Jung, dynamisch und arbeitslos. Und schön. Und bescheiden. Vor allem Sue.
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  • Day6

    Abfahrt

    June 4 in Croatia ⋅ ☁️ 21 °C

    Wir kehren schon an Donnerstag zurück in den sicheren Hafen. Sturmböen bis achtzig Stundenkilometer soll es geben und morgen völlig unfaire Gewitter Tag ein Tag aus. Nix für uns. Schlibo bietet da eine ideale Alternative. Die morgendliche Abfahrt in Primosten muss allerdings auch ohne Schlibo als beschränkt souverän bezeichnet werden. Und zur Abwechslung macht das Führungsduo Stauber/Rode eine unterdurchschnittliche Figur. Überlebt haben aber auch bei diesem Manöver alle. Worüber wir uns natürlich tierisch freuen und uns ein frühes Bier gönnen.

    Jugo - so heisst der Wind hier wirklich - schenkt uns zum Abschluss noch herrliche vier Stunden Überfahrt. Das Gross im zweiten Reff bei bis zu fünfunddreissig Knoten hart von hi... ähh hart am Wind bis kurz nach Primosten. Der Kutter legt sich nochmals maximal schief ins Wasser und jeder darf ein paar Highspeed-Schläge am Steuer stehen. Höhe wird dabei des Öfteren verschenkt. Aber davon haben wir heute ausnahmsweise genug. Im Gegensatz zu Leinenenden bei den Bojenmanövern. Den Speed-Rekord stellt Taeschler auf. 9,0 Knoten bei maximalem Höheverschenken. Trotzdem geil. Kaum im Hafen - das Manövrieren hat Skip Robin wieder toll gemacht - wollen wir umgehend weitere Höhe gewinnen. Steil bergauf. Primosten leersaufen heisst das gemeinsame Ziel. Bevor es los geht aber noch schnell alle Fotos in der allgegenwärtigen Cloud sichern. Damit wir uns morgen noch an die schöne Woche erinnern. Sind ja nicht doof. Oder doch. Aber auch das wird heute gefeiert.

    Zur Feier des Tages stellen sich alle vier Stinkstiefel unter die Dusche. Also nicht zusammen. Die Art von Feier ist nicht unser Ding. Auch wenn das schöne Portmonee von Kassier Fischer und die süssen Segelhandschuhe von Taeschler durchaus anders vermuten lassen. Robin kommt als letzter zurück vom Duschen, steigt runter in seine Koje und setzt sich rückwärts aufs Bett. Diese einfach anmutende Aktion wird allerdings jäh unterbrochen von einem „Was willst denn du hier?“ - schockiert ausgestossen von einem älteren Herren, auf dessen Gesicht sich der lustige Robin eben gesetzt hat. Das ist eine wirklich gute Frage, Robin. Wieso drückst du dem armen Herren deine behaarten Klöten in die Fresse? Auf seinem Schiff?! Wir sitzen alle auf dem Schiff nebenan. Auf unserem Schiff. Total peinlich unser Skip. Herzig, aber peinlich. Sofort einen Gin/Tonic mixen, den Taeschler in einem Moment geistiger Umnachtung - eher ein Dauerzustand - als Aschenbecher nutzt. Was ist heute bloss wieder los mit euch? Die eben beschriebenen Vorkommnisse spielen allesamt b e v o r wir uns aufmachen, um Primosten leerzusaufen. Austrinken tut der Marc seinen Drink dann trotzdem. Auch herzig. Und peinlich.

    Unsere kleine Sauftour startet mit einem grossen Erfolg. Die erste Bar, die wir besuchen, hat keinen Tropfen Schlibo mehr. Check. Das gehobene Restaurant unserer Wahl hat hingegen noch alles. Wir entscheiden uns für zwei anderthalb killölige Wolfsbarsche aka Loup de Mer aka Sea Bass. Unglaublich lecker. Das sind die Dinger, die ich bald in der Schweiz produzieren werde. Oder auch nicht. Wir werden sehen. Zur Vorspeise gönnen wir uns vorzüglichen Tuna. Ausser Spezialmensch Taeschler, der will ums Verrecken Miesmuscheln in Sosse. Zwei Muscheln später sieht der Eigenbrötler im weissen Pullover aus wie Sau. Schau Foto. Nicht herzig. Dafür umso peinlicher.

    Ansonsten gestaltet sich das Dinner perfekt und wir kredenzen einen Weiss- und zwei Rotweine aller erster Güte. Was man vom zu Beginn des Törns erstandenen Potpourri bestehend aus zwölf unterschiedlichen Flaschen aus dem Tiefpreissegment definitiv nicht sagen kann. Verdammte Plörre. Einzig Taeschler kämpft sich durch einige der Kochweine. Laut Vivino taugen die meisten Rostwasser nicht einmal für die Essigproduktion. Wenn der Präsi vom Weinclub das wüsste. Das gäb Ärger. Oder auch nicht.

    Nach einem weiteren Schlibo begeben wir uns zurück zum Hafen, wo wir uns weitere vier Schlibo und eine Proschutto/Funghi gönnen. Ausser Extrawürstchen Taeschler, der will natürlich noch ein Wässerchen. Damit giesst der pflanzenfreundliche Fischer allerdings umgehend den Rosmarien neben dem Tisch. Der Kellner findets lustig. Das Extrawürstchen nicht. Und noch bevor wir unser kleines Mitternachts-Häppchen auf dem Tisch haben, erklärt der inzwischen sichtlich angeschlagene Taeschler dem netten Kellner lallend „the worst Schlibo ever!“, worauf der Angegriffene sichtlich enttäuscht entgegnet „I make it myself.“ Danke Marc. Die noch nicht gelieferte Pizza wird wohl spontan noch mit fettigen Sackhaaren verfeinert. Garnelen-Robin fasst das Ding sicherheitshalber gar nicht erst an. Fischer und mir ist das völlig egal. Der Fladen ist jetzt das Wichtigste im Leben. Für den mit Tomatensosse eingesauten Taeschler kommt der rettende Happen allerdings zu spät. Der hat schon wieder massiv an Höhe verschenkt und ist in sich zusammengesackt und schnarcht. Am Tisch. Unglaublich. Und total peinlich. Aber herzig. Irgendwie.

    Das wars denn auch mit dem Törn. Einen Tag früher als geplant aber sechs Tage später als noch vor zwei Wochen gedacht machen wir uns auf den Heimweg. Zwölf bis dreizehn Stunden sagt Google. Aber vielleicht hält die Welt ja nochmals so einen fünfstündigen Monsterstau für uns bereit. Oder das Duo „Mikrobläschen“ muss wieder alle zwölf Minuten auf Klo. Pipi machen. Wir werden sehen.
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  • Day5

    Auffahrt

    June 3 in Croatia ⋅ ☀️ 23 °C

    Tag drei und wieder herrscht schon um halb sechs in der Früh unüberhörbarer Betrieb auf unserem Schweinefrachter. Verdammt nochmal, was ist bloss mit den Herren los? Das hier sind doch Ferien. Ich könnt kotzen. Wegen dem ungeheuerlichen Tumult zu einer unmenschlichen Zeit und wegen der erneuten Flasche Schlibo gestern. Gut möglich, dass ich diesen Frust heute mit Vodka bekämpfe. Wir werden sehen. Fönz bekämpft derweil die ansetzende Fäulnis und nimmt sein erstes Bad im Meer. Viel zu kalt findet der Rest. Wir stinken lieber weiter vor uns hin. Hat ja jeder seine eigene Koje. Und Deo.

    Noch ein Wort zu den bisherigen Fortschritten der Segel-Newbies, nachdem die lang ersehnte Regatta aufgrund Hosen voll ja abgesagt wurde. Die Bilanz der sonstigen Manöver sieht wie folgt aus. Es wurde jeweils abends eine Boje angefahren. Skip Bään macht seinen Job gewohnt souverän und lenkt unsere Jacht Madicken - klingt für mich irgendwie nach dicken Männern - mit feiner Hand rückwärts an die Boje. Meinen Beitrag des Einholens der Boje und des Einschlaufens der beiden Leinen liefere ich mit vergleichbarer Souveränität ab. Taeschler und Fischer erhalten die vergleichsweise simple Aufgabe die Enden der beiden Leinen zu halten und zum vorderen Ende des Schiffs zu laufen. Auf halbem Weg fragt Taeschler verlegen, ob er auch nur mit einem Leinenende nach vorne laufen kann. Das andere liegt schon wieder im Wasser und das Manöver ist quasi gescheitert. Toll gemacht Marc. Ganz toll gemacht.

    Tags darauf wechseln wir die Rollen und Marc darf sein Selbstbewusstsein beim Einfädeln der Leinen wieder aufbessern, was soweit auch ganz ordentlich klappt. Ich mache mit Fönz den Teil mit Enden halten und nach vorne laufen. Auf halbem Weg ist es heute Fischer der verlegen lacht. Mit lediglich einem Ende in der Hand ist auch bei diesem Manöver Ende Gelände. Meine Fresse, was ist bloss los mit euch? Es geht hier weder um komplizierte Knöpfe knüpfen noch um Segel trimmen. Einfach nur zwei Leinenenden halten. Das sollte doch möglich sein. Auch nach zehn Büchsen Bier. Apropos Bier, den Manöverdrink gibts natürlich trotzdem. Auch für die lahmarmigen Leinenschleifer. Sind ja keine Unmenschen. Zumindest Robin nicht.

    Das andere Hobby unserer beiden Ersatz-Fender ist das Fischen. Langweiliger als Fischen selber ist lediglich beim Fischen zuzuschauen. Extrem hochwertiges Material hat der Marc bei Alibaba besorgt. Das Teil würde nicht mal als Wünschelrute eine gute Falle machen. Als Fischerrute noch viel weniger. Doch an Tag drei scheint dem Taeschler des Fischers Glück hold. Ganz nervös informiert der nutzlose Rutenhalter den Rest der Crew über den deutlich spürbaren Widerstand am billigen Gerüt. Zehn Sekunden später staunen wir nicht schlecht, als Taeschler die zum Einweichen ins Wasser gehängte Pfanne am Haken präsentiert. Gratuliere. Einen gemeinen Pfannenfisch hat sich der Marc geangelt. Keine zehn Minuten später macht es ihm der nicht minder unnütze Fischer Fönz gleich und die anfängliche Hektik vom vermeintlichen Biss endet in grossem Gelächter. Richtige Helden die zwei. Oder Komiker. Sagen wir komische Helden.

    Am Mittwoch ist es dann endlich soweit. Die Fraktion „Morgenstund hat Gold im Mund“ hält frühmorgens mehrheitlich die Fresse und ich kann bis kurz vor acht schlafen. Herrlich. Ist ja gar nicht so schwer. Auch der Weg durch unzählige Inseln nach Šibenik - aka Schabernak - ist nicht wirklich schwer. Wind hat es heute sowieso keinen, was bei gewissen Winden Mitreisender durchaus als fataler Nachteil zu werten ist. Furchtbar fatal. Schabernak ist wie der Rest hier unten fast vollständig ausgestorben und wir meist alleine. Liegt wohl an Corona. Oder an den Fönz‘schen Winden. Wahrscheinlich beides.
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  • Day3

    Ausfahrt

    June 1 in Croatia ⋅ ☀️ 19 °C

    Bereits um kurz vor sechs Uhr herrscht Betrieb auf Deck. Verdammte Frühaufsteher. Mach ich eben auch mit. Wobei ich bin eigentlich beleidigt, da Scampi-Robin das einzig verfügbare Wasser an sich gerissen und in sich geschüttet hat. Die Sau. In Marc‘s Auto hätte es noch fünf Flaschen, aber niemand der sie für mich holt. Scheissfreunde. Neben den Wasserflaschen erinnere ich mich eigentlich nur noch an das Abendessen und den Typ, der sich während dessen mit dem Skateboard auf die Fresse gelegt und aus eben dieser geblutet hat. Nur dank intensivem Brainstorming und gegenseitiger Stimulierung des Erinnerungsapparates kommen weitere Fetzen zum Vorschein. Verdammter Schlibo. Taeschler schwört bereits hoch und heilig keinen einzigen Schluck mehr anzurühren. Aus meiner Sicht - wie bei der politischen Meinungsbildung - sehr voreilig. Wir werden sehen.

    Das Einkaufen und Bunkern verläuft dank sonntäglicher Offenheit von Supermarkt, Bäcker und Metzger grösstenteils reibungslos. Nur Transport-Genie Marc wird stellenweise angehupt, was bei seiner heutigen Schlibo-Fresse aber nicht weiter überrascht. Vielleicht ist es auch aufgrund der bescheidenen Parkplatzwahl. Wahrscheinlich beides. Der erste Segeltag ist purer Luxus. Sonne, fünfundzwanzig Knoten Wind und keine Wellen. Eher selten und völlig übertrieben für die Segelneulinge Fönz und Marc. Aber das gönn ich ihnen natürlich. Grosszügig wie ich bin. Weniger grosszügig bin ich bei seglerischen Fehlleistungen, schliesslich trainieren wir bereits für die Regatta am Folgetag. Inmitten der Kornaten wollen wir dem Pavel und seiner Crew eine kleine Lektion erteilen. Standen wir letztes Mal noch zusammen auf dem siegreichen Kahn - und Robin auf dem anderen -, so stehen sich der erfahrene Seebär und der überhebliche Taktiker heute gegenüber. Doch egal wie es ausgeht, den im Anschluss geplanten Schweinebraten haben wir bereits mariniert. Und einen Grill hat unsere scharfe Schüssel auch zu bieten. Genau was man(n) für die gehobene Zeit auf See braucht. Neben Bier. Und Schlibo.

    Auch am zweiten Tag beginnt der morgendliche Trubel schon vor sechs Uhr. Hinzu kommt die Beschallung mit „Guten Morgen Sonnenschein“ von Nana Mouskouri. Als ob Sandra Joho zu einem fastnächtlichen Spontanbesuch gekommen wäre. Was ist bloss mit den drei bettflüchtigen Senioren los?! Echt grenzwertig. Ich könnt schon wieder kotzen. Aber egal, die Stimmung muss halten, sonst wird es heute nichts mit der Lektion für Pavelito. Und die hat er sich doch sicher verdient, das alte Segelhäschen. Also Segel rauf. Wind viel. Reff rein. Wind wenig. Segel ganz raus. Wind weg. Segel runter. Motor. Bier. Tolle Vorbereitung.

    Im laufe des Tages schenkt uns das kroatische Volk - oder wer auch immer für das hiesige Wetter verantwortlich ist - dann aber einen weiteren Luxussegeltag mit unfassbar perfekten Konditionen. Dann allerdings kurze Verwirrung kurz vor dem Ziel. Wo liegt der Pavel mit seinem Schiff genau? Dort hinten in der Bucht, von der wir seit Stunden sprechen? Gehen wir mal schauen. Der Tiefenmesser schaut auch. Etwas besorgt. 2m, 1m, 50cm ... sind wir hier richtig? Klar, schliesslich reden wir schon den ganzen Tag von dieser schönen Bucht. 30cm, 20cm, ... hmm, sicher?? 10cm, 0cm ... das wird eng - findet der Tiefenmesser. Und auch Skip Robin, der geistesgegenwärtig vollen Schub zurück gibt und das Schiff rückwärts aus der verdammten Schlickgrube manövriert. Ein kurzes Telefonat mit Regattengegner Pavel bestätigt. Nein, da hinten ist er nicht. Dort passen gar keine Segelschiffe durch. Soso. War ja klar.

    Nachdem wir den kleinen Buchten-Ausflug beinahe mit dem Leben bezahlt hätten - oder auch nicht -, bestaunen wir die schöne Segeljacht, die sich der Pavel gepösterlet hat. Einen kleinen Apero gibt es bei den Freunden auch. Allerdings wartet auch eine massive Enttäuschung auf uns. Es wird keine Regatta geben. Nicht heute und auch nicht morgen früh. Pavel hat zwar eine wunderschöne Jacht aber scheinbar die Hosen voll. Als Gründe werden der baldige Wetterwechsel und die weite Strecke genannt, welche die flüchtigen Gegner ab 06:00 zurückzulegen hätten. Klar. Das wird es sein. Der überhebliche Taktiker in mir fühlt sich natürlich trotzdem als Sieger. Der ebenfalls überhebliche Taeschler natürlich auch. Zur improvisierten Siegesfeier auf unserem Schiff serviert der Gute feierlich die nächste Flasche Schlibo. Total konsequent der Mann. Mir gefällts.
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  • Day1

    Anfahrt

    May 30 in Croatia ⋅ ⛅ 20 °C

    Der Lockdown ist grösstenteils beendet und wir dürfen doch tatsächlich die geplante Woche Segelurlaub in Kroatien antreten. Also anfahren, denn das arme Fliegen befindet sich weiterhin im Lockdown. Erst vor wenigen Tagen haben wir die schweren Herzens entschiedene Absage revidiert. Unser lieber Freund Pavel hat uns davon überzeugt, dass uns die knuffigen Österreicher und Slowenen für den Transit passieren lassen und sich die gastfreundlichen Kroaten über jeden Besuch freuen. Zumindest wenn eine bereits bezahlte Buchung vorgelegt werden kann. Über Geld freut sich doch einfach jeder. Beim Einsammeln der Crew in Meisterschwanden (Rode the Smutje), Sarmenstorf (Fischer the Kassier) und Üezmu (Stauber the Skip) bereitet der Abschied hingegen weniger Freude. Also den Daheimbleibenden. Wir vier freuen uns wie kleine Kinder und wollen los. Tschüss.

    Wir machen uns mit dem Vierten im Bunde (Marc the Transporter) auf die eintausendeinhundertdreissig Kilometer langen Weg. Via Italien wäre schneller. Aber Italien stinkt. Wir rechnen mit dreizehn bis vierzehn Stunden. Kurz vor der Grenze zu Österreich kommt ein erstes Mal Hektik auf und die Hamsterkäufe starten. Schliesslich will jemand gelesen haben, dass man in Österreich weder zu futtern noch zu saufen bekommt. Mit Säcken voller Fleischkäse und aufgesetzten Hygiene-Masken begeben wir uns festlich dekoriert zum preussischen Zollhäuschen. Da sitzt allerdings niemand, um unsere coole Getaway-Aufmachung zu bestaunen. Schade. Und Läden und Restaurants sind enet der Grenze auch geöffnet. War ja klar.

    Nach vier Stunden gönnen wir uns - oder in erster Linie Marc - eine Kaffeepause. Fönz und ich nutzen die Gelegenheit, um uns mit vier grossen Säcken Gummibärchen einzudecken. Nach Fleischkäse, Landjägern und sonstigem Müll darf ein entsprechend gesundes Dessert nicht fehlen. Das gilt auch für die lustigen Gruppenfotos. Am heutigen Abend gerne mit Robin, Fönz, mir und dem dunkelhäutigen Tankwart. Oder Marc. Wir sind uns nicht sicher (schau Foto).

    Der Weg nach Primosten in Kroatien führt uns über Kitzbühl, Sankt Johann und auf knapp 1‘400 Meter über Meer. Ob das der schnellste Weg ist? Sicher nicht. Aber wir sind ganz offensichtlich grottenschlecht im Navigieren. Unsere Route ist eher wie Zürich - Bern ohne Autobahn dafür mit Ausflug im Sarmenstorfer Moos. Wie auch immer, um kurz nach zehn Uhr tätigen wir die erste Einzahlung beim Online-Casino jackpots.ch und hoffen auf den grossen Gewinn. Was sollen wir die nächsten Stunden beziehungsweise sieben Tage denn sonst machen? Wäre ja total langweilig.

    Was sich allerdings viel schneller auszahlt als dieses Casino-Invest, ist dem Robin sein Radarwarner. Im Tal der Raser-Tränen steht alle fünfhundert Meter so eine Abzocker-Kamera. Glücklich über den kleinen Assistenten empfangen wir die erste Hiobsbotschaft des Tages. Mehrere Kilometer Stau und bis zu zwei Stunden Wartezeit am Karawanken-Tunnel zwischen Österreich und Slowenien. Das Karavanen-Ende erreichen wir gegen halb zwei Uhr morgens. Dessen Ende und somit den Tunneleingang unfassbare fünf Stunden später!? So was gibts noch nicht einmal zu Ostern am Gotthard. Da helfen nur noch Gummibärchen, um die Stimmung knapp über Kontrollverlust zu halten. Dem Marc sein Wortschatz reduziert sich aber dennoch auf die Worte „unglaublich“ und „Rauuuum“, was beim Segeln das lautstarke Durchsetzen der Vortrittsregel bedeutet. Das macht sich aber auch im stehenden Kolonnenverkehr ganz gut. Findet Marc. Die Nerven liegen also blank und geschlafen wurde die Nacht auch nicht. Und wieso der ganze Scheiss? Welch aufwändigen Prozess haben sich die Slowenen für die Einreise überlegt? Überraschderweise genau eine einfache Frage: Where you go? Croatia. Ok, bye. Die fünf Stunden haben sich also echt gelohnt. Verdammte Slowenen.

    Keiner von uns kann sich an seine letzte Freinacht erinnern. Schon gar nicht in nüchterem Zustand. Muss irgendwann in der übertrieben schönen Kindheit gewesen sein. Ähnlich schön sind die Kroaten. Besser gesagt die mit Laser-Pistolen bewaffnete kroatische Polizei, als diese den flotten Fönz mit fünfundsiebzig anstatt der erlaubten fünfzig aus dem Verkehr zieht. Das kostet in der Schweiz bekanntlich die Fahrerlaubnis. Hier kostet dies ein freundliches Lächeln, das mit den Worten „please drive slow“ entgegnet wird. Endlich jemand der versteht, wie es uns nach sechzehn Stunden im Auto geht. Zusammenfassend kann ich sagen, ich hab Mühe! In erster Linie mit den ständigen Stops. „Ich muss auf Klo!“, „ich will ne Cola“, „ich hab Hunger“, „ich brauch nen Kaffee“, ... ich könnt kotzen. Und irgendwann reisst mir der dünn gestrickte Geduldsfaden. Zusammen mit Skip Robin setzen wir die beiden Dreibuchstäber - eine Indikation für das Tragen von T-Shirts deren Grössenbezeichnung drei Buchstaben hat - mit dem Online-Casino auf die Rückbank, re-aktivieren den Radar-Warmer und ab die Post. Das rasante Vorankommen hält genau zwanzig Minuten, dann muss das Mädchen hinten links schon wieder Wasser lassen. Ich krieg die Krise. Als die beiden dann noch verkünden, dass unser Echtgeld-Saldo im Online-Casino soeben die Talsohle - also CHF null - erreicht hat, spreche ich vorübergehend nicht mehr mit ihnen. Pfeifen.

    Nach unglaublichen neunzehn Stunden sind wir knapp vor dem Mittag endlich am Ziel. Wahnsinn. Wir stinken, sind stinkig und es regnet. Egal, eine Flasche Schlibo auf den Tisch und die Spiele können beginnen. Wir Schaffen es zwar noch zu einem frühen Pizza-Dinner - Robin die kleine skinny Bitch mag natürlich nur Garnelen und Salat - aber der Schaden ist schon angerichtet. Die letzten Tropfen Schlibo vernichten wir beim anschliessenden Musizieren ohne Rücksicht auf anwesende Nachbarn. Einziger Wehrmutstropfen für die ungewollt Beschallten? Das kanonenvolle Viererpack ist schon vor neun besinnungslos und verkriecht sich in die feudalen Kojen. Ein wirklich netter Einstieg in die Woche. Finden wir. Andere Meinungen sind nicht gefragt. Finden wir.
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  • May21

    Coron-i, Coron-a. Corononida.

    May 21 in Switzerland ⋅ ☀️ 15 °C

    Keiner mag es. Dieses Corona, Covid-19, SARS-CoV-2 oder wie die Sau auch immer heisst. Ist ja auch eine wirklich beschissene Zeitgenossin. Doch es geht bergauf. Also die Zahlen runter und wir den Berg hinauf. Die Lockdown-Lockerung kommt uns irgendwie gelegen und wir nehmen zur Abwechslung die steilste Standseilbahn der Welt. Das Teil bringt uns im Eiltempo rauf auf den Stoos. Wer baut eigentlich sowas? Einhundertundzehn Grad steil geht es in Lichtgeschwindigkeit gefühlt senkrecht nach oben. Quasi ein Lift. Mir ist schon wieder schlecht. Aber nicht wegen dem übertrieben steilen ABB-Lift, sondern wegen dem übertrieben steilen Gestern. Im Wald war ich. Mit drei unmaskierten Musketieren, die mich zum runden Geburtstag kreativ beschenkt haben. Ein mehrtägiger Ausflug wird es werden, bei dem die Würfel über alles entscheiden. Wirklich alles. Das jeweilige Transportmittel, Richtung, Distanz, jegliche Aktivitäten, das Verweilen, Weiterreisen oder das Nachtlager. Aber auch jedes Getränk und jeder Imbiss. Ja sogar wann einen der verdammte Wecker aus dem Schlaf reissen soll. Ein Spiel der Spiele. Gut möglich, dass wir damit noch richtig reich werden. Zumindest die anderen. Ich hab ja schon Sue. Gestern ging es allerdings erst um einen virtuellen Testausflug, der uns an die deutsche Grenze und nach Zurich Downtown bringt. Getrunken wurde reichlich. Sowohl virtuell als auch tatsächlich. Von daher überrascht weder der brummende Schädel noch der rebellierende Magen. Die Tatsache, dass mich die schöne Sue frühmorgens aus dem Bett und an den Start der Stoos‘schen Gratwanderung schafft hingegen schon. Scheiss Pärchenzeugs.

    Während die ganzen Pärchen wie es sich gehört eng umschlungen die kitschige Aussicht bewundern, gilt es ausserbeziehlich die zwei Meter Luftpolster aufrecht zu erhalten. Allerdings ist dies im Gegensatz zu den gestrigen Getränken definitiv mehr virtuell als tatsächlich. Man(n) gibt sich Mühe und hat die selbige. Masken hat hingegen niemand. Auch nicht Corina. So heisst die komische Tante wahrscheinlich, die das Covid-Memo offensichtlich nicht gelesen hat, sich einfach nur tierisch auf den Tag in den Bergen freut und die kurze Bergfahrt ununterbrochen labert und ekliges Ärosol in der Kabine verteilt. Es hat aber auch sonst viele Wanderfüdle. Teils auch richtige Ärsche. Wie Corina. Apropos Arsch. Ich muss noch auf Klo bevor es losgeht. Nein, nicht brechen. Aber fast. Denn man merkt (im Sitzen) sofort, dass wir an einem beliebten Hotspot für ausländische Touristen sind. Für einige von ihnen ist auf der Innenseite der Toilettentür scheinbar eine visuelle Bedienungsanleitung nötig. So ein Kack-Tutorial hätte ich am Loch aka „The Holy Hole“ in Myanmar auch gerne gehabt. Gab es aber nicht. Da haben es die schweinischen Kloschüssel-Steher doch einiges einfacher bei uns. Ob in der Vergangenheit schon jemand auf meine Brille gekackt hat? Und braucht es den Aufkleber bei den Frauen eigentlich auch? Ich hab keine Ahnung. Sue auch nicht. Nicht dass ich gefragt hätte. Aber was weiss sie schon? Hoffentlich den Weg.

    Und tatsächlich, während ich mich einfach dem Schicksal der Feiertags-Wanderung trotz Corona - und Corina - ergebe, ist Sue‘s Wanderarsch wie gewohnt professionell vorbereitet und der Rucksack entsprechend gepackt. Wir starten steil und mit ebenfalls gewohnt hoher Pace in den Berg. Nach zirka vier Minuten bin ich bereits am Ende und will eigentlich nur noch nach Hause. Scheiss Bergluft. Verdammte Corina. Natürlich lasse ich mir die überraschend frühe Baisse nicht anmerken. Wieso auch? Habe ja erst noch geprahlt, dass mir das bisschen Hoch- und Runterlaufen am Wanderarsch vorbei geht und ich mich am Abend noch mit dem ehrgeizigen Kurt zum Tennis treffe. Also Tempo hoch halten. Wir wollen das Ding hier ja gewinnen. Ich zumindest. Die Panorama geniessende Sue scheint da etwas gelassener. Oder sie versteht den Wettbewerb einfach nicht. Egal, für mich geht es um alles!

    In der Folge kämpfen wir uns ohne Pause auf die Spitze des Klingenstocks. Die erfreuliche Bilanz: Siebenundzwanzig schwache Menschen und zwei gelangweilte Hunde überholt und jeden, der an uns vorbei wollte, den Abgrund hinuntergestossen. Nötig war das zum Glück nie, aber ich wäre bereit gewesen. Wohl auch deshalb grinst die kleine Sue, kaum haben wir das erste und für den heutigen Tag beschwerlichste Ziel erreicht. Die letzen Meter schnaubt die Holde zwar wie ein Nilpferd das sich über Besuch freut. Aber egal, jetzt sind wir oben und laben von ihren durchdacht gepackten Gaben. Auch der Grat-Pfad mit seinem ständigen auf und ab zum Fronalpstock ist trotz der ganzen Wanderärsche echt schön. Das gilt auch für das Dösen auf einer sonnenverwöhnten Bergwiese. Und Sue.

    Tennis habe ich dann auch noch gespielt. Und verloren. Wahrscheinlich wegen Corina. Oder Corona. Oder weil ich eine Pfeife bin. Da bin ich mir noch nicht sicher. Kurt schon.
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  • Day18

    Flambierte Riesenrüssel

    March 1 in Switzerland ⋅ ⛅ 9 °C

    Das letzte Dinner hat es nochmals in sich. Dreihundert Gramm Chateaubriand gönn ich mir. Flambiert im Teller. Optisch keine Bombe, aber was drin steckt entbehrt jeglicher Beschreibung. Erinnert mich irgendwie an ... mich. Oder auch nicht. Egal, das zarte Stück Kuh schafft es definitiv in meine Top-3 der besten Stücke meines Lebens. Das andere war irgendwo in Argentinien - in diesem komischen Kirschendorf Los Antiguos - als ein unscheinbar wirkendes Bife de Chorizo sämtliche Emotionen auslöste, die ein Mann in mittlerem Alter durchleben kann. Alle. Ja und das Dritte muss eine Cervelat gewesen sein. Oder Fleischkäse. Ich weiss es nicht mehr. Sue auch nicht.

    Bevor wir auch diese kleine Reise ad acta legen, verdienen die spärlich gesäten Uber-Fahrer von Franschhoek noch eine Erwähnung. Die Bitches. Glücklich ob der ganzen Leckereien buche ich wie gewohnt eine Fahrt vom schönen Restaurant in unser schönes Airbnb. Doch als ob ich mit einem Fluch belegt wäre, wird die Fahrt drei Mal angenommen und kurz darauf vom jeweiligen Vertragspartner am anderen Ende wieder gecancelt. Drei Mal! Ja und Sue? Klar, bei der hübschen Sue steht der blöde Arsch genau eine Minute später vor der Tür. Als ob er den ganzen Abend nur auf sie gewartet hat. Keine Ahnung wie ich das verdient habe. Oder Sue. Habe natürlich sofort mein Profilbild angepasst. Ist jetzt ein Elefant. Mit Riesenrüssel.

    Ansonsten verläuft die Heimreise angenehm unspektakulär. Der Nachtflug mit Qatar über Doha ist ganz ok. Der ÖV nach Hause eigentlich auch. Auf jeden Fall besser als drei Mal von Uber-Bitches gecancelt zu werden. Und da ich auf der Reise sonst kaum gejammert habe, verdiene ich mir einen frischen Kaffee auf unserer schönen Terrasse. Zuhause ist es ja eh am Schönsten. Zumindest wenn Sue zu Hause ist ...

    So, jetzt gehts zum coolen Ian. Der hat nämlich heute Geburtstag und wird zwei. Darum: Totsiens!
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  • Day15

    Orange Man Reunions

    February 27 in South Africa ⋅ ⛅ 19 °C

    Kaum sind die Feierlichkeiten und After-Parties abgeschlossen, wird unsere lustige Truppe jäh auseinandergerissen. Familien und Gremlins müssen zurück in die Schule, Mitgereiste reisen alleine weiter oder machen sich sonst aus dem Staub. Bleiben mal wieder nur die kleine Sue und ich. Wir haben ja noch eine Woche in Südafrika. Und wer weilt seit Kurzem an der Capetown Waterfront und säuft Champagner? Genau, Miro. Die Schlampe. Das müssen wir feiern. Irgendwie. Während ich also in Begleitung meiner Lebensabschnittspartnerin von Plett in Richtung Hermanus fahre, fährt Miro in Begleitung seiner Lebensabschnittspartnerin von Hermanus nach Plett. Und wie es der Zufall so will, liegt laut Google Maps das Skeerhok Padstal genau dazwischen. Eine Art Truckstop mit angrenzendem Schlachthaus. Ansonsten meilenweit nichts. Wir treffen uns also irgendwo im Nirgendwo zum Lunch in rustikalem Ambiente. Champagner gibts hier allerdings keinen. Verdammter Saftladen.

    Unerwartet unterhaltsam ist dafür - neben dem herzigen Miro - das Pärchen, das am Nebentisch Rippchen, Spiegeleier und sonst was futtert. Frau will von uns wissen, woher wir denn kommen und was wir an diesem gottverlassenen Ort machen. Die Story mit Google Maps findet sie natürlich urkomisch. Und das gilt auch für ihre eigene Geschichte. Die zwei älteren Herrschaften sind ihres Zeichens Amerikaner, die ihr Land “because of the orange man” verlassen haben und sich hier quasi verstecken. Schämen tut man und Frau sich und man will erst wieder nach Hause, wenn dieses Trauerspiel beendet ist. Klare Worte. Ich applaudiere. Innerlich. Offensichtlich ermutigt von unserer Zustimmung gestehen die so friedlich wirkenden Senioren, dass sie sich in Tat und Wahrheit ein Attentat wünschen und erst die Erschiessung des POTUS aus grosser Distanz ihr Leben wieder lebenswert machen würde. Das geht uns dann doch ein wenig zu weit. Vor allem das aufgesetzte Grinsen der beiden ist irgendwie creepy. Nicht töten, wählen gehen! Verdammte Krieger.

    Miro, Viola und die irren Amis sind wir relativ schnell wieder los, was auf Familie Stauber definitiv nicht zutrifft. Der südlichste Punkt Afrikas ist ein beliebter Touri-Spot und so zieht es auch den coolen Ian mit seiner coolen Mam dorthin. Robin ist auch dabei. Einer muss ja fahren. Natürlich darf ein gemeinsames Nachtessen an der Stelle nicht fehlen. Dann heisst es auch hier Abschied nehmen und getrennte Wege gehen. Tschüss Ian, hab dich lieb! Und wo gibt es tags darauf einen leckeren Kaffee? Genau, am Hafen. Mit Familie Stauber. War ja klar. Und wieder sagen wir tschüss und wünschen eine gute Weiter- und Heimreise. Der kleine Ian wird die wahre Bedeutung des Verabschiedens wohl erst im Kindergarten verstehen. Oder bei der Scheidung der Eltern. Hoffen wir auf Ersteres. Knappe zwei Stunden später machen die hungrige Sue und ich einen Lunch-Stop im Dassiesfontein an der N2. Die grössten Pies soll es hier geben. Und das will sich der Robin natürlich nicht entgehen lassen. Toll. Essen wir eben noch Zmittag zusammen. Verdammte Stalker.

    Die Geschichte ist an der Stelle natürlich ein wenig verdreht und ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind den kleinen Ian zu sehen. Die Eltern natürlich auch. Zumindest Steffi. Sue und ich verabschieden uns also ein weiteres Mal von Familie Stauber und fahren weiter an die Westküste nördlich von Kapstadt. Nur noch wir zwei. Schön für Sue. Für mich hat diese etwas rauere Version Südafrikas aber auch etwas zu bieten. Der lustige Marc serviert in seiner ebenfalls lustigen Beach Bar eine wahrlich einzigartige Version eines Rindsfilets. Gestopft mit Blauschimmelkäse, paniert in japanischem Panko und übergossen halb/halb mit Zwiebel/Rotwein-Reduktion und einer cremigen Senfsauce. Total pervers. Die ersten drei Bisse wecken orgasmische Hochgefühle, danach ist es einfach zu viel. Viel zu viel. Wie die ständigen Verabschiedungen vom kleinen Ian. Ausgegessen wird natürlich trotzdem, denn Foodwaste geht bekanntlich gar nicht. Verdammte Verschwendung.

    Als kleinen West Coast Abschluss lädt die grosszügige Sue noch zu einem gediegenen Lunch in Paternoster, bevor wir schon wieder in Richtung Kapstadt brausen. Das beste Restaurant der Welt - das ist wirklich hier und heisst Wolfgat - hat zwar zu heute und wäre vielleicht auch auf ein oder zwei Tage ausgebucht, aber im Strandloper servieren die auch ganz tolle Sachen. Und Wein. Und als ob es die Tage wirklich nur ums Essen ginge, muss auch das Dinner gleichentags in Kapstadt erwähnt sein. Denn wer schnabuliert an der belebten Waterfront eine kolossale Sushi-Platte mit uns? Genau, Familie Stauber. An ihrem letzten Abend. Hoffentlich geht deren Flug morgen. Sonst sehe ich uns schon zusammen beim Lunch auf dem Tafelberg. Leider kommt es nicht soweit. Verdammte Edelweiss.

    So, noch schnell auf den ikonischen Lion’s Head gewandert und schon brechen wir unsere Zelte in Kapstadt wieder ab und unsere letzten zwei Tage in Franschhoek an. Auf dem Weg dorthin machen wir einen kurzen Stop bei einem der grössten Wine Estates der Region: Vergelegen. Aussprechen tut man das komisch. Holländisch eben mit zwei Mal “ch” anstatt “g”. Der Wein schmeckt trotzdem und die private Cellar Tour ist genau auf dem exklusiven Niveau, wie wir das mögen. Und verdienen. So gehören wir auch zu den allerersten Menschen, die die 2020 Merlot Ernte probieren dürfen. Die Dinger schmecken ganz gut, also gebe ich die Ernte zur Verarbeitung frei. Nett von mir. In Franschhoek beziehen wir ausserdem eines der besten Airbnbs überhaupt. Einfach, aber schön. Also einfach schön. Wie Sue. Hat sie toll gebucht. Oder war ich das? Egal. Denn zwei Tastings später steht nach der endgültigen Verabschiedung der Familie Stauber bereits die nächste Reunion an. Ein spektakuläres Dinner im Chef’s Warehouse at Maison mit Miro. Der Schlampe. Viola und Sue sind natürlich auch dabei. Schön für sie. Und uns. Verdammte Romantiker …
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  • Day8

    Pizza nach Mitternacht

    February 20 in South Africa ⋅ ⛅ 24 °C

    Plett ist ein durch und durch weisses Villenstädtchen in welchem die in den umliegenden Townships wohnende schwarze Bevölkerung bei braunen Mitteleuropäern zur Arbeit geht. Das meine ich nicht als Kritik. So ist es eben. Man begegnet sich respektvoll, aber die südafrikanische Politik rund um den ANC hat es nach anfänglichen Fortschritten die letzten Jahrzehnte nicht geschafft, dieses für das gesamte Land nach wie vor typische Ungleichgewicht signifikant zu reduzieren. Das gilt auch für die Autos. Weit über neunzig Prozent der Karren hier sind weiss. Gutmütig, aber weiss. Als Kurzaufenthalter werden wir daran kaum etwas ändern können und so geben wir uns einfach gutmütig und grosszügig. Happy bin ich ja sowieso, denn das überaus beliebte Rindsfilet kostet uns hier unverschämte neun Franken. Das Kilo. Auf der anderen Seite sorgen regelmässige Stromausfälle für gelegentlichen Unmut. Zu lange wurde nicht an geeigneter Stelle investiert und nun muss man sich fast täglich “Wartungsfenster” schaffen, um an der maroden Infrastruktur zu basteln. Kochen wir eben mit Feuer. Wie Männer. Ok, sagen wir wie Jungs mit Bärten.

    Nach dem ganzen Gegrille gibt es zur Abwechslung selbstbelegte Pizza aus dem Holzofen. Definitiv unschlagbar und bei allen Altersklassen beliebt. Auch bei der anwesenden Jungmannschaft, die von den mitgereisten Eltern liebevoll Gremlins genannt wird. Ich schliesse die Jungs sofort ins Herz. Da die unentwegt aktiven Kleinkinder - ich glaube die sind so sechs bis zehn Jahre alt - definitiv schon mehr als ein Mal nach Mitternacht gefüttert wurden, gibt es heute definitiv keine Pizza nach Zwölf. Wollen ja keine Eskalation wie im Film und auch ein wenig Zeit für Gespräche unter Erwachsenen. Der kleine Pizza-Plausch endet trotzdem in einem Debakel. Und daran sind erstaunlicherweise nicht die liebenswerten Gremlins schuld. Nein, wahrscheinlich bin ich es. Oder Sue. Wahrscheinlich ich. Oder die Pizza nach Mitternacht. Egal, irgendwie geraten sich der gute und bei allen beliebte Robin und ich während der Erwachsenendiskussion in die auf meiner Seite wieder üppig wachsenden Haare. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich mit allem, was ich gesagt habe, recht habe und sowieso immer richtig liege. Was auch so ist. Aber darum geht es nicht. Ausnahmsweise. Ich lag falsch. Irgendwie. Eine Entschuldigung und ein Kaffee später ist die Krise tags darauf bei nüchterner Betrachtung in nüchternem Zustand auch schon wieder vorbei. Wie soll man denn auch wütend sein auf mich? Auf einen so netten Jungen mit Bart? Unmöglich! Zumindest mittel- und langfristig.

    Der lang ersehnte SchmuDo startet wie gewohnt mit Nana Mouskouri und ihrem “Guten Morgen Sonnenschein”. Und Bier. Klingt nach Fasnacht die sich gewaschen hat - wie es der Stettler Remi ausdrücken würde. Sarmi-Style eben. Doch schnell wird klar, ein Maskenball wird das heute nicht. Es finden sich einfach nicht genügend Sujets für das Bodypainting und alleine mache ich den Elefanten dann doch nicht. Also Rüssel wieder ein- und Chinos angezogen. Schliesslich geht es hier nicht um mich oder meinen Rüssel, sondern um Steffi und Willy. Die heiraten heute. Dieser einmalige, unvergessliche Tag im Leben. Und wir dürfen dabei sein. Herrlich. Nach den mir bekannten Statistiken kommt man(n und Frau) im Schnitt zwar auf zwei einmalige, unvergessliche Tage im Leben, aber diesen statistischen Umstand spreche ich heute natürlich nicht an. Bin ja nicht doof. Schliesslich will ich ja auch beim zweiten Mal wieder dabei sein.

    Doch kaum steckt mein Rüssel in der Chino und die schöne Sue in ihrem schönen Kleid, herrscht angespannte Kampfstimmung. Erneut liegt das nicht an den kleinen Gremlins, sondern an der offensichtlich arg unfotogenen Sue. Ich versuche in diesem spontan entstehenden Bilderkampf den Überblick zu behalten, was angesichts Sue’s auf schmalem Grat wandelnder Contenance gar nicht so einfach ist. Erst nach mehrmaligem Versuch mit diversen Fotografen erklärt sich das eitle Ding mit dem Ergebnis einverstanden. Ausser mit meinem Bier, das darf aus mir unerfindlichen Gründen nicht mit aufs Bild. Komische Sue. Der Rest der Feierlichkeiten verläuft entspannt. Wie es sich gehört. Wunderschöne Location. Wunderschöne Braut. Der Empfang ist herzlich und Willy sieht auch ganz anständig aus. Ein schönes Paar! Was will man mehr? Hm, Strom wäre sicherlich auf der Liste. Aber davon gibt es hier aktuell leider nicht im Überfluss und schlagartig machen auch die ganzen Kerzenständer auf den Tischen doppelt Sinn. Uns gefällt die spontan verstärkte Romantik und für den DJ hat man sicherheitshalber einen Generator angeschmissen. Sind ja nicht doof hier. Die Afterparty findet anschliessend in unserer bescheidenen Pool-Mansion statt und auf vielseitigen Wunsch hin wird weit nach Mitternacht nochmals Pizza gereicht. Den putzigen Gremlins natürlich nicht. Die sind ja schon im Bett. Hoffentlich ...
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  • Day6

    Plett, Pletter, am Plettesten

    February 18 in South Africa ⋅ ☀️ 24 °C

    Auf dem fünfhunderteinundzwanzig Kilometer langen Weg nach Plettenberg verbringen wir eine Nacht in Stillbaai. Wieso? Keine Ahnung. Oder doch. Ich mag einfach nicht weiterfahren. Und die Villa in Plett - wie es die Coolen nennen - gibt es sowieso erst ab Samstag. Und ich will Wein. Jetzt. Die spontan gebuchte Unterkunft entpuppt sich als ein einziges Zimmer bei zwei älteren Herrschaften. “Bnb” im eigentlichen Sinne. Nachdem der lahme Sandero schlecht parkiert dasteht, werden wir ins Wohnzimmer gebeten. Sitzen und quatschen ist angesagt, schliesslich ist das der primäre Grund für die Beherbergung internationaler Gäste zu diesem unverschämt günstigen Preis. Ich muss allerdings aufs Klo, was mir mein aristokratischer Anstand aber verbietet zu sagen. Also sitze ich tapfer auf meinem Allerwertesten und labere eine viertel Stunde über die Schweiz, unsere längst vergangene Weltreise und allerlei Hochzeiten in Südafrika. Verdammt, ich muss jetzt echt auf die Schüssel. Jetzt.

    Im Laufe der Diskussion stellt sich neben Magenkrämpfen noch heraus, dass das einzige Gästezimmer im Haus doppelt gebucht wurde. Das käme allerdings nur alle zwei Jahre vor. Wieso bleibt ein Rätsel. Die Herrschaften sind aber dermassen übel nett, dass man uns ganz einfach ihr eigenes grosszügiges Gemach zur Verfügung stellt, welches ein Mehrfaches der auf booking.com gebuchten zwölf Quadratmeter zu bieten hat. Sie selber kommen bei der scheinbar ebenfalls übel netten Nachbarin unter. Lustige Leute. Essen will ich an diesem ersten Abend nix mehr. Bin schon wieder zu dick. Zumindest ist das die Meinung der dämlichen Chinos, weshalb sie auch zu Hause bleiben musste und ich stattdessen ihre coolere Freundin - die grosse Schwarze - mitgebracht habe. Aber eine Flasche Pinotage Rosé am Strand muss natürlich schon noch sein. Ist ja Valentinstag. Ein weiterer Top-Grund zum Saufen. Oder Liebe machen. Oder beides. Mehrmals. Aber Südafrika ist schon am ersten Tag auf unserer Seite und serviert uns spontan ein unentgeltliches Valentins-Plättli zum Rosé. Hört doch auf! Ihr seid zu gut zu uns. Das haben wir doch gar nicht verdient. Oder doch? Ich wahrscheinlich schon. Und Sue profitiert einmal mehr. Schön für sie.

    Die zwei verbundenen Villas in Plett sind natürlich auch der totale Wahnsinn. Wie sollte es auch anders sein für Glückspilze wie uns? Oder eben einen Glücksbären wie mich und meine davon profitierende Begleitung und Lebensabschnittspartnerin. Nur so als Beispiel. Unser Haus hat keinen Kühlschrank. Unser Haus hat einen Kühlraum. Total geil. Will ich auch zuhause. Neben der coolen Hütte dürfen wir die nächsten sieben Tage mit so coolen Leuten wie Immi - mein cooler kleiner Bruder - und Ian - mein cooles Patenkind - verbringen. Andere Leute wie der Robin sind auch hier, aber die stören ja nicht. Meistens. Insgesamt siebzehn kleine und grosse Menschen teilen sich die beiden Prachtbauten. Die Begrüssung ist herzlich. Man kennt sich ja schon. Allen voran und sehr zu meiner Freude freut sich Ian wie ein kleines Kind mich zu sehen. Wie sollte er sich auch sonst freuen? Ist ja ein kleines Kind.

    Die hochzeitsvorbereitenden Tage verbringen wir mit BBQs - oder Braai wie der Südafrikaner und die ach so coolen Plett-Sager sagen - und Saufgelagen. Laut Gerüchten ergeben sich dabei auch nächtliche Badeeinlagen von nackten Menschen. Also volltrunkenen Männern. Ich kriege davon natürlich nichts mit, da ich schon wieder mit Robin in der Küche stehe und versuche, die Herzen der anwesenden Meute mit allerlei Leckereien für mich zu gewinnen. Liebe und Bestätigung um jeden Preis eben. Klappt soweit ganz gut. Ehe es bereits in Richtung Ehe geht, geben wir uns noch die volle Plett’sche Touri-Dröhnung mit Wildlife-Sanctuaries, Vogelwarte Sempach, Gruppen-Safari und - ganz wichtig - Winery! Durch diverse Diskussionen entstehen dabei vielfältige Ideen zum anstehenden Maskenball und mein Favorit steht schnell fest. Body-Painting. Ich mach von mir aus auch den Elefanten, denn als Gazelle gehe ich schon lange nicht mehr durch. Egal, Hauptsache der Rest der Gesellschaft - oder deren Hälfte - hat auch nichts an. Ausser Farbe …
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