Sue and Pasci

Jung, dynamisch und arbeitslos. Und schön. Und bescheiden. Vor allem Sue.
Living in: Schweiz
  • Day182

    Und plötzlich sind wir im Land, in dem Corona das billigste Bier auf der Karte ist. Das muss man(n) mental zuerst einmal verkraften. Zwei oder drei der günstigen Coronas helfen dabei ganz gut. Da es den ganzen verdammten Reisetag lang - immerhin knapp zwölf Stunden - ausser einer Birne und einer Hand voll M&Ms nix zu futtern gab, eröffnen wir Mexico mit einer anständigen und allseits beliebten Pizza. Das Teil ist wirklich gross. So gross, dass die vierköpfige und optisch an Schweden - buuhhh - erinnernde Familie über die Hälfte der zwei bestellten Pizzas stehen lassen muss. Sue schafft mit meiner Hilfe auch nur knapp drei Viertel unserer „Grande“. Und dann drückt unvermittelt das Kriegskind in zweiter Generation in mir durch. Während beim Granit und dem Xherdan ab und zu der Albatros im Adlergewand durchdrückt, ist es bei mir der Bundesadler der Nachkriegszeit. Durch geschicktes Timing - zumindest geschickter als unsere Nati-Helden - vermag mein innerer Adler den Service-Burschen davon zu überzeugen, dass uns neben den eigenen Resten, auch diejenigen von Familie Lundgreen eingepackt werden, die den Laden eben verlassen hat. Verdammte Food-Waster! Zum Glück bin ich entsprechend konditioniert und zur Stelle, um Schlimmeres zu verhindern. Sue sagt dazu nicht viel, scheint sich aber auch nicht mehr im gleichen Masse zu schämen, wie dies noch beim Sushi im The Springs Resort in Costa Rica der Fall war. Wir machen also Fortschritte. Trotzdem, von der „geretteten“ Pizza kriegt sie nichts!

    Da uns der Teil mit dem Golfkart in Belize so gut gefallen hat, wiederholen wir das auf dieser Isla Mujeres ganz einfach. Und weil wir Kämpfer sind und nie - ok, selten, ok, häufig, aber mit gutem Grund - aufgeben, geben wir uns auch den Schnorchel- und Tauchplan nochmals. Leicht nervös und mit Taschentüchern für den Notfall schleichen wir am Morgen zum vereinbarten Treffpunkt für das Walhai-Schnorcheln. Und siehe da, es kann auch funktionieren! Pünktlich sitzen wir auf einem Boot und gehören zu den Ersten, die zu den Walhaien ins offene Meer springen. Waren es vor zwei Tagen noch sechs und gestern um die fünfzig Haie, spricht der Captain heute von hundert bis zwei hundert der grössten Fische auf dem Planeten. Hinzu gesellen sich unzählige und teils über vier Meter grosse Manta-Rochen. Nicht selten muss man sich zügig zwischen den seelenruhig dahingleitenden und Plankton fressenden Giganten hindurch manövrieren, um nicht gänzlich eingekreist zu werden oder es zu einer mit sofortiger Erschiessung bestraften Berührung kommen zu lassen. Gigantisch! In mehrfacher Hinsicht. Allerdings mussten wir einen Wetsuit tragen, womit den ganzen Riesen hier die Sicht auf mein peppiges Galapagos-Lycra leider verwehrt blieb. Und das Tauchen tags darauf? Auch das klappt! Spontan schliesst sich uns am Morgen noch ein Texaner an, ansonsten wäre die Truppe aber auch nur mit uns zwei losgefahren. Und da sich die Abfahrt um ein paar Minuten verzögert, offeriert man uns sogar noch eine Unterwasserkamera - for free. Sue hat erneut Pippi in den Augen. Diesmal vor Freude. Das lasse ich ausnahmsweise durchgehen. 

    Die Isla Mujeres war gut zu uns - dass ich mein geliebtes Galapagos-Lycra nach einer echten(!) Zigarre zum Sonnenuntergang am Strand vergessen habe, kann ich leider nicht der Insel in die Schuhe schieben, ist halt Sue schuld! - und Mexico hat schon die erste Chance genutzt, um zu gefallen. Das ist auch gut so, denn wir kommen bald wieder. Aber zuerst geht es nach Kuba. Soll noch spannend sein. Ich bin gespannt.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day178

    Unser Aufenthalt in Caye Caulker startet mit Stunk. Es stinkt auch nach Seegras, aber das ist eine andere Geschichte. Also eigentlich haben wir schon Placencia mit Stunk verlassen. Streit Nummer drei verrät die Statistik. Diesmal wissen wir auch noch wieso, aber das würde hier zu lange dauern. Es ging grob zusammengefasst um meine unterdurchschnittliche Durchschnittlichkeit. Oder so ähnlich. Der Zustand hielt aber erwartungsgemäss nicht lange und anstatt vernünftig zu handeln und uns umgehend zu trennen, haben wir uns völlig überraschend für Frieden und Liebe entschieden. Süss, nicht? Nach Seegras stank es aber auch danach noch. Caye Caulker ist eine farbenfrohe Ferieninsel, die mehr Urlauber als Reisende beherbergt. Uns ist das egal. Eigentlich gefällt mir der Gedanke sogar. Ich bin arbeitslos und erhalte keinerlei finanzielle Unterstützung von Bund, Kantonen oder sonstigen Einrichtungen. Also kann ich auch Urlaub in der Karibik machen. Und zwar so viel ich will! 

    Unser Plan für die drei Tage umfasst Chillaxen, Schnorcheln und Tauchen. Ach ja, und lecker Essen. So verschlägt es uns am ersten Abend in die Bondi-Bar. Wings-Night, Baby! Ich starte mit vierundzwanzig Stück und allen erhältlichen Saucen. Ok, wir. Sue scheint auch etwas essen zu wollen. Also gut. Mein persönliches Ziel bleiben aber die zwanzig Stück. Mal überlegen was wir denn am heutigen Tag schon hatten? Ausser Sex. Hm, let’s see. Einen Bagel, zwei Früchte und zwei Eier. Dann müssten zwanzig „Flügeli“ doch drin liegen. Ok, da waren noch die ganzen Drinks. Happy-Hour war auch schon und ich bin froh, dass ich sitze. Trotzdem, zwanzig schaffe ich! Wings for President!! Die erste Platte ist nach zehn Minuten Geschichte. Wie bei mindestens einer anderen Aktivität, bin ich auch hier schneller als Sue. Genau, beim steil bergauf Wandern. Bilanz? 14:10. Ungefähr. Und satt. Aber Ziel bleibt Ziel und das soll man nicht aus den Augen verlieren. Neben einem weiteren Local Rum ordere ich die fehlenden sechs Wings. Wäre ja gelacht, wenn ich die Zwanzig nicht voll kriege. Habe schliesslich auch den Bachelor, ein MBA in International Business und letzte Woche einen Klimmzug geschafft. Gut, das Ganze mich jeweils auch. 

    Und so ist es auch mit den verdammten Wings. Das ändert auch Service-Mama nicht, die uns beim Abräumen für das Geschaffte grossen Respekt zollt. Gegen den einsetzenden Verdauungsschmerz könnte eine dicke Zigarre und ein Becher Merlot helfen. Wer weiss? Leider verkaufen die hiesigen Läden - allesamt in chinesischer Hand - aber nur offensichtliche Fake-Cohibas. Und trotzdem, wenn ich diese Phallus-förmigen Lippen-Stimulatoren mit ihren gelb-goldenen Glitzer-Bändchen so sehe, kann ich irgendwie nicht widerstehen. Das Teil könnte ja trotzdem lecker sein. Fake hin oder her. Sue geht mit ihren stinkenden Menthol-Ziggis auf Nummer sicher. Und ja, was soll ich sagen? Die Insel ist nicht auf meiner Seite und die Fake-Zigarre gänzlich ungeniess- beziehungsweise -rauchbar. Weshalb die fünf Stutz nach drei knappen Zügen auch schon wieder im Meer versenkt werden. Die Belize-Cohiba hat damit den Jane Seymour Diamanten als schlechtestes Investment in meinem Portfolio abgelöst. Gott sei Dank hatte ich Marc nicht an meiner Seite, wir hätten den Triaden bestimmt die ganze verdammte Kiste abgekauft!

    Nach der gestrigen Zigarren-Pleite freuen wir uns auf einen abwechslungsreichen und am Vortag gebuchten Schnorchel-Ausflug. Doch völlig unerwartet, ohne Vorwarnung und aus heiterem Himmel werden wir am Morgen mir nichts dir nichts fallen gelassen. Fuck you! Entschuldigung, „gohts no“?! Wobei, nein, fuck you! Sue hat Tränen in den Augen, als Häuptling Arschpfeife uns erklärt, dass er ausser uns nur diese Zehner-Gruppe hat, die schon früher einmal mit ihm gebucht hat und es für uns keinen Platz hat auf dem Boot. Und ein zusätzliches Boot nur für uns Erstbucher lohnt sich ganz einfach nicht. Ich peitsche dich gleich mit deinen Dreadlocks aus! Dass mich Sue’s nach aussen getragene Verletzlichkeit irgendwie erregt, lasse ich mir in dem Moment natürlich nicht anmerken. Niemand bringt die kleine Sue zum Weinen! Ausser mir! 

    Nach einer kurzen Musterung der Anwesenden und Herumstehenden, schätze ich meine Chancen bei einer physischen Auseinandersetzung mit den ganzen Rastafaris als marginal ein, worauf wir den Scheiss-Laden mit gesenktem Kopf und mehr oder weniger wortlos verlassen. Wir finden in Keith von Stressless Tours allerdings schnell einen grossartigen Ersatz und verbringen einen fantastischen Tag auf und im Meer. Auch wenn wir das ersehnte Manatee nicht zu Gesicht bekommen, erweitern die Sichtungen des ersten Seepferds und des schönsten Oktopus die Liste unserer bisherigen Reise-Highlights. Der Schnorchel-Tag ist lang und wir kommen erst kurz nach Fünf zurück. Das Office des Tauch-Centers, bei dem wir uns für zwei Dives tags darauf angemeldet hatten, ist bereits geschlossen. Zum Glück schleichen aber irgendwo noch zwei Flaschen-Träger herum, die uns auf Nachfrage den gewünschten Dive um 09:00 bestätigen. Ich freu mich.

    Der nächste Morgen. Voller Vorfreude tänzeln wir zu imaginärem Reggae die zehn Minuten zum Dive-Center, nur um einen Moment später von Rasta-Ramona im Stil von Häuptling Arschpfeife erneut ausgeladen zu werden. Jemand hätte die Grippe bekommen und die Gruppe sei nicht mehr gross genug. Würde sich nicht lohnen für sie. Was ist bloss mit dieser scheiss Insel los? Würde ich über die finanziellen Mittel verfügen, ich würde die ganze verdammte Insel kaufen und alle entlassen! Vielleicht mal mit Miro reden. So führt man doch keine Geschäfte! Wir buchen bei dir und nicht bei einem deiner lästigen Konkurrenten und du lässt uns am Morgen einfach hängen, ohne die Chance bei einem der besagten Konkurrenten aufzuspringen, da deren Boote den Hafen bereits in Richtung Riff verlassen haben? Juristen haben dafür einen Begriff: „zur Unzeit“! Unzeit!! Ich könnt schon wieder kotzen, habe aber erneut keine Tüte zur Hand.

    Nach einer Reihe wild zusammengewürfelter Kraftausdrücke und völlig gerechtfertigter Beleidigungen, verlassen wir auch diesen Kack-Laden als unverdiente Verlierer. Schon wieder - und wie England an der WM. Nach dem wenig royalen Abgang machen wir es dann einfach wie all die volltrunkenen und zugekoksten Amerikaner hier und vergnügen uns zu laut aufgedrehtem Frank Sinatra ein paar Stunden mit und auf einem Golfkart. Ok, wir sind völlig nüchtern. Aber trotzdem cool. Und vor dem Hummer zum Dinner, verbringen wir den Rest des Tages im Koko King, dem angesagtesten Beach-Club im Umkreis von was weiss ich wie vielen Meilen. Wenn diese beknackten Tauch-Fuzzis unsere Kohle nicht wollen und Sue erneut zu Tränen rühren, finden übersäuerte Köpfe wie wir auch andere Lösungen, unser leicht verdientes Geld zu verprassen und die eingetrübte Stimmung aufzuhellen. Im aktuellen Fall neben Golfkart und Hummer in Form von eimerweise Bier und Cocktails.

    Tja, das wars auch schon mit Belize. Vorerst. Ob wir nochmals nach Caye Caulker kommen? Nein, zumindest nicht solange unser politischer und wirtschaftlicher Einfluss hier nicht dramatisch gestiegen oder die Schweiz Weltmeister ist. Dafür steht San Ignacio an der Grenze zu Guatemala noch auf unserem Plan. Aber erst in ein paar Wochen. Jetzt müssen wir los. Unser Flug von Cancun nach Kuba geht schon am Zwanzigsten und davor wollen wir ja noch die Wahlhaie rund um die Isla Mujeres mit unseren Galapagos-Lycras beeindrucken. Sofern uns denn jemand mitnimmt. Ich bin optimistisch. Sue? Sue auch.
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  • Day175

    Es geht also ins nächste Land. Belize. Zur Abwechslung und um ein paar Stunden Reisezeit zu sparen per Fähre. Deren Abfahrt verzögert sich allerdings schon um eine Stunde. Wieso weiss kein Schwein. Sue auch nicht. Das Wetter ist nicht schlecht, Wellen auf dem offenen Meer hat es dennoch genügend. Nach etwa 15 Minuten beginnen die ersten Kinder, die mir in der engen Kabine natürlich direkt gegenüber sitzen, zu reihern. Zuerst in Tüten, später auf den Boden. Lecker. Jetzt ist mir auch schlecht. Das lasse ich mir aber natürlich nicht anmerken und ich lächle nur mitleidig. Nach zweieinhalb Stunden in Belize angekommen, ist aussteigen vorerst untersagt. Ich wüsste gerade eh nicht, auf welcher Seite des Durchgangs weniger Kindermagen herum schwimmt. Nach einer gefühlten Ewigkeit schleicht sich dann doch noch eine Immigrations-Tante aufs Boot und eröffnet ein provisorisches Büro. Die folgenden zwei Stunden darf dann jeder, der aufgerufen wird, bei der phlegmatisch wirkenden Dame antanzen und die Einreiseformalitäten erledigen. Anstatt lecker Lunch am Strand um Zwei, erreichen wir unser Ziel erst knapp vor dem Eindunkeln. Jetzt könnte ich kotzen. Tue es dann aber doch nicht. Hat leider keine Tüten mehr.

    Placencia - unser Stop-Over für zwei Nächte, auf dem Weg nach Caye Caulker - wirkt wie ein kleines Feriendorf. Viel schöner als erwartet. Beim Einkaufen offenbart sich dann allerdings das ganze Ausmass des oft kolportierten Preisniveaus. „Teuer“ beschreibt die Realität nur im Ansatz. Viele Dinge - beispielsweise die bei mir äusserst beliebten und aus Amerika stammenden Nüsse - kosten sogar deutlich mehr als in der Schweiz. Den einen Tag verbringen wir am Strand. Frankreich und Belgien machen ja um zwölf Uhr Ortszeit noch den ersten Finalisten aus. Ich hoffe auf Frankreich. Neben all den überteuerten Dingen gibt es an der Strandbar tatsächlich lokalen Rum mit Mix für läppische zweieinhalb Stutz. Geil. Müsste also Vieles schief gehen, wenn ich nach den neunzig Minuten noch nüchtern wäre. Und siehe da, nach sechsundneunzig Minuten ist es geschafft. Frankreich ist weiter und ich voll. Gratuliere.
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  • Day173

    Tod dem Karl seinen Laken

    July 8 in Honduras

    Kurzer Stop in Puerto Cortés. Warten auf die wöchentliche Fähre nach Belize. Übernachten im Hotel. Gross, alt, komisch. Ganzer Fisch zum Znacht. Danach Kakerlake und sonstiges Getier im Zimmer. Ich habe getötet. Mit dem Bettpfosten. Dafür gab es einen Kuss. Mehr aber auch nicht. Weg hier.

  • Day170

    Dr. John with no t-shirt on

    July 5 in Honduras

    Utila ist laut, hektisch und schrill. Eine Touristen-Hochburg mit eigenem Party-Song der einfältigeren Sorte. Hätte ich das eher bescheiden produzierte Video schon vor unserer Anreise gesehen, hätte ich mir das vielleicht nochmals überlegt (https://youtu.be/LX-H-zF9PJ4). Wobei, wahrscheinlich nicht. Genau unser Niveau und schliesslich ist Utila eines der günstigsten Tauchreviere, um offizielle Zertifizierungen zu erlangen. Und darum sind ja auch wir Cheap-Fuck-Touris hier. Sue traut sich doch tatsächlich ans PADI Open Water, obwohl dies nur wenige überleben und sie zu der besonders gefährdeten Gruppe von Menschen (bzw. Mädchen) gehört, die sich beim Sprung ins Nass ausnahmslos die Nase zu hält. Ich habe in erster Linie Durst, trage mich dann aber doch auch für zwei Fun-Dives ein. So schlimm wie im Video ist es hier dann nämlich doch nicht. Und könnte ja sein, dass Sue bereits am ersten Tag aussteigt oder gänzlich untergeht. Was auch schade wäre, denn dann hätte ich ja nie von den Preisen hier profitiert.

    Und irgendwie packt mich dann doch wieder der Ehrgeiz. Kaum zurück von meinen Dives, checke ich beim Vorbeischwimmen kurz Sue‘s geistige und physische Verfassung - beides scheint trotz Unterwasser-Training ohne Nase zuhalten überraschend gut -, ehe ich mich für den „Advanced Open Water“-Kurs eintrage. Also Ehrgeiz ist sicher auch ein Grund. Einer der gut klingt. In erster Linie hätte ich aber einfach gerne eine offizielle Lizenz. Bei der Überprüfung meiner als Fotokopie vorgelegten taucherischen Laufbahn, stellten sich dann nämlich doch einige Fragen und ich stand kurz davor, der Guttenberg der hiesigen Tauch-Community zu werden. PADI war das 1993 definitiv nicht und Digitalisierung gab es damals auf Korsika offensichtlich auch noch nicht. Ob ich vielleicht CMAS 1* gemacht habe? Genau, das wars. Ganz sicher. Ehrlich. Und wieso zeigt die Fotokopie den entsprechenden Aufkleber nicht? Woher soll ich das wissen?! Frag doch Stalking-Mam. Ich war damals schliesslich noch ein Kind! Verdammt nochmal.

    Drei Tage später sind wir beide stolze und vollwertige Mitglieder der PADI-Tauch-Community. Ich ein erfahrener Adventure-Taucher und die schöne Sue neu mit imaginärem Seepferdchen-Aufnäher am Bikini. Gratuliere. Ich muss gestehen, die fünf Adventure-Dives (inklusive Nacht-Tauchen) des Advanced-Kurses haben eine Menge Spass gemacht. Und irgendwie läuft es dann eben doch wie im Video und wir bleiben auch auf dieser verdammten Insel hängen. Neben den ganzen WM-Spielen - und dem damit verbundenen Frust den es zu betäuben gilt - gibt es in unserem Dive-Center jeden Abend irgend so ein Special-Dings. Immer ziemlich genau in der Mitte zwischen irgendwie überflüssig/übertrieben und doch irgendwie lustig/unterhaltsam. Sushi-Night, Trivia-Thursday, Wings-Night, Pizza-Friday (das offensichtliche Highlight!), Movie-Night oder eben der Bingo-Abend. Ach, wie ich es geliebt habe. Damals, in Bettwil. Mit dem Fönz und denen vom Meier Elektro. Als man mich noch eingeladen hat. Schön wars. Ob ich hier in Utila was gewonnen habe? Verdammte Scheisse, nein. Sue natürlich schon. Tequilla-Shot direkt ab der Flasche. Gratuliere. Nach zehn Tagen, vier Zigarren, einem kleinen Zwischen-Koller, trotzdem viel Spass und zusammen insgesamt neunzehn Tauchgängen wird es aber Zeit für uns. Hundertprozentig warm werden wir mit dem hiesigen Leben dann doch nicht - mit Ausnahme vom Pizza-Friday! - und bei einem weiteren Verbleib bekäme ich wohl ein Fall für „Dr. John, the doctor with no t-shirt on“!

    Ab nach Belize! Soll schön sein. Und teuer. Bleiben wohl nicht lange ...
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  • Day162

    Nach der geballten Negativität des letzten Posts, war es Zeit für ein wenig Optimismus. Honduras bekommt seine zweite Chance. Die Reise zum Lake Yojoa läuft gut. Die Chicken-Buses sind weit weniger überfüllt und ab und zu bekommt man sogar ein Lächeln zugeworfen, welches ich ausnahmsweise erwidere. In einem Fall entwickelt sich sogar ein (mehr oder weniger) interessantes Gespräch mit einem Local, der mir in der Folge auch seine Nummer hinterlässt, um bei weiteren Schwierigkeiten zur Stelle zu sein. Nett. Und dann liegt der scheiss Chicken-Bus doch einfach ab. Ursache? Kein Most mehr im Tank. Echt jetzt? Ganz toll gemacht! Du hast genau zwei Aufgaben, schauen, dass dein Arbeitsgerät funktioniert und uns während der Fahrt nicht umbringen. Name: Ramon, Beruf: Busfahrer, bei mir: Durchgefallen. War es das schon mit der zweiten Chance für Honduras? Fast. Nachdem ein erster Truck bereit ist, ein paar Tropfen seines wertvollen Treibstoffs abzugeben und ein zweiter Truck einen Schlauch für das Absaugen aus dem Tank zur Verfügung stellt, ist das Problem in unter einer Stunde behoben. Alle lachen. Ich nicht. Fahr! 

    Die D&D Lodge ist wirklich schön und wir gönnen uns endlich die erste einstündige Massage unserer Reise. Und die war wirklich fantastisch! Auch ohne Happy-End und für lediglich dreizehn Dollar. Auf unseren Hikes sind wir meist stundenlang alleine, was zugleich schön und doch auch ein wenig seltsam ist. Das Schöne überwiegt aber. Wie bei Sue. Als wir auf einen Wasserfall mit grosser Badewanne treffen, können wir der Versuchung nicht widerstehen. Obwohl wir keine Badehosen dabei haben, wollen wir unsere durchgeschwitzten Körper kühlen und von all dem klebrigen Schmodder befreien. In Unterwäsche lässt sich ja auch baden. Die kecke Sue meint noch, ich könne ja auch den Adam machen. So so. Selber hätte sie aber keinen Mut für Eva. Nach kurzem Zehentest befinde ich dann aber, dass es für den Adam eindeutig zu kalt ist und ich leider gerade kein Feigenblatt zum Kaschieren der visuellen Folgen zur Hand habe.

    Nach drei aktiven Tagen in der Lodge, tollem Essen und dem Weiterkommen der Schweiz an der WM, bin ich schon fast versöhnt mit Honduras. Das Land hat seine zweite Chance doch noch genutzt. Und eine dritte Chance gibt es ja auch noch. Nämlich in Utila, unserer nächsten Destination, wo Sue ihren Tauchschein machen will. Ich seh mich eher mit Schirmchendrink und Club-Sandwich (oder Pupusas) im Liegestuhl fläzen ...
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  • Day158

    Die Fassade bröckelt

    June 23 in Honduras

    Die Einreise nach Honduras verläuft ohne Probleme, wir sind also nach wie vor nicht zur Fahndung ausgeschrieben. Nach einer Reihe eher simpler Unterkünfte, entscheiden wir uns für die ersten drei Nächte in Honduras zur Abwechslung für ein kleines Butique-Hotel in Santa Rosa de Copan. Die Fassade sowie das ganze Städtchen sind wirklich schön und auch die Zimmer lassen auf den ersten Blick keine Wünsche offen. Doch der Schein trügt und das sollte bezeichnend werden, für alles was wir die ersten Tage in Honduras so erleben. Eigentlich fängt alles ganz gut an. Wie sich herausstellt, gibt es auch hier Pupusas. Ich könnte weinen vor Glück! Beim Bezahlen realisiere ich ausserdem schnell, dass die hiesige Währung nur aus Scheinen besteht. Geil, das verdammte scheiss Münz im geht mir nämlich total auf den Sack. So gibt es hier sogar 1-Lempira-Noten, was umgerechnet vier Rappen sind. Damit schaffen auch wir eine Money-Shower, wie man es sonst nur von Rapper Fat Joe kennt. Das machen wir dann aber doch nicht, da die lokale Bevölkerung den künstlerischen Teil einer solchen Performance wohl nicht verstehen würde. Wahrscheinlich auch sonst niemand. Ausser Dani und mir.

    Neben einem steilen und schönen Hike im Celaque National Park, unternehmen wir eine kleine Tagesreise zu den Maya Ruinen von Copan. Das Gelände voller roter Aras ist wirklich eindrücklich, die Hin- und Rückfahrt mit sogenannten Chicken-Buses irgendwie auch. Wobei man diese permanent und unendlich überfüllten Mini-Busse in unseren Breitengraden nicht „Chicken“-Buses nennen dürfte, denn diese Art der Tierhaltung ist in Europa seit den Siebzigern verboten. Die Leute hier sind sich das offensichtlich gewohnt und mir scheint es, denen gefällt dieses schwitzige Gruppenkuscheln sogar. Mir nicht. Fahrpläne gibt es generell nicht. Und wenn an einem Bus doch ein Fahrplan hängt, stimmt dieser auf Nachfrage ohne jegliche Begründung doch nicht und wir sitzen etwas verloren rum. Resultat: zwei Stunden Ruinen gucken, halbe Stunde Pupusas futtern, über acht Stunden Chicken-Bus leiden und irgendwie den Anschiss. Und Gummibärli haben wir auch keine dabei. Sue ist doof.

    Hinzu kommt die schockierende Erkenntnis, dass sich hier - und eigentlich in ganz Süd- und Zentralamerika - offensichtlich niemand um die Umwelt schert. Alle, Erwachsene, Alte, Kinder und auch der Busfahrer selber, schmeissen einfach alles aus dem Fenster. Alle. Und niemand würde je etwas sagen. Natürlich habe ich als Jugendlicher auch mal ein Fanta-Fläschli aus der BD/WM geworfen, aber man hat mich Besseres gelehrt und bei Bedarf zurechtgewiesen. Und ja, ich habe leider auch genügend Freunde, die ihre Zigaretten immer noch auf die Strasse schmeissen. Schämt Euch! Aber das hier hat ein ganz anderes Ausmass. Und wenn man mal das ganze Ausmass erkannt hat - Asien soll ja noch schlimmer sein -, erscheint die ganze Migros- und Coop-Säckli Diskussion wie ein Witz. Natürlich, man muss irgendwo anfangen und zuerst vor der eigenen Türe fegen, alles richtig. Aber in meinem nächsten Leben werde ich vor der UNO-Vollversammlung einen Umweltsünder-Index verlangen, dessen Ranking massiven Einfluss auf mögliche Privilegien und Wirtschaftsförderung hat. Wahrscheinlich gibt es das schon, aber es funktioniert offensichtlich nicht. Alles nur Fassade.

    Wie unser lustiges Hotel eben. Das schöne Zimmer entpuppt sich als stinkendes Loch, welches wir nach der ersten Nacht wechseln. Das Personal beim Frühstück braucht gerne dreissig Minuten für den Kaffee bei vier Gästen und wer gewisse Anmerkungen wie „kein Käse“ oder so hat, der wird sowieso ignoriert. Anstelle vom Käse fehlen dann Fleisch und Brot. Macht ihr ganz toll hier. Und wer schon einen O-Saft hatte, kriegt hier keine Tasse Kaffee. Es gibt nur entweder oder. Bei knapp fünfzig Stutz pro Nacht. Echt jetzt? Trotz Food-Waste Aversion lasse ich am letzten Morgen den ganzen Scheiss stehen und laufe davon. Den Quatsch mache ich nicht mit und schliesslich wollen wir noch die hiesige Zigarrenfabrik besuchen. Meine letzte kubanische Zigarre habe ich am Abend zuvor extra noch geraucht, damit mein Reisehumidor maximale Kapazität bietet. Die olle Schrulle von der Rezeption hatte ja am Freitag dort angerufen und bestätigt, dass es am Montag um zehn eine Führung gibt und keine Reservation nötig ist. Tja, das sieht Security-Ramon am Eingang der Fabrik anders. Führung? Gibt es nicht! Verpisst euch ... Jup, wirklich ganz toll gemacht. Scheiss Hotel. Zur Beruhigung und weil ich das Frühstück hab stehen lassen, ziehe ich mir ein paar Pupusas rein. Aber auch die haben in El Salvador irgendwie besser geschmeckt. Ich will nach Hause.

    Sue lässt mich nach kurzer Diskussion dann aber nicht gehen und obwohl aus meiner Sicht unverdient, bekommt Honduras natürlich (mindestens) noch eine Chance. Unser nächster Halt ist am Lake Yojoa, wo wir drei Nächte in der D&D Brewery Lodge reserviert haben. Wie der Name vermuten lässt, eine Brauerei. Ich freu mich!
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  • Day156

    Pupusas fürs Volk

    June 21 in El Salvador

    Der Abstecher hat sich echt gelohnt. Suchitoto ist ein bezauberndes Städtchen und die Leute einmal mehr überfreundlich. Es gibt hier sogar noch ein paar weitere Touristen und so freunden wir uns schon nach zwei Minuten mit zwei Holländern an. Also mit einem Holländer und einer Holländerin. Sind aber kein Pärchen, sonst hätte ich ja "mit einem holländischen Pärchen" geschrieben. Nach einem späten Lunch - diese Pupusas haben es mir angetan - gehen wir mit den Holländern saufen. Als Zeit für Dinner ist, hole ich einfach noch eine Runde Bier. Damit hat sich das Thema auch schon wieder erledigt. Endlich mal normale Leute. Und da das so lustig war, machen wir vier das tags darauf - nach Pupusas zum Frühstück und einem Tag die Gegend erkunden auf der Ladefläche eines PickUps - nochmals genau gleich. Diesmal stiehlt sich Sue allerdings davon, um kurz vor Küchenschluss doch noch was zum Znacht zu bestellen. Bei ein paar Pupusas machen dann sogar nochmal alle mit. Ich glaube ich eröffne als nächstes eine Pupusa-Kette in Europa und kröne mich selbst zum Pupusa-König. Der beste Kunde steht dann zwar hinter dem Tresen, aber das ziehe ich der gefrässigen Sue dann einfach vom Lohn ab.

    Und das wars dann wohl mit El Salvador. Falls unser Plan aufgeht und uns niemand daran hindert, passieren wir als Nächstes die Grenze zu Honduras. Wobei, wer soll uns schon aufhalten? Bei meinem unaufdringlichen Charme und Sue‘s gülden wehendem Haar ...
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  • Day154

    Ein Leben auf dem Laufsteg

    June 19 in El Salvador

    Santa Ana dürfte schon eher zeigen, wie El Salvador wirklich ist. Leider ziemlich dreckig. Obwohl Santa Ana im Vergleich zu San Salvador als schönes und beschauliches Städtchen gilt. Die Leute sind aber auch hier sehr freundlich und nicht wenige freuen sich überschwänglich uns zu sehen. Händeschütteln und Small-Talk inklusive. Zum Glück wurden wir sehr bescheiden erzogen und entwickeln daher keine Star-Allüren. Ich zumindest nicht. Als die schöne Sue ihre hell leuchtenden und im Wind wehenden Haare über die Schultern wirft, dürften viele den Eindruck vom roten Teppich mit mir geteilt haben. Auch die öffentlichen Busse - ehemalige amerikanische Schulbusse und herrlich farbig - sind eine Art Laufsteg. Ununterbrochen passieren Strassenverkäufer mit ihrer Ware den Bus, was selbst bei einem geplanten Grosseinkauf ein Aussteigen überflüssig macht. Und das alles zu unverschämt günstigen Preisen, wie sich das für Hehlerware halt so gehört. Man kriegt hier einfach alles. Ausser Pizza. Schade.

    Ansonsten wollte ich eigentlich noch ein Mind-Map der restlichen Aktivitäten machen, hatte dann aber doch keine Lust. Faule Sau eben. Gibt ja auch nicht soo viel zu mappen. Also eigentlich gäbe es nur zwei Arme: 1. Natur -> Hiken -> Vulkan Santa Ana -> schön und 2. Action -> Buggy fahren -> Laguna Verde -> lustig. Davon gibt es natürlich Fotos, werde daher keine weiteren Worte verschwenden. Hab nicht mehr so viele. Bevor wir uns weiter in Richtung Honduras bewegen, verbringen wir die nächsten zwei Nächte in Suchitoto. Hoffentlich schön dort.
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  • Day151

    Ja, was soll ich sagen? El Salvador hat uns überrascht. Man hört und liest ja in erster Linie von hohen Kriminalitätsraten und den gefährlichsten Städten ausserhalb von Kriegsgebieten. Was wir im zugegebenermassen kaum repräsentativen Küstenörtchen El Tunco antreffen, ist aber eine ganz andere Welt. Schon die Reise mit öffentlichen Bussen war überraschend einfach. Helle Haut, schlichte Grösse (ich) und blonde Haare (Sue) fallen zwar auf, aber die Menschen sind sehr freundlich, äusserst hilfsbereit und weisen uns bei Bedarf auch ungefragt den Weg. Angestarrt werden bleibt ein Dauerzustand, wobei wir uns das seit unserem Touri-Modelling in Kolumbien ja durchaus gewohnt sind. El Tunco entpuppt sich als Surf-Spot vom Feinsten. Grosses Kino. Ich glaube für einen Moment meine Schwägerin in Spe, Monica, bei einem wilden Ritt auf dem Brett zu erkennen. Daneben einen etwas unbeholfenen Typen. Tobi?? Nein, doch nicht. Doch nur eine andere lokale Schönheit und ein Typ mit Bart. Schade eigentlich. Es ist Freitag und wir wissen wo Ladies Night ist. Party on!

    Für eine ganze Stunde trinken Girls um sonst. Wir gönnen uns davor ein leckeres Pizza/Rotwein-Dinner und ich überlege mir noch kurz, mich zu verkleiden. Tue es dann aber doch nicht. Wegen Sue. Mehr als ein Duzend Mädels hat es dann sowieso nicht. Auch hier ist die Hauptsaison passé, wobei dies die ausgelassene Stimmung nicht dämpft. Auch beim anschliessenden Reggae-Konzert in einer Strand-Bar nicht. Als dann sogar noch ein Joint die Runde macht, gebe ich mich den ganzen Vibes hier gänzlich hin. Nach fünfzehn Jahren (scheisse, das klingt jetzt richtig alt) zieh ich mit den angereisten Kiffern mal wieder einen durch. Lustig. Gemerkt hab ich leider nichts, lahmer Scheiss. Oder ich war einfach schon zu betrunken. Wohl beides.

    Eine weitere Überraschung hält das Frühstück für uns bereit. Frisches, selbst gebackenes Brot nach einem Schweizer Rezept. Da grinst die kleine Sue bis über beide Ohren. Essen ist auch sonst der bestimmende Faktor in El Tunco. Für einen Moment bzw. Abend läuft alles aus dem Ruder und wir blicken gemeinsam in die einladenden und beängstigenden Abgründe der Völlerei. Etwas das wir beide nur zu gut aus unserer (pummeligen) Kindheit kennen. Nach einem sehr üppigen Frühstück und einigen Pupusas - lecker und reich gefüllte salvadorianische Reismehl-Fladen - zum Lunch, entscheiden wir uns für ein Fisch-Dinner bei Erika. War lecker und viel. Zwar satt und kaum auf der Strasse, denkt Sue aber auch schon laut über ein Glacé zum Nachtisch nach. Ich halte mir bloss den Bauch und lache. Doch dann kommt sie, die Vitrine. Der wie eine Werkstatt wirkende Laden hat nur diese eine Auslage mit einer äusserst aussergewöhnlichen Pizza darin. Also eigentlich nur noch drei Stück davon. Amerikanisch dick und mit unzähligen Dingen belegt. Trotzdem oder gerade deshalb, das Teil funkelt wie das verdammte Sushi im 5*-Hotel in Costa Rica. Oder ist das der späte Fress-Flash vom gestrigen Joint?

    Ohne zu überlegen, bestelle ich einen Slice und lasse mir - während ich beherzt zubeisse - vom Verkäufer die Besonderheiten des verwendeten Käses erklären. Wow, das Ding ist der Hammer. Sue spielt für einen Moment entsetzt, bevor das kleine Pizza-Monster die Augen nicht mehr von meinem Slice lassen kann. Eis will sie auch keins mehr, aber einen fairen Anteil von „meinem Dessert“. Irgendwie sind wir beide etwas unzufrieden, nachdem der Slice - der in etwa die Masse einer halben Brüggli-Pizza hatte - verputzt war. Also nach etwa dreissig Sekunden. Natürlich bekräftigen wir beide, dass wir schon lange satt sind und nichts mehr runter kriegen. Aber auch die gestrige Pizza und der Wein wären richtig lecker gewesen. Als wir die entsprechende Pizzeria einige Minuten später passieren, lächeln wir uns kurz an. Nein, das können wir nicht bringen. Und Hunger haben wir ja wirklich keinen mehr. Im Gegenteil. Knapp fünfzig Meter später ist es die teuflische Sue, die unvermittelt anhält und mit diabolischem Grinsen meint: „aso ein Slice würdi scho no möge“ ... Das Unaussprechliche war gesagt. Die Türe zur Hölle stand weit offen und wie gewohnt, schreite ich motiviert und kopflos voran. Wo ich sonst die Notbremse ziehe und wir uns normalerweise unterstützen und aufeinander achten, schupsen wir uns heute gegenseitig ins Verderben. Werfen uns den Löwen zum Frass vor. Oder eher umgekehrt. Arme Löwen. Sämtliche Dämme der Selbstbeherrschung brechen. Der kleine Pascal will Pizza. Und die noch kleinere Sue auch!

    Wir setzen uns sogar an den selben Tisch wie tags zuvor. Des Kellners Frage nach der Grösse der Pizza klingt wie Hohn in meinen Ohren. Bring gross! Und zwei Glas Wein! Schnell! Während wir uns die ersten Slices gierig zwischen die Kiemen schieben, witzeln wir noch, dass man den Rest ja auch mitnehmen könnte. Nach der Hälfte der Pizza kommt es dann auch tatsächlich zu einer schmerzbedingten (Fress-)Pause, welche aber schon kurze Zeit später durch Sue‘s erneuten Griff zum Pizza-Brett jäh beendet wird. Also gut. Wir waren einfach schon viel zu weit gegangen, als dass es noch ein Zurück gäbe. Wir sind dazu verdammt, dieses Brett zu leeren. Und das tun wir auch. Trotz Schmerzen und dem Wissen, dass die heute konsumierten Kalorien eine siebenköpfige Familie locker zwei Tage ernähren könnten. Genuss geht anders und wohl ist uns im Bett anschliessend nicht. Nein. Wir sind sowohl physisch wie auch psychisch am Ende. Wie konnten wir nur so weit gehen? Bei aller Liebe! Genau, Liebe, davon gab es an dem Abend viel. Aber nicht für uns und auch nicht gegenseitig. Nein. Nur für unsere echte grosse Liebe. Pizza!!
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