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  • May21

    Coron-i, Coron-a. Corononida.

    May 21, 2020 in Switzerland ⋅ ☀️ 15 °C

    Keiner mag es. Dieses Corona, Covid-19, SARS-CoV-2 oder wie die Sau auch immer heisst. Ist ja auch eine wirklich beschissene Zeitgenossin. Doch es geht bergauf. Also die Zahlen runter und wir den Berg hinauf. Die Lockdown-Lockerung kommt uns irgendwie gelegen und wir nehmen zur Abwechslung die steilste Standseilbahn der Welt. Das Teil bringt uns im Eiltempo rauf auf den Stoos. Wer baut eigentlich sowas? Einhundertundzehn Grad steil geht es in Lichtgeschwindigkeit gefühlt senkrecht nach oben. Quasi ein Lift. Mir ist schon wieder schlecht. Aber nicht wegen dem übertrieben steilen ABB-Lift, sondern wegen dem übertrieben steilen Gestern. Im Wald war ich. Mit drei unmaskierten Musketieren, die mich zum runden Geburtstag kreativ beschenkt haben. Ein mehrtägiger Ausflug wird es werden, bei dem die Würfel über alles entscheiden. Wirklich alles. Das jeweilige Transportmittel, Richtung, Distanz, jegliche Aktivitäten, das Verweilen, Weiterreisen oder das Nachtlager. Aber auch jedes Getränk und jeder Imbiss. Ja sogar wann einen der verdammte Wecker aus dem Schlaf reissen soll. Ein Spiel der Spiele. Gut möglich, dass wir damit noch richtig reich werden. Zumindest die anderen. Ich hab ja schon Sue. Gestern ging es allerdings erst um einen virtuellen Testausflug, der uns an die deutsche Grenze und nach Zurich Downtown bringt. Getrunken wurde reichlich. Sowohl virtuell als auch tatsächlich. Von daher überrascht weder der brummende Schädel noch der rebellierende Magen. Die Tatsache, dass mich die schöne Sue frühmorgens aus dem Bett und an den Start der Stoos‘schen Gratwanderung schafft hingegen schon. Scheiss Pärchenzeugs.

    Während die ganzen Pärchen wie es sich gehört eng umschlungen die kitschige Aussicht bewundern, gilt es ausserbeziehlich die zwei Meter Luftpolster aufrecht zu erhalten. Allerdings ist dies im Gegensatz zu den gestrigen Getränken definitiv mehr virtuell als tatsächlich. Man(n) gibt sich Mühe und hat die selbige. Masken hat hingegen niemand. Auch nicht Corina. So heisst die komische Tante wahrscheinlich, die das Covid-Memo offensichtlich nicht gelesen hat, sich einfach nur tierisch auf den Tag in den Bergen freut und die kurze Bergfahrt ununterbrochen labert und ekliges Ärosol in der Kabine verteilt. Es hat aber auch sonst viele Wanderfüdle. Teils auch richtige Ärsche. Wie Corina. Apropos Arsch. Ich muss noch auf Klo bevor es losgeht. Nein, nicht brechen. Aber fast. Denn man merkt (im Sitzen) sofort, dass wir an einem beliebten Hotspot für ausländische Touristen sind. Für einige von ihnen ist auf der Innenseite der Toilettentür scheinbar eine visuelle Bedienungsanleitung nötig. So ein Kack-Tutorial hätte ich am Loch aka „The Holy Hole“ in Myanmar auch gerne gehabt. Gab es aber nicht. Da haben es die schweinischen Kloschüssel-Steher doch einiges einfacher bei uns. Ob in der Vergangenheit schon jemand auf meine Brille gekackt hat? Und braucht es den Aufkleber bei den Frauen eigentlich auch? Ich hab keine Ahnung. Sue auch nicht. Nicht dass ich gefragt hätte. Aber was weiss sie schon? Hoffentlich den Weg.

    Und tatsächlich, während ich mich einfach dem Schicksal der Feiertags-Wanderung trotz Corona - und Corina - ergebe, ist Sue‘s Wanderarsch wie gewohnt professionell vorbereitet und der Rucksack entsprechend gepackt. Wir starten steil und mit ebenfalls gewohnt hoher Pace in den Berg. Nach zirka vier Minuten bin ich bereits am Ende und will eigentlich nur noch nach Hause. Scheiss Bergluft. Verdammte Corina. Natürlich lasse ich mir die überraschend frühe Baisse nicht anmerken. Wieso auch? Habe ja erst noch geprahlt, dass mir das bisschen Hoch- und Runterlaufen am Wanderarsch vorbei geht und ich mich am Abend noch mit dem ehrgeizigen Kurt zum Tennis treffe. Also Tempo hoch halten. Wir wollen das Ding hier ja gewinnen. Ich zumindest. Die Panorama geniessende Sue scheint da etwas gelassener. Oder sie versteht den Wettbewerb einfach nicht. Egal, für mich geht es um alles!

    In der Folge kämpfen wir uns ohne Pause auf die Spitze des Klingenstocks. Die erfreuliche Bilanz: Siebenundzwanzig schwache Menschen und zwei gelangweilte Hunde überholt und jeden, der an uns vorbei wollte, den Abgrund hinuntergestossen. Nötig war das zum Glück nie, aber ich wäre bereit gewesen. Wohl auch deshalb grinst die kleine Sue, kaum haben wir das erste und für den heutigen Tag beschwerlichste Ziel erreicht. Die letzen Meter schnaubt die Holde zwar wie ein Nilpferd das sich über Besuch freut. Aber egal, jetzt sind wir oben und laben von ihren durchdacht gepackten Gaben. Auch der Grat-Pfad mit seinem ständigen auf und ab zum Fronalpstock ist trotz der ganzen Wanderärsche echt schön. Das gilt auch für das Dösen auf einer sonnenverwöhnten Bergwiese. Und Sue.

    Tennis habe ich dann auch noch gespielt. Und verloren. Wahrscheinlich wegen Corina. Oder Corona. Oder weil ich eine Pfeife bin. Da bin ich mir noch nicht sicher. Kurt schon.
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