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  • Day6

    Abfahrt

    June 4, 2020 in Croatia ⋅ ☁️ 21 °C

    Wir kehren schon an Donnerstag zurück in den sicheren Hafen. Sturmböen bis achtzig Stundenkilometer soll es geben und morgen völlig unfaire Gewitter Tag ein Tag aus. Nix für uns. Schlibo bietet da eine ideale Alternative. Die morgendliche Abfahrt in Primosten muss allerdings auch ohne Schlibo als beschränkt souverän bezeichnet werden. Und zur Abwechslung macht das Führungsduo Stauber/Rode eine unterdurchschnittliche Figur. Überlebt haben aber auch bei diesem Manöver alle. Worüber wir uns natürlich tierisch freuen und uns ein frühes Bier gönnen.

    Jugo - so heisst der Wind hier wirklich - schenkt uns zum Abschluss noch herrliche vier Stunden Überfahrt. Das Gross im zweiten Reff bei bis zu fünfunddreissig Knoten hart von hi... ähh hart am Wind bis kurz nach Primosten. Der Kutter legt sich nochmals maximal schief ins Wasser und jeder darf ein paar Highspeed-Schläge am Steuer stehen. Höhe wird dabei des Öfteren verschenkt. Aber davon haben wir heute ausnahmsweise genug. Im Gegensatz zu Leinenenden bei den Bojenmanövern. Den Speed-Rekord stellt Taeschler auf. 9,0 Knoten bei maximalem Höheverschenken. Trotzdem geil. Kaum im Hafen - das Manövrieren hat Skip Robin wieder toll gemacht - wollen wir umgehend weitere Höhe gewinnen. Steil bergauf. Primosten leersaufen heisst das gemeinsame Ziel. Bevor es los geht aber noch schnell alle Fotos in der allgegenwärtigen Cloud sichern. Damit wir uns morgen noch an die schöne Woche erinnern. Sind ja nicht doof. Oder doch. Aber auch das wird heute gefeiert.

    Zur Feier des Tages stellen sich alle vier Stinkstiefel unter die Dusche. Also nicht zusammen. Die Art von Feier ist nicht unser Ding. Auch wenn das schöne Portmonee von Kassier Fischer und die süssen Segelhandschuhe von Taeschler durchaus anders vermuten lassen. Robin kommt als letzter zurück vom Duschen, steigt runter in seine Koje und setzt sich rückwärts aufs Bett. Diese einfach anmutende Aktion wird allerdings jäh unterbrochen von einem „Was willst denn du hier?“ - schockiert ausgestossen von einem älteren Herren, auf dessen Gesicht sich der lustige Robin eben gesetzt hat. Das ist eine wirklich gute Frage, Robin. Wieso drückst du dem armen Herren deine behaarten Klöten in die Fresse? Auf seinem Schiff?! Wir sitzen alle auf dem Schiff nebenan. Auf unserem Schiff. Total peinlich unser Skip. Herzig, aber peinlich. Sofort einen Gin/Tonic mixen, den Taeschler in einem Moment geistiger Umnachtung - eher ein Dauerzustand - als Aschenbecher nutzt. Was ist heute bloss wieder los mit euch? Die eben beschriebenen Vorkommnisse spielen allesamt b e v o r wir uns aufmachen, um Primosten leerzusaufen. Austrinken tut der Marc seinen Drink dann trotzdem. Auch herzig. Und peinlich.

    Unsere kleine Sauftour startet mit einem grossen Erfolg. Die erste Bar, die wir besuchen, hat keinen Tropfen Schlibo mehr. Check. Das gehobene Restaurant unserer Wahl hat hingegen noch alles. Wir entscheiden uns für zwei anderthalb killölige Wolfsbarsche aka Loup de Mer aka Sea Bass. Unglaublich lecker. Das sind die Dinger, die ich bald in der Schweiz produzieren werde. Oder auch nicht. Wir werden sehen. Zur Vorspeise gönnen wir uns vorzüglichen Tuna. Ausser Spezialmensch Taeschler, der will ums Verrecken Miesmuscheln in Sosse. Zwei Muscheln später sieht der Eigenbrötler im weissen Pullover aus wie Sau. Schau Foto. Nicht herzig. Dafür umso peinlicher.

    Ansonsten gestaltet sich das Dinner perfekt und wir kredenzen einen Weiss- und zwei Rotweine aller erster Güte. Was man vom zu Beginn des Törns erstandenen Potpourri bestehend aus zwölf unterschiedlichen Flaschen aus dem Tiefpreissegment definitiv nicht sagen kann. Verdammte Plörre. Einzig Taeschler kämpft sich durch einige der Kochweine. Laut Vivino taugen die meisten Rostwasser nicht einmal für die Essigproduktion. Wenn der Präsi vom Weinclub das wüsste. Das gäb Ärger. Oder auch nicht.

    Nach einem weiteren Schlibo begeben wir uns zurück zum Hafen, wo wir uns weitere vier Schlibo und eine Proschutto/Funghi gönnen. Ausser Extrawürstchen Taeschler, der will natürlich noch ein Wässerchen. Damit giesst der pflanzenfreundliche Fischer allerdings umgehend den Rosmarien neben dem Tisch. Der Kellner findets lustig. Das Extrawürstchen nicht. Und noch bevor wir unser kleines Mitternachts-Häppchen auf dem Tisch haben, erklärt der inzwischen sichtlich angeschlagene Taeschler dem netten Kellner lallend „the worst Schlibo ever!“, worauf der Angegriffene sichtlich enttäuscht entgegnet „I make it myself.“ Danke Marc. Die noch nicht gelieferte Pizza wird wohl spontan noch mit fettigen Sackhaaren verfeinert. Garnelen-Robin fasst das Ding sicherheitshalber gar nicht erst an. Fischer und mir ist das völlig egal. Der Fladen ist jetzt das Wichtigste im Leben. Für den mit Tomatensosse eingesauten Taeschler kommt der rettende Happen allerdings zu spät. Der hat schon wieder massiv an Höhe verschenkt und ist in sich zusammengesackt und schnarcht. Am Tisch. Unglaublich. Und total peinlich. Aber herzig. Irgendwie.

    Das wars denn auch mit dem Törn. Einen Tag früher als geplant aber sechs Tage später als noch vor zwei Wochen gedacht machen wir uns auf den Heimweg. Zwölf bis dreizehn Stunden sagt Google. Aber vielleicht hält die Welt ja nochmals so einen fünfstündigen Monsterstau für uns bereit. Oder das Duo „Mikrobläschen“ muss wieder alle zwölf Minuten auf Klo. Pipi machen. Wir werden sehen.
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