Sue and Pasci

Jung, dynamisch und arbeitslos. Und schön. Und bescheiden. Vor allem Sue.
Living in: Schweiz
  • Day124

    Wie dieser Post beweist, haben wir auch diese Überfahrt völlig unerwartet überlebt. Die Quest hat uns sicher und (beinahe) unbeschadet von Kolumbien nach Panama gebracht. Ein 60 Fuss grosses Segel- und Tauchschiff mit Stahlrumpf und überdimensioniertem Watermaker, was nach Ansicht von Göran, unserem schlaksigen schwedischen Skipper sowie Eigner und Erbauer der Quest, den Unterschied von Campen zu einem vernünftigen Leben an Board macht. Ich stimme ihm zu. Robin im Geiste auch. Gebaut zwischen 1995 und 2011, ist das Schiff trotz tausender Seemeilen auf dem ganzen Globus in bemerkenswertem Zustand. Beim erstabendlichen Briefing an Bord hält Göran - der ganz Seebär ununterbrochen raucht - eine weitere Überraschung für uns bereit. So darf man in ganz Südamerika kein Toilettenpapier in die Schüssel schmeissen, aber auf der Quest schon. Wow, mit so viel Luxus hat wohl niemand gerechnet. Zumindest ich als „höchst-selten-auf-dem-Schiff-Scheisser“ nicht. Ja dann schwinge ich mich doch gleich mal aufs Töpfchen. Auf die Frage, ob ich denn im Gemeinschafts-Bad nochmals kurz das Fensterchen für ein wenig Lüftung öffnen darf, da wir ja immer noch im Hafenbecken von Cartagena und noch nicht auf offener See sind, hat Göran aber auch eine überraschende Antwort parat. Nein. Der Anker war bereits oben und so würden die Luken (von ihm!) frühestens in 36 Stunden, wenn wir die San Blas Islands erreicht haben, wieder geöffnet. Hmm, der Typ hat Prinzipien. Das gefällt mir. Auf den Topf mit geschlossenem Fenster eher weniger. Müssen die Geschäfte eben warten. Vorerst.

    Mit an Bord ist neben den sieben Passagieren auch Amanda, eine zierliche Französin, die sich um unser leibliches Wohl sorgt und den Skipper bei längeren Lags ablöst. Und das mit der Verpflegung macht sie wirklich erstklassig. So abwechslungsreich, lecker und ausgewogen wie auf der Quest, habe ich noch auf keinem Schiff gegessen. Den Rest muss der gute Göran beurteilen. Erst seit wenigen Monaten auf See, erinnern Amandas feine Gesichtszüge und kurz geschorenen Haare an die junge Sinéad O‘Conner - die durchgeknallte Nudel. Hoffen wir also, die Ähnlichkeit bezieht sich lediglich auf Äusserlichkeiten. Amanda scheint ausserdem noch an ihrer Hochsee-Konditionierung zu arbeiten, während wir Gäste uns auf Anraten des Captains mit kleinen Pillen gegen Seekrankheit absichern. Nach einer ersten von insgesamt zwei schwülwarmen Nächten mit geschlossenen Luken und wenig Schlaf auf offener See, steht am Morgen ruck-zuck Kaffee und Frühstück bereit. Zwei Sekunden später stellt sich die gute Amanda an die Reling und kotzt erst mal beherzt ins Meer. Die schwankende Küche fordert bereits ihr erstes Tribut. Kaum ausgekotzt, teilt Amanda aber bereits wieder ein Lächeln wie Audrey Tautou in Die fabelhafte Welt der Amélie mit uns (https://goo.gl/images/VWQMy3) und säuselt ein kurzes „better“, als sie sich an mir vorbei und zurück in die Küche schleppt. Ein skurriler aber schöner Moment. Danke, Amanda.

    Im Laufe des Nachmittags macht sich Amanda dann noch mehr Freunde, als sie mit einer Schüssel Marshmallows und Cocos-Caramel-Lollipops auf Deck erscheint. Enthusiastisch lutsche ich drauf los, wobei ich natürlich viel zu wenig Geduld für einen Lolli mitbringe und anfange darauf rumzubeissen. Meinem rechten Schaufelzahn passte das gar nicht, also gibt der von Dr. Götz schon mehrfach behandelte Arsch doch einfach nach und bewirft mich mit einer seiner Ecken. Gehts noch? Gerne hätte ich von einer heroischen Aktion berichtet, bei der ich zwar ein Stück Zahn verloren, dafür aber Schiff und Besatzung gerettet hätte. Aber nein, ich habe einfach nur auf diesem verdammten Lolli rumgekaut. Auch wenn die völlig überflüssige Scheissaktion nicht schmerzt, hoffe ich doch sehr, dass Panama eine vernünftige Zahnklinik hat. Wer weiss, wann wir für ein nächstes Touri-Shooting mit Gratis-Bier gebucht werden?! Danke, Amanda. Als wir nach 34 langen Stunden endlich die San Blas Islands erreichen, bereiten uns unzählige verspielte Delphine einen warmen Empfang. Sue is total aus dem Häuschen, als wir neben grossen Gruppen Atlantic-Spotted-Dolphines eine Gruppe von teils über zwei Meter langen Bottle-Nose-Dolphines entdecken, die unsere Bugwellen für ein wenig Body-Surfing nutzen. Den Anblick hat sie sich schon soo lange gewünscht. Dem Bord-Frieden (bzw. meiner psychischen Verfassung nach dem Zahnzerfall) zu liebe, schreibe ich die Delphin-Sichtung ebenfalls Amanda zu. Sicher alles ihre Freunde. Danke, Amanda.

    Die Ankunft auf den San Blas Islands - eine Ansammlung von Sandhaufen mit Kokos-Palmen obendrauf oder eben das, was Google beim Begriff „Paradies“ an Bildern ausspuckt - bedeutet auch endlich ein Sprung ins wohltemperierte karibische Blau, um den ganzen Schweiss der letzten zwei Tage und Nächte abzuwaschen. Herrlich! Das gilt auch für die Riffe, an denen wir die folgenden Tage schnorcheln. Es wird maritim (fast) alles geboten, was wir uns von den Galapagos-Inseln gewohnt waren. Dazu gehören neben all den tropischen Fischen und Kreaturen natürlich auch Rochen und Cremeschnitten - also Haie. Amanda ist ebenfalls begeisterte Schnorchlerin und ich bin mir ziemlich sicher, dass die ganzen Fische auch ihre Freunde und nur wegen ihr da sind. Danke, Amanda. Als sie uns dann am ersten ruhigen Abend nach der Überfahrt frischen Lobster serviert, den der Fischer kurze Zeit zuvor im Einbaum angeliefert und einzeln vor unseren Augen auf brutalste Weise auseinander gerissen und ausgenommen hat, habe ich ihr das mit dem Zahn schon fast wieder verziehen. Und nachdem wir tags darauf nach paradiesischem Schnorcheln auch noch mit Koksnüssen und Rum (zusammen ergibt das die legendären Coco Locos) am Strand empfangen werden, ist die entstandene und alles andere als intellektuell wirkende Zahnlücke vollends vergessen. Danke, Amanda. 

    Neben uns beherbergt die Quest bei dieser Überfahrt noch drei Schweizer Mädels und ein irisches Pärchen. Wir verstehen uns blendend. Kein Wunder, kommen die Mädels ja aus den Kantonen AG und BE und nicht aus ZH oder SG. Nicht dass das wirklich eine Rolle spielen würde, aber ein gelegentliches Züri- und Ostschweiz-Bashing tut in etwa gleich gut, wie auf Jorges scheiss Schnorchelausrüstung rumzutrampeln oder drängelnde Kinder beim Gepäckband rumzuschupsen. Alles in Allem also ein wunderbarer Karibik-Törn, bei dem der Skipper immer ein Lächeln im Gesicht hat. Auch kein Wunder bei dem Arbeitsplatz (und meiner Gesellschaft). Göran, aus dessen Feder das gesamte Programm (und Menu) entsprang, verdient definitiv Bestnoten. Wir hatten mit einem eher spartanischen Törn mit simpler Küche gerechnet und einen luxuriösen all-inclusive Karibik-Cruise mit unzähligen Highlights bekommen. Ich habe mich daher vorsorglich auch schon auf die Liste von Görans nächster jedoch zeitlich noch nicht definierter Atlantiküberquerung setzen lassen. Schliesslich kennt er sich neben menschenwürdigen Toiletten und ausgezeichneten Speiseplänen als einer von wenigen auch mit Monsterwellen, genannt Freak-Waves, aus (der schnittige Schwede ab 25:22 - https://youtu.be/mC8bHxgdHH4). Geile Siech!

    Die fünf Tage auf der Quest gehören definitiv zu den Highlights unserer bisherigen Reise. Danke, Amanda. Und Göran. Jetzt Panama City. Noch ohne Plan. Ausser Zahnarzt. Danke, Amanda.

    Einen Clip zum Törn gibt's hier: https://youtu.be/xq0CNal-MhA
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day117

    Darauf haben wir uns wirklich gefreut. Auf alles andere natürlich auch. Aber die vier Nächte im Casa en el Agua (www.casaenelagua.com) sind das, was man als effektive Ferien nach einer Reihe ferienähnlicher Wochen auf Reisen bezeichnen könnte. Das Casa ist definitiv eines der spektakulärsten Hostels überhaupt. Family-, Relax- und Party-Feeling umgeben von karibischem Blau und Türkis. Nicht ein Haus AM See, nein, ein Haus AUF dem See. Also Meer. Und ja, Geschichten gäbe es viele zu erzählen. Von Nachbarsinseln mit der weltweit höchsten Bevölkerungsdichte, von rauschenden Festen, von fiesen Sonnenbränden vom Nichtstun und von noch mehr rauschenden Festen. Aber irgendwie hatte ich einfach zu keinem Zeitpunkt Bock, mein Handy in die Finger zu nehmen. Verdammt nochmal auch meine Ferien. Daher bleibt an der Stelle nur zu sagen: „What happens in the Casa, stays in the Casa!“

    Ein paar Drohnenaufnahmen mussten aber schon sein. Die Location ist einfach zu geil, als dass man die mitgebrachte Spark unangetastet im Zimmer lassen könnte. Hier gehts zum Video: https://youtu.be/bBdTGp90v6E

    Gut, eine spannende Geschichte gibt es doch. Und die ist einfach zu gut, um sie nicht zu erzählen. Und fast zu gut, um sie zu glauben. An unserem letzten Tag im Casa - es war nachmittags um drei - waren wir bereits wieder auf gutem Weg, uns für die bevorstehende letzte Partynacht aufzuwärmen. Soll heissen, wir waren bereits wieder bei Bier, Cocktails und - zumindest in meinem Fall - Sonnenbrand angelangt. Nachdem ein eher unscheinbares Boot am Casa angelegt hatte, kam einer der Typen auf mich zu und fragte, ob wir für ein Bier bei einer kurzen Fotosession mitmachen würden. Sie hätten ein paar Minuten entfernt auf der Insel Tintipan eine Airbnb-Location die sie vermieten und für welche sie ein paar Bilder mit attraktiven Menschen machen wollen. Ok, einfach mit Menschen. Gratis Bier? Klar, wo kann ich unterschreiben?! Nach kurzem Zögern, liess sich auch die fotogene Sue und ein weiteres Pärchen für den Kurztrip motivieren. Die Anfrage dürfte sich eh mehrheitlich an meine schöne Begleitung und weniger an mich gerichtet haben. Mir Wurst, solange ich mein Bier kriege! Zwei Minuten später sitzen wir lediglich mit Badehose und einem Bier ausgestattet auf einem Boot und tuckern davon. Als einer der Jungs dann noch eine Flasche Rum in den Händen hält und anfängt Shots zu verteilen, ist meine Freude schon fast grenzenlos. Wobei, irgendwie zittert der Junge - wohl so Anfang / Mitte Zwanzig - beim Einschenken und er macht mir auch sonst einen etwas nervösen Eindruck. Irgendwie macht mich das dann auch ein wenig nervös. Wohin gehen wir nochmal? Was wollen die von uns? Sind das auch Pablo's Kaugummibuebe? Im nahe gelegenen Cartagena ist ja bekanntlich der grösste Export-Hafen für kolumbianisches Kokain. Ich lasse mir die Unsicherheit natürlich nicht anmerken und nehme noch einen beherzten Schluck vom überaus leckeren Rum.

    Erst unterwegs realisiere ich, dass insgesamt vier Pärchen "zu Gast" sind auf dem Kutter. Alles scheinbar nette Leute. Die Spannung steigt, als wir nach etwa zehn Minuten wieder in Richtung Ufer fahren. Wird das hier gar etwas mit Erotik? Wir werden sehen. Als wir endlich den Bootssteg erreichen, schauen wir uns gegenseitig ziemlich verunsichert an, bevor wir an Land gehen. Denn vor uns liegt ein imposantes Anwesen mit mehreren Gebäuden, einem Pool, diversen Lounges, exotischen Papageien in den Bäumen und allerlei Spielzeug. Das wäre definitiv auch eine ideale Location für die nächste Folge „Bachelorette“ von 3+ (für die Deutschen: Das ist etwa gleich trashy wie RTL2) oder den nächsten Züri-Boyz Ausflug. Ich sehe Miro schon das Mobiliar ins Meer schmeissen und Kevin hinterher springen. Totale Eskalation eben. Nachdem uns weitere alkoholische Getränke angeboten wurden, sollen wir uns ausruhen und einfach ein wenig relaxen. Einige Angestellte bereiteten derweil allerlei exotische Cocktails zu. Ich wusste es, es wird ein Porno! Cool. Und wie gesagt, "what happens in the Casa, stays in the Casa!"

    Ok, einige mögen nun sagen, dass wir doch etwas gar leichtsinnig auf Gratis-Bier (ich) und mögliche Model-Verträge (andere) reagiert haben. Aber eigentlich hatte ich zu jeder Zeit alles im Griff. Also eigentlich Robin. Er hätte sicher sofort ein Bravo-Team zu unserer Rettung geschickt, wäre das nötig geworden. Ziemlich sicher. Ich hatte zumindest damit gerechnet. Natürlich wurde es dann doch kein Porno und plötzlich eingeschlafen sind wir nach den Drinks auch nicht. Nein, viel besser. Für die nächsten Stunden sind wir Gäste von Andres, der das anfängliche Zittern beim Rum Ausschenken allmählich in den Griff bekam und nach eigenem Bekunden Sohn einer kolumbianischen Unternehmerfamilie aus der Mode-Branche ist. Seine Angestellten sorgen dafür, dass wir nicht trocken laufen und bei Dingen wie Kayak-Segeln, Schnorcheln, Tube hinterm Boot herziehen, vom Strandhaus ins Meer springen oder einfach nur am Pool liegen, ununterbrochen Spass haben. Hell yeah! Den haben wir auch. Oleg - der Fotograf, ursprünglich aus der Ukraine - macht derweil ein paar Fotos vom Boden aus oder mit seiner geilen Drohne. Ab und zu gibt es fotografische Anweisungen von Jorge - eine Art Art Director -, wobei diese jeweils eher als Frage in der Art von "würde es euch etwas ausmachen, wenn ihr kurz mit dem Motorboot und Tube spielen würdet? Danach könnt ihr dann natürlich wieder relaxen ..." formuliert werden. So gefällt mir das!

    Beim Extrem-Modelling vergeht die Zeit schnell und die gebuchte nächtliche Plankton-Tour vom Casa aus muss ohne Sue stattfinden. Als sich die Köchin dann auch noch daran macht, uns ein üppiges Dinner auf der Terrasse zu servieren, platzen wir fast vor Glück. Und dem guten Essen. Ähnlich unserem Penthouse in Santiago, beschleicht uns ab und zu aber noch das ungute Gefühl, dass das Ganze doch irgendeinen Haken haben muss. Für solchen Scheiss geben wir sonst ja gerne und viel Geld aus. Die Jungs scheinen aber auch ihren Spass zu haben und sie lehren uns freudig einige kolumbianische Trink- und Würfelspiele. Die beim abschliessenden Rücktransport zum Casa gestellte Frage, was wir denn morgen machen würden, ist (leider) schnell beantwortet. Wir müssen vom Casa zurück nach Cartagena, da dies die letzte Nacht im Casa sein wird und das Speed-Boat bereits gebucht ist. Zwei der Pärchen scheinen da etwas flexibler zu sein und so erfahren wir mit einem Ohr, dass dem Andres seine Familie mehrere Anwesen in dieser Region besitzt und man total froh wäre, wenn man am nächsten Tag dort auch ein paar Bilder mit professionellen Hobby-Models machen könnte. Als ich die Verzweiflung hinter dieser Frage spüre, kann ich nicht anders, als unsere Hilfe ebenfalls anzubieten. Ok, aufzudrängen. Scheiss auf die Boot- und Hostelbuchungen, das kriegen wir dann schon geregelt. Und sonst sollen das die Narcos-Kiddies für uns regeln. Die können das. Ziemlich sicher. Irgendwie.

    Nachdem wir die anschliessende und letzte Nacht im Casa nochmals ordentlich gefeiert haben, dafür gab es ja auch genügend Gründe, wurden wir am nächsten Morgen von unseren neuen Freunden in einem weit weniger unscheinbaren Speed-Boat abgeholt. Das Casa staunte nicht schlecht, als wir samt Gepäck und wie Rockstars das Boot besteigen und mit laut aufgedrehter Musik davon rauschen. Gut, vielleicht waren das auch eher besorgte denn erstaunte Gesichter. Denn die Frage, wo wir mit den Typen hingehen, können wir abermals nicht genau beantworten und diesmal haben wir auch alle unsere Habseeligkeiten bei uns. Aber egal, wir fühlen uns grossartig und unser Vertrauen haben sich die Jungs längst erkauft. Das nächste Shooting wartet sicher auf uns. Und hoffentlich ein paar Drinks dazu! Und believe it or not, aber genau so ist es. Nach vierzig Minuten erreichen wir das Festland und beziehen unser neues Strandhaus, in welchem wir erneut als teure Gäste behandelt und von Angestellten umsorgt und schrittweise abgefüllt werden. Wenngleich diese Hütte nicht ganz so spektakulär ist wie die Gestrige, lässt sie ebenfalls keine Wünsche offen. Ausser Vorhänge. Ich würde Vorhänge montieren. Macht es einfach gemütlicher. Andres stimmt mir zu und macht sich entsprechende Notizen. Gern geschehen.

    Wer denkt, das wars dann ... wir sind entweder fertig mit Fotos und können lebend gehen oder wir werden doch noch brutal missbraucht und anschliessend in Stücken im Meer versenkt, irrt. Da wir ja unsere Hostel-Buchungen für diesen Tag haben sausen lassen, sind wir allesamt herzlich eingeladen, die Nacht auf dem ersten und auch beim erneuten Betreten noch spektakulären Anwesen auf der Insel zu verbringen. Natürlich im gewohnt luxuriösen Stil mit komplettem Rundum-Sorglos-Paket und weiteren kurzen Foto-Sessions mit nächtlicher Prunk-Beleuchtung. Fuck yeah! Sechs Europäer und drei Jungs mit unklarem Background. Wir haben eine grossartige Zeit mit vielen spannenden Diskussionen und selbstverständlich erstklassiger Verpflegung. Die Jungs löchern uns mit unzähligen Fragen zum Leben, der Politik und Steuern in Europa, während ich mir meine zweitletzte Montecristo reinziehe. Irgendwann kaufe ich den Jungs dann auch die Sache mit der Mode-Kette irgendwie ab. Vielleicht doch keine Narcos. Als wir im hauseigenen und von Mangroven umgebenen Mini-Hafen beim Besteigen des Bootes, welches uns am nächsten Morgen zurück zum Casa bringt (wo unser „umgebuchtes“ Speed-Boat auf uns wartet), einen grossen Haufen Versandpakete auf dem daneben liegenden Schiff erspähen, kommen dann nochmals kleinere Zweifel auf. Vernünftig wie ich bin, entscheide ich aber, nicht nachzuhaken. Beim Casa angekommen, fällt der Abschied von Andres, Oleg und Jorge sehr herzlich aus. Offensichtlich hätten wir alle noch Lust auf weitere gemeinsame Tage gehabt. Wie man - bzw. Andres - uns aber erklärt, sei das verlängerte Weekend nun vorbei und er müsse tags darauf wieder fürs Familienimperium arbeiten. Stimmt, da waren ja noch diese komischen Pakete, welche wohl auf ihre Auslieferung warten. Die abschliessende Frage, ob wir das eine Päckchen seinem Cousin in der Schweiz mitbringen könnten, mussten wir natürlich verneinen. Ok, das war jetzt gelogen ...

    Einige Fotos von den Shootings werden wir separat posten, sobald Oleg mit der Post-Production durch ist. Vorausgesetzt er ist kein Arschloch, hält sich an sein Versprechen und teilt auch schön alles mit uns. Wir sind in Cartagena derweil schon ready für das nächste Abenteuer. Am Sechzehnten besteigen wir die Quest - ein gemütliches Segelschiff eines Schweden-, die uns innerhalb von fünf Tagen von Kolumbien via San Blas Islands nach Panama City bringen wird. Vorausgesetzt, wir gehen nicht unter und es sind keine Kaugummibueben an Bord. Die mögen sie in Panama nämlich nicht. Wir werden sehen.
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  • Day111

    Eigentlich hatten wir ja genug vom Dschungel. Aber aufgrund diverser Empfehlungen und gestützt von eigenen Recherchen, wollten wir dann doch noch einen kurzen Abstecher nach Minca machen. Etwas abgelegen und mitten im Dschungel - so abgelegen, dass meine Tasche zum ersten Mal auf den Rücken musste und ich ausnahmsweise weniger nach Ibiza und mehr nach Backpacker aussah -, beziehen wir ein äusserst romantisches Bungalow. Ein übergrosser Ameisenhaufen wäre allerdings eine gleichermassen korrekte Beschreibung. Zusammengefasst also ein romantischer Ameisenhaufen, der auch sonst von allerlei Getier frequentiert wird. Die Geckos im Bad fanden wir ja ganz süss, die braunen Brummkäfer im Bett weniger. Aber so ist das eben im Dschungel. Wir schlafen in der Folge eher mittelmässig, was das zweifelsfrei beste und üppigste Frühstück in hundert Tagen aber locker (bzw. lecker) wieder wett macht. Auch sonst ganz nette Gastgeber hier. Dennoch freuen wir uns beide auch wieder auf die Tage, an denen unsere Körper nicht von immerneuen Stichen übersät aufschwellen und der immerwährende Juckreiz letztlich ein Ende findet. Das von mir gewünschte und von Lea dankenswerterweise mitgebrachte Tübli Fenistil neigt sich nämlich bereits wieder dem Ende zu. Die von Sue gewünschte übergrosse Tafel Ovischoggi ist hingegen schon lange weg. Ich sah davon natürlich kein einziges Stück. War ja klar.

    Nachdem ich Sue daraufhin eröffne, dass ihr somit auch kein Fenistil mehr zustünde, reagierte sie ähnlich einem Junkie, dem der unmittelbare und unfreiwillige Entzug droht. Mit einer Hand das Bein wundkratzend poltert sie etwas von Trennung oder Toten, so genau habe ich das nicht verstanden. Grosszügig wie ich bin, gewähre ich ihr also noch eine letzte Fingerspitze des kühlenden Gels, bevor ich es an einem sicheren Ort verwahre. Für knapp zwei Minuten. Bevor die bereits brenzlige Situation mit dem fortwährend fluchenden Junkie vollends eskaliert, überlasse ich ihr eben auch noch mein Fenistil. Und so haben dank meinem vernünftigen Handeln einmal mehr alle überlebt. Ausser die Ovischoggi. RIP.

    Die beiden Tage hier verbringen wir mit kurzen Hikes bzw. ausgedehnten Spaziergängen im strömenden Regen, wobei jedes erreichte Ziel noch eine kleine Enttäuschung für uns parat hielt. Die Brauerei neben der besuchten Kaffee-Farm war geschlossen, worauf es kein lange ersehntes Happy-Tucan-Bier gab und die mehrstufigen Wasserfälle von Ponzo Azul mit sonst kristallklaren Badebuchten erstrahlten aufgrund der starken Regenfälle in schlammigem braun. Wir hatten trotzdem unseren Spass hier. Wohl nicht zuletzt wegen der Tüte mit saurem Gummizeugs, die ich als Belohnung für die tapferen Regenwanderungen für uns bereit hielt. Die haben wir dann zur Abwechslung fair geteilt. Geht doch. Zumindest wenn ich die Verteilung kontrolliere.

    Unser nächstes Ziel werden wir ab Cartagena mit dem Speed-Boat erreichen. Wlan/Empfang erwarten wir nicht, es soll ja auch ein entspannter fünftägiger Kurzurlaub werden. Wir sind dann also Mal weg ...
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  • Day107

    Nachdem unser Lieblingsmensch Lea sich nach zwei Tagen wieder auf den Heimweg gemacht hat - zumindest hat sie das gesagt - machen wir uns auf den Weg nach Mendihuaca - was wie sich herausstellt ein Fluss und gar kein Dorf ist - und lernen dort endlich die überaus entzückende und energiegeladene Monica kennen, ihres Zeichens aktuelle Freundin meines kleinen Bruders Tobi und somit Familie in Spe. Moni betreibt ein Hostel samt Surf-Schule am Ende des Tayrona Nationalparks. Auch wenn ich mit Kahlkopf und Wampe wenig mit einem stereotypischen Surfer-Boy gemein habe, lassen wir uns unter Ausschluss der Öffentlichkeit - wer geht schon um 08:00 zum Strand? - von Moni in die Basics des Surfens einführen. Kurze Materialkunde, das Meer und die Natur lesen, eindehnen, schnelles Paddeln im seichten Wasser ohne vom Brett zu fallen und last but not least blitzschnelles Aufstehen. So weit so gut, das scheint machbar. Wobei, aufstehen ohne Kaffee oder Coca-Tee war noch nie meine Stärke und auf dem Surfboard haben kompaktere Menschen eindeutig einen Vorteil. Dieser entpuppt sich beim „Einwassern“ allerdings als rigoroses Handycap. Hat man aufgrund der vorherrschenden Wellenbrechungslinien und Impact-Zone die richtige Stelle seitlich des White-Waters lokalisiert, wird mit dem Board über Kopf ins Meer und durch die einfallenden Wellen gestampft. Kurz bevor man den Boden unter den Füssen verliert, schwingt man sich aufs Board und paddelt mit aller Kraft und bis zur totalen Erschöpfung. Also etwa zwölf Sekunden. Im besten Fall hat man zu diesem Zeitpunkt die Spülmaschinen-Todeszone bereits hinter sich. Bei Sue war das nicht immer so. Arme Sue. Wobei ich fand, sie sah auch mit sandig-zerzausten Haaren noch zum Anbeissen aus.

    Dem aufmerksamen Leser - und Kurt - ist sicherlich bereits bildlich klar geworden, dass einem teutonischen Brocken wie mir diese erste Phase weit weniger Mühe bereitet, als den kürzeren Menschen unter uns. So bewirkt mein erstes beherztes und äusserst selbstbewusstes Einwassern denn auch eine Mischung aus Gelächter und Staunen. Mein zügiges und zielgerichtetes Marschieren und Wellenbrechen zeichnete eine eindrückliche Schneise ins Meer, wie man dies sonst nur von modernen und unkaputtbaren Containerschiffen kennt. Ich werte die Reaktionen trotz einer gewissen Verunsicherung aufgrund des Lachens - die ich mir natürlich nicht anmerken lasse - schlussendlich als Sieg. Keiner ist schneller im Wasser als ich. Yay! Es sollte aber der letzte Punkt bleiben, den ich an diesem Tag erzielen werde. Zwar erwischt man ab und zu eine der deutlich grösser als erwarteten Wellen und in einem Fall könnte man mit ein wenig Fantasie sogar von „Stehen“ sprechen, aber in den meisten Fällen wird man nach einigen Versuchen dank Strömung und Wellen samt Brett wieder an den Strand gespült. Das Lycra nicht selten bis über die Nippel hochgekrempelt und die zerkratzte und sandige Wampe wenig vorteilhaft entblösst. Trotz einigen spassigen Body- und Knee-Boarding Sequenzen, die allerdings gleich eindrucksvoll wie eben erwähnt enden, packt uns das oft gehörte Surf-Fieber noch nicht so richtig. Nachdem sich Sue dann auch noch schmerzhaft das Knie verdreht und eine neue Art des „Rückwärts-Surfens“ erfindet und ich mir den Fuss an ein paar schroffen Steinen aufschlage, legen wir die Pro-Surfer Karriere nach insgesamt vier kräftezehrenden Stunden vorerst auf Eis. Vorerst. Wir (und mein Ego) sind ja noch ein paar Tage hier.

    In jedem Fall steht uns Moni und ihr Team ja auch noch zur Seite. Sowohl die Tage wie auch die Abende haben einen hohen Unterhaltungsfaktor in diesem ziemlich einfachen aber sehr gemütlichen Hostel. Da hat der Tobi ein wirklich cooles Girl gefunden, die in Wirklichkeit noch viel hübscher und aufgestellter ist, als dies Fotos bereits vermuten liessen. Sue ergänzt, dass Moni der Typ Frau ist, der zwar mega hübsch ist, aber mit dem man (bzw. Frau) auch mega gerne zusammen ist. Keine Ahnung was sie damit meint, ist wohl so ein Mädchen-Ding. Erfreut ob dieser gross-brüderlichen sowie unverständlich-weiblichen Zustimmung, wusste sich dann auch der liebe Tobi nicht mehr mit Komplimenten per WhatsApp zurückzuhalten. Sue sähe einfach fantastisch aus und sei ja wirklich parat, auch mit Kniebinde. Äh, absolut. Finde ich natürlich auch! Und ich wäre ja fit wie noch nie und hätte fast ein Sixpack. Hm, ok, „fast“ lässt natürlich einigen Spielraum und kann durchaus Ausdruck für diese über Facetime scheinbar visuell ansprechend wirkende Anordnung von Fettröllchen sein. Aufgestellt hat uns das Feedback nach der immer noch sicht- und spürbaren Galapagos-Völlerei natürlich schon. Und so gab es zum Lunch neben den geplanten Früchten prompt noch Grilliertes mit Frittiertem am Strand. Danke Tobi. Wir verbringen also einen ganzen Lazaret-Tag am Strand und tun nichts. Gar nichts. Nicht so die mit Moskitos identisch überflüssigen Sand-Fliegen. Die können gar nicht aufhören mit ihrem verdammten Getue. Gut möglich, dass Hämorrhoiden bald auf Platz drei zurückfallen. Aber noch ist das letzte Fläschli Anti-Brumm nicht leer und der Krieg somit noch nicht verloren. Noch.

    Nach einem heissen Hiking- und Beach-Day im Nationalpark - dessen Strände übrigens ganz ohne die primitiven Sand-Fliegen auskommen, was den hohen Eintrittspreis zumindest teilweise rechtfertigt - bleiben uns noch anderthalb Tage in Moni‘s Surf-House. Und natürlich mussten wir nochmal aufs Board. Dieses wie ein Wal an den Strand gespült werden kann es ja nicht gewesen sein. Nach ein paar weiteren lächerlichen Versuchen und etwa zwei Liter Meerwasser in den Lungen war es dann so weit. Wir stehen tatsächlich auf dem Board, im Wasser, getrieben von einer Welle. Was wie surfen aussieht (schau Fotos), fühlt sich auch wie surfen an. Irgendwie schon geil. Jeweils nur für ein paar Sekunden, aber das Gefühl macht durchaus Lust auf mehr. Surf-Mama und Schwägerin in Spe Moni gefiel es auch. Hat sie uns ja auch schön beigebracht. Aber auch mit diesem kleinen Achtungserfolg sind sich die schöne und oft sandig-zerzauste Sue und ich ziemlich sicher, dass wir keine Pro-Surfer werden. Wie damals beim Eisklettern in Adelboden. Irgendwie schon cool aber ein Fieber bricht nicht aus. Bezüglich der äusserst schwachen Aufwand/Ertrags-Bilanz, wurde ich denn auch ständig an „Powder-Gögi“ aus unserer Jugend erinnert. Schon damals konnte ich nicht wirklich nachvollziehen, wie man mit Snowboard im Tiefschnee neunzig Minuten den Berg hinauf oder einen Grat entlang laufen kann, nur um vier Sekunden und zwei gefahrene Bogen später, wieder auf der Piste neben mir zu stehen. Das „Powder-Feeling“ sei einfach „unbeschreiblich und jeden Aufwand wert“. Die Kaugummi-Buebe aus Medellin würden dem ziemlich sicher zustimmen. Ich für meinen Teil habs früher schon nicht verstanden und ordne Surfen irgendwie an ähnlicher Stelle ein. Trotzdem, eines der Poser-Pics hänge ich mir ziemlich sicher ins neue Büro. Irgendwann.
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  • Day104

    Von echter Liebe und Hollywood

    April 30 in Colombia

    Im ganzen Medellin Trubel wäre beinahe untergegangen, dass wir nun schon über 100 Tage auf Reisen sind. Gut möglich, dass diesem besonderen Jubiläum noch ein eigener Post gewidmet wird. Ziemlich sicher sogar. Sonst würden die ganzen Statistiken die wir führen ja gar keinen Sinn machen. Die Zeit vergeht schnell und doch realisiert man(n), wie sehr Freunde und Familie einem fehlen. Sue ist natürlich auch ganz toll, aber ihr wisst schon was ich meine. Oder auch nicht. Beispiele? Hm, bei Familie Fischer verpasst man, wie bereits das zweite Kind schon vor dem Kindergarten zwar sauber blinken und abbiegen kann, aber nie lernt Fahrrad zu fahren und der Nachwuchs von Familie Stauber wird bei seiner Taufe wohl bereits die Einschulung und das erste fehlerfreie Diktat hinter sich haben. Und von all den noch zu gründenden Vereinen, bei denen ich zwar im Vorstand aber dann doch nicht aktiv sein werde, fange ich gar nicht erst an.

    Um so mehr haben wir uns hier in Cartagena über den ersten echten Liebesbeweis gefreut. Keine gut gemeinten Nachrichten von total schönen Wein-Abenden unter Freunden, zu denen man doch nicht eingeladen war. Keine zuckersüssen Videos von kleinen Menschen, die man dann doch nicht auf den Arm nehmen kann. Und keine schmerzenden und kaum verständlichen Video-Chats während dem Stimmungshöhepunkt am Karfreitags-Jass, bei welchem man doch nicht wie gewohnt an Tisch 1 sitzt. Und auch nicht an Tisch 2, dort aber in erster Linie wegen dem bedenklichen Jass-Niveau. Nein, echte Zuneigung zeigt sich durch physische Präsenz. Und so hoffen wir, es werden noch viele dem Beispiel von Lea folgen und uns effektiv und in Person auf unserer Reise besuchen. Extra für uns und nur für zwei Tage ist unser Lieblingsmensch Lea den weiten Weg von Zürich nach Cartagena in Kolumbien gereist. Nur um uns zu sehen. Zumindest habe ich das so verstanden. Echt schön von ihr. Wir haben uns natürlich tierisch gefreut und zur Feier des Tages ein frisches T-Shirt angezogen. Also Sue. Meins war noch ganz ok.

    Unsere gedankliche Spontanbewerbung als Statisten am Set von Will Smith‘s neuem Film „Gemini Man“ war nicht sonderlich erfolgreich. „Too gorgeous and glamorous“ hiess die zwar unausgesprochene aber sicherlich zutreffende Begründung. Und für tragende Rollen haben wir ganz einfach keine Zeit. Sorry. Cartagena - an der Karibikküste gelegen - markiert ja auf eine gewisse Art den Abschluss unserer Südamerika-Reise, wo dank karibischen Temperaturen und ständigen Salsa-Klängen auch bei uns ein wenig Ferien-Feeling aufkommt. Denn bevor wir uns auf den Weg nach Zentralamerika machen, steht noch der vor einigen Wochen geheimnisvoll angedeutete und höchst verdiente „Urlaub“ an. Also keine Zeit für Hollywood. Doch vor dem längst überfälligen Urlaub geht es noch für eine letzte Woche voller südamerikanischer Surf- und Hiking-Abenteuer zum Tayrona Nationalpark. Also Sue surft. Ich saufe. Wahrscheinlich. Ausser Will will uns doch noch. Wobei, auch dann.
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  • Day102

    Pablo und seine Kaugummi-Buebe

    April 28 in Colombia

    Ja, was soll ich sagen? Medellin gefällt uns verdammt gut. Ab der ersten Minute. Nach über elf Stunden im Bus - Autobahnen scheint es hier leider nicht zu geben - werden wir überfreundlich in unserem Hostel empfangen. Der nette Sebastian läuft nach kurzem Check-In denn auch gleich mit uns die Strasse runter und weist auf allerlei empfehlenswerte Gaststätten hin. Nachdem wir unser bisher schönstes Hostel-Zimmer bezogen haben - das Hostel hat erst vor zwei Wochen seine Pforten geöffnet -, gönnen wir uns noch ein spätes Chicken-Wings-Dinner um die Ecke. Die Frage, ob wir einen Schlüssel für die Eingangstür brauchen, wird mit dem Hinweis auf Sebastians permanente Anwesenheit verneint. Äusserst müde aber froh im total tollen Medellin zu sein, klingeln wir also anderthalb Stunden später wieder beim total netten Sebastian. Und macht der Arsch auf? Natürlich nicht. Daran ändert auch zwanzigfaches Sturmläuten nichts. Ich bin eigentlich viel zu müde, um mich zu ärgern. Aber natürlich raffe ich mich auf und ärgere mich tierisch. Und das für knapp eine Stunde. So lange und zehn Sturmläuten dauert es nämlich, bis der dämliche Sebastian doch noch aus seinem Dornröschen- oder Drogenschlaf erwacht und uns tatsächlich die Türe aufmacht. Wir sind sprachlos. Er auch.

    Die Enttäuschung wog schwer und wurde auch durch das vorzügliche Frühstück am nächsten Morgen nicht wirklich gelindert. Und nachdem wir für das Geschehene keinerlei Wiedergutmachung oder sonstige Anmerkungen durch den Schuldigen erfuhren, wechselten wir kurzerhand die Unterkunft. Hätten wir dies nicht aus grenzenloser Enttäuschung getan, wäre auch der nach wie vor omnipräsente Baulärm Grund genug gewesen. Ab dann gings nur noch bergauf. Steil bergauf - kleine Zwischenkater ausgenommen. Die Geschichte Medellins ist extrem eindrücklich und die beiden absolvierten Walking-Tours definitiv die fesselndsten und besten Touren die wir in den letzten drei Monaten erlebt haben. Die jüngste Geschichte der ehemaligen Narcos-Hochburg und der ganzen Region ist geprägt von äusserst blutigen und oft unübersichtlichen Konflikten zwischen mindestens vier Parteien - den linken Guerillas (ua FARC), den rechten Paramilitärs der reichen Oberschicht, diversen Drogenkartellen (allen voran Pablo Escobar) und der oft überforderten und passiven Regierung -, die untereinander nicht selten unheilige Allianzen schlossen, um ihre individuellen Ziele zu erreichen. Stets zum Leid der unbeteiligten Bevölkerung. Doch Kolumbianer - und Paisa, die etwas „eigenen“ Einwohner der Region rund um Medellin, im Speziellen - sind gut im Vergessen. Dürfte neben durchaus bewusstem selektiven Kollektivgedächtnis wohl auch an den äusserst leckeren und bisweilen übergrossen Cocktails liegen, denn ich kann mich irgendwie auch nicht mehr an jede Einzelheit unseres Aufenthalts erinnern. Und Sue schweigt.

    Wir sind auf jeden Fall ziemlich beeindruckt, mit wie viel Lächeln und Freude die Menschen einem begegnen. Denn gewaltsame Konflikte sind nach wie vor Teil dieser Stadt, insbesondere im Vorfeld der in wenigen Wochen anstehenden Präsidentschaftswahlen. So kommt es bei Bandenkriegen rund um den ehemals gefährlichsten Distrikt „Communa 13“ am Tag (bzw. in der Nacht nach) unserer Walking-Tour zu zahlreichen Toten. Trotz Rückschlägen waren und sind die Menschen hier voller Hoffnung und die Anwesenheit von Touristen und Reisenden wie uns wird als Zeichen der Veränderung zum Guten gefeiert. Und beim Feiern machen wir doch gerne mit. Sehr zu meiner Freude so ziemlich jeden Tag. Und da es unser Inkasso Team Encantada einen Tag nach uns ebenfalls nach Medellin geschafft hat, des Öfteren auch zu viert. Selten haben wir uns in einer Stadt so willkommen und wohl gefühlt. Auch wenn wir die Tage bezüglich Budget und Waage nicht gross an der „Galapagos-Kompensation“ gearbeitet haben, wären wir gerne noch etwas länger geblieben. Die Reaktionen der Leute auf der Strasse (oder im städtischen Fussballstadion beim siegreichen Heimspiel vom Samstag), die bis vor wenigen Jahren noch keine gross gewachsenen, blonde und blauäugige Touristen kannten, reichen von ungläubigem Nachschauen bis zu überschwänglichen „Welcome to Colombia“-Rufen und Daumen hoch Gesten. In Poblado kommt dann alle paar Meter noch die zuvorkommende und freundliche Frage hinzu, ob man denn gerne Kaugummi, Gras oder Koks kaufen möchte. Auf jeden Fall! Kaugummi ist ja eigentlich nie verkehrt.

    Wir verlassen Medellin nach fünf spannenden Tagen mit weinenden Augen. Also nassen Augen. Es regnet nämlich in Strömen und der verdammte Wecker klingelt zur unfassbarsten Unzeit überhaupt - um 03:45. Am Sonntag! Wer bucht denn so einen Scheiss? Zuerst „let it rain“ auf den Galapagos Inseln und jetzt wegen drei Fränkli auf den sechs Uhr Flug?! Am Sonntag? Zum Kotzen! Den nächsten Flug darf Sue wieder buchen.
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  • Day100

    Wie es sich für Menschen in unseren Positionen (arbeitslos bzw. „eternal sabbatical“) und unseren Gehaltsklassen (0.-) gehört, ziehen wir nach den ersten hundert Tagen Bilanz. Unterm Strich kann man sagen, dass es uns gefällt. Dieses Reisen. Und wir uns auch immer noch total lieb haben. Auch gegenseitig.

    In den vergangenen dreieinhalb Monaten haben wir 30‘000 km mit 13 Flugzeugen, 10 Schiffen und 25 Bussen zurückgelegt, um 38 Destinationen in 9 Ländern zu besuchen, an welchen wir in 48 verschiedenen Betten geschlafen und schon 6 Mal Pinguine gesehen haben. Gestritten haben wir uns 2 Mal - getrennt noch nicht. Wieso wissen wir nicht mehr. Ziemlich sicher wegen mir. Oder Sue. Vielleicht auch wegen den 5 Dingen, die wir schon verloren haben. Auf jeden Fall hiess die Lösung jeweils Gummibärchen.

    Für die Ewigkeit haben wir unsere bisherige Reise mit 3’509 Fotos, 27’796 Worten, 82 Wein-Reviews und 15 Clips produziert aus 78 Videos festgehalten. Die 2’361 Likes von Freunden und Familie freuen uns natürlich auch, denn die Minuten, in denen wir die Heimat dann doch ein wenig vermissen, zählen wir nicht. Wer will schon Depressionen? Dafür reicht ja die Statistik der Tage, an denen wir krank oder verletzt waren. Die völlig überraschende Bilanz? Sue war ganze 2 Tage ausser Dienst. Und das vermeintlich schwache Glied der Kette? Null. 0. Nix. Nada. Always up and running. Huere Maschine!

    Und last and least bläht das Thema Kohle die ganze Bilanz dann doch ein wenig auf. Die angepeilten hundert Stutz pro Person und Tag wurden um fast neun Stutz überschossen. Verschwenderisch wie wir sind, geben wir im Schnitt 29% für den Transport zwischen den Destinationen aus, 14% für Übernachtungen und die restlichen 57% für den ganzen Spass dazwischen. Dazu gehört natürlich auch die Verpflegung. Fest und flüssig. Im März dürfte also rund die Hälfte davon in Wein geflossen sein. Also für rund die Hälfte davon Wein geflossen sein. Oder wie auch immer. Den Rest haben wohl die Galapagos-Schildkröten gefressen. So oder so, wir geben zu viel aus. Das muss aufhören. Daher nochmals unsere Bitte, uns weitere Penthäuser kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das wäre echt toll. Danke.

    So, nun gönnen wir uns zur Abwechslung ein lukullisches Candle-Light-Dinner und stossen mit einer guten Flasche Rotwein auf die nächsten 100 Tage an. Prost und Hasta!
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  • Day97

    Ja, was soll ich sagen? Bogota gefällt uns nicht. Weder die Strassen und Pärke noch die Leute auf und in diesen. Schwierig zu sagen, an was das genau liegt. Manchmal ist einem jemand oder etwas sympathisch und manchmal eben nicht. Für Bogota gilt Letzteres. Daran ändert auch die Gesellschaft von Robyn und Simon - Südafrika und Schweden vom Galapagos Cruise - vorerst nicht viel. Mit ihnen sind wir seit unserer Abreise aus Quito wieder unterwegs und dank ihnen halten wir eine von mir bereits abgeschriebene Kaution von $200 wieder in den Händen. Aber das ist eine lange Geschichte und wir wollten uns davon die Freude am Erlebnis Galapagos nicht vermiesen lassen. Ausserdem interessiert sich mein Lieblingstennisgegner Kurt ja bekanntlich nicht für lange Geschichten. Nur interessiert das auch niemanden. Also, was war passiert?

    Unsere Tagesausflüge und den Cruise auf den Galapagos Inseln haben wir bei Jorge bzw. seiner Agency „Galapagos Evolution Dreams“ gebucht. Ich würde ihn hier ja auch Ramon nennen, aber das würde mich selber verwirren und der Arsch verdient es, bei seinem richtigen Namen genannt zu werden. Nachdem Jorge - der uns zugegebenermassen äusserst zufriedenstellend beraten hat - gemerkt hat, dass auf dem eben über ihn gebuchten Cruise - zu einem zugegebenermassen fairen Preis - das Snorkling-Equipment nicht wie uns gegenüber erwähnt inkludiert, sondern extra zu bezahlen ist, offerierte er uns umgehend sein eigenes Equipment zum Nulltarif. Inklusive Wet-Suits gegen eine Kaution von $200. Das schien uns eine gute und faire Lösung. Die Rückgabe sollte direkt am Flughafen passieren, da unser Cruise auf Baltra endete und wir am selben Tag nach Quito flögen. Dem aufmerksamen Leser - Kurt also eher nicht - dürfte schon klar sein, wie die Geschichte weitergeht. Obwohl wir von 08:30 bis weit nach 16:00 (unser Flug hatte fast zwei Stunden Verspätung) am Flughafen sassen, fand keine Übergabe statt. Gründe dafür gab es diverse, ua ein Missverständnis zwischen dem Abholer und unserem Encantada-Tour-Guide. Das spielt an der Stelle aber keine Rolle. Kurz vor Abflug mussten auch wir in den Flieger und so drückten wir das Equipment einem augenscheinlich minderjährigen Flughafen-Security in die Hände. Immer in der Hoffnung, der von Jorge vor über zwei Stunden telefonisch versprochene Abholer wäre tatsächlich unterwegs zum Flughafen. Naive Touris wie wir sind.

    Irgendwie blieb trotz der stundenlangen frustrierenden Warterei, den offensichtlichen Unwahrheiten und mehrmaligem Telefonieren mit einem äusserst unfreundlichen und abweisenden Ramon, äh Jorge, doch noch ein wenig Hoffnung, dass wir unsere Kaution über PayPal oder sonst einen Weg wieder bekommen würden. Zumindest bei Sue. Ich wollte seine scheiss Wet-Suits noch am Flughafen verbrennen. Entschied mich aber wie so oft, vernünftig zu handeln. Zwei, drei Mal drauf rumzutrampeln hat auch schon gut getan. Wie sich aber herausstellte, war der doofe Jorge auch nach unserer Abreise trotz unzähliger und meist unbeantworteter Nachrichten weiterhin nicht sonderlich motiviert, seine Sachen wiederzubekommen. Ich hatte die $200 zu dem Zeitpunkt abgeschrieben und in Gedanken bereits an den unzähligen 1-Sterne-Ratings auf allerlei Plattformen gearbeitet. Nicht so die kämpferische Sue, deren Wortwahl und WhatsApp-Schreibstil sich im Laufe der Geschichte von „zuvorkommend freundlich“ zu „ich fackel dem verdammten Lügner die Hütte ab“ entwickelte. Ich war ziemlich beeindruckt. Und ein wenig stolz. Sue war es denn auch, die mit der glorreichen Idee, unser persönliches Inkasso Team vorbeizuschicken - bestehend aus der grossgewachsenen und sprachgewandten Robyn und dem muskelbepackten und kampfsporterfahrenen Simon -, den Stein wieder ins Rollen brachte. Die beiden waren noch für einige Tage auf den Inseln und nach Sue‘s Schilderung dermassen pissed, dass sie am nächsten Tag bereits um 07:30 bei Jorge auf der Matte standen, um unmissverständlich klarzustellen, dass Schluss ist mit Bullshiting. Denn das ist definitiv Jorge‘s Paradedisziplin, verdammter Schwätzer.

    „Inkasso Team Encantada“ wich in der Folge nicht mehr von Jorge‘s Seite, bis er sich um sein scheiss Material gekümmert und die $200 rausgerückt hat. Das dauerte zwar nochmals zwei Tage, doch dank den beiden schickte er dann tatsächlich jemanden zum Flughafen, der nach einigem hin und her das Equipment vom scheinbar gut funktionierenden Lost&Found-Büro in Empfang nehmen konnte. Die anschliessende Übergabe der $200 sei dann ohne viel Worte über die Bühne gegangen, worauf der ausnahmsweise finstere Simon das brennende Feuerzeug wieder in die Tasche steckte und sich mit halbseitigem Grinsen für das versehentlich verschüttete Benzin entschuldigte. So oder so ähnlich wird es gewesen sein. Bestimmt. Alles in allem ein Grund zum Feiern, was wir vier dann in einem der wohl aussergewöhnlichsten Restaurants auch getan haben. Das kunterbunte Andrés Carne de Res liegt etwas ausserhalb Bogotas, bietet Platz für 2’000 Leute und kostet doch tatsächlich Eintritt. Die Hütte war trotzdem voll. Lustiges Konzept. Die $200 haben zum Schluss natürlich auch nicht gereicht. War ja klar. Aber endlich begingen wir einen Samstag, wie sich das für einen Samstag gehört. Gut essen, noch besser trinken und anschliessend zu Latino-Mucke leicht hüftsteifes jedoch ober-cooles Torkeln auf einem der total überfüllten Dancefloors. Ausser Sue, die hat natürlich richtig getanzt. Und schön. Und cool.

    Trotz unbestreitbarer Antipathie gegenüber Bogota als Gesamterscheinung, haben wir unseren Aufenthalt noch auf drei Nächte verlängert, bevor wir per Bus nach Medellin reisen. Die Gesellschaft unseres Inkasso-Teams und der ausgelassene Samstag haben dann doch ein wenig geholfen und wir haben auch sonst ein paar spannende Aktivitäten wie Graffiti- und Food-Walkings und Orte wie den Cerro Montserrate und das Museo de Oro gefunden. Unsere Lieblingsstadt wirds trotzdem nicht. Das bleibt Sarmenstorf.
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  • Day93

    Um noch ein paar weitere Abenteuer in Ecuador zu erleben, begeben wir uns ins zwei Stunden von Quito entfernte und von Cloud-Forest umgebene Örtchen Mindo. Aber aller Anfang ist schwer. Um nicht in Zeitnot und ohne Probleme vor 09:00 zum Bus Terminal zu kommen, entscheiden wir uns für Uber. Der öffentliche Bus hätte etwas gar lange gebraucht und gemütliches Frühstück muss sein. Wir sind ja nicht auf der Flucht. Leider ist Ramon - unser Uber-Fahrer - mehr damit beschäftigt, mit Sue zu flirten, als uns in nützlicher Frist zum richtigen Ort zu bringen. So stehen wir fünf vor neun tatsächlich am falschen Terminal, von dem der doofe Ramon auch noch frech behauptete, da gäbe es auch Busse nach Mindo. Mit Nichten wie sich beim Betreten des Terminals herausstellt. Also rein in ein richtiges Taxi und auf zum richtigen Terminal, wobei unser Bus natürlich schon weg ist und der nächste frühestens in zwei Stunden fährt. Aber hey, das ist Ecuador und wir wissen ja bereits, wie man hier im Taxi Busse verfolgt. Also rein ins nächste Taxi und „pedal to the metal“! Irgendjemand hat dann sogar noch den Bus angefunkt, um dessen Reisegeschwindigkeit zu drosseln. Und siehe da, zehn Minuten und drei Dollar später besteigen wir den 9-Uhr-Bus nach Mindo. Geht doch! Das anschliessende 1-Stern-Rating für Ramon die Pfeife und die kurze Online-Beschwerde bei Uber führt innerhalb von unglaublichen fünf(!) Minuten zur vollständigen Rückerstattung der knapp $7 Fahrtkosten. Bus erwischt und Geld gespart. So geht Budget-Travelling!

    Mindo ist für diverse Jungle-Adventures zu unverschämt günstigen Preisen bekannt. Voller Adventure-Drang und jugendlichem Leichtsinn tun wir uns also Tubing - eine mehrere Kilometer lange Alpamare-Gummireif-Wildwasserbahn durch den Dschungel -, ein aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verkürztes 7-Wasserfälle-Hiking mit Schwimmeinlage (und ziemlich spektakulärer „Anreise“, schau Video) und Zip-Lining mit abschliessendem Tarzen-Sprung an. Und ja, von diesen verdammten Moskitos hat es in diesem Dschungel auch genügend. Insbesondere wenn man beim über zweistündigen Zip-Lining in Shorts vergisst, sich vorgängig mit Anti-Brumm einzunebeln. Nach der zweiten von zehn Lines hat der Körper dann leider auch nicht mehr genügend Adrenalin ausgeschüttet, um den aufkommenden Juckreiz nachhaltig zu unterdrücken. Zusammen schafften wir es auf (gezählte!) 476 Stiche. Ok, nicht gezählt, aber total voreingenommen und subjektiv geschätzt. Selbst einer hart gesottenen Krankenschwester in der Notaufnahme dürfte beim Anblick von Sue’s Beinen der Atem stocken. Ich für meinen Teil konnte mir bis zu dieser Reise gar nicht vorstellen, wie wenig man gewisse Freunde doch vermissen kann. Bisher standen Hämorrhoiden auf Platz eins, nun sind es Moskitos.

    Ach ja, einen Schmetterling- und Kolibri-Park haben wir auch noch besucht. Aufgrund völlig unnötig und übertrieben aggressiver Gänse sowie „Horden“ flatternder Viecher auch total gefährlich. Sue war trotz omnipräsenter Gefahren natürlich wieder grenzenlos entzückt. Bei mir zuckte hingegen lediglich der Fressnerv. Dem Früchte/Nüsse-Lunch fehlte es eindeutig an Fleisch. Für meinen Geschmack und meine Statur mindestens 250g Fleisch. Zum Glück (und meinem Erstaunen) bekommt man in dem kleinen Örtchen ein erstklassiges und mindestens 250g schweres Rindsfilet vom heissen Stein für unter $10. Ich musste sogar die nach verlangtem zweitem Frittieren durchaus geniessbaren French-Fries (für die sprachlich weniger versierten: Pommes) stehen lassen. Stimmung gerettet.

    Mit befriedigtem Adventure-Drang und furchtbar hässlichen Beinen geht es zurück nach Quito, von wo wir (mit Flug P57032) nach Bogota in Kolumbien reisen. Wahrscheinlich. Ok, nicht wahrscheinlich. Ganz sicher. Zum Zeitpunkt dieses Posts sind wir nämlich schon in Bogota. Verwirrt? Ich auch.
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  • Day91

    Es fällt irgendwie schwer, nach Galapagos noch Kraft und Muse zu finden, auch von anderen Orten zu schwärmen. Aber ok, Quito ist dann doch auch wirklich schön und farbenfroh. Wie in La Paz ein ständiges auf und ab auf knapp 3’000 Meter, im Falle von Quito sogar auf einer Länge vom 60 km. Kaum zu Fuss unterwegs, ist man (bzw. in diesem Fall Frau) schon im Modus Schnappatmung. Die Zeit in der Stadt verbringen wir sehr zu meiner Freude grösstenteils in kleinen, lokalen Brauhäusern. Da stimmt einfach alles. Trinken, Essen, Preis. Neben dem üblichen „schau dir die Stadt an“-Rumgelaufe haben es uns ausserdem die Vulkane Pichincha und Cotopaxi angetan. Also vor allem Pichincha, der hat uns wirklich einiges angetan ...

    Wie üblich bin ich kaum bis gar nicht auf das vorbereitet, was uns am Pichincha erwartet. Mit der Seilbahn auf 4’000 Meter und dann gemütlich ein oder zwei Stunden laufen am Berg. So dachte ich. Zum Glück murmelte Sue im Hostel noch was von drei Grad Celsius. Verdammtes Genuschel. Packe ich eben meine Mütze noch ein. Kurz nach der Bergstation in Richtung Gipfel offenbart sich mir dann das ganze Ausmass unseres Unterfangens. Eben noch auf Meereshöhe und nun steiler Aufstieg auf 4‘700 Meter. Das Wetter? Prima. Zu diesem Zeitpunkt. Na dann los. Schon früh stampft so ein einfältiger und schlecht gekleideter Hipster - genau, Ramon - mit grossen Schritten und laut aufgedrehter Handy-Musik an uns vorbei. Auf meine Frage, ob er sich denn keine Kopfhörer leisten könne, wusste er erst im zweiten Anlauf ein schwammiges „no“ zu entgegnen. Dann mach dass du Land gewinnst mit deiner Scheiss-Mucke! Wobei ich konnte mir zu dem Zeitpunkt schon denken, wie es weiter oben am Berg aussehen wird. Mr Bergpreis is back!

    Um es kurz zu machen, wir haben den Gipfel erreicht. Der doofe Ramon nicht. Zuerst gnadenlos überholt werden und dann aufgeben und umkehren. Buuhh! Nur weil das Wetter gedreht hat?! Tsss. Schon beim Aufstieg - der teils alle vier Extremitäten forderte und weit entfernt von „Wanderweg“ lag - wurde mir bewusst, dass beim späteren Abstieg in erschöpftem Zustand, beide Arschbacken zusammen zu kneifen sind. Der mit dem Abstieg einsetzende Hagel/Schnee bestärkte mich in meiner Vermutung. Heroisch und frierend - was ich mir natürlich nicht anmerken liess - ging ich voran, um für Sue (und hoffentlich mich) einen sicheren Weg vom Berg zu finden. Die aufgekommene Nässe in Kombination mit meinem dank der Galapagos-Völlereien erstarkten Gewicht führten zum Unausweichlichen. Ich rutsche aus und lege mich am Steilhang (gefühlt elegant) auf den Arsch. Zu meinem Erstaunen blieb ich bis auf die Hände sauber und rutschte keine 300 Meter die Klippen hinunter in den Tod. Es hat also durchaus auch Vorteile, wenn man anstelle von Matsch auf Felsblöcke klatscht. Ausserdem scheint es in solchen Situationen nützlich, wenn man seine Wurstfinger aufgrund der Kälte eh nicht mehr spürt. Hätte sonst sicher verdammt weh getan. Die Hose musste trotzdem genäht werden. Aber immer noch besser als der Arsch.

    Rückblickend hoffe ich sehr, dass lovely Stalking-Mam stolz auf mich ist. Schau Foto. Wie ich von ihr gelernt habe, näht man an der gerissenen Stelle immer ein Stück Stoff ein. Da ich keinen Stoff hatte, tut es wohl auch das bei Reisenden äusserst beliebte Duct Tape. Ich finds total professionell. Sue wollte kein Urteil abgeben. Im weiteren Verlauf des Abstiegs und meines heroischen Vorangehens wollte mich der verdammte Pichincha dann noch weitere zwei Mal im Matsch sehen, wobei ich jene Ausrutscher dank grandiosen Torhüter-Reflexen mirakulös auffangen und den erneuten Fall abwenden konnte. Kurz bevor wir die Gondelstation erreichten, stand (bzw. lag) Sue dann noch für einen Moment im Mittelpunkt. Und zwar so richtig. Jaja, so viel Zeit muss sein. Sue war ob der ganzen Aufmerksamkeit aber gar nicht amused. In (bzw. bei) ihrem Fall entstanden denn auch unübersehbare Fallspuren an Kleidung und Gemüt. Das anschliessend und mit breitem Grinsen geschossene Foto erfuhr wenig bis gar keine Zustimmung vom Sujet. Aber ich fand die offensichtlich lauffaule Sue ist auch ganz schön dreckig ganz schön schön. Und so haben wir auch dieses Abenteuer überlebt, wenn auch leicht beschadet und in einem Fall ziemlich verdreckt. Zur Belohnung gabs Pizza und Chicken-Wings. Yay!

    Der 5’800m hohe Cotopaxi war im Vergleich der ehrlichere Berg. Er empfing uns schon kalt und stürmisch. So schafften es schlussendlich lediglich Sue, ich und ein dritter Schweizer zur Gletschergrenze auf knapp über 5‘000 Meter. Der schwache Rest der Gruppe wartete im „Basecamp“ auf 4’800 Meter bei warmer Schokolade auf unsere Rückkehr. Schön wars. Auch beim anschliessenden rasanten Downhill-Mountainbiking kam lediglich das Schweizer Dreiergrüppchen zusammen. Der Rest hockte sich bequem in den Bus und liess sich wieder vom Berg chauffieren. Komische Leute. $50 zahlen und dann zwei Drittel auslassen. Die lassen im Restaurant sicher auch Essen stehen, nur weil irgendwann der Hunger gestillt ist. Versteh ich nicht. Crazy People.
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