• Ogoh-Ogoh

    March 29, 2025 in Indonesia

    Ogoh-Ogoh in drei Worten? Laut, sehr laut, zu laut!

    Ogoh-Ogoh ist etwas, das man nicht gesehen haben muss, aber es wäre schade, wenn man es verpasst 😄. Zumindest einmal im Leben, wenn man schon mal zufällig die Gelegenheit dazu hat, darf man sich das Spektakel antun. Man darf einfach vorher nicht wissen worauf man sich einlässt, sonst lässt man es wohl eher sein. Denn Ogoh-Ogoh ist sehr laut, es ist heiss, hat viele Leute, es riecht nach Feuerwerk, Schweiss und Dämonenkacke. Und man kann nicht einfach flüchten, einmal dort, wenn der Umzug angefangen hat, bleibt man bis zum Schluss, da eh alle Strassen verstopft sind.

    Aber mal von vorne. Was ist Ogoh-Ogoh und wie kamen wir dazu? Nun, als wir unsere Reise nach Bali gebucht haben, war uns nicht bewusst, dass unser Reisezeitraum in den höchsten Feiertag der Balinesen fällt - Nyepi. Nyepi ist der „stille Tag“ und wird einen Tag nach Ogoh-Ogoh zelebriert. Heute ist Nyepi und alles ist ruhig, meditativ, runtergefahren. Es gibt keinen Strom, man spricht leise, wer kann hat frei, sogar der Flughafen ist geschlossen. Es wird nicht gefeiert, man verbringt den Tag zuhause in Ruhe. Gefeiert wurde gestern genug, an besagtem Ogoh-Ogoh. Das ist der Tag vor Nyepi, an dem die Dämonen ausgetrieben werden. Und das nicht zu unauffällig. Schon seit Monaten wird von den verschiedenen Gruppen und Vereinen an ihren Dämonenskulpturen gebastelt. Wir haben diese schon auf unserer Reise nach Ubud gesehen, konnten uns aber keinen Reim drauf machen was das sein soll (Theater-Equipment?, Dekoration? Figuren für einen Tempel?). Nein! Es sind die sehr spekatkulären, kreativen, gefürchigen Figuren 👹 für den Umzug, der am Abend stattfindet.

    Und so kommt es, dass auch wir daran teilnehmen. Im Alam Batu wird ein Shuttle organisiert, der uns an den grössten Umzug der Umgebung bringt. Wann der anfängt? Uff, keine Ahnung, irgendwann am späten Nachmittag, oder früher oder später. Und so kommt es, dass wir schon mal eine Stunde (oder wars mehr?) vor der Kreuzung des erwarteten Geschehens rumstehen und warten, bis dann irgendwann (ich glaube es war 18 Uhr) der Umzug gestartet wird. Es ist noch hell, trotzdem ist die erste Gruppe schon voll motiviert. Ich bin in der ersten Reihe und fotografiere, als es plötzlich hinter mir lautstark aus dem Subwoofer auf dem Moped plärt (🔊hojooohhniiijooooowäääähhuiluidiou!!!!!! 😵‍💫 Oh, Schatzi, unser Lied 😄).

    Ehrlich gesagt ist es schwierig zu erklären was dann über drei Stunden (!) passiert ist. Kurzfassung: immer wieder ziehen neue Gruppen mit selbstgemachten Skulpturen auf einem Bambusgestell vor die Menge, machen eine Aufführung mit Tanz 👯‍♀️ und Gesang (oder auch nicht) und drehen sich dann mit dem ganzen Gestell im Kreis. So schnell, dass es den einen oder anderen Burschen überwürfelt und im blödsten Fall auch unter die Skulptur haut. Oder so, dass sich die Gliedmassen vom Dämon der Schwerkraft hingeben und durch die Luft fliegen. Beides nicht ganz ungefährlich, wenn man wie ich „im Auge des Orkans“ steht für das beste Bild. Denn entweder kommt man im Rausch des Dämonenkarusells selbst unter die Vorrichtung oder wird von einem herunterfallenden Dämonenkopf getroffen. Ist zwar nur Styropor und Watte, knallt aber sicher trotzdem.

    Nach drei Stunden hat das Spektakel ein Ende. Ich war überzeugt, dass es hundert Gruppen waren - schlussendlich beim Sichten der Bilder heute waren es ca. 20. Aber jede Gruppe besteht aus etwa 100 Personen und darunter auch nochmal Einzel-Dämonen-Träger-Gruppen. Da sind dann schon mal auch ein Grüppchen mit Kindern dabei, dann die Teenager und dann die Alten. Und jede Gruppe will sich natürlich so lang wie möglich präsentiere und ihre Kreativität zeigen. Als wir dann wieder ins Shuttle steigen und losfahren stehen wir erst Mal im Stau, der Umzug geht auch in den Strassen weiter (wie an der Luzerner Fasnacht - Umzug vorbei und alle Gruppen dudeln noch an ihren Plätzen weiter. Für eine Fahrt von 10 Minuten haben wir schlussendlich eine Stunde. Es gibt noch Abendessen, aber auch bald Feierabend - denn es war heiss und eindrucksvoll und laut. Ogoh-Ogoh eben!
    Read more