nicaragua) - 10 Stunden Busfahrt nach San José (Costa Rica) - 1 Übernachtung - Direktflug nach Zürich am Freitagabend…
Dumm nur, haben wir den Plan ohne die nicaraguanischen Grenzbehörden gemacht. Am Mittwochabend am Zoll von Nicaragua angekommen, wird Pirmin plötzlich in ein Hinterzimmer gebeten. Fünf Beamte warteten auf ihn. Die erste Frage lautete: „Arbeiten Sie für SRF?” - ohne dass Pirmin diese Tätigkeit irgendwo erwähnt oder angegeben hatte. Offensichtlich führt Nicaragua eine internationale Journalisten-Datenbank. Oder sie haben eine Online-Recherche angestellt. Es folgen weitere Fragen über seine frühere Tätigkeit und was er in Zentralamerika mache. Total surreal und bisschen beängstigend.
Nicaragua verkommt immer mehr zu einer Diktatur. Die Meinungsfreiheit wird unterdrückt. Menschenrechtsverteidiger, Akademiker und politische Gegner werden verhaftet. Ausländische Journalisten sind im Land nicht gerne gesehen. Auch wenn diese gar nicht mehr aktiv, pensioniert - oder auf Reisen sind.
Uns war bewusst, dass vielleicht kritische Fragen gestellt werden. Aber dass wir rund zwei Stunden später von den Grenzwächtern zurück an die honduranische Grenze begleitet werden, haben wir nicht erwartet. No puedes entrar. Dass wir nur auf Durchreise im Land sind, hat die Beamten so wenig gekratzt, wie der Umstand, dass wir wegen eines Notfalls auf dem Heimweg sind. Sogar Simi wurde die Einreise verweigert. Eine Begründung gab es zu keiner Zeit - reine Schikane.
Und so sassen wir kurz vor Mitternacht auf einer Holzbank im honduranischen Zollhaus. Tränen sind einem ungläubigen Lachen gewichen. So absurd war das Ganze. Die Leute am Zoll von Honduras waren das Gegenteil der Kollegen in Nicaragua: die freundlichsten Menschen. Abwechselnd versuchten wir bisschen zu schlafen - und einen neuen Plan auszuhecken, wie wir bis Freitag doch noch nach San José kommen.
Und manchmal hat man Glück im Unglück. Am nächsten Morgen kehrte nämlich unser Shuttle-Fahrer vom Vortag zurück zum Zoll. Er sei auf dem Weg in die andere Richtung nach El Salvador und er hatte genau noch zwei freie Plätze im Bus. Also ab nach San Salvador, weitere 9 Stunden Busfahrt. Und von dort aus hatten wir am nächsten Morgen tatsächlich einen Flug nach Costa Rica. Wir winkten den nicaraguanischen Grenzwächtern aus der Luft und schafften es rechtzeitig auf unseren Rückflug nach Zürich.
Hier hat der erste Teil unserer Reise leider ein vorzeitiges, abruptes Ende. Die Reise wird weitergehen, vielleicht noch dieses Jahr, vielleicht nächstes Jahr. Es gibt noch so viele Länder, die uns gerne willkommen heissen… :)Read more








