Sue and Pasci

Jung, dynamisch und arbeitslos. Und schön. Und bescheiden. Vor allem Sue.
Living in: Schweiz
  • Day296

    Berufswunsch: Influencer

    November 8 on the Philippines

    Nach einem herzlichen Abschied von Vanessa und Thorsten boarden wir kurz nach Mitternacht eine Maschine nach Cebu. Ich lasse mich wie befürchtet in einen Mittelsitz fallen und platze fast. Teils vor Wut, teils aus Platzmangel. Ein Mittelsitz wie man ihn sich an einem ganz düsteren Tag mit schlechter Grundstimmung vorstellt. Also so, wie ich mir jeden Mittelsitz vorstelle. Neben mir am Fenster ein etwa zweihundert Kilogramm breiter Asiate, der wirklich streng riecht. Ein beissender Geruch. Der Herr ist bestimmt ein toller Mensch, den ich keinesfalls für irgendwelche Äusserlichkeiten verurteilen möchte. Das war ich vor einigen Jahren mit deutlich mehr Masse ja auch. Oder auch nicht, aber das hatte wohl mehr mit meinem egozentrischen Karrieredenken und der „I bi dee, I bi dee“-Attitüde zu tun, als mit unangenehmem Geruch. Nicht, dass ich dieses Gebaren seither abgelegt hätte, ich biete einfach weniger Angriffsfläche. Physisch. Aber egal. Mr Sumo scheint dann doch kein so toller Mensch zu sein, denn neben der Geruchsattacke erwidert der Stinker auch mein ach so freundliches Hallihallo nicht. Die ignorante Sau.

    In dem Moment denke ich mir schon diverse Strafen für die am Elend schuldige Sue aus, während ich ihren zögerlichen Annäherungsversuchen gekonnt ausweiche. Ich ignorante Sau. Aber eigentlich ist es ja meine Schuld. Wieso lasse ich sie auch wieder Flüge buchen?! Ich Idiot. Als die Flugzeugtüre ins Schloss fällt, ein Hoffnungsschimmer. Die Reihe schräg gegenüber ist komplett frei. Über den Lautsprecher faselt Madame zwar was von Umsitzen verboten, aber da sitze ich schon längst am Fenster. Zum Glück für Sue. Immerhin hat sie den Wechsel in einem kurzen Gespräch mit einer Stewardess noch rechtlich abgesichert. Das rechne ich ihr zwar nicht hoch an, aber es reicht als Wiedergutmachung. Für den Moment.

    Wie schon in Singapur, landen wir auch im philippinischen Cebu um vier Uhr in der Früh. So ist das eben, wenn man aufgrund wachsender Armut ausschliesslich auf Flüge zu „günstigen Randzeiten“ setzt. Aber wie schon beim lieben Thorsten, lässt uns auch das liebe Hostel in dieser Herrgottsfrühe bereits ins riesige Zimmer mit bequemem Bett, was uns nochmals ein paar Stunden Schlaf ermöglicht und das Hostel zu einem Top-Kandidaten für die letzten zwei Nächte auf den Philippinen macht, für welche wir noch keine Unterkunft gebucht haben. Kaum ausgeschlafen, buchen wir trotzdem was anderes. Der Wasserhahn im Bad ist kacke.

    Nachdem uns im eher kühlen Australien die Sonne dank des freudigen Besuchs eines Freundes bekanntlich a u s dem Arsch schien, lassen wir uns diese im eher heissen Cebu zur Abwechslung a u f den Arsch scheinen. Höchste Zeit, wieder an der Tan-Line zu arbeiten. Wir wollen ja zu Weihnachten schön braun sein, damit dann Freunde und Familie all unsere Hochglanzfotos und -videos vom zuckersüssen Leben auf Reisen auch schön liken. Gelb vor Neid - oder einfach blass - und mit dem Wunsch, irgendwann auch so etwas tolles zu erleben. Die Realität, dass wir uns in der wunderbar festlichen (Vor-)Weihnachtszeit eigentlich nichts sehnlicher wünschen, als einfach mit Freunden und Familie zusammen zu sein und wir uns lediglich bräunen, um nicht das eigene Gelb sichtbar zu tragen, zeigen die ganzen Socialmedia- und Pinguin-Posts natürlich nicht. Wäre ja total uncool. Tja, so ist das eben mit dem modernen „Influencer“-Leben. Nie war es einfacher, eine übertrieben schöne Fassade aufzubauen, um anderen und vor allem sich selber etwas vorzumachen. Ganz professionell. Traurig. Aber wahr. Irgendwie.
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  • Day293

    Tandoori-Fondue im Dschungelcamp

    November 5 in Singapore

    Wir verlassen Australien in einem Dreamliner von Scoot für zweihundert Stutz inklusive Gepäck. Klingt erst mal ganz toll. Billiger geht definitiv nicht. Erwartungsgemäss kostet dafür ausnahmslos alles extra. Unterhaltung. Essen. Ja sogar Strom kostet. Strom? Hm ... Ein Schluck Wasser auch. Wasser auch?! Auf einem 8h-Flug? Irgendwelche Nestlé-Verwaltungsräte in den eigenen Reihen? Verdammte Ausbeuter und Folterknechte. Und ist ein Sitz mal kaputt. Ja dann ist der Sitz eben kaputt. Nein, ich habe auf diesem Nachtflug nicht gut geschlafen. Sue auch nicht. Als zwei leicht genervte Sparfüchse landen wir kurz vor vier Uhr morgens in Singapur und dürfen sogleich die Gäste-Suite in Thorsten‘s Downtown-Mansion im zwölften Stock beziehen, um noch ein paar Stunden zu schlafen. Wie schon in Melbourne, bietet sich uns so viel mehr als erwartet. Es hat einfach alles. Grosse Pool-Anlage mit Jacuzzy, Spa, Gym, Lounges, BBQ, und so weiter. Kategorie Penthouse eben. Hinzu kommt die wahnsinnig herzliche und grosszügige Gastfreundschaft von Thorsten und seiner Frau Vanessa, die nebenbei und in Minuten die halbe Karte vom Samui Thai aus der Küche zaubert. Das alles ist so gut, dass ich für einen Moment ein ungutes Gefühl bekomme. Beim letzten Mal mussten wir das schöne Zuhause ja bereits nach einer Nacht räumen, nur weil überraschend so ein Verrückter aus der Schweiz zu Besuch kam. Verdammt. Wer ist es diesmal? Sue? Suuue?!?!!

    Sehr zu meiner Freude kommt diesmal niemand zu Besuch und wir dürfen bleiben. Nichts gegen Marc und seinen Überraschungsbesuch in Melbourne, das war ganz grosses Kino, aber hier hätten wir ein echtes Highlight und Reise-Novum verpasst. Die Zubereitung von saftigen Steaks im heimischen Beefer. Völlig klar, dass ich so ein Teil haben muss, sollten wir je wieder nach Hause kommen. Die Chancen sind zwar intakt, den dringenden Wunsch danach konnten wir mit einem waschechten „Moitié-Moitié“ Käsefondue aus importiertem Gruyère und Vacherin jedoch vorerst abschwächen. Herrlich. Wir wollten ja in eines der Fondue-Chalets, aber sowohl Bauschänzli als auch Sihlcity waren für den Abend bereits ausgebucht und zum Glück gibt es im wunderbar übertriebenen Singapur einfach alles. Ausser Kaugummis. Die sind verboten.

    Unsere tägliche „Gym, Pool, Breakfast, Chill, Eat, Drink, Eat, Eat, Repeat“-Routine wird vom Deepavali, dem indischen Neujahrsfest, kurzzeitig unterbrochen. Und wo will man das zusammen mit Indern am Liebsten feiern? Genau, in Little India natürlich. Für ein paar Minuten zumindest, dann will man nichts wie raus da. Viel zu viele Leute. Furchtbar heiss. Unendlich viel mehr als nur Tandoori-Geruch in der Luft. Und das Fest findet erst in ein paar Stunden statt. Ich will zurück in eine der klimatisierten Luxus-Malls. Jetzt. In einer Fussgängerpassage laufen wir noch einem Fotografen über den Weg, der uns sofort als kolumbianische Hobby-Models identifiziert und ein paar Portraits-Fotos schiessen möchte. Klar, machen wir doch gerne. Nach einigen - scheinbar wenig gelungenen - Versuchen, folgt dann allerdings eine klare Anweisung an beautiful Sue: „Don’t smile!“ ... Autsch. Und Gratis-Bier gibts diesmal auch nicht. Verdammt. Sind somit wohl offiziell von M- zum N-Promis abgestiegen und wohl nicht mehr auf der Liste fürs Dschungel-Camp. Schade.

    Den nächsten Flug nach Cebu auf den Philippinen hat Sue gebucht. Auf meinem Ticket steht „Mittelsitz“. Bin gespannt was passiert.
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  • Day290

    Übergart, übersäuert und happy

    November 2 in Australia

    Unsere kleine Reise führt uns weiter auf Phillip Island - we found penguins again! - und die Wein-Regionen Mornington und Yarra Valley. Billiges Bier gibt es auch hier nicht, dafür aber gute Weine zum selben Preis. In etwa. Nach mehreren Winery-Besuchen stapeln sich die Flaschen im Kofferraum und wir haben nur wenige Tage für deren Verzehr. Aber wie so oft, gemeinsam schaffen wir das. Gemeinsam sind wir stark. Stark alkoholisiert zumindest. Bei einem der zahlenmässig aus dem Ruder gelaufenen Tastings finden wir sogar nette Einheimische, die uns spontan ein improvisiertes Käseplättli zusammenstellen, da die Küche längst geschlossen hat und wir feste Nahrung bitter nötig haben. Es gibt sie also doch, diese freundlichen Australier. Und wenn wir für einen Moment schon die positive Schiene fahren, dann darf man auch der schönen Sue ein weiteres Kompliment machen. Die Routenplanung war wirklich top und auch als Navi taugt sie was. Ganz toll, Sue. Nicht zuletzt darum spreche ich nach dem kürzlich erlittenen Vertrauensverlust auch ab und zu wieder mit ihr.

    Ansonsten kämpfen wir wie schon erwähnt täglich darum, die in der Tasting-Euphorie erworbenen Weine brav zu leeren. Versagen ist keine Option und als Team erringen wir einen önologischen Sieg nach dem anderen. Es ist schön, einen so erfahrenen und starken Mann wie Marc im Team zu haben. Nach zehn Tagen sieht die Erfolgsbilanz allerdings ähnlich ernüchternd aus, wie nach der gemeinsamen Zeit in der Oberstufe. Während mein Notenschnitt damals um eine ganze Note abnahm, habe ich in diesem Fall beträchtlich zugenommen. Fast fünf Kilo verrät die Waage. Doch dieses Opfer erbringe ich - wie schon damals - gerne. Und nachdem wir als Trio-Luegisland auch noch das als äusserst knifflig zu wertende Weltwoche Kreuzworträtsel schaffen - Lösungswort: „Redensarten“ -, hat auch dieses scheussliche Mitbringsel noch einen Zweck erfüllt und uns scheint allen gleichzeitig die Sonne aus dem Arsch. Sehr schön. Und warm.

    Was uns hier aber noch fehlt, ist ein anständiges BBQ mit reichlich Beef. Davon produzieren die hier ja massig und von hoher Qualität. Als man(n) sich im Laden aber nicht wirklich einig ist, welches Stück es denn werden soll, schnappt sich einfach jeder, was er auf seinem Teller sehen will. Im Resultat landet bei mir das Grösste (700g Rumpsteak), bei Marc das Gröbste (500g T-bone) und bei Sue das Teuerste (400g Filet) im Teller. War ja klar. Doch trotz peinlich dilettantischer Übergarung der ersten beiden Stücke auf dem Grill - was eindeutig auf meine Kappe geht -, sind zum Schluss alle happy. Insbesondere der Rosenkohl aus der Sterne-Küche kann eine weitere Übersäuerung verhindern. Für diese sorgt im weiteren Verlauf dann eher der hemmungslose Weinkonsum und die angeregten politischen Diskussionen. Wie man uns kennt, drehen wir den Kopf ja meist in unterschiedliche Richtungen. Wenn also Koala-Spotter Sue ein lautstarkes „Koala, hinter euch!“ von sich gibt, schaut der Marc konsequent und ohne viel nachzudenken über seine rechte Schulter, während ich wohlüberlegt, differenziert und besonnen über die richtige, bessere, logischere und sozialere linke Schulter schaue. Egal, wir lieben uns trotzdem und beim Schreiben und Tennisspielen bin ich ja auch Rechtshänder. Bezüglich der die Schweiz bewegende Kuhhorn-Initiative war man(n) sich denn auch einig. Lasst die Hörner wieder wachsen. Sowohl das Linke wie auch das Rechte!

    So, der Besuch in Down Under geht langsam zu Ende. Wir hatten eine wirklich tolle Zeit in Australien mit vielen tierischen Begegnungen, haben viel gelacht, viele spannende Gespräche geführt und grandiose Momente erlebt. Herrlich. Ok, gelegentlich gesellte sich Marc dazu, aber davon liessen wir uns nicht weiter stören.
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  • Day286

    Da wir nun schon mehr Posts haben, als der Federer Titel hat, werden die Beiträge in Zukunft vielleicht etwas seltener. Vielleicht aber auch nicht. Der erste Halt auf unserem Roadtrip ist ein unscheinbares Kaffee im Otway National Park, auf dessen Parkplatz sich trotz bescheidenen Wetterverhältnissen diverse Papageien tummeln, die furchtbar gerne auf Köpfen rumsitzen. Zumindest auf männlichen Glatzen. Sue’s Schulter wird erst bei der Aussicht auf Sandwich-Krümel berücksichtigt, was ihre unendliche Freude darüber aber nicht zu schmälern weiss. Dafür wäre sowieso keine Zeit, denn kaum ist die Vogelfreude leicht verflogen, steht ein Gruppe Koalas bereit, um den Serotonin-Haushalt weiterhin auf Trab zu halten. Furchtbar süss. Unser Trip führt uns über die Great Ocean Road, wobei die gemeinsame tierische Wunschliste nach dem ersten Stopp erst teilweise abgehakt ist. Es fehlen noch Emus, Schlangen, Kookaburras und natürlich Kängurus. Von den knuffigen Hüpfern soll es hier ja über vierundvierzig Millionen geben. Fast doppelt so viele wie Einwohner. Es dauert denn auch tatsächlich nicht lange, bis wir das erste Känguru erspähen. Also ich. Allerdings wie schon zuvor vom Auto aus und eindeutig zu nahe an der Fahrbahn. Sue ist verständlicherweise emotional aufgewühlt ob der traurigen Nachricht und ich versuche die Stimmung teilweise zu retten, indem ich behaupte, es hätte sich um ein ausgewachsenes Tier gehandelt. Das beruhigt sie ein wenig. Doch dann meint der einfühlsame Marc, es könnte aber auch ein Muttertier gewesen sein, in deren Beutel zum Zeitpunkt des Unglücks noch ein Bébé wohnte. Wow. Das entschärft die Situation emotional nicht wirklich. Danke. Marc.

    Schuld an dieser tierischen Tragödie dürfte einmal mehr der Linksverkehr sein. Damit habe auch ich die Tage überraschend viel Mühe. Die Rollen waren beim Mietwagen-Pickup ja schnell verteilt und werden sich im Laufe des Roadtrips auch nicht mehr ändern. Ich fahre, Sue navigiert und Marc ... hm, ja, Marc sitzt hinten, schaut aus dem Fenster oder schnarcht. Meistens. Hat er sich ja auch verdient der gute Mann, ist schliesslich in den Ferien hier. Manchmal greift er aber auch spontan ins Geschehen ein, um mich schleunigst wieder auf den rechten Weg zu bringen, was in unserem Fall die linke Spur ist. Wobei das gilt ja auch ganz generell im Leben und trotzdem ist es nicht dem Marc seine bevorzugte Seite. Aber egal. Und ist es nicht der Marc, der unser Leben rettet, dann ist es die unentwegt alarmierte Sue. Oder auch gerne mal eine wild fuchtelnde Dame auf dem Fussgängerstreifen. Ja und in einem Fall ist es der Aussi-Ramon, ein erschreckend unfreundlicher Nachkomme eines vor zweihundertdreissig Jahren hier ausgesetzten Sträflings.

    Als ich mich bei einer Schlange vor einer Tankstelle von der falschen Strassenseite her anstelle, sieht der ganz offensichtlich geisteskranke Ramon rot und sich gezwungen, mitten auf der Strasse anzuhalten, das Fenster zu öffnen und mit aggressiver Miene wild zu gestikulieren. Ein paar Sekunden ginge ja noch - da unsere Fenster zu sind, verstehe ich sowieso nicht, was der Fascho labert -, aber der als Kind wohl oft verprügelte Ramon ist aufgrund meiner lächerlichen Fahrleistung total ausser Rand und Band und will seine Hände gar nicht mehr still halten. Also so geht es ja auch nicht. „Du aufgeblähter Stinkstiefel beweist hier eindrücklich, dass dein Selbstwertgefühl bei Null oder gar darunter liegt. Du hasst dich. Nicht mich. Obwohl du in keinster Weise von meinem schwachen Auftritt betroffen bist, nutzt du den kurzen Moment meiner Hilflosigkeit, um völlig unnötig und übertrieben auf mich loszutreten. Hättest du auch nur einen Funken Wertschätzung für dich selbst, könntest du mich einigermassen freundlich und sachlich über meinen Fehler aufklären und mich korrigieren. Hast du aber nicht. Du hast nichts. Ausser diverse Kindheitstraumata und ein Gefühl der physischen Überlegenheit. Siehst ja auch aus wie ein verdammter Bär. Aber nicht die kuschelige Version, auf die Mädchen stehen. Nein, die hässliche Version, vor der Menschen Angst haben und weg rennen! Verstehst du armes Schwein überhaupt, was ich dir sage?“ All das würde ich dem rot angelaufenen Ramon sagen, hätte ich den Mut, auszusteigen. Den hab ich aber nicht. Trotz Marc „Nasenbeinbrecher“ Taeschler auf dem Rücksitz. Also lächle ich eingeschüchtert vor mich hin und hoffe der Arsch bleibt auch sitzen.

    Nachdem wir das Tanken tatsächlich überlebt haben, wartet schon die nächste heikle Situation auf uns. Bei den „Twelve Apostels“ begegnet uns die erste Schlange auf unserer Reise. Eine schön gezeichnete „Tiger Snake“ - eine der giftigsten Schlangen Australiens - quert vor uns den Gehweg zum Aussichtspunkt. Mehrheitlich entzückt setzen wir den kurzen Walk fort, doch am Aussichtspunkt keine zwanzig Meter weiter, versperrt ein weiterer spitzzüngiger Geselle den Weg. Oder vielmehr seine grimmigen Beschützer vom hiesigen Secret Service. Drei Meter vor uns steht doch tatsächlich Mr Scott Morrison, seines Zeichens Premier Minister Australiens, der gerade irgendwelche belanglosen Dinge in ein paar Kameras faselt. Der Typ war aufgrund von Unvorstellbarkeit definitiv nicht auf unserer Begegnungs-Wunschliste, aber trotzdem ein Foto wert. Sprechen wollte der feine Pinkel dann aber nicht mit uns. Zumindest nicht wenn Marc dabei ist. Schade.

    Nachdem wir die Great Ocean Road hinter uns gelassen haben, verbringen wir zwei Nächte in einem Holidaypark im Grampians Nationalpark, wo wir in kurzer Zeit alle Kästchen der Wunschliste abhaken können. Unzählige Emus und Kängurus, diverse Papageien und beim Pinnacle-Hike noch ein Kookaburra und eine unscheinbare „Brown Snake“, nach Morrison die giftigste Schlange dieser Region. Total lässig alles. Und eine Sache hat der Marc ja schon auch richtig gemacht. Neben der komischen Zeitung schaffte es auch ein ausgewachsenes Fläschchen Moët in seinen Koffer und die pfeifen wir uns inmitten all der Tiere hier genüsslich rein. Was will man mehr in und von Australien? Richtig, nettere Menschen und billigeres Bier. Aber hey, wir haben ja noch ein paar Tage und vielleicht finden wir das ja auch noch.
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  • Day283

    Es rappelt im Karton - und raucht

    October 26 in Australia

    Melbourne ist eine total sportliche Stadt. Furchtbar sportlich. Man(n) ist sofort unter Druck, diesen schrecklich gesunden Lebensstil mitzuleben. Schrecklich. Zum Glück verfügt unser temporäres örtliches Zuhause neben Indoorpool, Spa, Kino, Karaoke- und Games-Room auch über ein eigenes Gym. Alles ultra-modern und im Herzen Melbournes mit Blick auf den Yachthafen. Vom Bett aus. Total angemessen und schön eben. Wir wohnen die Tage bei Clara, Sue's Freundin aus Studienzeiten, die seit ein paar Monaten hier lebt und arbeitet. So ein toller Mensch. Wenn auch kein Penthouse im eigentlichen Sinn, gehört diese Bleibe definitiv in die gleiche Kategorie. Und einmal mehr mietfrei. Total klasse. Was ich von gewissen Fähigkeiten Mitreisender so nicht sagen würde. Von anderen schon. Aber der Versuch mittels Mokkakanne einen morgendlichen Kaffee zuzubereiten - offensichtlich der allererste Versuch überhaupt - war jämmerlich. Angebräuntes Wasser. Schau Foto. Pfui. Naja, sie ist ja noch jung. Und schön.

    So sehr ich mich auch über das schöne neue Zuhause freue, lange hält es nicht. Nach nur einer Nacht müssen wir die Koffer packen und ausziehen. Nein, ich habe weder teure Dinge zerstört oder geklaut, noch mich mit irgendwelchen Leuten gestritten oder gar geprügelt. Ich bin schliesslich praktizierender Pazifist, ehemaliger Alchemist und bekennender Atheist. Aber was war passiert? Kaum zu Hause von der Arbeit, will sich Clara noch kurz um die Post kümmern. Zurück in der Wohnung, präsentiert sie das eben angelieferte Paket. Es wiegt geschätzte neunzig Kilogramm - vielleicht auch fünfundneunzig - und hört auf den Namen Marc. Ich bin fassungslos und begreife für einen Moment gar nicht, wer da vor mir steht. Tatsächlich, es ist mein lieber Freund Marc Taeschler. Und nein, der Familienvater von zwei Kindern ist nicht sonst am Reisen oder geschäftlich in Down Under oder sonst etwas. Nein, er ist einzig und alleine wegen uns hier. Meine Fresse, der Typ hat doch total einen an der Klatsche. Lässt Job, Frau und Kinder zurück, nur um uns zu sehen. In Australien. In etwa der am Weitesten entfernte Ort von zu Hause. Unglaublich und unvergleichlich. Sneaky-Sue war natürlich von Beginn weg eingeweiht und hat den Plot über weite Strecken mitorganisiert. Trotz grosser Freude ist mein Vertrauen ihr gegenüber verständlicherweise ziemlich erschüttert. Habe zur Sicherheit alle meine Pin-Codes geändert und spreche seither nur noch selten mit ihr.

    Die überschwängliche Freude über das Wiedersehen mit meinem guten Freund währt allerdings - wie schon bei Clara's Wohnung - nur kurz. Kaum hält der lustige Marc ein Glas Wein in der Hand, eröffnet er umgehend das Feuer. Ich sei ja gar nicht so skinny, wie die Fotos vermuten lassen, schwafelt das unsympathische Stück Mensch. Schwer getroffen und unfähig zum direkten Gegenschlag auszuholen, halte ich mich an einer meiner herausstehenden und gut sichtbaren Rippen und denke wortlos: „Schön das cho bisch, chum guet Hei!“ ...

    Doch der Marc ist gekommen um zu bleiben und wie man mir erklärt, liegt nach ein paar gemeinsamen Tagen in Melbourne noch ein gemeinsamer Roadtrip durch den Südosten Australiens vor uns. Total Geil. Ich freu mich wie Oskar und zum Feiern geht es im Anschluss ins Munich Brauhaus. Die haben zwar keine Cervelats, aber sonst ein paar leckere Würste. Bei Wurst und Bier erfahre ich dann noch, dass der gute Marc hier ausserdem das Rauchen aufgeben will. Gute Idee. Schliesslich kostet hier eine Schachtel der stinkenden Sargnägel fast zwanzig Stutz. Und wer jetzt denkt, der Marc würde in der Folge entzugsbedingt total nerven, der liegt vollkommen richtig. Natürlich ist eine massive Reduktion schon ein tolles Ergebnis, aber wie beim Tennis entscheiden nicht irgendwelche erzielten Punkte das Spiel, sondern einzig und alleine der Matchball. Wobei das Nerven irgendwie auch gar nichts mit dem Rauchen respektive dem bescheiden erfolgreichen Versuch dieses zu beenden zu tun hat. Das scheint ihm ausser Bauchschmerzen nichts anzuhaben. Aber wer bitte schmuggelt anstelle einer lang ersehnten Cervelat als Überraschung lieber die letzte Ausgabe der hier bestimmt verbotenen Weltwoche ins Land? Genau, der lustige Marc. Man muss ihn einfach gern haben.

    Trotz der ganzen Glücksgefühle aufgrund des unerwarteten und hohen Besuchs, trinke ich die Tage mehr Pretuval-C als Bier. Es scheint, als ob der gute Marc neben der beknackten Kack-Zeitung auch noch ein paar Bazillen mitgebracht und beim überschwänglichen Willkommensgeknutsche übertragen hat. Das oder die Schuld liegt bei Sue, die mir tags zuvor fatalerweise die kurzen Hosen rausgelegt hat. Am Wahrscheinlichsten ist aber, dass es sich um eine völlig nachvollziehbare allergische Reaktion auf die Intellekt vergiftende Quatschwoche handelt. Egal, ich freue mich trotz tropfender Nase riesig auf die kommenden Tage. Und nachdem wir in Saint Kilda einige der kleinen blauen Pinguine inklusive Nachwuchs zu Gesicht bekommen haben - die siebte Pinguin-Sichtung verrät die Statistik -, fehlt uns eigentlich nur noch ein Mietwagen für den bevorstehenden Roadtrip.

    Als erfahrene Budget-Traveler, finden die schöne und schlaue Sue und der ... hm, und ich natürlich auch ein tolles Mietwagen-Schnäppchen. Aber zu welchem Preis? Die Kommunikation per SMS und Telefon gestaltet sich von Beginn weg schwierig. Conrad, die kleine Schlampe, antwortet nur sporadisch und meist unvollständig. Der Preis ist aber so gut, dass wir uns zu dritt auf den Weg zum vereinbarten Pickup-Point machen. Eine Stunde später am Bahnhof angekommen, erreicht uns die nächste Nachricht vom bereits unbeliebten Conrad. Er hätte gerade Kundschaft und wir sollten doch bitte kurz herlaufen, das Office sei ja nur um die Ecke. Nach rund dreissig Minuten erreichen wir den verdammten Verleih und die Bitch hat tatsächlich noch immer Kundschaft, die den optisch ungepflegt und leicht verpeilt wirkenden Conrad noch für sage und schreibe neunzig Minuten beschäftigt. Nachdem unsere Abwicklung weitere fünfundvierzig Minuten in Anspruch nimmt, sitzen wir gegen halb Sieben endlich in unserem weissen Nissan Pulsar und eilen zurück. Ziel war es, um Fünf wieder in der City zu sein, um ein BBQ für Clara und ihren Freund vorzubereiten. So gesehen, wie das übliche Ergebnis vom Jass-schwachen Taeschler beim Differenzler: "Agseit 4, gmacht 154, Differänz en halbe Tag". Egal, wir haben die Karre. Also lasset die Spiele beginnen!
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  • Day279

    Nichts für schlaffe Nieren

    October 22 in New Zealand

    Nachdem wir zwei Tage total toll gespart haben und viel gelaufen sind, buchen wir uns in Queenstown spontan einen wilden und feuchten Ritt mit einem knallbunten Jet Boat. Das kennen wir beide noch nicht. Das Resultat ist nicht ganz so viel Adrenalin, wie aufgrund der achthundert irgendwas PS erhofft, aber dank einer kurzen Fluss-Sequenz und den 360-Grad-Drehungen durchaus sein Geld wert. Wobei wir - also ich - schon ähnliche Manöver mit einem gemieteten Sportboot ohne Jet-Antrieb auf dem Luganersee gefahren sind. Funktioniert ohne Jet-Antrieb aber nicht. Wir flogen alle quer durchs Schiff und rissen Stühle aus der Verankerung. War nicht ganz so lustig. Dafür teurer. Gelacht haben wir trotzdem. Nachdem wir die blutende Nase unter Kontrolle gebracht hatten. Ok, genug Vergangenheit. Trotzdem, schöne alte Zeit.

    Da uns nach Wanaka auch Queenstown und Umgebung wirklich gut gefällt, bleiben wir einfach etwas länger. Man hat ja Zeit. Ausserdem wollen wir irgendwie noch auf einen anständigen Adrenalin-Pegel kommen, ist schliesslich die selbsternannte Adventure-Hochburg hier. Mitfahren im Jet Boat hat bekanntlich nicht ganz gereicht, aber vielleicht schafft es ja die Sommer-Rodelbahn mit kurvenreicher Panorama-Strecke. Natürlich kommt dieser unmotorisierte Spass für Gross und Klein nicht an Drift-Karts heran, aber wir sind für den Moment ausreichend adrenalisiert und zufrieden. Nicht zuletzt, weil der Plan ja auch noch weitere Wein-Tastings vorsieht. Allerdings schmerzen meine Nieren seit einigen Tagen. Auch etwas Neues. Wie Jet Boat fahren. Einfach weniger lustig. Wir fahren trotzdem an die Ostküste und kommen nur ganz knappe zwei Stunden zu spät zum Nationalpark. Leider erspähen wir auch am nächsten Morgen keine der kleinsten Pinguine der Welt. Wohl einfach zu klein. Schade. Die unzähligen Hasen inklusive putzigem Nachwuchs sind aber auch süss. An den kleinen Häschen haben wirklich alle Freude. Sue, ich und das halbe Duzend Falken.

    Das ausgesuchte Ostsee-Camping hat es wirklich in sich. Besser gesagt die olle Schrulle an der Rezeption, die hat schon einiges in sich - sprich intus. Meine Fresse, die labert vielleicht komisch. Zum Glück macht Sue das mit dem Check-In, ich laufe davon. Brauche nicht noch mehr, das mir an die Nieren geht. Zwei Stunden später klopft ein unnötig mühsamer Mensch an unserem Fenster. Wir würden mit unserem Camper-Van auf „ihrem“ Platz stehen. Da haben wirs. Die volle Olle hat wie erwartet keinen Plan und ich nun überflüssige Diskussionen. Mir egal, wir stehen ganz gut wo wir stehen und ich muss jetzt meine Nieren pflegen. Mit Pinot. „Get lost!“

    In Kurow finden wir es dann, das wohl beste Weingut der Welt. Pasquale. Was ein Name. Ein umfangreiches Tasting und eine Flasche zum Käsebrett später, geht es den Nieren bereits etwas besser. Aber gut ist anders. Nicht, dass ich krank wäre - schon gar nicht statistisch gesehen -, eher irgendwie unter Beschuss. Nachdem weder Pinot Noir noch Pinot Gris mein Leiden zu beenden wussten, bleibt mir nur noch der medizinische Joker. Merlot. Darauf schwören ja auch die locker flockigen Tessiner. Doch auch Merlot scheint nicht die Lösung zu sein. Und ich bin pissed. Zwei weitere Tage mit leicht erhöhter Grumpiness und ein heisses Bad später ist es dann aber irgendwie überstanden. Was auch immer meine Nieren in die Mangel genommen hat, ist wieder verschwunden und hoffentlich kläglich zu Grunde gegangen. Verdammter Kiwi-Scheiss.

    Unsere Neuseeland Rundreise endet in Christchurch mit Footprint #100. Krass, schon 279 Tage unterwegs. Wir haben auf den beiden Inseln insgesamt 3‘780 km zurückgelegt und dabei ordentlich Diesel verbrannt. Der voluminöse drei Liter Turbo-Diesel war stets einer der Schnellsten, hatte aber auch entsprechend Durst. Eigentlich total gegen die tolle Umwelt und nicht wirklich Öko und Tesla und so. Wir haben uns dafür „re-usable coffee cups“ besorgt. Total der Ausgleich eben. Die ersten Billig-Exemplare aus Plastik sind aber bereits nach wenigen Tagen undicht und daher ebenso schnell im Müll. Schade. Der zweite Becher ist doppelt so teuer und aus Biomasse und Silikon hergestellt. Der hält auch nur ein paar Tage. Verdammt. Muss eben doch bald wieder ein Tesla her. Na denn.

    Der letzte Camping-Platz hier ist echt Premium. Als Top10-Member haben wir nicht nur unbegrenzt Wifi, nein, wir kriegen auch dreissig Minuten Private-Spa mit Whirlpool geschenkt. Jaja. Und als ob das nicht schon der Wahnsinn wäre, finden wir im Leftover-Kühlschrank auch noch eine grössere Menge Bier. Jemand hatte Bier übrig?! Total kranker Scheiss. Wie sich aber zeigt, haben auch andere das Frei-Bier entdeckt, womit sich dessen Bestand schnell reduziert. In erster Linie dank mir. Logisch. „Wa hesch, hesch“! Beim anschliessenden letzten Kochen auf der Insel kommt es dann zu einem weiteren mehr oder weniger spektakulären Novum. Dank einem ungewöhnlich ungeschickten Quesadilla-Wendemanöver meinerseits, ergiesst sich eine nicht unbeträchtliche Menge flüssiger Butter über den Herd, der in der Folge spontan, unaufgefordert und unnötig dramatisch Feuer fängt. Scheiss Herd. Oder ist das Frei-Bier Schuld? Ich weiss es nicht.

    So, genug Kiwis und zurück zu den Aussies. Nächster Stop ist Melbourne, bevor wir am 3.11. zu meinem lieben Freund Thorsten nach Singapur reisen, von wo wir bereits am 7.11. auf die Philippinen fliegen werden. Allerdings nur für ein paar Tage, denn am 16.11. wollen wir ja den lieben Miro zum Geburtstag überraschen, den er klamm heimlich in Taiwan feiern wird. Falls Du das liest, mache natürlich nur Spass. Sind den ganzen November in Indien und machen Jagd auf bengalische Tiger. Und Chicken-Biryani.
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  • Day273

    Wandern - mit und auf Sue

    October 16 in New Zealand

    Der Empfang auf der Südinsel fällt ungewollt regnerisch aus. Die schöne jedoch im Kart langsame Sue und mich - schnell im Kart dafür ... hm - zieht es sofort in die Region Marlborough, was sehr wenig mit Zigaretten und sehr viel mehr mit Wein zu tun hat. Was gibt es Schöneres, als sich bei schlechtem Wetter in einen gemütlichen Weinkeller zu verziehen und sich durch das Sortiment zu probieren? Genau, die selbe Aktivität bei schönem Wetter. Egal. Das Leben geht weiter und das dank einigen Tastings auch überaus fröhlich.

    Kaum auf der Südinsel, sehen wir - abgesehen von ein paar Vögeln und den hunderten toten Opossums auf den Strassen - während einer Taxiboot-Fahrt mit Sightseeing-Komponente endlich die ersten Tiere in Neuseelands freier Wildbahn. Süsse Fell-Robben. Na das sind mal Gebärmaschinen. Drei oder vier Tage nach der Geburt um Weihnachten sind die speckigen Fellknäuel bereits wieder schwanger, weiss der Taxiboot-Fahrer zu erzählen. Nicht ganz, sagt das Internet. Aber fast. Im Schnitt lässt sich das Weibchen sechs bis acht Tage nach der Geburt erneut beglücken. Allerdings besitzen die Robben eine nützliche Gabe genannt "delayed implantation", wonach das befruchtete Ei erst Monate nach der Begattung in den Uterus implantiert wird und das Schwangerschafts- und Geburts-Timing somit "always on point" sind. Ok, genug Discovery Channel. Trotzdem, lustige Natur.

    Da wir gemäss Excel letzten Monat in Hawaii und Australien massiv über Budget gereist sind und auch das Auenland richtig teuer ist, sind wir wieder vermehrt zu Fuss unterwegs. Ausserdem ist Neuseeland - wie Sue - ganz einfach viel zu schön, um nicht darauf zu wandern. „Your body is a Wanderland!“ sang schon John Mayer. Oder war das „Wonderland“? Egal. Leider haben aber auch wir verwöhnten "walking on the sunny side of life"-Kiddies nicht immer Glück mit dem Wetter, wie das Vergleichsfoto vom doofen "Spiegelsee" zeigt. Solche Enttäuschungen bleiben aber die Ausnahme und die Natur steht hier in voller Blüte. Logisch, ist ja auch Frühling hier. Viele wunderschön an Seen gelegene Skigebiete sind nun Adventure- und Wanderparadiese und man findet neben der Schönheit der Natur auch allerlei Lustiges. Während das Tipi auf der Fiescheralp die Decke mit duzenden BHs verhangen hat, findet sich in Cardrona nahe Queenstown gar ein ganzer "Bra Fence". Also ein endlos langer Zaun mit hunderten wenn nicht tausenden BHs. Als völlig normaler und durchschnittlich fürsorglicher Mensch, schiessen mir natürlich sofort all die Brüste durch den Kopf, die seither völlig ungehalten durch die Welt hoppeln. Tausende. Schrecklich.

    Und wie sieht so ein Wandertag bei uns eigentlich konkret aus? Also die schöne Sue, die läuft den ganzen Tag. Bergauf, bergab und gerade aus. Und ich? Ja ich laufe lediglich den halben Tag und warte die andere Hälfte. Wobei das Verhältnis so sicher nicht ganz stimmt. Ist wohl eher vierzig/sechzig. Nicht, dass Sporty-Sue nicht fit wäre, im Gegenteil. Liegt wohl einfach an meinen überdurchschnittlich langen Beinen. So gesehen, macht Sue im Schnitt mehr an einem durchschnittlichen Wandertag. Irgendwie. Egal, nach über zwölfhundert Höhenmetern stehen wir beide wie verdiente Sieger auf dem Gipfel und machen uns über das mühsam mitgeschleppte und umso überdurchschnittlichere Zmittag her - ein opulentes „Chalts Plättli“ und eine phänomenale Flasche Pinot Gris aus hiesiger Produktion. Herrlich. Und als zusätzliche Belohnung gibt es am Abend auch noch Chnoblibrot und Pizza vom Kurier. Also für Sue. Für mich gibt es lecker Reis mit scharfem Blumenkohl vom heimischen Herd. Bin ja auch nur den halben Tag gelaufen.
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  • Day269

    Showdown am Schicksalsberg

    October 12 in New Zealand

    Neuseeland ist schön. Sehr sehr schön. Also wirklich schön. Es erinnert irgendwie an die Schweiz. Einfach ein wenig wilder. Und grösser. Und die haben hier ja auch mehr. Mehr Meer. Und die haben hier die Glow Worm Cave - eine einzigartige und faszinierende Höhle bei Waitomo. Darin zu finden, eine ausschliesslich hier lebende Art von Glühwürmchen. Also Würmchen, von denen eines irgendwann aufgrund einer Laune der Natur einen leuchtenden Arsch bekommen hat, was sich als hilfreich erwiesen hat, um im Dunkeln allerlei verzehrbares Gefleuch anzuziehen und mit seinem klebrigen Faden zu fangen. Heute bilden hunderttausende dieser leuchtenden Dinger einen atemberaubenden Sternenhimmel in diesem weit verzweigten Höhlensystem. Und die Kiwis haben ausserdem allerlei geothermische Attraktionen, deren penetranter Schwefelgeruch an die Feuerwerk-Sessions mit Fönz und Robin anlässlich der legendären The Pool Party zum 1. August erinnert. Das waren noch Zeiten. Lange her. Noch etwas länger her, soll das Leben ja bei solch ungemütlichen geothermischen Konditionen seinen Anfang gefunden haben. Als aus Anorganischem Organisches wurde. Und schwups gab es Würmchen mit leuchtendem Arsch und dann uns. Lustige Natur.

    Neben der Natur sind auch Kiwis ganz lustig. Gegessen haben wir auch schon welche, wobei der aufgedrehte Neuseeländer bei unserem ersten Wein- und Schnaps-Tasting meint, dass man wenn überhaupt „kiwi fruits“ essen würde und keine Kiwis wie ihn. Obwohl weder geistreich noch wirklich lustig, lache ich. Gibt hier schliesslich Gratis-Schnaps.

    Da Neuseeland wie wir Alpen hat, will ich da natürlich auch hoch. Wenn ich schon über ein Jahr keine Cervelats zu futtern kriege, dann will ich wenigstens Schnee. Da bietet sich das Tongariro Alpine Crossing bei Taupo natürlich an. Ein zwanzig Kilometer langer Hike über einen Pass mit viel Schnee und bei gutem Wetter Sicht auf den „Schicksalsberg“ aka Mount Doom. Der Vulkan markiert bei Herr der Ringe das grosse Ziel Frodos, wo der verdammte Ring zu guter Letzt zerstört werden kann. Im echten Leben parkiert man im Ziel und organisiert sich eine Mitfahrgelegenheit zum Start auf der anderen Seite des Berges oder bezahlt wahnwitzige fünfunddreissig Dollar pro Person für eines der offiziellen Shuttles. Vor einer Woche ist allerdings ein Mann auf dem Pass erfroren, da eine Vierergruppe los ist, obwohl die geführten Touren und sämtliche Shuttles aufgrund der Witterung dicht gemacht hatten. Sue is not amused. Unsere Wettervorhersage für den Folgetag ist nicht schlecht. Aber auch nicht eitel Sonnenschein. Auf der Spitze minus zehn Grad - arschkalt eben - und ordentlich Wind. Morgends auf dem Parkplatz dann viele ratlose Gesichter. Der eine Shuttle-Anbieter fährt, der andere nicht. Nicht perfekt aber gut genug. Finde ich. Sue nicht. Während ich mich ins „Let’s fucking go!“-Lager stelle, schleicht Sue zur „Ich will nicht sterben“-Fraktion. Nach einigen Minuten offerieren uns Andrew und Sarah aus Kanada - deren gebuchtes Shuttle eben nicht fährt -, uns zum Start mitzunehmen, da Sarah entschieden hat, den Berg heute nicht zu erklimmen. Klasse! Die gesparten siebzig Dollar überzeugen dann auch Sue. Irgendwie. So oder so, es geht endlich los.

    Ob es kalt war? Definitiv. Gemütlich? Sicher nicht. Hatten wir Spass? Natürlich! Unterwegs freunden wir uns noch mit den alemannischen Schnellwanderern Iris und Tilo an und entgegen Sue‘s innerer Vorahnung, haben alle den Hike nach einigen Stunden überraschend unbeschadet überstanden. Aus lauter Erleichterung und um das Gute, das wir am Morgen selber erfahren durften, weiterzugeben, fahren wir unsere neuen Freunde im Anschluss zurück zum Start, wo sie ihr Auto hatten stehen lassen. Total lieb und harmonisch eben. Der Blick auf den Schicksalsberg blieb uns aber trotz der ganzen Nächstenliebe verwehrt - scheiss Wetter - und der Ring wurde somit nicht zerstört. Wohl sehr zur Freude von Gollum aka Sue. Die Jagd geht also weiter.

    Nach einem weiteren Rafting-Abenteuer war es das schon wieder mit der wunderschönen Nordinsel und wir befahren in Wellington die Fähre zur vom Hörensagen her mindestens so schönen Südinsel. Sue ist zum Glück auch wieder total schön. Bin selbst erstaunt über das Selbstverständnis meines zu ihr Haltens, trotz der durch und durch unvorteilhaften äusserlichen Veränderung. Das muss Liebe sein. Oder Verzweiflung. Mal schauen ...
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  • Day261

    Gollum auf dem Weg ins Auenland

    October 4 in New Zealand

    Fliegen kann so schön sein. Obwohl wir die Flüge separat gebucht haben - in meinem Fall mit Meilen -, offeriert uns die zuvorkommende Dame beim Bag-Drop, uns nebeneinander zum Notausgang zu setzen. Mich ans Fenster. Total nett. Wie Sue im Anschluss im Flieger aber schnell erkennt, kosten auch auf diesem Flug Verpflegung und Kinofilme extra. Und wie ich ebenso schnell erkenne, nicht wenn man mit Meilen bucht. Ach was war das ein schöner Flug mit asiatischem Hühnchen und reichlich Merlot zu ein paar Blockbustern. Ok, die Zeit hat nur für anderthalb Filme gereicht und ich habe natürlich brav mit der vor Neid gelben Sue geteilt. Grosszügig wie ich bin. Gelbes Gesicht zu diesen roten Augen. Pfui. Wir müssen ja auch noch die Grenzkontrolle überstehen.

    Die Kiwis ziehen Sue im Anschluss trotz krankhaftem Äusseren nicht aus dem Verkehr und so darf sie auch weiterhin dem Ring hinterher jagen. Vielleicht war das mit dem „Tauch-Unfall“ ja auch gar kein Unfall, sondern einfach der in den Filmen oft gesehene Wechsel von Sméagol zum ringbesessenen Gollum. Vielleicht aber auch nicht. Bevor wir die nächsten zweieinhalb Wochen Mittelerde erneut als Fahrende im Gipsy-Mode erkunden, erkunden wir ein wenig Auckland. Also eigentlich stehe ich die meiste Zeit in der grossen Gemeinschaftsküche und befülle Tupper-Ware mit unterwegs leicht Aufzuwärmendem. Linsensuppe und ein kubanisches Chilli sollen es diesmal sein. Zumindest das Chilli scheint Sue einigermassen zu schmecken. Hm, ok. Freut mich. Ausserdem, „es wird gegessen was auf den Tisch kommt!“ wettert das Kriegskind in zweiter Generation in meinem Inneren. Verdammt nochmal.

    Unser Camper ist einiges grösser und so viel mehr als erwartet. Schau Foto. Dieses Neuseeland ist wirklich gut zu uns und so machen wir den Hot Water Beach zu unserem ersten Ziel. Hot Pools am Strand zum selber Buddeln. Heisse Quellen die unter dem Strand ins Meer fliessen und die man bei Ebbe mit einer geeigneten Schaufel „anzapfen“ kann. Was auf den Katalog-Fotos total romantisch aussieht, ist erstens ungewohnt anstrengend und zweitens ein ziemlicher Kampf um die guten Spots. Direkt am unterirdischen Strom verbrennt man sich die Füsse und zu weit weg davon sitzt man im kalten Wasser. Nach einer frustrierenden Anfangsphase mit allerlei kalten Scheisslöchern inmitten der etwa zehn tausend Menschen, stimmt unser Timing. Wir erben einen nahezu perfekt temperierten Pool und bauen im grossen Stil aus, wie es die ersten Kolonisten hier auch gemacht haben. Herrlich.

    Natürlich steht das Auenland - genauer gesagt Hobbiton - ganz oben auf Gollums Liste. Wir besuchen also dieses ehemalige Filmset, das sich als idyllisch gelegenes und total romantisches Hobbit-Dörfchen präsentiert. Eine friedliche und familiäre Community, in der ich eigentlich auch gerne leben würde. Also in Bilbo Beutlin's 23-Zimmer-Mansion ganz oben natürlich. Logisch. Schon eindrücklich. Um das, was jemand in seiner Fantasie ausführlich beschrieben hat, für den Zuschauer und Fan von Tolkiens Fantasy-Geschichten auf die Leinwand zu bringen, wird ein ganzer Landstrich umgestaltet. Mit unfassbarer und kaum bezahlbarer Liebe zum Detail. Dem Regisseur Peter Jackson gefiel das bereits von der Sonne leicht ausgebleichte Grün der über zweihundert tausend Blätter einer komplett künstlichen Eiche nicht, womit sämtliche Blätter in zehn Tagen kurzerhand von Hand „umgestrichen“ wurden. Lustig. Bald wird es so was nicht mehr geben. Kommt alles aus dem Computer. Die werden ja auch immer intelligenter. Die Singularität (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Technologische_Singularität) ist nicht mehr weit. Und dann? Ja dann braucht es uns wohl nicht mehr und wir sind raus. Wahrscheinlich.

    Ich scheine hier aber der Einzige zu sein, dem bewusst ist, dass wir nicht mehr soo lange haben. Dem Rest hier geht es unentwegt um das Festhalten für die vermeintlich existierende Ewigkeit. Fotos, Fotos, Fotos. Chinesen müssen ausserdem alles anfassen, schrecklich. Das perfekte Foto ist aber immer wieder eine grosse Herausforderung, wie eine deutsche Touristin treffend konsterniert. „Gar nicht so einfach, hat man immer so blöde Menschen drauf ..." sprach der blöde Mensch. Sue für ihren Teil ist hingegen total happy. Vielleicht weil man die Macht des Ringes hier noch stärker spürt. Ich habe aber keinen dabei. Zum Glück, der wäre sicher schon auf dem Weg nach Schiina. Damit ich an diesem durchaus schönen Tag auch noch voll auf meine Kosten komme, gehen wir danach noch Drift-Kart fahren. Eine rutschige Indoor-Kartbahn auf der man mit heckschlüpfrigen Karts seine Runden dreht. Hat man den Dreh - oder eben den Drift - mal raus, ist es eigentlich ganz einfach. Resultat? Papa: Erster, Sue: Letzte. Von Acht. Bravo.
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  • Day258

    The Vampire Diaries (2/2)

    October 1 in Australia

    Völlig unerwartet, haben wir die mit Spannung erwarteten Höhlen- und Haitauchgänge überlebt. Also ich. Sue, hmm ... Sue hat sich verändert. Sue hat irgendwie zu den lebenden Toten gewechselt. Schon nach wenigen Metern unter Wasser signalisiert Sue dem Tauch-Guide, dass irgendetwas nicht stimmt. Der Wunsch zum sofortigen Auftauchen ist unmissverständlich, wonach der Guide die kleine Sue wieder nach oben begleitet und den Rest der Vierergruppe am Meeresgrund inmitten dutzender Haie zurück lässt. Nach rund einer Stunde und atemberaubenden Hai-Sichtungen sitzen wir alle wieder auf dem Schiff und sehen, was die überdurchschnittlich dichte Taucherbrille bei Sue - aka "Das ungewollte Kind von Nosferatu und Gollum" - angerichtet hat. Aufgrund des mit jedem Meter steigenden Unterdrucks innerhalb der Brille, wurden ihr die Augäpfel quasi aus dem Kopf gesaugt. Mit optisch nicht zu leugnenden Folgen für die Blutgefässe, was ihr eine Art Twilight-Optik verpasst hat und auch „Baro-Trauma“ genannt wird. Sagt das Internet. Hätte man das verhindern können? Klar. Ausatmen durch die Nase wäre eine Option gewesen. Schon wieder was gelernt.

    Überlebt hat die vormals schöne Sue also trotzdem und die Tauchgänge waren auch sonst wirklich eindrücklich. So wie ihre visuelle Erscheinung danach. Am nächsten Morgen erschrecke ich mich fast zu Tode. Nein, nicht weil sich eine Schlange um meine Füsse gewickelt hat. Aber als erstes einem verpeilt verpennten und vom Bösen besessenen Gollum in die Augen(!) zu schauen, ist nichts für schwache Nerven. Meine Fresse. Dagegen ist Höhlen- und Haitauchen reinstes Nasenwasser. Wo ist denn bloss die schöne Sue?! Naja, man hat mir versichert, dass sich die äussere Erscheinung in den nächsten Tagen verbessern wird. Was heute noch blutunterlaufen und rot ist, wird sich wie bei jedem Bluterguss in tiefblau bis schwarz verwandeln. Was auch der Grund für die alternative Bezeichnung „Panda-Syndrom“ ist. Ich bin gespannt. Pandas sind auf jeden Fall süsser als von Gollum gezeugte Vampire.

    Aber neben all den nebensächlichen Geschehnissen dürfen wir auf keinen Fall die einzigartige Herrlichkeit Australiens vergessen. Die übertriebene Kälte hingegen schon. Wir übernachten auf wunderschönen Campingplätzen voller wilder Kängurus, Dingos und omnipräsentem protzigem Geflügel. Hier sind sogar die ollen Tauben schön! Neben allerlei farbenfrohen Papageien und übertrieben aufdringlichen Kakadus, zeigt sich des Öfteren auch das australische Nationalgefieder Kookaburra, zu Deutsch „Lachender Hans“. Hinzu kommen herrliche Hikes in den Blue Mountains, bevor es für die vorerst letzten Tage in Australien nach Sydney geht. Die blauen Berge haben ihren Namen übrigens von einem blauen Schleier, der über den Eukalyptus-Wäldern liegt. Das blau entsteht neben der Ralaeigh-Streuung - die den Himmel generell blau erscheinen lässt - durch die verdunstenden ätherischen Öle der Eukalyptusblätter. Sagt das internet. Was wir nicht alles lernen in Down Under. Total toll.

    Natürlich essen wir hier nicht nur Schweizer Backwaren, sondern probieren uns auch durch australische Spezialitäten. Nach einigen Pies und einem Lamington sind wir aber froh, dass die australische Natur mehr zu bieten hat als die hiesige Küche. Und das mit dem Bier im Pub für fast zehn Stutz pro Pint?! Totaler Wahnsinn. Aufgrund unserer monetären Limitation und angeborenen Affinität zum Saufen, entwickeln wir umgehend eine umfassende und auf Happy-Hours basierte Trink-Strategie. Zur zusätzlichen Beruhigung besuchen wir unsere erste Comic-Con, eine Art ernst gemeinte Fasnacht für Comic- und Fantasy-Fans, die just an diesem Weekend hier in Sydney stattfindet. Lustig ist es allemal. Auch wenn ich nicht genau weiss, wie und wo ich hier reinpasse. Egal wie sehr ich versuche, den ehemaligen Programmier-Nerd rauszuhängen, bin eher ich es, der die fragenden Blicke erntet. Ganz anders Sue. Dank ihrem dämonischen Äusseren geht sie hier glatt als Coz-Player durch. Zum Glück ist Chewbacca da, um mich zu trösten.

    Für weitere Stimmung in Sydney sorgen das Jazz-Festival am Manly Beach, Chillaxen am Bondi Beach und ein bisschen Oktoberfest. Aber da die hier unverständlicherweise keine Hähnerl und Obatzde auf die Teller bringen, besteht unser restlicher Speiseplan aus Fish & Chips, Pizza und „all-you-can-eat“-Sushi. Nicht wirklich typisch australisch und das ist auch gut so. Zugenommen habe ich trotz- oder wegen dem. Und nach einem abschliessenden Besuch beim schon etwas vergilbt wirkenden Wahrzeichen der Stadt - imposant ist das Opernhaus aber allemal -, müssen wir auch schon wieder zum Flughafen. Ab ins sagenumwogene Hobbit-Land! Aber gut möglich, dass die Kiwis den komischen Gollum an meiner Seite gar nicht ins Land lassen. Schliesslich ist der schon lange scharf auf den verdammten Ring. Aber ich bin einfach noch nicht so weit. Armes Scheidungskind. Wir werden sehen.

    Unser Video zum Roadtrip von Brisbane nach Sydney gibt's hier: https://youtu.be/ZzV7-5SsCSU
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