• 🥴 Tequila 🥴

    November 29, 2025 in Mexico ⋅ ☁️ 15 °C

    Wir tuckern also Richtung Tequila, voller Vorfreude – obschon wir ja bekanntlich nicht zu den Schnapstrinkern dieser Welt gehören. Trotzdem wirken wir erstaunlich entschlossen… vielleicht liegt’s an der Magie der blauen Agave oder daran, dass man ja schlecht nicht trinken kann, wenn man nach Tequila fährt. Wir haben einen Ruf zu verlieren.

    Bei der Destillerie Puntual empfängt uns Don José, ein wandelndes Tequila-Lexikon mit der Ausstrahlung eines Mannes, der seit Jahrzehnten jeden Morgen mit einer Agave spricht. Und offenbar hört sie auch zu. Mit einer Engelsgeduld erklärt er uns, wie das Herz der Agave zerkocht, vergoren, destilliert und dann – je nach Geduld und Eichenfass – als Blanco, Reposado, Añejo oder Gran Reserva endet. Wir nicken fachmännisch, obwohl wir es nach fünf Minuten schon wieder vergessen haben. Aber wir lächeln freundlich und tun so, als hätten wir gerade das Geheimnis ewiger Jugend gelernt.

    Danach geht’s in die Agavenfelder. Riesige blaue Teppiche bis zum Horizont, und wir gestehen uns ein: Wir haben noch nie so viele Pflanzen gesehen, aus denen so viele Kopfschmerzen entstehen könnten. Don José erklärt uns , wie die Jimadores mit der Coa die schweren Piñas ausgraben.

    Dann kommt die Degustation. Don José schaut uns mit einem leicht verschmitzten Blick an, als wüsste er längst, dass wir keine Schnapstrinker sind. Wir natürlich: „Ach, wir probieren nur ein bisschen.“ Fünf Gläser später sind wir immer noch keine Schnapstrinker – aber wir haben alles probiert. Sogar zweimal. Rein wissenschaftlich, versteht sich. Qualitätskontrolle und so.

    Wir rollen am Ende mehr aus der Destillerie heraus, als dass wir gehen. Don José winkt, die Agaven lächeln, und wir sind uns sicher: Wenn wir jemals einen eigenen Tequila hätten, würde er wahrscheinlich „Doppeltes Risiko“ heissen.
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